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Segeln


© Michael Pütsch
Foto: Segelboote © Michael Pütsch

Beim Segeln wird ein Segelboot unter Nutzung der Energie des Windes fortbewegt. Segelsport ist eine Kombination aus strategischer Leistung (Abschätzen der besten Windbedingungen und Ausführen dementsprechender Manöver) und sportlicher Leistung (Bedienen der Takelage). Die Segel müssen zueinander und den vorherrschenden Winden entsprechend in Stellung gebracht werden, um die optimalen Strömungsbedingungen ausnutzen zu können. Beim Segeln messen sich die Sportler mit den Kräften der Elemente, was den besonderen Reiz dieser Sportart ausmacht. Das Naturerlebnis liegt aber auch in der besonderen Perspektive, die sich vom Boot aus über die Weiten der Wasserfläche oder küstennahe Landschaften bietet. Das Segeln kann jedoch Auswirkungen auf den beanspruchten Naturraum haben, die es zu beachten gilt.

Segeln und Natur

Beschreibung der Sportart

Der körperliche und geistige Anspruch der Sportart variiert stark mit der Intensität der Ausübung: von der erholsamen „Kaffeefahrt“ bis zum sportlichen Wettkampf. Es gibt zwei Arten des Segelsports, das Freizeitsegeln und das Regattasegeln. Beim Freizeitsegeln dauert der durchschnittliche Törn 3 – 5 Stunden, findet im Ufernahen Bereich statt und beginnt und endet im selben Hafen. Darüber hinaus gibt es das Fahrtensegeln, bei dem ein Törn teilweise über mehrere Tage oder sogar Wochen von einem Hafen zum anderen führt. Beim Freizeitsegeln geht es vor allem um das Erleben der und die Auseinandersetzung mit den Elementen und nicht um den Wettkampf mit anderen Booten. In diesem Punkt unterscheidet es sich grundlegend vom Regattasegeln: hierbei handelt es sich um einen Wettkampfsport, bei dem eine vorher abgestimmte Strecke von zwei oder mehreren Booten zur selben Zeit befahren wird. Die Wettkampfdauer ist dabei sehr unterschiedlich. Jollenregatten dauern einige Stunden, während Segler bei Hochseeregatten teilweise monatelang unterwegs sein können.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Vor einer abwechslungsreichen Ufer- bzw. Küstenlandschaft wird besonders gern gesegelt. Sich mit nichts anderem als Wasser und Luft zu umgeben sind Reize, die den Segler immer wieder auf das Wasser hinausziehen. Sich den Elementen so unmittelbar auszuliefern und sie kontrolliert zu beherrschen, ist ein weiterer Attraktivitätsfaktor. Die Komplexität des Sports und ein kalkulierbares Risiko machen Segeln zudem zu einer interessanten Wettkampfsportart, in der viele Segler eine Herausforderung suchen und finden.

Anforderungen an den Naturraum

Für ausreichend Wind ist meist eine große freie Wasserfläche nötig. Dort ist das Segeln attraktiver, da man länger einen Schlag (eine Strecke zwischen zwei Wenden beim Kreuzen) fahren kann, ohne ständig wenden zu müssen. Obwohl die meisten Segelboote wenig Tiefgang haben, kann eine unzureichende Wassertiefe bei Bodenkontakt zu Schäden am Rumpf führen. Um ein Segelboot vom Anhänger aufs Wasser zu bringen, muss eine sog. Slipanlage vorhanden sein. In den meisten Segelrevieren gibt es „Parkplätze“ auf dem Wasser (Bojenfelder, Steganlagen, Häfen) und an Land (Liegeplätze, Bootsschuppen).

Auswirkungen auf den Naturraum

Durch das Segeln können sich Auswirkungen auf Flora und Fauna ergeben. Man unterscheidet Belastungen durch die Fortbewegung auf dem Wasser und durch die zum Segeln notwendige Infrastruktur.
Wissenschaftliche Untersuchungen dazu finden Sie in der NaturSportInfo-Datenbank.

