Bundesamt für Naturschutz

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Ultraleichtfliegen


Ultraleichtflugzeug © Michael Pütsch
Foto: Ultraleichtflugzeug © Michael Pütsch

Das Ultraleichtfliegen entwickelte sich in den 1970er Jahren aus Hängegleitern, die mit Motoren ausgestattet wurden. Die Faszination dieser in Deutschland mittlerweile weit verbreiteten Sportart besteht in der Möglichkeit des Fliegens mit einem relativ kleinen Fluggerät. Die Anforderungen an den Naturraum beschränken sich auf die zugelassenen Start- und Landeplätze, die Auswirkungen jedoch beziehen sich nicht nur auf diese Flächen. Bei sensiblen Tieren können Störreaktionen ausgelöst werden, andererseits kommen Ultraleichtflugzeuge auch bei Naturschutzprojekten zum Einsatz.

Ultraleichtfliegen und Natur

Beschreibung der Sportart

Als Ultraleichtflugzeuge sind Fluggeräte mit einem maximalen Gesamtgewicht von 322,5 kg für Einsitzer und 472,5 kg für Doppelsitzer zugelassen. Diese Grenze darf beim Abflug nicht überschritten werden.
Es gibt zwei Arten von Ultraleichtflugzeugen (UL): Erstens die 3-Achs gesteuerten Ultraleichtflugzeuge, die sich nur durch das Gewicht von Motorflugzeugen unterscheiden, und zweitens die motorisierten Drachen, auch Trikes genannt, die an die Anfänge der Ultraleichtfliegerei erinnern. Seit 1993 unterliegen Ultraleichtflugzeuge den bestehenden Luftfahrtgesetzen.
Die Fluggeschwindigkeit reicht von 65 km/h bis ca. 270 km/h, die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit beträgt etwa 70 – 180 km/h. Für den Start wird eine Rollstrecke von 50 – 300 m benötigt. Die Reichweite beträgt ca. 350 – 800 km; moderne Ultraleichtflugzeuge haben schon eine Reichweite von 1.500 km.
Die aerodynamisch gesteuerten Ultraleichtflugzeuge verfügen ebenso wie die herkömmlichen Flugzeuge über Ruder, welche eine Steuerung um die drei Achsen ermöglichen. Die Steuerung der Trikes erfolgt wie bei den nicht motorisierten Drachen zweiachsig durch Gewichtsverlagerung.
Seit Anfang 1999 ist die gewerbliche Nutzung von Ultraleichtflugzeugen nicht mehr verboten. Bereits praktiziert werden Einsätze in der Landwirtschaft, bei der Verkehrsüberwachung, zur Munitionssuche auf militärischen Altlastenflächen und bei Fotoflügen. Im Naturschutzbereich wurden Ultraleichtflugzeuge z.B. schon als „Lockvögel“ eingesetzt, um Zwerggänse auf eine ungefährlichere Zugroute zu locken. (siehe:  www.waldrappteam.at)
Im sportlichen Bereich können dreiachsgesteuerte Ultraleichtflugzeuge im Rahmen einer Musterprüfung oder ergänzenden Musterprüfung zum Schleppen von Segelflugzeugen zugelassen werden. Trikes werden auch zum Drachenschlepp eingesetzt. (DAEC & BFN 2003:32,
 DAeC)

Wirkung der Natur auf den Sportler

Auf Grund der vergleichsweise geringen Größe dieser Fluggeräte bietet sich dem Piloten und den Passagieren zum einen ein guter Ausblick auf die Landschaft und zum anderen wird das bewusste Erleben des Fliegens verstärkt.

Anforderungen an den Naturraum

Ultraleichtflugzeuge dürfen in Deutschland nur auf dafür zugelassenen Flugplätzen starten und landen. Die Länge der Startbahn für Ultraleichtflugzeuge liegt bei 300 m. Oft werden für Ultraleicht-,  Motor- und  Segelflug die gleichen Flugplätze genutzt. Sehr häufig findet auf diesen Sportflugplätzen auch kommerzieller Flugverkehr statt. Dadurch sind die Pisten teilweise länger und breiter als für den Luftsport erforderlich.

