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Radfahren


Radfahrer © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Radfahren gehört zu den beliebtesten sportlichen Freizeitbeschäftigungen überhaupt. Es verbindet Erholung an der frischen Luft und Körperertüchtigung auf ideale Weise. Der Reiz der Fortbewegung mit Fahrrad liegt darin, die Natur mit Hilfe der eigenen Muskelkraft, aber ohne allzu große Anstrengung und sehr unmittelbar zu „erfahren“. Radfahrer erwarten vom Naturraum eine attraktive, vielfältige Landschaft, die durch befestigte, aber nicht zu stark von motorisierten Fahrzeugen frequentierte Wege erschlossen ist. Die Auswirkungen auf den Naturraum sind relativ gering, dennoch kann es zu Störungen der Natur kommen.

Radfahren und Natur

Beschreibung der Sportart

Meist wird zwischen Alltags-, Freizeit- und professionellen Radfahrern unterschieden. Auch beim Fahrrad selbst steht eine Vielzahl von Modellen zur Auswahl. Radfahren kann man grundsätzlich in jedem Naturraum. Da für bergiges Gelände eher Rennräder oder  Mountainbikes zum Einsatz kommen, beschränkt sich das einfache Radfahren auf Wege mit relativ festem Untergrund in gemäßigtem Gelände.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Für Freizeitfahrer ist das Naturerlebnis – sofern das Radfahren nicht nur der Beförderung von einem Ort zum anderen dient – bei Radtouren oder beim Radwandern ein zentrales Kriterium. Die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen und genießen zu können, macht hier den Reiz aus. Dies bestätigt auch die Grundlagenuntersuchung „Fahrradtourismus in Deutschland“: Natur und Landschaft sind ausschlaggebende Motive für die Wahl der Destination. Bevorzugte Landschaften sind Flüsse, Seen und Küste.
Generell gilt: je ambitionierter der Radfahrer, desto weniger relevant ist für ihn das Naturerlebnis. So achten Radrennsportler weniger auf das Landschaftsbild, sondern eher auf die erreichte Zeit auf einer bestimmten Strecke.

Anforderungen an den Naturraum

Radwege sollten so eben wie möglich sein und keine Hindernisse aufweisen. Ein zusammenhängendes Wegnetz durch verkehrsberuhigte Gebiete und abwechslungsreiche Landschaften wird generell als angenehm empfunden, gerade bei Radtouren in größeren Gruppen oder mit der Familie. Wenn die Route zudem an attraktiven Aussichtspunkten, Rastplätzen, Gaststätten oder sonstigen Besonderheiten der Region vorbei führt, steigt der touristische Wert einer solchen Route nochmals.
In Deutschland setzt der  Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) mit seinem Gütesiegel „ADFC-Qualitätsroute“ deutschlandweite Standards für Radfernwege. Er bewertet bei den Routen, was Radfahrer vor Ort erwarten können, wie die Routen aussehen und wo der Service stimmt.
In der Schweiz gelten die neun Routen des  Velolandes Schweiz als vorbildlich.

Auswirkungen auf den Naturraum

Da Radfahrer normalerweise vorgeschriebene Wege nutzen, sind die Einwirkungen auf den Naturraum im Allgemeinen entsprechend gering. Allerdings kommt es vereinzelt zu Störungen von Wildtieren. (Ingold 2005; Lüttmann 2002: 48f)
Bei der Planung von Radwegen sollte der Einfluss auf die Natur (neben der Scheuchwirkung u.a. auch Zerschneidung von Lebensräumen, Kollisionsgefahr mit Tieren) nicht unterschätzt werden.

