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Wandern


© Barbara Engels
Foto: Wanderer © Barbara Engel

Das Wandern ist eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten in Deutschland – eine Studie ergab, dass 39,8 Mio Menschen regelmäßig wandern. Der besondere Reiz des Wanderns liegt in der direkten Erfahrung der Natur. Die Ansprüche des Wanderers an den Naturraum äußern sich in der Erwartung einer attraktiven Umgebung, eines abwechslungsreichen Wegeverlaufs und der Markierung der Wanderwege. Das Wandern fördert mehr als bei anderen Sportarten den unmittelbaren, bewussten Kontakt mit der Natur. Die Auswirkungen des Wanderns sind allgemein sehr gering, können aber an besonders stark frequentierten Wanderzielen deutlich hervortreten.

Wandern und Natur

Beschreibung der Sportart

Das Wandern ist eine sportliche Disziplin ohne Wettkampfcharakter. Auf Basis der ersten nationalen Grundlagenuntersuchung zum Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern (Deutscher Wanderverband 2010) wurde Wandern wie folgt definiert:
„Wandern ist gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung sind:

  • eine Dauer von mehr als einer Stunde
  • eine entsprechende Planung
  • die Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie
  • eine angepasste Ausrüstung.“

Man unterscheidet zwischen deutlich häufigeren Tageswanderungen und Mehrtagestouren. Letztere können vom selben Standort aus oder mit täglich wechselnden Quartieren durchgeführt werden.
Von „Wandern“ spricht man auch in anderen Zusammenhängen:  Trekking, Spazierengehen, Nordic Walking und Pilgern sowie  Geocaching werden häufig mit dem Begriff verbunden.
Umfassende Zahlen, Daten und Fakten zum Wandern bietet die  Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern des Deutschen Wanderverbandes, die mit Mitteln des Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Traditionelle Anreize wie Naturgenuss und Wohlbefinden stehen für Wanderer im Vordergrund. Besonders beliebt sind offene  Waldgebiete, die Nähe von  Gewässern,  Gebirgsstrukturen und variierende Vegetation.

Anforderungen an den Naturraum

Wanderer bevorzugen meist möglichst naturbelassene Wege, während asphaltierte Strecken als unangenehm empfunden werden. Der Wanderer erwartet außer einer attraktiven Landschaft, gerne mit Aussichtspunkten, ein gut organisiertes Wanderleitsystem im Gelände, welches ihm als Orientierungshilfe bei der Wanderung dient. Hier bietet sich ein System von Wanderwegen an, das zwischen den Bedürfnissen des Wanderers und denen des Naturschutzes vermittelt. Diesem abgestimmten System kommt eine Lenkungsfunktion in Hinblick auf Besucherströme zu, die besonders für ökologisch sensible Räume relevant ist. Die Anforderungen von Wanderern an die Wanderwege spiegeln sich in Qualitätskriterien für Wanderer, z.B. beim „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ wider, bei dem mit 23 Wahl- und 9 Kernkriterien die Wirkung von Natur und Landschaft auf die Wanderer bewertet wird.
Strukturelle Voraussetzungen umfassen neben den Wanderwegen, Wegemarkierungen und Wegweisern auch Freizeit- und Grillplätze, Schutz- und Berghütten, Brücken, Schautafeln, Erlebnispfade sowie Wanderparkplätze.

Auswirkungen auf den Naturraum

Wanderer können Tiere beidseits eines Weges stören.  Vögel verziehen sich, meiden wegnahe Bereiche oder sind beunruhigt. Wenn sich Wanderer an die vorgegebenen Wege halten, sind die Auswirkungen auf den Naturraum aber vergleichsweise gering. Totalverbote des Betretens naturnaher Bereiche sind nur dort ökologisch notwendig, wo sich bedrohte Arten aufhalten (z.B.  Auerhuhn,  Birkhuhn, Adler,  Wanderfalke,  Uhu, Biber), die dadurch geschützt werden können oder wo sich empfindliche Vegetationskomplexe wie z.B.  Moore befinden.
Belastungen des Naturraumes durch Wanderer können aber trotzdem auftreten, z.B. durch die mangelhafte Entsorgung der Abfälle und Abwässer von Berghütten oder -gasthäusern, wodurch es zu Verunreinigungen des Grund- und Oberflächenwassers kommen kann. Störungen der Natur können ebenfalls durch verbotenes Verhalten, wie das Mitführen von Hunden ohne Leine, das Pflücken geschützter Pflanzen, wildes Parken oder das Zurücklassen von Müll in der Landschaft sowie durch unerlaubtes Verlassen der Wege hervorgerufen werden.
Der Bau von Wanderwegen kann bei falscher Terrassierung oder schlechter Standortwahl ökologisch bedenklich sein. Bei einer hohen Frequentierung von sogenannten „Alternativwegen“, die meist durch Abkürzungen des ursprünglichen Serpentinenweges entstanden sind, kann die Natur dauerhaft geschädigt werden. Hier können sich durch Erosion tiefe Rinnen bilden, die der Sanierung bedürfen, um einer weiteren Bodenabspülung entgegenzuwirken.
Ökologisch bedenklich wirken sich die vielen mit dem Pkw bei der Anreise zurückgelegten Kilometer aus. 87 Prozent der Tageswanderungen vom Wohnort aus werden mit dem Auto erreicht. Bei fehlenden Wanderparkplätzen kann das „wilde“ Parken in Waldgebieten und die damit verbundenen Schädigungen und Störungen von Flora und Fauna bedenklich sein.



