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Skitourengehen


Skitour im Tennengebirge © Peter Bernhaupt, piclease

Skitourengehen ist eine Natursportart aus der Frühzeit des Alpinismus, die in den letzten Jahren wieder großen Zulauf erfahren hat. Der Aufstieg zum Gipfel erfolgt aus eigener Kraft, nur über eine Spur im Schnee, die Abfahrt wie der Aufstieg über ungesichertes alpines Gelände, weitab vom Pistenbetrieb. Skitourengehen wird heute in Europa vorwiegend in den Alpen und den anderen  Hochgebirgen, zunehmend auch in Mittelgebirgen ausgeübt. Mit dem Aufkommen des Skifahrens im Tourismus und der Verbesserung des Materials entwickelte es sich zum Breitensport.
Sein besonderer Reiz liegt in der Kombination aus hohem Naturerlebniswert, sportlicher Leistung beim Aufstieg und Spaß bei der Abfahrt. Skitourengeher bewegen sich im Lebensraum von Tierarten, die an die rauen Klimabedingungen der Gebirge angepasst sind und im Winter auf Störungen sehr empfindlich reagieren. Um die Naturverträglichkeit des Skitouren- und Schneeschuhgehens in den Bayerischen Alpen sicherzustellen, hat der Deutsche Alpenverein zusammen mit dem Bayerischen Umweltministerium das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ lanciert.

Skitourengehen und Natur

Beschreibung der Sportart

Skitourengeher verwenden eine spezielle Skiausrüstung. Für den Aufstieg wird die Bindung entriegelt, sodass die Ferse frei beweglich ist, ähnlich wie beim Langlauf. Steigfelle, welche auf den Belag geklebt werden, verhindern das Rückwärtsrutschen. Bei besonders harten Schneeverhältnissen kommen Harscheisen (eine Art Steigeisen) zum Einsatz. Wer häufig auf Skitouren geht, verwendet spezielle Skitourenschuhe, welche für den Aufstieg beweglicher eingestellt werden können. Außerdem sind sie mit einer Profilsohle ausgestattet, welche leichte Kletterpartien ermöglichen.

Den ersten Aufstiegsspuren durch den Schnee kommt besondere Bedeutung zu, denn häufig folgen ihnen die nachfolgenden Skitourengeher. Lässt sich der Berg nicht mit Ski besteigen; werden diese dann im Skidepot zurückgelassen und der Gipfel zu Fuß erreicht. Je nach Geländebeschaffenheit kommen dabei zusätzlich Steigeisen und Pickel, evtl. sogar das Seil zum Einsatz. Bei Hochgebirgstouren über Gletscher muss je nach Schneeverhältnissen angeseilt werden.

Für die Abfahrt werden die Bindungen fixiert, die Felle entfernt und die Schuhe auf Abfahrtsposition fixiert. Dann steht dem Abfahrtsvergnügen nichts mehr im Wege.

In den letzten Jahren erfreuen sich Skitouren auch auf Skipisten auch immer größerer Beliebtheit – einerseits um sich sportlich fit zu halten oder für Skitouren-Wettkämpfe zu trainieren, andererseits eignen sich Pistentouren zum Üben für weniger oder unerfahrene Tourengeher. Werden nach Betriebsschluss noch Touren auf den Pisten durchgeführt, kann dies zu Behinderungen von Pistenpräparierungen oder Lawinensprengungen führen. Tourengeher geraten dabei in Lebensgefahr!
Kürzere Skitouren im Mittelgebirge oder in den Voralpen werden meistens an einem Tag oder einem halben Tag (inkl. An- und Abreise) durchgeführt. Hochalpine Touren bedingen oft die Übernachtung in einer Berghütte mit dem Aufstieg frühmorgens am nächsten Tag.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Der Aufstieg durch eine frischverschneite Winterlandschaft gehört zum eindrücklichsten, was die Natur zu bieten hat. Für viele gehört dabei das Legen einer neuen Spur in den Pulverschnee zu den intensivsten Erlebnissen bei einer Skitour. Für andere ist es eher die Abfahrt durch den frischen Schnee, welche Glücksgefühle auslöst. Wie beim Bergsteigen im Sommer ist auch beim Skitourengehen das Gipfelerlebnis ein zentrales Element des Naturerlebens.