Naturverträgliches Radfahren

Bei der Ausarbeitung längerer Strecken sollte man sich immer über die Lage von geschützten Gebieten informieren und diese auch respektieren – selbst wenn dies zu einem Umweg zwingen sollte. Ganz verzichten sollte man darauf, bestehende Straßen und Wege zu verlassen oder gesperrte Naturschutzgebiete oder Wildruhezonen zu durchqueren. Mit Hilfe spezieller Radkarten, die auf Steigungen und stark befahrene Abschnitte aufmerksam machen, können Routen durch landschaftlich reizvolle Gebiete geplant werden.

Radfahren im Detail

Geschichte

Die Geschichte des Radfahrens begann mit dem Patent für das erste Laufrad, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgestellt wurde. In Deutschland wurde das erste, vom Menschen angetriebene Zweirad als Laufrad patentiert: Die «Draisine» war geboren. In den folgenden Jahrzehnten kamen verschiedene Modelle, beispielsweise das Hochrad, auf den Markt, bis sich gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Veloziped die auch heutzutage noch gängige Diamantrahmen-Konstruktion mit Kettenantrieb durchsetzte.
Um die Jahrhundertwende nahmen viele Firmen in Europa die Fahrradproduktion auf, wodurch die Preise sanken und Fahrräder für die Masse der Bevölkerung erschwinglich wurden. Bevor das Auto die Mobilität der Menschen in ungeahntem Maße erhöhte, sorgte das Fahrrad für eine erste «Massenmobilisierung». Einen weiteren Boom erlebte das Fahrrad in der Schweiz zudem während des Zweiten Weltkrieges: Die Benzinrationierung zwang viele zur Benutzung des Fahrrades.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Popularität des Fahrrades rapide und es erlangte den Ruf eines «Arme-Leute-Fahrzeugs». Bis in die 1970er Jahre pflegte das Radfahren ein Nischendasein und konnte sich auch im Zuge des steigenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins nicht völlig aus dieser Situation befreien. Freiheit wurde damals je nach Alter mit dem Moped oder dem Auto assoziiert, und auch die Blumenkinder wollten vom Fahrrad nichts wissen.
Erst die Einführung von geländegängigen Mountainbikes aus den USA bescherte dem Radfahren einen starken Aufschwung. Technische Neuerungen aus dieser Sparte beleben bis heute den gesamten Fahrradmarkt und machten aus dem schmuck- und freudlosen Fortbewegungsmittel wieder einen Technologieträger, welcher Leidenschaften weckt.

Voraussetzungen

Grundsätzlich gibt es beim Radfahren keine Einschränkungen bezüglich Alter und Kondition. Falls man auf zwei Rädern die Balance halten kann und keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, kann man diese besonders gelenkschonende Ausdauertätigkeit bis ins hohe Alter ausführen. Je professioneller das Radfahren bis hin zum Rennsport betrieben wird, desto wichtiger werden die konditionellen Fähigkeiten des Sportlers, und die Ansprüche an das Sportgerät steigen.
Die richtige Einstellung des Fahrrades ist für angenehmes und gesundheitsförderndes Radfahren wichtig. Viele Fahrer sind mit einem nicht an ihre Anatomie angepassten Rad, falscher Haltung und Trettechnik unterwegs: Wer zum Beispiel ständig zu schwere Gänge tritt, tut seinen Gelenken keinen Gefallen und die Fortbewegung wird unnötig anstrengender. Es empfiehlt sich, Sattel und Lenker mit Hilfe eines Fachhändlers exakt anzupassen.
Zwecks Erhöhung des Fahrkomforts beim Radfahren sollten Radwege eben und fest sein. Neben den allgemein gültigen Verkehrsregeln sollte die Verkehrssicherheit des Fahrrades beachtet werden. Gekennzeichnete Radwege sollten – sofern vorhanden – genutzt werden, ansonsten hat sich der Radfahrer am rechten Straßenrand zu bewegen.