Naturverträgliches Wandern

Generell sollten die allgemeinen  Verhaltensregeln für Natursportler beachtet werden.
Wanderwege haben eine wichtige Funktion als
 Besucherlenksystem, durch das die Wanderer weniger in ökologisch sensible Bereiche, sondern eher in belastbarere Gebiete gelenkt werden. Je besser ein Wanderweg ausgeschildert ist (Markierung und Wegweiser) und je attraktiver er ist, desto stärker wirkt er besucherlenkend. Naturverträglicher als eine individuelle Anfahrt zum Wandern ist das Bilden von Fahrgemeinschaften und die Anreise mit dem öffentlichem Nahverkehr. Leider bietet die schwache Ausstattung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den besonders attraktiven ländlichen Räumen häufig keine echte Alternative zum PKW. Gute Beispiele, dass dies doch funktionieren kann, sind die Wanderbusse in zahlreichen deutschen Regionen, wie im Sauerland, Saar-Hunsrück-Region, Schwäbische Alb, der KONUS-Verkehrsverbund im Schwarzwald, die Igel-Busse im Nationalpark Bayerischer Wald oder das hervorragend ausgebaute Postbusnetz in der Schweiz.

Wandern im Detail

Geschichte

Das Wandern entwickelte sich von einer reinen Fortbewegungsform von einem Ort zum nächsten im 19. Jahrhundert zunehmend zu einer Betätigung, die dem eigenen Wohlbefinden dienen sollte. Als ein „Vorwanderer“ gilt Goethe mit seinem Ausspruch: „ Was ich nicht erlernt habe, habe ich mir erwandert.“ Durch Friedrich Ludwig Jahn, dem Begründer des deutschen Turnwesens, erfuhr das Wandern eine Wendung zur Volksbewegung. Er stellte das Wandern mitten ins turnerische Leben und erschloss es damit als Sport im Verein. (Zimmermann 1999. S. 9f)
Die ersten Wandervereine wurden gegründet, wie z.B. 1863 der  Schweizer Alpen-Club SAC, 1869 der  Deutsche Alpenverein als „bildungsbürgerlicher Bergsteigerverein“ oder der  Deutsche Wanderverband, der als Dachverband aller deutschen Wandervereine 1883 ins Leben gerufen wurde. Seit dieser Zeit hat sich bis heute nicht viel an der Philosophie des Wanderns geändert, es wird immer noch der bewusste Kontakt mit den Erscheinungen der Natur bei der Durchquerung schöner Landschaften gesucht.

Voraussetzungen

Wandern kann nahezu überall ausgeübt werden und unterliegt keinen alters-, zeit- und wetterabhängigen Voraussetzungen. Die Kosten sind im Gegensatz zu anderen material- und vorbereitungsintensiven Sportarten gering, obwohl der Ausrüstungsgrad gerade bei Wanderschuhen, regenfesten Jacken und Rucksäcken als Basisausrüstung in der Bevölkerung enorm ist.
Im flachen Gelände können auch Untrainierte die Aktivität ausüben; in steilem Gelände sind die Ansprüche an Kondition und Wandertechnik ungleich höher. In Geländen mit erhöhtem Unfallrisiko (Schluchten, Gletscher etc.) ist eine entsprechende Ausbildung oder die Betreuung durch einen Berg(wander)führer anzuraten. Eine gründliche Routenplanung (Schwierigkeit und Länge der Tour, Wegverlauf, Wettervorhersage, etc.) schützt vor unliebsamen Überraschungen.

