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Schneeschuhwandern


Schneeschuhwanderung © Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Schneeschuhwanderung © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Schneeschuhwandern ist das  Wandern im tiefen Schnee ohne Skier mittels Schneeschuhen, deren große Oberfläche ein Einsinken weitgehend verhindert. Im Prinzip kann so fast jedes schneebedeckte Gelände begangen werden. Ob still und gemütlich oder spannend und abenteuerlich – die Sportart eignet sich für Menschen jedes Alters und kann als Freizeit- oder Hochleistungssport betrieben werden. Schneeschuhe finden Anwendung bei Winterexpeditionen, als Aufstiegshilfe für Snowboarder oder bei Wanderungen. Dieser seit einigen Jahren boomende Natursport wird in allen Regionen der  Alpen über einen großen Höhenbereich, schwerpunktmäßig aber in mittleren Lagen ausgeübt. Indem gezielt abgelegene Bereiche ohne störende Infrastruktur wie zum Beispiel markierte Wanderwege aufgesucht werden, birgt das besonders für Wildtiere ein beträchtliches Gefährdungspotenzial.

Schneeschuhwandern und Natur

Beschreibung der Sportart

Das Schneeschuhwandern verbindet das Naturerlebnis in der Winterlandschaft mit den Vorzügen einer Ausdauersportart: Sie wirkt sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System aus und beugt somit Bluthochdruck, Infarkten und Diabetes vor. Allerdings müssen je nach Routenwahl alpine Gefahren, insbesondere Absturz- und Lawinengefahr dringend beachtet werden! Außerdem bietet Schneeschuhwandern seelische Entspannung und Abwechslung zum Arbeitsalltag mitten in der Natur in atemberaubenden Schneelandschaften und bei abgasfreier Luft.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Schneeschuhläufer werden von der faszinierenden Kulisse der verschneiten Gebirgswelt und deren Einsamkeit und Ruhe angelockt, um sich vom Alltagsstress zu lösen und neue Kraft zu schöpfen. Das ganzheitliche Naturerlebnis in einer Winterlandschaft oft ohne störende Infrastruktur wie z.B. Skipisten, die das Naturerlebnis stören können, sowie abseits von anderen Menschen, stellt für den Schneeschuhläufer das wichtigste Motiv für seine Sportausübung dar (Ingold 2005: 139).

Auswirkungen auf den Naturraum

Die Beliebtheit des Schneeschuhwanderns ist für die Natur nicht unproblematisch. Schneeschuhwanderer dringen in bis dato ungestörte, für Skitourengeher uninteressante Räume (z.B.  Wälder) ein und stellen somit eine erhebliche Störung des Wildes dar.
Schneeschuhläufer sind im Gegensatz zu  Wanderern oder  Pistenskifahrern nicht an eine bestimmte Infrastruktur gebunden, was bedeutet, dass eine dadurch gegebene Kanalisierung der Sportler entfällt. Schneeschuhwandern wird über alle Höhenstufen ausgeübt und überschneidet sich deshalb stark mit den Lebensräumen störempfindlicher Tierarten, die im Winter dringend Ruhe brauchen – wie zum Beispiel  Rauhfußhühner,  Steinbock, Gams und  Reh (DAV 2004).

Vor allem die Wintermonate sind für die Wildtiere eine besonders schwierige Zeit – niedrige Temperaturen, ein spärliches Angebot an frischer Nahrung, Lawinen. Zudem fällt bei den meisten  Säugetieren die Fortpflanzungszeit in den Winter, denn dadurch haben die im Frühjahr geborenen Jungtiere eine Chance, sich im kurzen Bergsommer zu entwickeln und sich die notwendigen Reserven anzufressen, um den nächsten Winter zu überleben (Winkler et al. 2005: 14, 20).
Werden Wildtiere häufig unvermittelt durch Natursportler gestört, werden sie aufgeschreckt und zur Flucht veranlasst. Die Tiere verbrauchen durch Flucht im hohen Schnee übermäßig viel Energie und ihre Überlebenschance sinkt erheblich.

