Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Wassermotorrad


© Michael Pütsch
Foto: Jet-Ski Fahrer © Michael Pütsch

Wassermotorräder heißen in Deutschland offiziell auch „Jetboot“. Der Begriff „Jet-Ski“ ist ein geschütztes Warenzeichen des Herstellers Kawasaki und deshalb kein offizieller Gattungsbegriff.

Wassermotorrad und Natur

Beschreibung der Sportart

Die Motorräder auf dem Wasser sind mit Wasserstrahltechnik für den Antrieb versehen und können Geschwindigkeiten von über hundert Kilometer erzielen.
Es sind relativ kleine, aus Fiberglas bestehende Wasserfahrzeuge ohne Bordwand, die auf Binnengewässern und Küstengewässern gefahren werden. Man unterscheidet zwischen „Stehern“, die eine Person im Stehen oder Sitzen fahren kann, und „Sitzern“, Modellen mit Sitzbank für zwei bis vier Personen. Wassermotorräder haben einen Verbrennungsmotor; der Vortrieb und die Steuerung des Fahrzeugs erfolgt durch einen Wasserstrahlantrieb. Der Motor hat kein manuell schaltbares Getriebe. Wassermotorräder sind stark motorisiert (teilweise bis 164 kW), sehr wendig und können hohe Geschwindigkeiten erreichen (bis zu 140 km/h). Ein Kontaktband, verbunden mit einer Person und dem Fahrzeug, dient der Sicherheit im Fall des Überbordgehens, da der Motor stoppt, sobald der Kontakt unterbrochen wird.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Viele Wassersportler nutzen Wassermotorräder vorrangig als Zugfahrzeug für Wasserskiläufer oder im Rahmen von Touren oder Wanderfahrten. Ein begrenzter Teil der Wassermotorradfahrer übt den Sport aufgrund der Erzielung von hohen Geschwindigkeiten aus. Eine reizvolle Landschaft bildet zwar eine schöne Kulisse, ist für viele aber als Motiv für die Ausübung des Sportes eher zweitrangig.

Auswirkungen auf den Naturraum

In Deutschland ist das Nutzen von Wasserstraßen im Rahmen von Touren und Wanderfahrten zu festgelegten Tageszeiten erlaubt. Auf  Binnenseen wie dem Bodensee ist der Betrieb von Wassermotorrädern zum Schutz von Flora, Fauna und Badegästen verboten. Einzige Ausnahme bildet der Geierswalder See in der Lausitz. Auf schweizerischen Gewässern sind Wassermotorräder ausdrücklich verboten.
Die durch Wassermotorräder ausgelösten Beeinträchtigungen des Naturraums lassen sich in folgende Kategorien unterteilen:

Veränderung durch Überbauung bzw. Versiegelung

  • Grundsätzlich bedarf es bei der Nutzung von Wassermotorrädern immer auch eines befestigten Zuganges (Slipanlagen oder Rampen) oder geeigneter Kranvorrichtungen, mit denen die Fahrzeuge zu Wasser gelassen oder aus dem Wasser herausgenommen werden können. Die hierfür benötigten Flächen befinden sich u. a. auch im  Uferbereich der Gewässer, der häufig von geschützten Lebensraumtypen wie z. B. Feuchten  Hochstaudenfluren eingenommen wird und für viele Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Habitatfunktion erfüllt.
  • Zusätzlich ist eine verkehrliche Erschließung notwendig (Zufahrtstraßen, Park- und Stellplätze, Wendemöglichkeiten etc.). Auch hierfür sind in der Regel Flächen im unmittelbaren  Gewässer- und Auebereich betroffen.
  • Mit der Anlage eines befestigten Zuganges zum Gewässer und der verkehrlichen Erschließung kommt es auch durch Überbauung bzw. Befestigung zu einer Beeinträchtigung der betroffenen Böden bzw. Standorte.
  • Gegebenenfalls sind zudem Veränderungen des Uferprofils notwendig, um einen geeigneten Zugang zum Wasser zu ermöglichen.
  • Darüber hinaus können auch baubedingt nicht unerhebliche Beeinträchtigungen der Böden durch Verdichtung etc. hervorgerufen werden, die sich nicht oder zumindest nicht zeitnah regenerieren.

