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Rafting


© Michael Pütsch
Foto: Rafting © Michael Pütsch

Beim Rafting werden mit einem Schlauchboot (Raft = englisch für Floß) Wildwasserflüsse befahren. Was diesen Sport so reizvoll macht, ist das Abenteuererlebnis, die Erfahrung der Wasser­kraft und deren Bewältigung in der Gruppe. Belastungen der Natur können beim Ein- und Aussetzen bzw. Anlanden der Boote und durch die Fortbewegung auf dem Wasser entstehen.

Rafting und Natur

Beschreibung der Sportart

In Gruppen von meist 6-10 Personen werden Wildwasserflüsse mit einem Schlauchboot befahren und von den „Raftern“ mit Stechpaddeln gesteuert. Auf den seitlichen Schläuchen sitzend hält man sich über Fußschlaufen am Boot fest und hat so beide Hände zum paddeln frei. Geführt von einem erfahrenen Raftguide bewältigt man Wellen und Walzen.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Wildwasserrafting ist aus zwei Gründen attraktiv: zum einen erleben Rafter die Naturgewalt des Wildwassers, zum anderen aber auch die umgebende Natur aus einem neuen Blickwinkel. Das durchaus vorhandene Risiko dieser Sportausübung wird durch den Einsatz von Bootsführern abgemildert und überschaubar gehalten. Das unmittelbare Naturerlebnis führt zu dem besonderen Reiz der Sportart: „Natur pur“, „Kraftprobe mit dem Fluss“, Extremsituationen sind Merkmale, die im Alltagsleben der meisten Menschen nicht mehr auffindbar sind. Die psychische Belastung ist trotz der Übertragung der Verantwortung an den Bootsführer ausgesprochen hoch.

Anforderungen an den Naturraum

Wie auch beim Wildwasserkanu sind  Flüsse oder Bäche mit einer starken Strömung gefordert. Die Bootsgröße und das Können der Rafter müssen auf Tiefe und Breite des Wassers sowie Hindernisse abgestimmt sein. Hindernisse, die nur durch das Umtragen des Bootes an Land bewältigt werden können, sollten nicht zu zahlreich auftreten. Verkehrsanbindungen an den Ein- und Ausstiegen sind für den Transport des Materials von Vorteil.

Auswirkungen auf den Naturraum

Im Bereich der Ein- und Ausbootstellen bzw. der Rastplätze entsteht sicher eine erhöhte Belastung des Ökosystems, wenn auch punktuell. Problematisch sind Raftinggruppen, die nicht ausreichend über naturvertägliches, rücksichtsvolles Verhalten informiert sind und ungenügendes technisches Wissen verfügen. Sie halten nach Belieben überall an, auch ohne Rücksicht auf ausgewiesene Schutzzonen zu nehmen. Dies schädigt vor allem die Fauna und Flora durch Trittschäden an den Ein- und Ausstiegsstellen sowie den Rast- und Lagerplätzen. Betroffen sind in erster Linie die besonders sensiblen Uferabschnitte im Bereich des Kehr- und Ruhigwassers.

Mögliche Auswirkungen beim Ein- und Aussetzen:

  • In empfindlichen Biotopen können Tritte zu Schäden am Uferbewuchs, zu Uferabbrüchen, Artenverschiebung sowie Vegetationsverlust im Bereich der Ein- und Ausstiegsstellen sowie beim Umtragen führen.
  • Störempfindliche Tiere können beunruhigt oder vertrieben werden. Erheblich zeigt sich das in der Brutzeit der am Wasserlauf heimischen Vögel
    ( Eisvogel,  Wasseramsel,  Flussuferläufer etc.), die bei Störung die Brut- und Nahrungsaufnahme unterbrechen.
  •  Röhricht und Unterwasserpflanzen können beschädigt werden. Schilfbestände sind Rückzugsraum für einige Vogelarten und auch Lebensraum für viele Wirbellose. Wird nur ein Halm dieses Gewächs beschädigt, dringt Wasser in das Wurzelgeflecht hinein und die komplette Pflanze stirbt ab.

Mögliche Auswirkungen während des Raftings:

  • Die bloße Anwesenheit von Raftern auf dem Wasser kann eine Störung wildlebender Tiere (Fische, Wasservögel, Fischotter) darstellen. Hierdurch werden Stressreaktionen ausgelöst, die abhängig von den jeweiligen Fluchtdistanzen der Tiere sind. Wenn auf einem Gewässer über längere Zeit viele Boote unterwegs sind, kann der Einfluss auf die Tiere stark sein.
  • Für  Vögel ist ein gleichmäßiges, ruhiges Vorbeifahren von einzelnen Booten kaum problematisch. Gehäuftes und lautes Auftreten kann bei Arten, die ihr Nest im Uferbereich haben, zu längeren Unterbrechungen bei der Fütterung der Jungen führen. Wenn Wassersportler Kiesinseln oder Kiesbänke betreten, auf denen sich Gelege befinden, können sie die getarnten Eier oder geschlüpfte Junge zertreten.
  • Fischlaichplätze im Kiesbett können zum einen durch mechanische Belastung der Gewässersohle (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder durch Sedimentaufwirbelung (Schlammbänke und Feinsand) zerstört werden. Dies geschieht häufig in flachen Gewässern und an exponierten Stellen.
  • Beschädigung von  Röhricht und Unterwasserpflanzen (s.o.).