Auswirkungen auf den Naturraum

Als Folge der Flugbewegungen der Ultraleichtflugzeuge können bei Tieren Beunruhigungen oder Fluchtreaktionen ausgelöst und Aktivitäten wie Brut, Körperpflege oder Nahrungserwerb unterbrochen werden. Störungsquellen für Tiere und Umweltbelastungen für Pflanzen, die mit der Infrastruktur des Flugbetriebs zusammenhängen, sind z.B. Zuschauer und Helfer sowie an- und abfahrende Kraftfahrzeuge, die Lärm, Trittbelastung und Abfall verursachen können. (Schemel et al, 2000, S. 454)
Wie für alle motorgetriebenen Flugzeuge und Fluggeräte gilt für Ultraleichtflugzeuge das Luftverkehrsrecht und seine weiterführenden Bestimmungen. Darin ist beispielsweise eine Mindestflughöhe von 600 m über Grund vorgeschrieben. Aufgrund der Bauart der modernen Ultraleichtflugzeuge ist deren Wirkung auf Wildtiere heute vermutlich ähnlich zu beurteilen wie die von
 Motorflugzeugen.



Naturverträgliches Ultraleichtfliegen

Ein Beispiel für den Einsatz von Ultraleichtflugzeugen im Naturschutz ist ein Projekt, bei dem Zwerggänse vom Brutgebiet auf einer sicheren Route in ein geschütztes Winterquartier geführt werden. Normalerweise lernen sie die Zugroute von ihren Eltern. 1999 wurden 30 junge Zwerggänse erstmals auf menschliche Ersatzeltern geprägt und darauf trainiert, einem Ultraleichtflugzeug zu folgen und so ihre Zugroute von ihrem Geburtsort Öster Malma in Schweden bis zu ihrem Winterquartier in Xanten am Niederrhein zu lernen. Mensch und Maschine fungierten quasi als Ersatzgänseeltern. Der Grund für die Aktion war die starke Bejagung der Zwerggänse auf ihrer natürlichen Flugroute in die östlichen Winterquartiere. Um eine überlebensfähige Population aufzubauen, sollen in einem internationalen Projekt, der „Aktion Zwerggans“, unter Beteiligung des  Deutschen Aero Clubs (DAeC) über vier bis fünf Jahre jährlich 100 Zwerggänse aufgezogen, mit mehreren Ultraleichtflugzeugen geführt und ausgewildert werden. (DAEC & BFN 2003, S. 103)

Ultraleichtfliegen im Detail

Geschichte

1982 wurde das Ultraleichtfliegen in Deutschland durch das Bundesverkehrsministerium freigegeben. Der geringe Entwicklungsstand der UL und die verordnete maximale Flughöhe von nur 150 m führten in dieser Anfangszeit zu Lärmbelästigungen und haben der Sportart vielerorts einen schlechten Ruf eingebracht.
Die Ultraleichttechnik hat seither rasante Fortschritte gemacht, die rechtlichen Vorschriften haben sich zugunsten der Umwelt verändert und ein vereinfachtes kostengünstiges Zulassungsverfahren führte zu einer Förderung des Sports. Die Flugzeuge wurden zunehmend mit modernen Technologien ausgerüstet, was Vorteile für Piloten und Umwelt hat.

Voraussetzungen

Piloten von Ultraleichtflugzeugen benötigen einen Luftfahrtschein für Luftsportgeräteführer. Voraussetzung ist ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis Klasse 2.
Die Ausbildung kann im Alter von 16 Jahren begonnen und die Lizenzprüfung mit 17 Jahren abgelegt werden. Mit einer entsprechenden Lizenz können dann die verschiedenen Varianten des Ultraleichtfluges betrieben werden.
Die Ausbildung umfasst 60 Unterrichtstunden Theorie (Luftrecht, Navigation, Meteorologie, Aerodynamik, Flugzeugkunde, Technik, Verhalten in besonderen Fällen, menschliches Leistungsvermögen) und mindestens 25 Flugstunden (30 Stunden bei Dreiachser) plus 2 Überlandflüge mit Fluglehrer. Ausgebildet wird in den rund 100 Vereinen des DAeC und privaten Flugschulen.
Bis zum Erwerb der Lizenz im Verein fallen rund 1.500 bis 2.000 € an. Bei den Flugschulen ist die Ausbildung etwas teurer (ca. 3.000 bis 5.000 €), dafür dauert sie in der Regel nicht so lange. Vereine schulen meistens nur an Wochenenden; in kommerziellen Schulen ist auch an den Wochentagen Flugbetrieb.
Zusätzlich zur Fluglizenz können folgende Berechtigungen erworben werden: Passagierflugberechtigung, Flugzeugschleppberechtigung (ohne Fangschlepp), Bannerschleppberechtigung und Lehrberechtigung. (DAEC & BFN 2003, S. 32,  DAeC)

Ultraleichtflugzeuge sind in Deutschland rechtlich stets Luftsportgeräte, keine Flugzeuge. Alle motorgetriebenen UL werden in Deutschland mit „D-M...“ Kennzeichen zugelassen und müssen ein Gesamtrettungssystem besitzen. Dies besteht aus einer Rakete, die im Bedarfsfall einen Fallschirm auslöst, der im Notfall die Piloten samt Flugzeug heil zu Boden bringt.