Mögliche Auswirkungen während des Segelns:

  • Die Präsenz und Bewegungen (bei kleinen Gewässern auch schon durch einen einzigen Segler) und insbesondere die Unterschreitung der Beunruhigungs- bzw. Fluchtdistanzen kann Wasservögel stören und vertreiben. Besonders problematisch ist dies während der Mauser (Juli bis August) und zur Winterrast (ab Oktober) auf Teilflächen großer Seen.
  • Durch den Bootsverkehr können Tiere gestört und Pflanzen (Schilf, Schwimmblattpflanzen, Unterwasservegetation) geschädigt werden.
  • Fahren im Flachwasser und in Ufernähe kann zu mechanischen Beschädigungen und Sedimentaufwirbelung führen und dadurch Tiere (insbesondere Brutvögel) stören, Pflanzen beschädigen und Kleinlebensräume in der Schwimmblattzone (windgeschützte Teile eines Sees, in denen Schwimmblattpflanzen angesiedelt sind) und im Schilfgürtel beeinträchtigen.
  • Ankern kann ebenfalls zu mechanischen Beschädigungen und Sedimentaufwirbelung zur Folge haben, was die Unterwasservegetation und die Benthosfauna (die in der Bodenzone eines Gewässers lebenden Tiere) beeinträchtigen kann. Langes Verweilen in Ufernähe kann außerdem zur Störung von Tieren führen.
  • Das Anlanden an naturnahen Ufern oder auf Inseln und der damit verbundene Lärm, Tritt- oder andere mechanische Schäden können der Auslöser für Ufererosion, die Beschädigung von Pflanzen im Schilfgürtel und in Flachwasserzonen sowie die Störung von Tieren sein.

Mögliche Auswirkung durch notwendige Infrastruktur:

  • Anlage, Erweiterung, Umgestaltung und Betrieb von Bootsliegeplätzen und Segelboothäfen haben zahlreiche negative Auswirkungen auf die Umwelt, z.B. Lebensraumstörung, Bodenverdichtung, Zerstörung der Vegetation, Belastung von Boden und Wasser durch Schadstoffe.
  • Das Einleiten von Schwarz- und Grauwasser sowie die Abgabe schädlicher Substanzen durch ein biozidhaltiges Antifouling kann zur Eutrophierung (der unerwünschten Zunahme eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbunden zu schädlichem Pflanzenwachstum) und zur Anreicherung von toxischen Schadstoffen in Wasser und Seeboden führen.
  • Das Schwojen (Schleifen) von Bojenketten kann die Zerstörung von Unterwasservegetation am Seeboden zur Folge haben.
  • Überbauung durch Uferbefestigungen, Slipanlagen und Seilwinden kann zu Bodenversiegelung, Lebensraumzerstörung, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und Beunruhigung von Tieren führen.
  • Überbauungen durch Bootsschuppen und Stege im Wasser können Vegetation und Lebensräume in der Flachwasserzone stören bzw. zerstören.
  • Barrieren wie Molen und Spundwände können die Gewässerdynamik beeinflussen, indem Strömungsverhältnisse verändert werden.
  • Durch Baumaßnahmen für Hafenbecken und Fahrrinnen und die damit verbundenen Ausbaggerungen, Aufschüttungen, Entschlammungen und den Lärm wird die Struktur des Gewässerbodens und der Wasserpflanzen mechanisch verändert bzw. zerstört. Das Umfeld kann sich trüben bzw. verschlammen.

betroffene Lebensräume

 Uferbiotope;  Wiesen und Weiden;  Seen

 


Naturverträgliches Segeln

Wie oben dargestellt, treten Konflikte mit der Natur im wesentlichen nahe oder direkt am Ufer auf. Naturverträglich zu segeln gelingt leicht, wenn man sich über aktuell geltende Schutzzonen und Mindestabstände informiert. Von Seiten der Behörden sollte darauf geachtet werden, dass störempfindlichen Arten der benötigte Schutz zuteil wird, indem Informationen über ihr Vorkommen bekanntgemacht werden und gegebenenfalls Schutzzonen ausgewiesen werden (vgl. auch <Konfliktlösungen>)

Es gibt eine Reihe von „freiwilligen Vereinbarungen“ zum Schutz von Natur und Umweld außerhalb des Ordnungrechts zwischen Wassersportlern, Behörden und Naturschutzorganisationen:

 Segler-Verband Nordrhein-Westfalen
Vereinbarung zum Schutz der gemeldeten FFH -Gebiete zwischen Emmerich und Bad Honnef und der wassersportlichen Nutzung dieses Gebietes

Freiwillige Vereinbarung „Naturschutz, Wassersport und Angeln im Greifswalder Bodden und Strelasund“

