Bundesamt für Naturschutz

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Wassersport


Neujahrsbaden in Prerow © Manfred Nieveler, piclease
Foto: Neujahrsbaden in Prerow © Manfred Nieveler, piclease

Binnen- und Küstengewässer sind Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten und beliebte Orte für Erholung und sportliche Betätigung.  Seen,
 Flüsse und Meere gehören zu den sensibelsten Ökosystemen und unterliegen oft besonderem Schutz. Auch bei uns in Mitteleuropa sind viel zu viele Pflanzen und Tierarten bereits in ihrem Bestand gefährdet. Die Bemühungen für den Schutz der Natur kommen letztlich auch Wassersportlern selbst zugute, denn Wassersport ist ohne eine intakte Natur nicht möglich.

Auswirkungen von Wassersport auf die Natur

Wassersport kann negative Auswirkungen auf die Natur haben. Diese können anlagebedingt sein, d.h. natürliche Flächen werden durch den Bau und Betrieb der Wassersportanlagen, asphaltierte Zufahrtswege zum Gewässer sowie die infrastrukturelle Ausstattung bei kommerziellen Aktivitäten, z.B. Kanuslalomanlagen, Parkplätze, Zuschauertribünen, Toiletten, Gastronomie in Mitleidenschaft gezogen. Für den individuellen Wassersportler sind die im Folgenden beschriebenen aktivitätsbedingten Auswirkungen allerdings von größerer Bedeutung.

Auf Tiere

Werden Tiere durch Wassersportler gestört, kann es zu Verhaltensänderungen, Individuenverlusten oder Lebensraumveränderungen kommen.

  • Vorbeifahrens bzw. zeitlich befristetes Aufhalten, beansprucht die Aufmerksamkeit des Tieres, löst Beunruhigungen oder Fluchtreaktionen aus, Aktivitäten wie Brut, Körperpflege oder Nahrungserwerb werden unterbrochen
  • kein Anlegen von Brut und Verlassen von Gelegen
  • Vernachlässigung der Jungaufzucht
  • Seehunde auf Sandbänken reagieren empfindlich auf Störungen – schon wenn die Tiere den Kopf heben, ist das ein Zeichen für Beunruhigung, die Flucht ins Wasser ihr letztes Mittel, der Störung auszuweichen; vermehrtes „Robben“ auf der Flucht ruft vor allem bei Jungtieren oft tödliche Entzündungen der Nabelwunde hervor
  • durch lang andauernde Störung ist eine Verschiebung des Artenspektrums möglich – störungsempfindliche Arten nehmen ab, störungstolerante zu
  • Zerstörung des Fischlaiches durch Paddelschlag
  • Zerreibung von Eiern und Larven bei Bodenkontakt mit dem Boot oder Zertrampeln der Larven beim Kentern
  • durch Vorbeifahren der Boote bzw. durch Paddel- oder Wellenschlag und die hierdurch ausgelöste Aufwirbelung von Partikeln; diese kann zu einer Verstopfung des Lückensystems in der Gewässersohle führen, was die Erstickung der zwischen den Sandkörnern lebenden Tiere zur Folge hat
  • Störung von Fischen in ihren Ruhephasen
  • optische Beeinträchtigung der Fische durch eine durch das Boot oder die Paddel hervorgerufene Verdunklung
  • künstlich erhöhter Wasserstand bei Kanuregatten

Auf die Vegetation

Auswirkungen auf den Uferbereich oder die Gewässersohle können sein:

  • alle Vegetationsschäden führen gleichzeitig zu einer Beeinträchtigung der an sie angepassten Organismen
  • durch Tritt bzw. Überfahren können ober- und unterirdische Pflanzenteile beschädigt werden; trittempfindliche Arten können absterben; das Artenspektrum kann sich verändern; bei völliger Vegetationszerstörung droht potentielle Erosion
  • Belastung der Gewässersohle durch Kontakt der Paddler mit Untiefen und Gewässerrändern in flachen, schmalen Gewässern
  • Ablagerungen auf Pflanzen können deren Photosynthese beeinträchtigen
  • Nähr- und Schadstoffeinträge können Standortbedingungen und damit auch die Zusammensetzung der Pflanzenarten verändern

Indirekt

Indirekte Auswirkungen können sein:

  • Luftverschmutzung durch die An- und Abreise mit dem PKW
  • Lärm- und Luftbelastung bei Großveranstaltungen, Schädigung der Vegetation und der Bodendecke durch Zuschauer und deren Kraftfahrzeuge, Parkplatzbau, Verlassen gekennzeichneter Wege
  • Trittschäden an Ein- und Ausstiegsstellen, Umtragestellen und Rastplätzen
  • wildes Campen
  • Zurücklassen von Müll