Mit einem Lärmgrenzwert von 60 dB(A) müssen Ultraleichtflugzeuge deutlich höhere Schallschutzanforderungen erfüllen als Motorflugzeuge und Motorsegler.
Errungenschaften aus der Automobilindustrie wie 3-Liter-Motor und Katalysator befinden sich im Probebetrieb, auch mit Solar- und Elektroantrieb wird experimentiert.

Für die Erteilung von Zulassungen und Erlaubnissen ist bei den Trikes der  Deutsche Ultraleichtflugverband e. V. (DULV) und bei den aerodynamisch gesteuerten Ultraleichtflugzeugen der  DAeC zuständig.

Organisation der Sportart

Der  DAeC ist der Dachverband der deutschen Luftsportverbände. Im UL-Bereich sind 2.600 Mitglieder (2012) innerhalb des DAeC gemeldet. Es sei aber darauf hingewiesen, dass diese Zahl nicht repräsentativ für alle Luftsportler steht, die UL- bzw. Segelflug betreiben. Es gibt ca. 5.000 Ultraleichtflugsportler im  DAeC, davon sind rd. 3000 in einer anderen Hauptsportart gemeldet.
Seit 1982 gibt es den  Deutschen Ultraleichtflug-Verband (DULV), in dem weitere 4.500 Flieger aus allen Sparten der UL-Fliegerei organisiert sind (Stand 2012).
(DAEC & BFN 2003, S. 32)

Varianten der Sportart

Ultraleicht-Segelflug

Der Deutsche Ultraleicht-Segelflugverband (DULSV) besteht seit 1993 und ist Mitglied im DAeC mit besonderer Aufgabenstellung. Mit dem Ultraleicht-Segelflug wird für viele Begeisterte des motorlosen Fluges eine Lücke zwischen dem Drachenflug und dem inzwischen hochtechnischen und leistungsorientierten Segelflug geschlossen. Die zunehmende Zahl von Mitgliedern und Interessierten spiegelt die Begeisterung für diese ursprüngliche Form des Fliegens.
Ultraleicht-Segelflugzeuge sind auf eine Leermasse von 120 kg begrenzt. Sie sind nicht verkehrszulassungspflichtig, können aber beim DAeC in das Luftsportgeräteverzeichnis eingetragen werden. Nachprüfungen richten sich nach den Auflagen des Herstellers.

Fußstartfähige Ultraleichtflugzeuge (motorisierte Drachen)
Bei diesen Fluggeräten handelt es sich um Hängegleiter oder Gleitschirme mit Rucksackmotor, deren Reisegeschwindigkeit generell nicht mehr als 50 km/h beträgt. Auch hierfür muss eine Lizenz mit ähnlichen Anforderungen wie für Trikes und Dreiachser erworben werden. Voraussetzung für diesen UL-Schein ist der Besitz der A-Lizenz für Gleitsegelpiloten sowie ein fliegerärztliches Attest, das die Flugtauglichkeit bescheinigt.

Tragschrauber

Seit 2004 können in Deutschland Tragschrauber (Gyrocopter) als Ultraleichtflugzeuge zugelassen werden. Diese werden durch jeweils einen oder mehrere senkrechte und waagerechte Rotoren angetrieben. Generell wird zwischen aktiven und passiven Tragschraubern unterschieden.
Passive Tragschrauber (Autogyro oder Gyroplane) gelten als Vorläufer des Hubschraubers und wurden in den 1920er und 1930er Jahren in Italien, Frankreich und Deutschland entwickelt. Eine Hebung des Autogyro erfolgt, indem sich der Rotor durch den bei der Vorwärtsbewegung des Fahrzeugs erzeugten Luftwiderstand mitdreht und so als drehender Flügel fungiert.
Aktive Tragschrauber sind insgesamt wendiger als Flugzeuge und schneller als Hubschrauber. Sie besitzen einen waagerechten Rotor, der von einem Motor angetrieben wird und den Tragschrauber so in die Höhe zieht – wie bei einem Hubschrauber. Dieser Rotor wird aber nicht – wie bei Hubschraubern – zugleich zum Regeln des Vorwärts- und Rückwärtsfluges verwendet. Diese Aufgabe kommt einem zusätzlichen Triebwerk zu, normalerweise ein senkrechter Rotor am vorderen Ende des Fahrzeugs, der für den Vortrieb sorgt.
Tragschrauber dürfen nach Absolvierung einer Zusatzprüfung mit einer UL-Sportpilotenlizenz geflogen werden.