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Windsurfen


© Michael Pütsch
Foto: Windsurfer © Michael Pütsch

Windsurfen ist eine Wassersportart, bei der man, auf einem Surfbrett (Board) stehend, ein Segel (Rigg) und den Wind zur Fortbewegung auf dem Meer oder auf einem  See nutzt. Das Segel ist freibeweglich (drehbar und kippbar) mit dem Brett verbunden, was spektakuläre Manöver und Tricks ermöglicht. Die Kombination aus Sommer, Sonne, Strand und Surfbrett erklärt die Beliebtheit des Sports und bietet einen hohen Naturerlebnisfaktor. Doch Surfen kann auch nachteilige Auswirkungen auf empfindliche Naturräume haben.

Windsurfen und Natur

Beschreibung der Sportart

Die größte Herausforderung beim Windsurfen besteht darin, das Gleichgewicht des eigenen Körpers mit der Segelstellung zum Wind zu kontrollieren und wie ein Segler die Windrichtung strategisch zu nutzen. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Fahrtrichtung fast ausschließlich über das Abkippen des Brettes mit den Füßen bestimmt. Die Beanspruchung der Arme durch das Halten des Segels wird durch ein Trapez verringert. Sicheres Stehen, das ständige Halten des Segels sowie schnelle Wendemanöver erfordern ein sehr gutes Koordinationsvermögen und Kraftausdauer. Um aufwendigere Windsurfmanöver durchführen zu können ist viel Übung und auch eine gewisse Begabung notwendig. Grundlegende Techniken des Surfens können oftmals innerhalb weniger Tage von Surfschulen vermittelt werden, so dass das Brett bei leichtem Wind steuerbar ist. Ein regelmäßiges Training auch in der surffreien Zeit sollte vor allen Dingen aus Übungen für die Beweglichkeit der Schultergürtel sowie der statischen Beinkraft bestehen.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Beim Windsurfen werden die Kräfte der Natur (Wasser, Wind) sehr direkt wahrgenommen und eine harmonische Haltung des eigenen Körpers dazu gesucht. Das dadurch erzeugte Wohlgefühl kann sich noch steigern durch das bewusste Erleben einer schönen Landschaft.

Auswirkungen auf den Naturraum

Als Verursacher von Störeffekten für die Tier- und Pflanzenwelt sind die Surfer wesentlich problematischer als die  Segler, da mit dem Surfbrett leicht in entsprechende Flachwasserbereiche eingedrungen werden kann. Das Befahren von Flachwasserzonen sowie von sonstigen Wasserflächen, die als (Teil-)Lebensraum für  Wasservögel (Brut, Nahrungssuche und/oder Rast) von großer Bedeutung sein können, ist mit folgenden Auswirkungen verbunden:

  • Beunruhigung, Störung und Vertreibung von schützenswerten und störanfälligen  Vogelarten bei Unterschreiten der jeweiligen Fluchtdistanz.
  • Mechanische Schädigung und Sedimentaufwirbelung führt zur Belastung von Flachwasser und  Ufervegetation bei Eindringen in empfindliche Bereiche.

Störpotential für Tiere, insbesondere Wasservögel, liegt auch in den hohen Geschwindigkeiten und abrupten Richtungsänderungen beim Surfen.

Der Surfer benötigt im Gegensatz zu Seglern nur eine Einlassstelle, d.h. es sind keine gravierenden Eingriffe im Uferbereich des Gewässers mit dieser Sportaktivität verbunden.

Mögliche Auswirkungen in den Lebensräumen Binnenseen und Flüsse

  • Entwertung von Kleingewässerlebensräumen allein durch Anwesenheit.
  • Entwertung oder Zerstörung von Lebensraumqualitäten empfindlicher Arten an größeren  Seen (speziell in Flachwasserbereichen) durch Anlanden von Surfern.
  • Beunruhigung und Störung scheuer Tierarten wie beispielsweise  Fischotter und Wasservögel.

Mögliche Auswirkungen im Lebensraum Wattenmeer (Nordsee)

  • Störung der Brutgebiete und Nahrungsbiotope der Seevögel sowie der Seehundliegeplätze bei Niedrigwasser von den Fahrrinnen aus.
  • Störung von Rastplätzen und Mauserplätzen (z.B. von  Brandgans und  Eiderente) bei Hochwasser.

Mögliche Auswirkungen im Lebensraum Ostseeküste einschließlich Fördebereich

  • Störung von Wasservögeln während ihrer Rast, Brut oder Mauser.
  • Schädigung des Strandwallökosystems.

betroffene Lebensräume

 Uferbiotope;  Seen;  Wiesen und Weiden

 


Naturverträgliches Windsurfen

(siehe „ Naturverträgliches Segeln“)
Im Vergleich zum Segeln muss beim Windsurfen besonders auf die Schonung der  Uferbereiche geachtet werden, da Windsurfen kleinräumiger als Segeln erfolgt und der Tiefgang geringer ist.

Windsurfen im Detail

Geschichte

Windsurfen entstand aus dem Wellenreiten. Im Jahre 1964 veröffentlichte der Amerikaner Newman Darby im Wissenschaftsmagazin Popular Science eine Selbstbauanleitung für ein Surfbrett, das aus einem Segel, gestützt von einem Mast und einer Spreizgabel, und einem Brett zusammengesetzt war. Die entscheidende Idee, Brett und Segel mit einem Kardangelenk zu verbinden, kam jedoch dem Amerikaner Jim Drake 1967. Dessen Freund Holye Schweitzer erkannte das wirtschaftliche Potential hinter diesem Einfall und trieb die Fortentwicklung des Surfbretts immer weiter voran. Das heutige Windsurfen wurde also von drei Personen entwickelt: Newman Darby als eigentlicher Erfinder, Jim Drake als Erfinder des Gabelbaumes und Hoyle Schweitzer, der es als einziger verstand, Windsurfen zum weltweiten spektakulären Trendsport zu etablieren. Die folgenden Jahre brachten eine fortlaufende Innovationsreihe hinsichtlich der beim Bau verwendeten Materialien und sich daraus ergebenden neuen Fahrtechniken mit sich.