Naturverträgliches Rafting

Kommerzielle Anbieter dürfen nur an vorgeschriebenen Plätzen anlanden, damit Störungen von Vögeln minimiert werden. In den letzten Jahren wurden von den Verbänden große Anstrengungen unternommen, die kommerziellen Anbieter für das Thema Naturschutz und Konfliktbereiche zu sensibilisieren. Den meisten Anbietern ist bewusst, dass der Lebensraum im und am Fluss ein Teil ihres „Kapitals“ ist und somit auch erhalten und geschützt werden muss. Kommerzielles Rafting ist z.B. in der Schweiz grundsätzlich bewilligungspflichtig. An die Bewilligung sind meistens Bedingungen zum Schutz des Ökosystems geknüpft wie etwa definierte Ein- und Ausstiegsstellen, Rastplätze oder zeitliche Einschränkungen.

Rafting im Detail

Geschichte

Schon vor über 200 Jahren wurden Flöße aus Baumstämmen für Transporte auf Flüssen genutzt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erstmals ein aufblasbares Boot für die Erforschung eines Flusses eingesetzt; das Gummimaterial konnte sich aber nicht durchsetzen. Bei nachfolgenden Expeditionen wurden dann eher wieder Ruderboote aus Holz eingesetzt, so z.B. 1869 bei der Erstbefahrung des Grand Canyons auf dem Colorado River durch John Wesley Powell.
Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg entwickelte die US-Armee aufblasbare Rettungsboote, welche aus robustem, widerstandsfähigem Gummi hergestellt wurden. Diese Rafts, den heutigen ähnlich in Größe, Form und Design, wurden dann auch von privaten Abenteurern und Wildwasserprofis verwendet, um die unzugänglichen Schluchten Nordamerikas zu erforschen. 1952 wurde in den USA die erste Konzession für kommerzielles Rafting und eine neue Sportart war geboren. Es wurden speziell für das Befahren von Wildwasser aufblasbare Boote gebaut und weiterentwickelt.
In den 1960er und 1970er Jahren verbreitete sich Rafting weltweit. Mit der Entwicklung und Verbesserung der Materialien wurde der Sport, der vorher nur einigen abenteuerlustigen Wildwasserfanatikern vorbehalten war, einer breiten Masse zugänglich. In Europa werden seit Beginn der 1980er Jahre kommerzielle Raftingtouren angeboten. Inzwischen ist Rafting auch als Wettkampfsport gängig.

Voraussetzungen

An einer Raftingtour kann grundsätzlich jeder Schwimmer mit einer gewissen Grundkondition teilnehmen. Ausrüstungsgegenstände sind Neoprenanzug, Neopren- oder Spritzjacke, Wildwasserhelm, Neoprenfüßlinge, Schwimmweste und ein Paddel. Bei Hochwasser sollte generell von der Befahrung von Wildwasserflüssen abgesehen werden, da die Strömungsverhältnisse nur äußerst schwierig einzuschätzen sind. Die minimalen Anforderungen an Rafting-Teilnehmer sind in der Schweiz in den „Richtlinien Rafting“, heraus­gegeben vom Bundesamt für Sport, aufgelistet.

Organisation der Sportart

Rafting wird typischerweise über kommerzielle Anbieter als Freizeitsport betrieben. In der Schweiz wird das Rafting in Schlauchbooten auf Flüssen im Bereich der höheren Schwierigkeitsgrade (ab Wildwasser 3, z.B. Vorderrhein, Inn, Simme, Saane und Lütschine) nur punktuell und fast ausschließlich von kommerziellen Anbietern und Gelegenheitssportlern ausgeübt. Das Befahren von Flüssen mit geringerem Schwierigkeitsgrad (Wildwasser 1 und 2, z.B. Aare von Thun nach Bern oder Reuss von Bremgarten nach Gebensdorf) ist an heißen Sommertagen als Freizeitaktivität durchaus beliebt. Dabei steht der Spaß und nicht die sportliche Herausforderung klar im Vordergrund. In der Schweiz ist das kommerzielle Rafting durch die beiden Verbände  Swiss Outdoor Association (SOA) und Schweizerischer Trendsport Verband (STV) vertreten.
In Deutschland ist das kommerzielle Rafting durch den
 Bundesverband Kanu e.V. vertreten. Dort sind sowohl führende Kanuanbieter, -schulen und -hersteller als auch Händler aus Deutschland und angrenzenden Ländern organisiert. Der  Bundesverband Kanu e.V. (BVKanu) bildet Raftingführer aus.

Varianten der Sportart

Wettkampfsport

Rafting als Wettkampfsport unterteilt sich in 3 Disziplinen und findet meist auf sehr schwerem Wildwasser statt.

Sprint
Im Sprint fahren jeweils zwei Mannschaften gegeneinander. Der Gewinner kommt in die nächste Runde, bis die beiden Besten aufeinander treffen und der Sieger ermittelt wird.

Slalom
Beim Slalom ist das Ziel, einen durch gekennzeichnete Tore ausgehängten Parcours in schnellstmöglicher Zeit und fehlerfrei, d.h. ohne Torberührung, zu überwinden. Es werden 2 Läufe gefahren, von denen der Schnellste in die Wertung kommt. Das Team mit der schnellsten Gesamtzeit gewinnt.

Abfahrtsrennen
Das Abfahrtsrennen, welches am letzten Wettkampftag ausgetragen wird, erstreckt sich über 20 – 60 Minuten. Alle Mannschaften starten gleichzeitig (Massenstart). Die beste Startposition hat die bis dahin führende Mannschaft aus Sprint und Slalom. Gewinner des Abfahrtsrennens ist die Mannschaft, die als erstes das Ziel erreicht.

Gewinner der Gesamtwertung ist die Mannschaft, welche aus den drei Disziplinen die höchste Gesamtpunktzahl erreicht hat.

Konfliktlösungen

Weitere Konfliktlösungen