Eigentlich ist die Strategie der Tiere im Winter, sich möglichst wenig zu bewegen, um ihre Energieausgaben tief zu halten, denn auch ohne zusätzliche Belastungen gelangen viele Wildtiere an ihre körperlichen Grenzen. Die Fortpflanzung kann unterbunden werden, indem die Tiere unnütz zu viele Fettreserven verbrennen oder Nistplätze aufgeben müssen. Die Tiere verlassen gute und geschützte Einstands- und Futterplätze und verlieren so wertvollen Lebensraum. Wird das Schalenwild von seinen Wintereinstandsplätzen in den Bergwald vertrieben, so hat das negative Auswirkungen auf diesen Lebensraum, denn die Tiere richten Verbissschäden an Jungbäumen an, was auf lange Sicht gesehen zu einer Schädigung des Waldes führen kann. (Arlettaz et al. 2007, Ingold 2007).



Naturverträgliches Schneeschuh- wandern

In einigen Gebieten existieren schon markierte Schneeschuhwanderrouten, die der Sportler wahrnehmen sollte. Lawinenkundliches Wissen ist Voraussetzung für eine sichere Durchführung von Schneeschuhtouren, ggf. ist die Inanspruchnahme eines ortskundigen Bergführers dringend zu empfehlen. Der  DAV arbeitet intensiv an Konzepten für naturverträgliche Wintertouren und für eine Lenkung der Schneeschuhwanderer auf entsprechende Routen.
Generell sollten die allgemeinen  Verhaltensregeln für Wintersportler beachtet werden.
Jeder Wintersportler hat die Möglichkeit, durch verantwortungsbewusstes Handeln die Eingriffe in das Ökosystem zu minimieren, sei es durch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Auswahl umweltfreundlicher Unterkünfte oder durch die Einhaltung naturverträglicher Routen.

Schneeschuhwandern im Detail

Geschichte

Beweisstücke wie Höhlenzeichnungen belegen, dass Schneeschuhe vor etwa 12.000 Jahren erstmals entwickelt wurden. Jäger und Sammler waren gezwungen, auch in den harten, schneereichen Wintermonaten zu jagen und suchten nach Mitteln, um weniger tief im Schnee zu versinken. Vor 6.000 bis 8.000 Jahren benutzten die Menschen in Zentralasien Schneeschuhe, um über die Bering­strasse nach Alaska und Kanada zu gelangen und so Nordamerika zu besiedeln. Diese Schneeschuhe bestanden aus einem Stück Holz, das in einfachster Weise mit einem Riemen am Fuß befestigt war. Die Indianerstämme Nordamerikas bauten ihre Schneeschuhe aus einer einzelnen Hartholzleiste, meist Weiß-Esche, welche gebogen und mit Tiersehnen oder Därmen und Fellen bespannt wurden. Die Schneeschuhe wurden meist mit Lederriemen, seltener mit Schnallen am Mokassin befestigt. Derartige Schuhe werden noch immer von amerikanischen Ureinwohnern hergestellt und verkauft (Library thinkquest 2007).

Als die Europäer im Jahr 1608 nach Nordamerika einwanderten, waren sie beeindruckt von dem praktischen Hilfsmittel der Indianer, das ihnen ermöglichte, auch schwierig erreichbare Gebiete zu entdecken. Sie lernten von den Indianern, wie man Schneeschuhe baut, entwickelten ihren eigenen Stil und Schneeschuhe wurden auch ein Teil der Kultur der europäischen Einwanderer, Trapper, Goldsucher und Händler. Um 1900 wurden die Schneeschuhe leichter und kürzer als 1 m. Dank holzgefertigter Rahmen aus Hickory wurden sie auch flexibler, komfortabler und ästhetischer. Mit der urbanen Zivilisation kam immer mehr das Bedürfnis der Stadtbevölkerung auf, sich in der Natur zu erholen. Die eigentliche Revolution in der Herstellung und Bauart der Schneeschuhe begann im Jahr 1970, als die ersten Schneeschuhe aus Aluminium auf den Markt kamen. Diese waren mit einer beweglichen Bindung und mit Harscheisen ausgerüstet. Bespannt wurden sie mit einem strapazierfähigen Kunststoffüberzug. Seit den 1980er Jahren gibt es Schneeschuhe aus hochwertigem Kunststoff.

Im Alpenraum tauchten die ersten Schneeschuhe im 17. und 18. Jahrhundert bei den Bauern auf, die so ihre abgelegenen Ställe erreichen konnten. Jäger und auch Wilderer gingen mit den „Trittlingen“ oder „Schneereifen“ genannten Geräten auf die Pirsch (Lutz 2004:11).