Organisation der Sportart

Die meisten Wanderer sind nicht in Vereinen oder Clubs organisiert. Dennoch erfreuen sich die verschiedenen Interessensverbände in Deutschland zahlreicher aktiver Mitglieder. Im  Deutschen Wanderverband sind rund 600.000 Wanderer (Stand 2012) organisiert. Die Aufgaben der regionalen Wandervereine sind vielfältig. Sie markieren und pflegen 200.000 km Wanderwege in Deutschland, von der Küste übers Flachland bis zu den hohen Mittelgebirgen in Baden-Württemberg und Bayern. Sie unterhalten 500 Wanderheime und -hütten und andere Einrichtungen zur Förderung des Wanderns, geben Wanderkarten, Wanderliteratur und Heimatzeitschriften heraus und engagieren sich als Naturschutzverbände für eine lebenswerte Landschaft an der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Naturnutzung. Die Wandervereine bieten Wanderungen, ein umfangreiches Freizeitprogramm und vielfältige Fortbildungsmaßnahmen, wie z.B. die Ausbildung als zertifizierte Wanderführer/-in oder als Gesundheitswanderführer/in an.
Der  Deutschen Alpenverein (DAV), ist mit seinen rund 940.000 Mitgliedern (Stand 2011) der größte Bergsportverein der Welt. Als ein in Bayern anerkannter Naturschutzverband hat sich der DAV das Ziel gesetzt, die Alpen als Erholungsraum nachhaltig zu sichern, die natürlichen Ressourcen zu schonen und naturverträgliches Wandern und Bergsteigen in all seinen Ausprägungen zu fördern.
Die Naturfreunde-Bewegung entstand 1895 in Österreich und zählt heute weltweit über 500.000 Mitglieder in 21 Ländern. Die Landesverbände und Ortsgruppen bieten Reisen, Wanderungen, Fortbildungen und Seminare zu Themen wie z.B. Sport, Natur- und Heimatkunde sowie Naturschutz an. Der  Verband der NaturFreunde Deutschlands besteht seit 1905. Die Bundesfachgruppe Wandern hat Kriterien für naturverträgliches Wandern erstellt.
Das Wandernetz in der Schweiz ist das dichteste auf der ganzen Welt. Praktisch an jedem Bahnhof oder jeder Postbusstation sind Wanderwege signalisiert. Der  Schweizer Alpen Club (SAC) ist mit rund 135.000 Mitgliedern (Stand 2011) einer der größten Sportverbände in der Schweiz. Er verfolgt im Natur- und Landschaftsschutz dieselben Ziele wie der DAV. Die  Naturfreunde Schweiz gründeten sich im Jahr 1905. Bei beiden Verbänden ist das Wandern die am häufigsten ausgeübte Disziplin. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Sportverbänden und Naturschützern zu erkennen, so dass die Verbände den Schutz der Landschaft sogar als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansehen. Der Dachverband  Schweizer Wanderwege ist für Planung, Bau und Unterhalt des 60.000 km langen Wanderwegnetzes sowie für die Publikation von Karten und Wanderführern verantwortlich.

Varianten der Sportart

Mit der Zeit haben sich verschiedene Varianten der Sportart entwickelt, die zum einen neues Gelände erschlossen haben ( Schneeschuhwandern) oder den Trainingseffekt (Nordic Walking) bzw. den Gesundheitseffekt (Gesundheitswandern) in den Vordergrund stellen.

Nordic Walking

Ist eine noch recht junge Variante des Wanderns. Am wirkungsvollsten für die Körperertüchtigung ist Nordic Walking in leicht hügeligem Gelände, es kann aber überall effektiv trainiert werden. Erst 1997 wurde die Sportart in Finnland vorgestellt. Inzwischen betreiben allein dort ca. 1 Mio. Menschen diesen Ganzjahressport. Die Entwicklung des Nordic-Walking erfolgte aus einer Sommer-Trainingsmethode der Athleten aus den Bereichen Langlauf, Biathlon und der Nordischen Kombination. Zusätzlich zum geeigneten Schuhwerk sind zwei spezielle Stöcke nötig, die während des Gehens eingesetzt werden. Die Lauftechnik des Nordic Walking gleicht der Bewegungsausführung des Skilanglaufes und ist sehr einfach zu erlernen. Nordic Walking nutzt den physiologischen, diagonalen Bewegungsablauf beim Walken durch den bewussten Stockeinsatz.

Gesundheits- wandern

Beim Gesundheitswandern, dem Bewegungsprogramm des Deutschem Wanderverbandes, wird unter fachlicher Anleitung von zertifzierten Gesundheitswanderführern das Wandern mit speziellen Übungen zur Verbesserung von  Koordination, Kraft, Ausdauer und Entspannung kombiniert. Diese besondere Art des Wanderns in der Gruppe hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, Vitalität und das Körpergefühl.

Trekking

siehe Menüpunkt  Trekking