Direkte Veränderung von Vegetations- und Biotopstrukturen

  • Eventuell kommt es in bestimmten Bereichen nicht zu einer Versiegelung, sondern „lediglich“ zu einer nutzungsbedingten Beseitigung oder Veränderung der bestehenden Vegetation und somit der Lebensräume.
  • Dies bedeutet für geschützte Lebensraumtypen jedoch in der Regel den dauerhaften Verlust auf den betroffenen Flächen.

Die weitreichendsten Wirkfaktoren, die zu massiven Beeinträchtigungen von Arten und Lebensgemeinschaften führen können, sind akustische Reize (Schall) und optische Reizauslöser (Sichtbarkeit).

Akustische Reize, Lärmentwicklung und ihre Auswirkungen

  • Für Wassermotorräder konnten bislang keine umfangreicheren eigenständigen Untersuchungen ermittelt werden. Da Motorengeräusche jedoch mit der Drehzahl ansteigen, ist davon auszugehen, dass Wassermotorräder zu den lautesten Wasserfahrzeugen zählen.
  • Durch die Lärmwirkungen kommt es zu einer Vielzahl von Beeinträchtigungen verschiedener Tierarten, vor allem zur Störung von Verhalten bzw. Lebensweise, was Flucht- und Meidereaktionen zur Folge hat.
  • Darüber hinaus kann durch Lärm die artspezifische Kommunikation der Tiere beeinträchtigt werden: Maskierung von Kommunikationssignalen und dadurch z.B. zu Beeinträchtigungen bei der Partneranlockung und Partnerwahl, bei der Revierabgrenzung, der Kommunikation zwischen Jung- und Alttieren, der Feindwahrnehmung (vgl. z.B. KLUMP 2001, HERRMANN 2001).
  • Neben dem Luftschall kann auch der Unterwasserschall zu negativen Auswirkungen – insbesondere auf Meeressäuger - führen (vgl. KOSCHINSKI 2005).

Optische Störreize und ihre Auswirkungen

  • Zu den optischen Störreizen zählen alle visuell wahrnehmbaren Reize (z. B. Bewegung, Reflektionen, Licht), die bei verschiedenen Tierarten zu Störwirkungen führen können.
  • Viele Tiere reagieren auf den Menschen mit Scheu, so dass allein seine Anwesenheit Fluchtreaktionen auslösen kann.
  • Die hohen Geschwindigkeiten und die schnellen Bewegungen der Wassermotorräder wirken konflikterhöhend, da sie für Tiere überraschend und wenig kalkulierbar sind.

Konsequenzen der akustischen und optischen Störwirkungen

  • Störungen können grundsätzlich zu Stress, verändertem Aktivitätsmuster, Energieverlusten, Verminderung der Kondition von Tieren oder zu Flucht- und Meidereaktionen in den verschiedenen Habitaten führen.
  • Beeinträchtigung und ggf. dauerhafte Verdrängung von Tieren aus ihren Teilhabitaten, z.B. Brutplätzen, Fortpflanzungsstätten, Nahrungshabitaten, Ruhestätten, Rast-, Mauser- oder Überwinterungsgebieten.
  • Verlust bzw. die qualitative Entwertung von Teilhabitaten.
  • Verringerung der Fortpflanzungsrate (z.B. Bruterfolg) bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen (z.B. Rastbestände von Vögeln).
  • Bestandsrückgang oder schlimmstenfalls das Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen.
  • Besonders empfindliche Arten finden sich bei  Vögeln sowie Groß- und Mittelsäugern (einschließlich verschiedener Meeressäuger).

Mechanische Einwirkungen

Es ist nicht geklärt, inwieweit die im Folgenden aufgeführten negativen Umweltauswirkungen des Motorbootsports uneingeschränkt auf Wassermotorräder übertragbar sind. Angesichts der typischen Fahrweisen und -geschwindigkeiten von Wassermotorrädern ist jedoch mit vergleichbaren Beeinträchtigungen zu rechnen.