Voraussetzungen

Schneeschuhlaufen ist für Jedermann einfach zu erlernen, beschränkt sich auf wenig Material und ist nicht auf technische Anlagen angewiesen.
Eine wesentliche Voraussetzung zur sicheren, erlebnisreichen und naturverträglichen Durchführung einer Schneeschuhtour im Gebirge ist die entsprechende Vorbereitung:

  • Erste Tourenerfahrungen bei einer geführten Schneeschuhwanderung sammeln, nicht im Alleingang.
  • Vor Tourenstart Ausrüstung überprüfen.
  • Tourenziel abhängig von aktuellen Informationen über Lawinengefahr, Schneebeschaffenheit, Wetterprognose und Temperatur kurzfristig festlegen.
  • Schwierigkeitsgrad des Weges planen.
  • Höhenmeter und Streckenlänge von Auf- und Abstieg berücksichtigen.
  • Informationen über Naturschutz-, Wald- und Wildschongebiete einholen. Naturverträgliche Routen einhalten.
  • Über Einkehrmöglichkeiten informieren.
  • Niemals bereits vorhandenen Spuren blind folgen.
  • Leichtigkeit und Stabilität
  • Bruchfestes Material
  • Vereisungssichere Grundflächen ohne Stollen
  • Bruchsichere, verstellbare Bindung mit Fersenfreiheit
  • Eine integrierte, aber im Bedarfsfall abnehmbare Harschkralle aus Stahl ist ein Muss für den Einsatz auf harten und geneigten Hängen.

Zur Ausrüstung zählen zusätzlich Touren- beziehungsweise Skistöcke, da sie die Trittsicherheit beim Gehen und Steigen erhöhen. Karten, Kompass und Höhenmesser, evtl. GPS, wetterfeste Winterkleidung, Getränke, Essen, Notfallausrüstung (Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Handy) sowie bei Touren mit Lawinenrisiko entsprechende Lawinen-Notfall-Ausrüstung (Lawinenverschütteten-Suchgerät LVS, Schaufel, Sonde) sollten ebenfalls mitgeführt werden (DAV 2004).

Der Schneeschuh wird aus High-Tech-Materialien, z.B. Flugzeugaluminium, Titan und Neopren hergestellt. Er ist so konstruiert, dass ein Einsinken im gut gesetzten oder windgepressten Schnee verhindert wird und ein Dahinschreiten fast mühelos möglich ist. Es ist wichtig, etwas breiter als normal zu gehen. Auch sehr steile Abhänge können mit Schneeschuhen begangen werden. Harte Steilhänge bedürfen jedoch einer besonderen Gehtechnik. Bei steilen Hängen mit wenig hartem Schnee bremst die eigene Spur das Rutschtempo besser als eine bestehende (Lutz 2004: 12). Weitere Informationen zur Technik des Schneeschuhgehens sind auf der Internetseite  www.alpin.de aufgeführt.

Organisation der Sportart

Schneeschuhwandern (abseits markierter Wanderwege und Skipisten) hat in den letzten Jahren alpenweit stark zugenommen und gilt als eine der am schnellsten wachsenden Natursportarten. Der Trend des Schneeschuhlaufens dürfte noch einige Jahre andauern. Viele Faktoren weisen auf eine Steigerung und Fortsetzung des Schneeschuhbooms hin. Hierzu zählt unter anderem der Klimawandel, welcher vielerorts den Pistenbetrieb zeitlich einschränken wird, die Sportartikelindustrie sowie die touristischen Anbieter (Tourismusverbände, Beherbergungsbetriebe, Berg- und Skischulen etc.), die das Schneeschuhlaufen aktiv bewerben und damit den Trend forcieren (Schneeschuhlaufen mit Vernunft, in: Walliser Bote, 26.01.2007).

In der Schweiz wurde durch das  Bundesamt für Umwelt BAFU und dem  Schweizer Alpen-Club SAC die Kampagne «Respektiere deine Grenzen» lanciert. Die Kampagne hat ihren Ursprung im österreichischen Vorarlberg, wo sie 2003 von der Landesregierung gestartet wurde. Unterdessen beteiligen sich weitere österreichische Bundesländer sowie in Deutschland das Bun