Anforderungen an den Naturraum

Skitourengeher bewegen sich oft in weitgehend störungsfreien und unerschlossenen Gebirgsregionen, die zugleich Lebensraum von Wildtieren sind. Der Aufstieg erfolgt – selbst bei großen Gruppen – in der Regel geordnet, ruhig und entlang einer einzigen Spur. Die Abfahrt hingegen birgt Störungspotential: Skitourengeher suchen nach Neuschnee oder Firn, was dazu führen kann, dass weite Geländeteile bis hin zu ganzen Geländekammern befahren werden. Auch Tempo und Geräuschpegel sind bei der Abfahrt deutlich höher. Eine Lenkung wird deshalb beim Aufstieg in den meisten Fällen eingehalten, bei der Abfahrt mangelt es häufiger an Akzeptanz.
Je nach Tourengebiet führt die Route sowohl durch  Bergwald als auch durch Gebiete oberhalb der Waldgrenze. In der Höhenstufe des Waldes nutzen Tourengeher zumeist Forst- und Wanderwege,  Wiesen und  Alm-/Alpflächen. Oberhalb der Waldgrenze orientiert sich die Routenwahl an unterschiedlichen Faktoren, Einschätzung von Lawinengefahr, Wetter, Geländeeignung, Schneeverhältnisse etc. sind bei Skitouren wichtige Planungs- und Entscheidungsgrößen.

Auswirkungen auf den Naturraum

Das größte Konfliktpotenzial liegt in der Störung der Wildtiere. Dabei gibt es verschiedene Aspekte zu berücksichtigen:

  • Wildtiere können durch Skitourengeher zur Flucht veranlasst werden. Dies führt einerseits zu einem erhöhten Energieverbrauch, andererseits zum Verlassen geeigneter Überwinterungsgebiete bis hin zur Aufgabe von Futterplätzen und Nahrungsquellen, somit zur Reduzierung der Energiezufuhr. Weil Nahrung im Winter nur spärlich vorhanden ist und die Fett- und Energiereserven der Tiere knapp sind, kann dies fatale Folgen haben. Störungen können zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führen.
  • Besonders sensibel reagieren dabei die Raufußhühner (Auerhuhn, Birkhuhn, Schneehuhn). Diese Tiere können im Winter nur in den Stunden unmittelbar vor und nach der Dämmerung ihre Nahrung aufnehmen. Da sie keine Fettreserven anlegen, führt der erhörte Energieverbrauch bei Beunruhigung ebenfalls zu einem raschen Ansteigen des Mortalitätsrisikos, bei Störungen während der Balzzeit zur Schwächung der Population.
  • Wenn das Schalenwild (Hirsch, Reh, Gams, Steinbock) von den Futterplätzen vertrieben wird, flüchtet es und richtet im Bergwald Verbissschäden besonders an Jungbäumen an. Dies kann langfristig zur Beeinträchtigung der Schutzfunktionen des Bergwaldes führen.
  • Vegetationsschäden können auch durch scharfe Skikanten bei unvorsichtigem Abfahren entstehen.
  • Die Auswirkungen von Skitouren auf den Naturraum sind stark von der Höhenlage abhängig. Störempfindliche Wildtiere haben ihre Lebens- bzw. Überwinterungsräume v.a. in der Höhenstufe des Waldes sowie im Bereich der Wald- und Baumgrenze. Bei Skitouren in diesen Höhenlagen kann es zu Störungen kommen. Selten sind Konflikte in den höheren Lagen. Außerdem ist die Tageszeit ein entscheidender Faktor; problematisch sind die Dämmerungszeiten und die Stunden unmittelbar davor und danach.


Naturverträgliches Skitourengehen

Generell sollten die allgemeinen  Verhaltensregeln für Wintersportler beachtet werden.
Jeder Wintersportler hat die Möglichkeit, durch verantwortungsbewusstes Handeln die Eingriffe in das Ökosystem zu minimieren, sei es durch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Auswahl umweltfreundlicher Unterkünfte oder durch die Einhaltung der üblichen naturverträglichen Skirouten.

Skitourengehen im Detail

Geschichte

Der alpine Tourenskilauf gilt als Vorläufer für alle anderen Skisportarten. Heute finden wir eine breite Palette an Sportarten, die sich aus dem sogenannten „Skibergsteigen“ entwickelt haben. Bis zum Bau von modernen Beförderungsanlagen musste man bis vor dem zweiten Weltkrieg auf Skiern aufsteigen. Dazu wurden entweder ein Seehundfell oder Riemen unter die Lauffläche der Ski angebracht.
In den 1970er und 1980er Jahren entwickelte sich der Tourenskilauf nach und nach zum Freizeitsport.