  • Die negativen Auswirkungen des Wellenschlags von Schiffs- bzw. Bootsverkehr auf bestimmte Formen von Ufervegetation – insbesondere das Schilfdickicht ( Röhricht) sind vielfach nachgewiesen (vgl. z.B. KRAUß 1993, HIRZINGER et al. 2002 oder BRUNKE et al. 2004). Röhrichte sind gesetzlich geschützte Biotope und Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten, daher sind sie bei der Ausweisung von Wassermotorradstrecken grundsätzlich Tabuzonen einzurichten. In der Bayerischen Schifffahrtsordnung für Seen ist z. B. ein Mindestabstand von 300 m zu Schilfbeständen und anderer naturnaher Ufervegetation vorgesehen.
  • Wellenschlag kann auch unmittelbare Auswirkungen auf Tiere haben, da die Wellen vorbeifahrender Motorboote schlüpfende Libellen unmittelbar schädigen können (STERNBERG & BUCHWALD, 2000:325).
  • Wellenschlag kann außerdem zu Wasserströmungen führen, die für Jungfische im Einzelfall problematisch sind (HIRZINGER et al. 2002).
  • Unmittelbare mechanische Schädigungen von Wasser- bzw. Unterwasserpflanzen, Pflanzen der Schwimmblatt- und Uferzone sowie der Gesamtheit der dort lebenden Pflanzen und Tiere.

Ablagerungen mit strukturellen Auswirkungen (Schwebstoffe und Sedimente)

  • Da Wassermotorräder auch in flachen Bereichen fahren können, sind Aufwirbelungen des Gewässergrundes nicht auszuschließen.
  • Für einige Organismen stellen solche Verwirbelungen eine Beeinträchtigung ihres Lebensraums bzw. eine Gefährdung ihrer Entwicklungsstadien dar.
  • Boden- bzw. grundlebende Arten mit speziellen (teils auf bestimmte Lebensphasen beschränkten) Substratansprüchen, z.B. besonders guter Durchlüftung des Substrates könnten besonders betroffen sein. Auch bei nur kurzzeitiger Einwirkung können dabei erhebliche Beeinträchtigungen die Folge sein (LAMBRECHT et al. 2004:194).
  • Ablagerungen mit strukturellen Auswirkungen wurden insbesondere im aquatischen Bereich dokumentiert. Die Verstopfung der Lückenräume im Sediment durch Feinsediment trifft vor allem die wesentlichsten Lebensräume der dort lebenden Tiergruppen, kann in ihren Wirkungen aber auch die Uferfauna (z.B. Spinnen, Kurzflügel- und Laufkäfer von Kiesbänken) einschließen.
  • Bei  Fischarten kann es durch episodische oder periodische Ereignisse einerseits zur Vertreibung von Individuen in getrübtem Wasser kommen, zum anderen zu einer Überdeckung von Fischlaich, was zu dessen Absterben oder zu Schädigungen führen kann (s. HERRMANN & KRAUSE 2000).

Förderung und Ausbreitung gebietsfremder Arten

  • Bekanntlich trägt auch der Schiffsverkehr zur Ausbreitung gebietsfremder Arten in den Gewässern bei. Dabei können auch naturschutzfachlich problematische Arten in Gewässer eingeschleppt werden, die eine Beeinträchtigung oder Verdrängung der dort heimischen (und geschützten) Pflanzen- oder Tierarten bewirken können.
  • Wassermotorrädern kommt hierbei im Verhältnis zu anderen Wasserfahrzeugen sicher eine eher untergeordnete Bedeutung zu. Prinzipiell können jedoch auch durch sie, z.B. im Rahmen von Touren- oder Wanderfahrten, Organismen aus anderen Gewässern einschleppt werden.
  • Dies könnte auch beim Transport und Umsetzen der Fahrzeuge in verschiedene Gewässer im Rahmen der Freizeitnutzung geschehen. Werden die Fahrzeuge vor Ort ausgeliehen bzw. gelagert und bleiben daher konstant am selben Gewässer, ist dies praktisch auszuschließen.


Wassermotorrad im Detail

Geschichte

Die Geschichte der Wassermotorräder begann in den 60er Jahren. In den 1970er Jahren produzierte Kawasaki das erste Steher-Modell, welches die noch heute existierende Grundform darstellt. In den Anfangsjahren stand die Sportlichkeit der Jetboote im Vordergrund. Heute werden die existierenden Jetboote immer leistungsstärker und größer. So sind die heute existierenden 3-Sitzer durchaus mit den Abmessungen kleiner Sportboote zu vergleichen.