 Starnberger See, Freiwillige Vereinbarungen

Nur in einer intakten Umwelt lässt sich die Faszination und Schönheit des Segelsportes genießen. Hierbei kann jeder einzelne durch umweltgerechtes Verhalten an Bord zum Umweltschutz beitragen.
Der Segelsport ist seit Jahrzehnten aktiv um den Erhalt der Umwelt bemüht und sieht als eine seiner Aufgaben, Umweltbelastungen zu erkennen, in Eigenverantwortung zu lösen und in der Öffentlichkeit aufzuzeigen. Der  Deutsche Segler-Verband (DSV) beispielsweise fördert mit zahlreichen Aktivitäten den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und setzt sich für die Ausübung des Wassersports im Einklang mit der Natur ein. Dabei unterstützt der DSV den Umweltschutz aktiv mit eigenen Projekten und berät seine Mitgliedsvereine bei ihren Initiativen.
Es gehört zur guten Seemannschaft, dass sich jeder Segler vor Fahrtantritt genau über die nautischen und verkehrsrechtlichen Gegebenheiten in seinem geplanten Fahrrevier erkundigt. Allerdings geschieht das durch Studium der aktuellsten Seekarten und nautischen Veröffentlichungen (NfS) des BSH bzw. der WSV (ELWIS).
Darüber hinaus kann sich der der Segler natürlich auch bei Verbänden und Naturschutzvereinen erkundigen, aber bitte nicht über „Regelungen“ im Fahrrevier. Der DSV bietet hierfür zahlreiche Broschüren zum Thema umweltverträgliches Segeln an und verfügt über sehr umfangreiche Informationen und Informationsmaterial auf seiner  Internetseite.
Eine sehr gute Zusammenfassung für Grundsätze des Umweltverträglichen Segelns bieten die  „10 Goldenen Regeln“ für umweltgerechtes Verhalten, die der DSV gemeinsam mit den Wassersportspitzenverbänden im Deutschen Olympischen Sportbund und mit dem Deutschen Naturschutzring erarbeitet hat. Inzwischen finden diese „Goldenen Regeln“ eine große Verbreitung und Akzeptanz für die Wassersportler und sind integraler Bestandteil der Segelausbildung.
Auch in Hafenanlagen, vor allem diejenigen die mit der „Blauen Flagge“ ausgezeichnet sind, werden Gast-Segler und Vereinsmitglieder zu einem sensiblerem Umgang mit Umwelt und Natur aufgeklärt, sowie zur ordnungsgemäßen Entsorgung von Abfällen, wie z.B. Altöl und Bilgewasser aufgefordert. Überdies wird das Thema „Umweltschutz beim Segeln“ inzwischen auch in der Sportbootführerschein Ausbildung als ein wichtiger Themenblock abgefragt.

Segeln im Detail

Geschichte

Die Geschichte des Segelbootbaus führt uns einige tausend Jahre zurück zu schwimmenden Baumstämmen und Flößen. Der Wunsch, immer größere Strecken auf dem Wasser zurücklegen zu können und die Erkenntnis, dass sich Holzbretter hervorragend zum Schiffsbau eignen, führten vor ca. 5000 Jahren zu der Entwicklung des hölzernen Plankenbootes. Es folgte die Erfindung des Mastes und des Segels, wobei die frühste Abbildung eines Segels aus dem Niltal in Ägypten stammt. Jahrhunderte lang wurden Segelschiffe für Entdeckungsreisen, Handelsfahrten und als Kriegsfahrzeuge eingesetzt. Die Erfindung der Dampfmaschine schmälerte schließlich die Bedeutung der Segelschiffe; sie wurden zunehmend von den windunabhängigen Dampfschiffen abgelöst. Bereits im 19. Jahrhundert entdeckten die Engländer das Segeln als Freizeitsport, auch wenn es über viele Jahrhunderte ein Sport für Reiche und Adlige blieb. Die ersten deutschen Segelclubs wurden im Jahr 1850 gegründet. Die erste Regatta wurde 1882 veranstaltet; aus ihr ging auch die Kieler Woche, das größte Segelsportfest der Welt, hervor. Segeln ist heute ein weit verbreiteter Freizeitsport.

