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Orientierungslauf


Orientierungsläufer beim Wettkampf © TV Coburg Neuses
Foto: Orientierungsläufer beim Wettkampf © TV Coburg Neuses

Orientierungslauf (OL), ist eine Laufsportart, bei der mit Hilfe von Karte und Kompass im Gelände markierte Posten (Kontrollpunkte) auf schnellstem Weg durchlaufen werden. Der Läufer selbst muss dabei die für ihn optimale Route finden. Es handelt sich somit um eine Sportart die neben körperlicher Fitness auch ein hohes Maß an Orientierungsleistung erfordert.
OL-Veranstaltungen finden in allen zugänglichen Geländetypen statt: Vom Stadtpark über  Wälder und  Weiden bis hin zu alpinem Gelände oberhalb der Baumgrenze. Interessant für den OL sind Geländetypen mit abwechslungsreicher Topografie und unterschiedlich guter Belaufbarkeit.

Orientierungslauf und Natur

Beschreibung der Sportart

Der klassische OL ist der Einzellauf im  Wald, der je nach Altersklasse zwischen 30 und 90 Minuten dauert. Beim OL ist die Routenwahl zwischen den Posten in der Regel völlig frei, etwaige Sperrgebiete sind auf der Karte markiert. Das Geschick eines guten Orientierungsläufers besteht darin, seine Routenentscheide optimal auf seine physischen Voraussetzungen abzustimmen. Das Lauftempo muss er ständig der erforderlichen Kartenarbeit anpassen, um zwar immer möglichst schnell, aber nicht plötzlich falsch zu laufen.

Wirkung der Natur auf den Sportler

OL ist eine „Querfeldeinsportart“. Seine Arena ist der Wald, das Gelände, die Natur. Es liegt daher im ureigenen Interesse der OL-Läufer, die Natur in ihrer Vielfalt zu erhalten, zu schonen und zu schützen.

Anforderungen an den Naturraum

Interessantes OL-Gelände ist zum Beispiel abwechslungsreicher, naturnaher  Wald mit geringer Erschließung. Oft sind solche Gelände aber auch naturschützerisch von großem Interesse. Die Nutzung des Waldes für Orientierungsläufe ist daher nicht unumstritten und kann an gewissen Orten zu Konflikten mit dem Wild– und Forstschutz führen, zumal die Sportart ja auch abseits von Wegen stattfindet.

Auswirkungen auf den Naturraum

Der Orientierungslauf birgt ein hohes Konfliktpotenzial, das sich aus der Nutzung entlegener, gewöhnlich wenig gestörter naturnaher Flächen ergibt. Die Sportler verlassen markierte Wege, können Pflanzen zertreten und empfindliche Tierarten aufscheuchen. Diese Tiere könnten fortan wegnahe Bereiche meiden und Brutplätze aufgeben.
Insbesondere bei Großveranstaltungen kann die An- und Abreise der Sportler und die mit dem Wettkampf verbundene temporäre Infrastruktur mit Störungen von Tieren und Schädigungen der Vegetation verbunden sein.
Andererseits dauert der mit einer OL-Veranstaltung verbundene Eingriff typischerweise nur kurze Zeit an. Auswirkungen lassen sich vermeiden, indem sichergestellt wird, dass keine besonders störungsempfindlichen Artenvorkommen betroffen werden. (siehe  Landsport)



Naturverträglicher Orientierungslauf

Anders als andere Aktivitäten im freien  Wald werden Orientierungsläufe immer in organisierter Form durchgeführt. Sie sind somit plan- und lenkbar.
Die Route für einen Orientierungslauf sollte beispielsweise nicht das Vorkommen von trittempfindlichen, geschützten Pflanzen oder wichtige Habitate störungsempfindlicher Tiere (z. B.  Schwarzstorch,  Raufußhühner) queren.
Die Verwendung von Schuhen mit Spikes kann eingeschränkt oder verboten werden. Regelungen und Empfehlungen zu Umweltbelangen werden von der Umweltkommission der IOF (International Orienteering Federation = Dachverband) erarbeitet.