Voraussetzungen

Da Jetboote weit mehr als 5 PS (3,68 kW) Motorleistung haben, ist in Deutschland der Sportbootführerschein-See oder -Binnen (oder gleichgestelltes Befähigungszeugnis) vorgeschrieben. Das Jetboot muss mit einer Reißleine ausgestattet sein oder so eingestellt sein, dass (sollten Fahrer und Jet sich trennen) es langsam im Kreis fährt. Das Tragen einer Schwimmweste ist Pflicht für Fahrer und Beifahrer.

Im Binnenbereich ist das Wassermotorradfahren außerhalb der gekennzeichneten Flächen grundsätzlich verboten. Zulässig sind dort lediglich Fahrten zum Erreichen der nächstgelegenen frei gegebenen Wasserfläche sowie Touren- oder Wanderfahrten, der Einsatz als ziehendes Fahrzeug der Wasserskiverordnung auf den frei gegebenen Strecken und Wasserflächen sowie Rettungseinsätze mit Dienstfahrzeugen der als gemeinnützig anerkannten Körperschaften und Diensteinsätze mit Dienstfahrzeugen des öffentlichen Dienstes jeweils unter der Voraussetzung, dass ein klarer Geradeauskurs gefahren wird. Im Seebereich ist das Fahren im Fahrwasser mit Ausnahme gekennzeichneter Wasserflächen verboten. Außerhalb des Fahrwassers ist das Fahren mit Wassermotorrädern grundsätzlich mit Ausnahme einiger bestimmter Wasserflächen erlaubt. In den Nationalparken im Bereich der Nordsee, im Bereich der Küste von Mecklenburg-Vorpommern sowie auf dem Dassower See ist das Fahren mit Wassermotorrädern verboten.
 
Die Nutzung von Bundeswasserstraßen ist grundsätzlich nur auf dafür vorgesehenen und durch das Tafelzeichen E. 22 freigegebenen Wasserflächen erlaubt. Eine Übersicht über freigegebene Wasserflächen wird vom  BMVBW im Verkehrsblatt veröffentlicht. Wassermotorräder dürfen nur auf befestigten Zugängen, wie Slipanlagen oder Rampen, oder mittels geeigneter Kranvorrichtungen zu Wasser gelassen oder aus dem Wasser herausgenommen werden.
Weiterhin sind zeitliche Vorgaben einzuhalten. Die Nutzung ist nur in der Zeit von 7.00 Uhr bis 20.00 Uhr, jedoch nicht vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, und nur bei Wetter mit einer Sicht von mehr als 1000 m erlaubt. An einer Wassermotorradstrecke an der Weser wurden zudem jahreszeitliche Einschränkungen im Zeitraum April bis Oktober und Einschränkungen auf bestimmte Wochentage und Tageszeiten vorgenommen.
Informationen rund um das Wassermotorradfahren, wie z.B. über Verordnungen und Regelungen für das Fahren auf Binnenschiffahrtsstraßen gibt der  Elektronische Wasserstraßen-Informationsdienst (ELWIS).

Organisation der Sportart

Der Jetboot-Sport wird von der  Union Internationale Motonautique (UIM) und der  International Jet Sports Boating Association (IJSBA) und der European Jet Sports Boating Association (EJSBA) als Weltdachverband geregelt. Beide Verbände richten eine Weltmeisterschaft aus, die EJSBA auch eine Europameisterschaft.

In Deutschland nimmt der  Deutscher Motoryachtverband (DMYV) die Wahrnehmung und Förderung des Motoryacht- und Motorbootsports sowie des motorisierten Fahrtenwassersports in all seinen Erscheinungsformen wahr. Der DMYV ist Mitglied in der Union Internationale Motonautique (UIM) und der European Boating Association (EBA). Seit 2009 gibt es den  Deutschen Jetsportverein e.V. (DJSV).

Varianten der Sportart

Es gibt drei Wettkampf-Kategorien:

Freestyle

Im Freestyle geht es um die schönsten und trickreichsten Figuren mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die man mit den „Stehern“ fahren kann.

Freeride

Freeride ist die neueste Wettkampf-Disziplin, bei der die Tricks der Fahrer in der Brandung bewertet werden. Hierzu zählen neben spektakulären Sprüngen, die Fähigkeit, die Wellen mit dem Jetboot zu surfen.

Racing

Beim Racing muss ein mit Bojen abgesteckter Slalomkurs möglichst als erster durchfahren werden. Dabei können Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreicht werden.

Literaturdatenbank

zur Literaturdatenbank

Konfliktlösungen

Weitere Konfliktlösungen