Voraussetzungen

Grundvoraussetzung für die Ausübung dieses Sports ist ein hohes Maß an Kraftausdauer und Koordinationsvermögen. Surfen ist hauptsächlich ein Sommersport, wird aber zunehmend auch in den Übergangszeiten bis in den Winter hinein ausgeübt. Neoprenanzüge schützen vor Unterkühlung.
Das Surfbrett ist ein stromlinienförmiger Schwimmkörper, dessen Auftriebsvolumen sich nach dem Können und dem Gewicht des Sportlers richtet. Für ungeübte Sportler sollte das Surfbrett möglichst viel Auftrieb und damit Volumen haben, damit es relativ kippstabil ist. Für eine bessere Richtungsstabilität sorgt bei Anfängerbrettern ein Schwert, das gleichzeitig auch ein Abtreiben nach Lee (die dem Wind abgekehrte Seite) verhindert. Da das Schwert beim Gleiten stört und die Geschwindigkeit verringern würde, haben kleinere Bretter nur noch eine Finne. Um eine höhere Drehfreudigkeit zu erreichen, surfen erfahrene Surfer mit kleineren Boards. Bei der Wahl des Surfbretts spielt neben Gewicht und Können des Sportlers auch das Surfgebiet mit Faktoren wie Wind- und Wetterverhältnissen eine wichtige Rolle. Das Rigg besteht aus drei Elementen: dem biegefähigem Mast, einem Gabelbaum zum Festhalten und dem Segeltuch.
Die Einlassstellen für Surfer kommen mit einer vergleichsweise geringen technischen Ausstattung aus:

  • Liegeplätze für Bretter und Riggs
  • Rigg- und Boardständer mit Schließfächern
  • Liegewiese für Sportler
  • Toiletten und Abfallbehälter
  • Parkplatz mit Zufahrt

Organisation der Sportart

Fünf Ausbildungsverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schlossen sich 1985 zu den  Vereinigten Ausbildungsverbänden Wassersport (ehemals Windsurfen) zusammen, um die Ausbildung zu vereinheitlichen und einen einheitlichen Grundschein Windsurfing herauszugeben, der auf manchen Gewässern Deutschlands amtlich vorgeschrieben ist. Bei der Anmietung eines Surfbretts ist der Schein häufig erforderlich.
Der  Deutsche Segler-Verband (DSV) umfasst 1.311 Segel- und Surfvereine. In den Mitgliedsvereinen sind insgesamt 186.477 Segler und Surfer organisiert (Stand Mitte 2012).
2003 wurde die  Deutsche Windsurfing Vereinigung (DWSV) gegründet.

In der Schweiz werden die Interessen der Windsurfer werden durch mehrere Verbände vertreten ( Schweizerischer Windsurf Ausbildungs-Verband,  Swiss Windsurfing), die auf nationaler Ebene dem Dachverband  Swiss Sailing untergeordnet sind.

Varianten der Sportart

Kitesurfing

Kitesurfen oder Lenkdrachensegeln ist ein junger Trendsport und vereint viele Boardsportarten in sich. Auf einem kleinen Brett (ähnlich einem Snowboard oder Surfbrett, typischerweise zwischen 140 – 200 cm Länge) lässt sich der Kiter mit einem Lenkdrachen über das Wasser ziehen. Die Vorbewegung ist damit mit dem Surfen mit Windantrieb vergleichbar. Durch den Auftrieb des Drachens lassen sich dabei extreme Sprünge – teils Flüge – vollbringen. Die aus Hawaii stammende Disziplin ist seit Ende der neunziger Jahre auch in Deutschland sehr populär und zieht immer mehr Leute in seinen Bann. 2016 ist Kitesurfen Olympische Disziplin.
Die Kitesurf-Ausrüstung besteht aus mehreren Teilen. Die drei wichtigsten bilden dabei das Board, die Bar mit den Steuerungs- und Sicherheitsleinen und der Kite selbst. Hier gibt es große Unterschiede in Bauart und Größe, so dass die Ausrüstung an Körpergewicht und Könnensstand des Sportlers sowie an unterschiedliche Windstärken angepasst werden kann. Kiten birgt einige Risiken, die sich nicht vollständig reduzieren lassen. Unfälle sind häufig auf schlecht ausgebildete, leichtsinnige Kitesurfer sowie Mängel bei der Ausrüstung zurückzuführen. Zu Beginn des Aufkommens der Sportart gab es eine Reihe von Unfällen, teilweise mit schweren Verletzungen. Mittlerweile haben die Verbände Ausbildungsstrukturen und -inhalte geschaffen, so dass die Unfallzahlen deutlich reduziert sind.
Durch die hohen Geschwindigkeiten in Verbindung mit dem drachenartigen, in großer Höhe schwebenden Kitesegel können Kitesurfer ein Störungspotenzial für Natur und Umwelt entfalten.

 Zum Einfluss von Kitesurfen auf Wasser- und Watvögel – eine Übersicht von Thorsten Krüger

 

 

 

 

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