Voraussetzungen

Zu den witterungsbedingten Voraussetzungen zählt in erster Linie der Wind; zuviel oder zuwenig kann den Spaß am Segeln verderben. Gefährlich wird es bei Sturm und Gewitter, da Segelmasten einen Blitzeinschlag provozieren. Zur eigenen Sicherheit sollten bei jedem Wetter Schwimm- oder Rettungswesten getragen werden.
Der Segelschein ist ein Qualifikationsnachweis über praktische und theoretische Segelkenntnisse. Für das Führen eines Segelbootes wird in Deutschland die entsprechende Kenntnis der Regeln verlangt; ein Nachweis darüber in Form eines Führerscheins ist jedoch nicht immer erforderlich. Der
 Deutsche Segler-Verband (DSV) vergibt neben amtlichen Segelscheinen auch Jüngstensegelscheine und Sportsegelscheine. Außerdem ist der Erwerb zusätzlicher Qualifikationsnachweise über den Umgang mit Funkgeräten oder Notsignalmitteln möglich. Für einige Gewässer müssen Sonderregelungen beachtet werden. Um z.B. auf dem Bodensee ein Kleinfahrzeug führen zu dürfen, ist ein Bodensee­schifferpatent nötig.

Es gibt verschiedene Arten von Segelbooten: Hinsichtlich der Rumpfform wird zwischen offenen (Jolle) und gedeckten Booten (Yacht) oder zwischen Booten mit einem oder mehreren Rümpfen differenziert. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal: Jollen besitzen ein absenkbares Schwert, Kielboote einen starren, schweren Kiel und haben damit sehr viel mehr Tiefgang. Das wirkt sich auch auf die Stabilität aus: mit zunehmender Schräglage wird eine Jolle instabiler, das Schwert dient vornehmlich als Gegenkraft zum Seitenabtrieb. Durch das Gewicht der „Kielbombe“ stabilisiert sich dagegen eine Yacht; sie ist praktisch nicht kenterbar.
Die Segel können in Längsrichtung (Schratsegel) oder quer (Rahsegel) zum Boot geführt werden. Ein Segelboot kann zudem einen oder mehrere Masten haben.
Neben dem Wissen um Segel- und Ruderstellung zur Steuerung des Boots sind weiterführende Materialkenntnisse wichtig, um das Boot richtig zu trimmen (Ladung verteilen).

Die für den Segelsport notwendigen Hafenanlage werden in 3 Typen unterschieden:

  • Bojenfelder: Wasserliegeplätze an Bojen, wobei der Kontakt zum Land über Zubringerboote erfolgt
  • Steganlagen: einzelne oder in Gruppen zusammengefasste Stege in offener Bauweise
  • Sportboothäfen in massiver Bauweise: größere Anlagen für Segelboote und Motorboote mit gemauerter oder betonierter Hafenumgrenzung (Spundwände, Steinschüttungen, Kaimauern)

Organisation der Sportart

Fast alle mittleren und großen Gewässer werden als Segelreviere genutzt. Nationale Dachverbände sind der
 Deutsche Segler-Verband, in der Schweiz die  Swiss Sailing, und auf internationaler Ebene agiert die
 International Sailing Federation (ISAF).
Mitte 2012 waren 1.311 Segel- und Surfvereine mit insgesamt 186.477 Seglern im DSV organisiert.

Varianten der Sportart

Eissegeln

Seit über 400 Jahren wird auch auf Eis gesegelt, und zwar mit einem Kufenschlitten statt eines Bootes. Der Geschwindigkeitsrekord von 229 km/h hält sich seit 1938. Die Flottensekretäre in fünf Regionen bieten Lehrgänge zu Verkehrsregeln und Sicherheitsverhalten mit abschließender Prüfung zum Erwerb des Eissegelscheins an. Internationaler Dachverband ist u.a. die  International DN Ice Yacht Racing Association (IDNIYRA).

Landsegeln

Seit über 100 Jahren wird auch am Strand gesegelt. Strandsegler erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 130 km/h. Dies birgt ein entsprechendes Unfallrisiko für Mensch und Tier. Deswegen ist zum Fahren eines Strandseglers ein Pilotenschein des DSV Voraussetzung. Internationaler Dachverband ist die  International Land and Sandyachting Federation (FISLY), für Deutschland ist der „Ausschuss Eis-, Land- und Strandsegeln“ beim DSV zuständig.

Konfliktlösungen