Voraussetzungen

Die konditionellen und technischen Ansprüche an den Skitourengeher sind stark abhängig von der Route und von den Schneeverhältnissen. Eine einfache, kurze Tour kann problemlos von einem Skitouren-Neuling unter Leitung eines erfahrenen Tourenführers bewältigt werden. Mit wachsender Erfahrung können Skitouren selbständig durchgeführt werden.
Für den Aufstieg braucht ein Tourengeher hauptsächlich Ausdauer und, je nach Schwierigkeit der Tour, Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Skis, Fellen, Harscheisen und ggf. Anseilgurt und Pickel. Außerdem sollte man den Umgang mit der Lawinen-Sicherheits-Notfall-Ausrüstung (Lawinenverschütteten-Suchgerät LVS, Sonde, Schaufel) beherrschen. Die Abfahrt in unpräpariertem und ungesichertem Gelände setzt Erfahrung und die sichere Beherrschung des Sportgerätes voraus. Außerdem muss sich der Tourengeher auf eventuell wechselnde Schneeverhältnisse einstellen können (Firn, Harsch, Bruchharsch, Pulverschnee).
Ein eigenverantwortlicher Tourengeher oder Tourenführer muss zudem Kenntnisse und Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und anderer alpiner Gefahren sowie im Umgang mit den Orientierungs-Hilfsmitteln (Karte, Kompass, Höhenmesser, GPS) haben.

Die Durchführung von Skitouren ist abhängig von Lawinengefahr, Schneeverhältnissen und Witterung. Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz (BayNatSchG) darf grundsätzlich jeder zum Genuss der Naturschönheiten und zur Erholung alle Teile der freien Natur ohne behördliche Genehmigung und ohne Zustimmung des Grundeigentümers oder sonstigen Berechtigten unentgeltlich betreten (Art. 22 Abs. 1 und 2 BayNatSchG). Dieses so genannte Betretungsrecht gilt nur für Betätigungen im Rahmen traditioneller Formen der Freizeitgestaltung und Sportausübung, die dem Naturgenuss und der Erholung dienen.
Allerdings haben Landratsämter die Möglichkeit, bestimmte Bereiche aus Gründen des Naturschutzes zu sperren. Im Naturschutzgebiet Geigelstein z.B. ist  das Skitourengehen auf die üblichen, in Karten dargestellten Skirouten beschränkt.

Organisation der Sportart

Für geführte Touren, Ausbildung und Versicherung im Skitourenlauf ist der  DAV eine gute und kompetente Adresse. Aus Mitgliederbefragungen ist ersichtlich, wie viele der rund 960.000 Mitglieder (Stand 2013) Skibergsteiger sind und welche anderen Sportarten ausgeübt werden.

Varianten der Sportart

Snowboardtouren

Auch mit dem Snowboard lassen sich Touren durchführen. Für den Aufstieg werden meistens Schneeschuhe und manchmal auch Kurzski verwendet, wobei das Brett auf dem Rucksack getragen werden muss. Spezielle Tourensnowboards lassen sich für den Aufstieg in zwei Ski mit Laufbindung teilen und vor der Abfahrt wieder zu einem Brett zusammensetzen; dieses Konzept konnte sich allerdings bisher nicht durchsetzen. Mit den Schneeschuhen kann entweder in der Skispur aufgestiegen werden oder es wird eine neue, meistens steilere Spur angelegt. Bei Neuschnee erfordert das Spuren (Neuanlegen einer Spur) viel Kraft. Bei harten Schneeverhältnissen werden für steile Hänge Steigeisen notwendig. Snowboards sind für hochalpine Touren nicht geeignet, weil das zusätzliche Gewicht von Anseilmaterial, Steigeisen und Pickel neben dem Gewicht des Brettes manchem den Spaß verdirbt.

Skitouren-wettkämpfe

Skitourenrennen sind im Zusammenhang mit militärischen Übungen entstanden und waren bis zu den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz olympische Disziplin. Später sind die legendären Patrouillenrennen wie z.B. die Patrouille des Glaciers (Zermatt-Verbier) entstanden. In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Alpenländern teilweise alte, klassische Rennen wieder belebt und neue Wettkämpfe ins Leben gerufen. Der größte Teil der Rennen sind Team-Wettkämpfe (Zweierteams), einige werden als Einzelrennen durchgeführt.
Bei den Skitourenrennen legt der Organisator eine Spur, in welcher die Wettkämpfer aufsteigen können. Die Abfahrten sind markiert. Die Wettkämpfer müssen somit weder Orientierungsarbeit noch Lawinenbeurteilung ausführen. Die Reglementierung der Skitourenwettkämpfe auch hinsichtlich des Natur- und Umweltschutzes sowie die Betreuung der Nationalkader wird in Deutschland vom  Deutschen Alpenverein betreut.

Schneeschuh-wandern

siehe eigener Menüpunkt  Schneeschuhwandern

Skiwandern

Als Skiwandern werden einfache Skitouren in in flachem bis hügeligem  Gelände bezeichnet (z.B. in Mittelgebirgen oder im Alpenvorland). Nicht der Gipfel, sondern der Weg von A nach B ist das Ziel. Die Beurteilung der Lawinengefahr und die sichere Spuranlage können weitgehend vernachlässigt werden, das Mitführen von Lawinen-Notfall-Ausrüstung ist nicht zwingend notwendig.