Um OL-Veranstaltungen umweltverträglich durchzuführen hat die Kommission „OL und Umwelt“ des Schweizerische OL-Verbandes schon früh Richtlinien zur Schonung von Flora und Fauna erlassen. Sie basieren auf einer in den 90er Jahren durchgeführten Studie über die Belastung des Waldes durch OL-Veranstaltungen (OEKOGEO-Studie). Diese Richtlinien betreffen Absprachen und Vereinbarungen mit Behörden, die Bahnlegung mit Anweisungen zur Schonung von Wild und Forst sowie die allgemeine Organisation des Wettkampfes (Infrastruktur, Verkehr, etc). Für die Umsetzung dieser Richtlinien sind insbesondere 24 regionale Fachstellen für OL und Umwelt und (für nationale Wettkämpfe) vom SOLV gestellte Technische Delegierte zuständig. Die Regionalen Fachstellen „OL und Umwelt“ haben auch die Aufgabe, Koordinationsarbeiten und Absprachen auf kantonaler Ebene zu treffen.
Bereits auf Stufe der OL-Kartenproduktion werden zur Abklärung von Friktionen das BUWAL und die Vogelwarte Sempach miteinbezogen. Alle OL-Kartenprojekte durchlaufen ein Verfahren, in welchem sie dem BUWAL und der Vogelwarte Sempach zur Prüfung vorgelegt werden. Die Resultate der Prüfung gelangen mit entsprechenden Empfehlungen zurück an die Kartenproduzenten.
Die Sensibilisierung für Umweltfragen im Zusammenhang mit OL nimmt der SOLV auch in der Jugend und Sport (J+S) Leiterausbildung wahr. Der Naturerziehung wird im Erleben der Natur durch Orientierungslaufen sehr viel Gewicht beigemessen.
Mit dieser Selbstdisziplinierung und der permanenten internen Schulung in Umweltfragen ist der Schweizer OL-Sport gut gefahren und und könnte für Deutschland als positives Beispiel dienen.

Orientierungslauf im Detail

Geschichte

Häufig assoziiert man mit dem OL noch immer den Militärdienst: Begriffe wie „Patrouillenlauf“ und „Aufklärungsübung“ sind vielen Männern in guter oder schlechter Erinnerung geblieben. Tatsächlich hat der Sport seinen Ursprung in militärischen Übungen. Bereits ab 1800 gab es in Skandinavien Urformen der heutigen Sportart. Es galt, sich möglichst schnell und sicher in den Weiten der Wälder zurechtzufinden, auch als Vorbereitung auf die Vaterlandsverteidigung. Um 1850 führten nordische Offiziersvereine „Spähübungen“ für ihre Mitglieder durch. 1897 fand in Bergen einer der ersten offiziellen „Orientierungsläufe“ statt. Der OL ist auch heute noch besonders in Skandinavien beliebt und weit verbreitet, hat aber eine weltweite Anhängerschaft.1985 fand die OL-Weltmeisterschaft erstmals außerhalb Europas, in Australien, statt. Seit 1963 gibt es Deutsche Meisterschaften im OL.
OL hat sich vom Mannschaftssport zum Einzelsport entwickelt und die militärische Bedeutung rückte immer stärker in den Hintergrund. Vermehrt beteiligten sich auch Frauen, Jugendliche und Kinder an Wettkämpfen. OL ist zu einem Breitensport für alle Alters- und Fitnessklassen, v.a. in Mitteleuropa, geworden. In Skandinavien und der Schweiz ist der OL ein populärer Volkssport, der zum schulischen Sportangebot gehört.

Voraussetzungen

Zur Ausrüstung gehören ein Kompass, spezielle OL-Schuhe (mit ausgeprägtem Profil oder Noppen und speziellen Anti-Rutschhilfen) und OL-Kleidung aus reißfestem leichtem Stoff, der möglichst den ganzen Körper bedeckt (Zeckenschutz). Bei Wettkämpfen wird ein kleiner elektronischer Chip (SPORTident-Badge) an der Hand mitgetragen. Damit bestätigt der Wettkämpfer bei jedem Posten das Anlaufen, die Zwischenzeit wird gespeichert und nach Abschluss des Wettkampfs ausgelesen. Läufern, die keinen eigenen Badge besitzen, werden diese vom Veranstalter zur Verfügung gestellt.
Die für den OL verwendeten Karten weisen gut lesbare Maßstäbe von 1: 10.000 oder 1: 15.000 auf, in Stadtgebieten auch 1: 4.000-5.000 oder größer. Sie haben einen hohen Detailgrad und zeigen kleine Geländekuppen, Mulden, Steine und große markante Wurzelstöcke ebenso wie die Belaufbarkeit des Geländes und die Dichte der Vegetation. Da Letztere sich mit den Jahren ändert, werden OL-Karten regelmäßig überarbeitet.

Organisation der Sportart

Die  International Orienteering Federation (IOF) ist der Dachverband für alle nationalen Verbände im Orientierungslauf. Er wurde 1961 gegründet, hat 72 Mitgliedsstaaten und eine eigene Umweltkommission.
In Deutschland sind ca. 4.000 Orientierungsläufer in Vereinen organisiert, die dem  Deutschen Turner-Bund (DTB) angehören. 1975 wechselten die westdeutschen Orientierungsläufer vom Skiverband zum DTB, 1990 trat der ostdeutsche Orientierungslauf-Verband dem DTB bei. Es werden ganzjährig Wettkämpfe unterschiedlichster Größenordnung veranstaltet. An nationalen Wettkämpfen nehmen regelmäßig 500-1.000 Läufer teil.