Organisation der Sportart

Im Vergleich zur großen Verbreitung des Sportes fallen die Mitgliederzahlen der Fahrradverbände in Deutschland und der Schweiz bescheiden aus. Der Grund für diese Diskrepanz liegt im niedrigen Organisationsgrad, der für das Fahrradfahren mit Ausnahme des Wettkampfsports typisch ist.
Die großen deutschen Fahrradverbände sind der schon 1884 gegründete  Bund Deutscher Radfahrer (BDR, 2012 ca. 150.000 Mitglieder) und der  Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC, 2011 ca. 130.000 Mitglieder). Während der BDR vor allem für den Rennsport verantwortlich ist, sieht der ADFC seine Aufgaben besonders in der Interessensvertretung für Alltags- und Freizeitfahrer.
Umfragen zufolge ist Radfahren die beliebteste Sportart in der Schweiz. In städtischen Gebieten hat sich das Fahrrad längst als praktisches Verkehrsmittel etabliert. Auch in ländlichen Gebieten mit mäßigen Steigungen erfreut sich Radfahren großer Beliebtheit. Zwei Verbände sind für die Schweizer Radler aktiv:  Swiss Cycling kümmert sich um die Belange des Rad-Rennsports (2011: ca. 16.000 Mitglieder), während die Alltags-Radfahrer in der  Pro Velo Schweiz organisiert sind (2012 ca. 30.000 Mitglieder).

Varianten der Sportart

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Varianten der Sportart entwickelt, die weit über das simple Fahrradfahren hinausgehen, weil sie mehr körperliche Fitness und spezielles Material erfordern. Varianten sind der Rad-Rennsport auf der Straße, der Bahn oder im Gelände bis zu in der Halle betriebenen Spezialitäten wie Radpolo und Einradfahren (Infos beim  Bund Deutscher Radfahrer) oder Radball und Kunstradfahren (Infos bei  Swiss Cycling).

Mountainbiking

siehe Menüpunkt  Mountainbiking

Radwandern (Rad-Trekking)

Beim Radwandern werden über mehrere Tage bestimmte Entfernungen zurückgelegt, was oft mit einem täglichen Standortwechsel und damit dem Gepäcktransport auf dem Fahrrad verbunden ist. Die Anzahl der pro Tag zurückgelegten Kilometer ist sehr verschieden. Die Strecken können entweder individuell zusammengestellt oder es können komplette Touren kommerzieller Anbieter inklusive Gepäcktransport gebucht werden. Bei der Routenwahl sollte der Radfahrer darauf achten, welche Streckenlänge und Steigungen zurückzuzulegen sind und ob diese seinem Leistungsniveau entsprechen.
Mit dem Slogan „Deutschland per Rad entdecken“ präsentiert die  Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) eine Auswahl attraktiver Radfernwege in Deutschland. Der ADFC bietet mit seinem  Tourenportal verschiedene Tourenvorschläge, die ausgedruckt bzw. als GPS-Dateien heruntergeladen werden können. Über fahrradfreundliche Betriebe informiert das  Online-Übernachtungsverzeichnis des ADFC. Inzwischen gibt es über 5.200 fahrradfreundliche Betriebe (Pensionen, Jugendherbergen, Naturfreundehäuser, Campingplätze), die sich auf die Bedürfnisse von fahrradfahrenden Gästen einstellen und die  ADFC-Qualitätskriterien erfüllen.
In der Schweiz bieten sich die  Veloland-Routen an, zumal an ihnen auch fahrradfreundliche Herbergen zu finden sind.

Rennradfahren

Während der Radrennsport früher fast ausschließlich zu Wettkampfzwecken innerhalb der Struktur von Vereinen betrieben wurde, sind es in den vergangenen Jahren zunehmend Privatpersonen, welche ihn für sich entdeckt haben – zur Verbesserung der körperlichen Fitness oder um den Kopf nach einem langen Arbeitstag „durchzulüften“. Radrennsportler benötigen neben einem Rennrad einen Helm, Handschuhe, schnell trocknende Funktionskleidung und eventuell Radschuhe mit passenden Systempedalen.

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