Naturverträglicher Wassersport

Wassersportler sollten mithelfen, die Lebensmöglichkeiten von Pflanzen und Tierwelt in Gewässern und Feuchtgebieten zu bewahren und zu fördern.
Um naturverträglich Wassersport zu treiben, sollte jeder Individualsportler folgende Hinweise und Verhaltensregeln beachten:

Sensible Bereiche:

  • Einfahren in Röhrichtbestände, Schilfgürtel, Ufergehölze, Schwimmblattzonen und in alle sonstigen dicht und unübersichtlich bewachsenen Uferpartien meiden
  • Kies-, Sand- und Schlammbänke (Rast- und Aufenthaltsplatz von Vögeln) und Ufergehölze meiden
  • seichte Gewässer (Laichgebiete), insbesondere solche mit Wasserpflanzen, meiden

Abstand halten

  • Mindestabstand zu Röhrichtbeständen, Schilfgürteln und anderen unübersichtlich bewachsenen Uferpartien sowie Ufergehölzen halten – auf breiten Flüssen beispielsweise 30 bis 50 m
  • Mindestabstand zu Vogelansammlungen auf dem Wasser und Seehundbänken halten – mindestens 300 bis 500 m, besonders von Mai bis September; in dieser Zeit finden auf den Seehundbänken Geburt und Aufzucht der Jungen, Paarung und Haarwechsel statt – Seehunde brauchen diese Rückzugsräume

Naturschutz- gebiete

  • unbedingt die geltenden Vorschriften befolgen
  • häufig ist Wassersport in Naturschutzgebieten ganzjährig, zumindest zeitweilig, völlig untersagt oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen möglich
  • Wildwasserfahrer dürfen unter keinen Umständen das Flussbett verändern, etwa durch Ausräumen störender Felsbrocken

Feuchtgebiete

  • besondere Rücksichtnahme bei der Ausübung von Wassersport in „Feuchtgebieten internationaler Bedeutung“
  • diese Gebiete dienen als Lebensstätte seltener Tier- und Pflanzenarten und sind daher besonders schutzwürdig

Starten und Anlanden

  • Nutzung der hierfür vorgesehenen Plätze oder solche Stellen, an denen sichtbar kein Schaden angerichtet werden kann
  • kein Trockenfallen in sensiblen Bereichen
  • besonders im Frühjahr und Frühsommer auf das Ankern oder Anlanden in scheinbar „einsamen“ Badebuchten verzichten – gerade dorthin ziehen sich auch störempfindliche Tierarten zurück

Lebensräume

  • keine Annäherung, auch nicht von Land her, an Schilfgürtel und sonstige dichte Ufervegetation, um nicht in den Lebensraum von Vögeln, Fischen, Kleintieren und Pflanzen einzudringen und diese zu gefährden

Im Watt

  • im Bereich der Watten kein Anlaufen von Seehundbänke, um die Tiere nicht zu stören oder zu vertreiben
  • Einhaltung von mindestens 300 bis 500 m Abstand zu Seehundliegeplätzen und Vogelansammlungen
  • auf jeden Fall in der Nähe des markierten Fahrwassers bleiben
  • Fahren mit langsamer Fahrstufe

Beobachtung

  • Beobachten und fotografieren von Tieren möglichst nur aus der Ferne

Sauberes Wasser

  • Wassersportler sollten mithelfen, das Wasser sauber zu halten, indem nichts Unnatürliches über Bord geht
  • Abfälle gehören nicht ins Wasser, insbesondere nicht der Inhalt von Chemietoiletten – Abfälle müssen genauso wie Altöle in bestehenden Sammelstellen der Häfen abgegeben werden
  • in Häfen ausschließlich die sanitären Anlagen an Land nutzen
  • beim Stillliegen den Motor des Bootes nicht unnötig laufen lassen, um die Umwelt nicht zusätzlich durch Lärm und Abgase zu belasten
  • Verwendung giftfreier Schiffsanstriche

Information

  • vor Fahrten über die für das Fahrtgebiet bestehenden Bestimmungen informieren
  • Seekajak- Fahrer sollten sich bei ihren Verbänden nach geeigneten ”Trittsteinen” erkundigen
  • diese Kenntnisse und eigenes vorbildliches Verhalten gegenüber der Umwelt sollten auch an die Jugend und vor allem an nichtorganisierte Wassersportler weitergegeben werden

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