Varianten der Sportart

OL-Wettkämpfe werden in verschiedenen Disziplinen ausgetragen:

Der klassische Einzel-OL

Hier läuft jeder Läufer einzeln alle Posten in vorgegebener Reihenfolge an. Je nach Altersklasse variieren Distanz und Schwierigkeitsgrad der OL-Bahnen. Die Läufer starten im Abstand von 3 Minuten. In den letzten Jahren haben sich insbesondere auf Elite-Niveau die Disziplinen Lang-, Mittel-, Kurz- und Sprintdistanz entwickelt. Der Unterschied liegt dabei insbesondere in der Laufintensität-, distanz und -anlage und damit in der Intensität der Kartenarbeit während des Rennens. Um die Sportart medienattraktiver zu machen, werden immer mehr Sonderformen wie Wettkämpfe mit Massenstart oder Rennen mit mehreren Schlaufen (Wettkämpfer kommen immer wieder am selben Ort vorbei) ausprobiert. Dabei ist durch die Bahnanlage der faire Wettkampf sichergestellt, d.h. die Läufer können nicht einfach alle dem Führenden folgen.

Sprint-OL

Eine Extremform des Einzel-OL ist der Sprint-OL. Hier laufen die Wettkämpfer meist in technisch eher einfachem Gelände (urbanes Gebiet, Stadtparks, usw.) sehr kurze Strecken. Dabei geht es darum, unter sehr großer körperlicher Belastung rasch und richtig zu entscheiden. Sprint-OL ist sehr publikums- und medienattraktiv, nicht zuletzt weil das Wettkampfgelände meist gut überblickbar ist. Hier entscheiden Sekunden(-bruchteile) über Sieg und Niederlage.

Nacht-OL

OL kann auch in der Nacht gelaufen werden. Die Wettkämpfer tragen dabei eine Stirnlampe, die Posten sind mit Reflektoren versehen. Ansonsten entspricht diese Disziplin im Wesentlichen dem Einzel-OL, die aber orientierungstechnisch anspruchsvoller ist.

Staffel-OL

Im Regelfall laufen drei Läufer (bei großen und traditionellen Staffel-Wettkämpfen können es auch mehr sein) eine Stafette, wobei jeder einen Einzellauf absolviert. Der Start zur ersten Strecke erfolgt per Massenstart, alle weiteren Läufer einer Staffel beginnen ihren Lauf nach der Übergabe „ihres“  Vorläufers.

Team-OL

Hiervon gibt es zwei Formen. Der klassische, früher übliche Mannschafts-OL (wobei alle Mannschaftsmitglieder als Patrouille geschlossen einen OL absolvieren) und der moderne, heute immer mehr verbreitete Team-OL. Bei letzterem werden den Teams ein oder mehrere Sammelposten vorgegeben, an welchen das Team geschlossen passieren muss. Für den Rest des Rennens können die Wettkämpfer sich völlig frei aufteilen, wobei nur der Chip alle Posten in der vorgegebenen Reihenfolge passieren muss.

Andere OL-Formen werden kaum mehr wettkampfmäßig betrieben. Sie sind allenfalls noch in Klub-Trainings oder Militär- und Pfadfinder-Übungen anzutreffen.
Beim Skore-OL bsw. müssen in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Posten in beliebiger Reihenfolge gesammelt werden. In Europa wird diese Form oft als Trainingsform durchgeführt.

Mountainbike-Orienteering, Ski-Orienteering

Bei diesen Varianten ist neben der definierten Fortbewegung mittels Bike oder Ski auch die orientierungstechnische Aufgabe leicht anders: die Athleten nutzen Wege bzw. Langlaufloipen. Das Querfahren ist beim Bike-O explizit verboten, beim Ski-O in aller Regel nicht lohnenswert. Die Posten stehen bei diesen beiden Sportarten daher immer an Wegen bzw. Loipen, wodurch das Finden des Postens nicht die eigentliche Schwierigkeit ist. Die orientierungstechnische Herausforderung konzentriert sich auf die Routenwahl zwischen den Posten und auf die schnelle und konzentrierte Umsetzung des Routenentscheides.

Trail-Orienteering

Trail-Orienteering, auch Trail-Orientierung oder kurz Trail-O, ist eine Variante der Sportart Orientierungslauf, die vor allem für Sportler mit Behinderungen konzipiert ist. Da beim Trail-O nur die Orientierungsleistung zählt und die Bewegungsgeschwindigkeit keine Rolle spielt, kann der Sport aber auch von Nichtbehinderten ausgeübt werden.

Nacht-OL

OL kann auch in der Nacht gelaufen werden. Die Wettkämpfer tragen dabei eine Stirnlampe, die Posten sind mit Reflektoren versehen. Ansonsten entspricht diese Disziplin im Wesentlichen dem Einzel-OL, die aber orientierungstechnisch anspruchsvoller ist.

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