Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Mountainbiking


Mountainbiker in Österreich © Peter Bernhaupt, piclease
Foto: Mountainbiker in Österreich © Peter Bernhaupt, piclease

Die Geschichte des Mountainbiking begann in den 1970er Jahren in den Hügeln Nordkaliforniens. Zu Beginn der 1990er Jahre erlebte die Sportart auch in Europa einen Boom, der bis heute anhält. Aus der Trendsportart ist eine weit verbreitete Freizeitbeschäftigung geworden. Der Reiz des Mountainbiking resultiert in erster Linie aus der Tatsache, dass man nicht auf befestigte Straßen angewiesen ist und dem so ermöglichten Naturerlebnis. Aufgrund der Geländegängigkeit der Mountainbikes können Lebensräume mit empfindlicher Flora und Fauna beeinträchtigt werden.

Mountainbiking und Natur

Beschreibung der Sportart

Wie der Name «Mountainbike» verrät, stellen Berge oder zumindest hügeliges Gelände den Naturraum dar, in dem Mountainbiking ausgeübt wird. Abhängig von den Fähigkeiten oder Ansprüchen des jeweiligen Fahrers reicht die Bandbreite von leichten Hügeln bis zu extremen Steigungen auf schwierigstem Untergrund. Für Mountainbiker sind in der Regel gleichmäßige Anstiege und steile Abfahrten interessant, wobei auf letzteren Hindernisse wie Wurzeln oder Steine sowie ein variierender, unebener Untergrund für Abwechslung sorgen.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Zwei Hauptmotive sind beim Mountainbiking zentral: Erstens stellen das Naturerlebnis und die Möglichkeit eines Ausflugs ins Grüne einen Hauptanreiz zur Ausübung des Sports dar. In diesem Punkt unterscheiden sich Mountainbiker kaum von  Wanderern; nur ihr Aktionsradius ist aufgrund ihrer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich größer. Zweitens kann bei zunehmender sportlicher Ambition auch die Herausforderung in den Vordergrund rücken, besonders knifflige Wege ohne Probleme zu meistern. Das Erlebnis, mit eigener Muskelkraft auch Routen mit anspruchsvollem Höhenprofil zu meistern, ist eine weitere wichtige Motivation für Mountainbikesportler.

Anforderungen an den Naturraum

Für das Mountainbiking geeignete Strecken sollten nicht nur von der Topographie und der Landschaft her reizvoll sein, sondern auch unterschiedlich große Hindernisse sowie verschiedene Bodenstrukturen aufweisen. Ein umfangreiches, mit anderen Raumnutzern abgestimmtes und ausgewiesenes Wegenetz mit unterschiedlichen Wegbreiten (einschließlich der für Mountainbiker besonders reizvollen, lenkerbreiten Single-Trails) komplettiert die Anforderungen an den Naturraum. Kaum ein Mountainbiker gibt sich damit zufrieden, nur über breite Forststraßen zu rollen. Besondere infrastrukturelle Voraussetzungen sind fürs Mountainbiking dagegen kaum erforderlich: In der Regel startet eine Mountainbiketour am Wohnort oder am Urlaubsdomizil und führt auch dorthin zurück. In touristisch intensiv erschlossenen Regionen florieren Mietangebote, geführte Touren und spezielle Übernachtungsangebote für Mountainbiker.

Auswirkungen auf den Naturraum

Mountainbikes sind geländegängige Sportgeräte, welche im Prinzip auch ein Fahren abseits vorhandener Wegnetze ermöglichen. Dieses auch von Seiten der Mountainbiker verpönte Querfeldein-Fahren kann der Natur erhebliche Schäden zufügen. Vor allem auf feuchtem Untergrund hinterlassen breite, stark profilierte Reifen häufig tiefe (Brems-)Spuren und fördern so die Bodenerosion. In ökologisch sensiblen Regionen können durch Mountainbiker zudem störanfällige Tierarten aufgescheucht werden. Generell ist im Vergleich zu Fußgängern wegen der höheren Geschwindigkeit des Mountainbikers mit einer stärkeren Frequentierung der Landschaft und einer höheren Belastung abgelegener, bisher eher unberührter Gebiete zu rechnen.
In Abhängigkeit von lokalen Gegebenheiten wie Bodenbeschaffenheit und Vegetation birgt das Downhill-Fahren, bedingt durch höhere Geschwindigkeiten und schärfere Bremsmanöver, größere Risiken für die Umwelt als andere Spielarten des Mountainbikings.



Naturverträgliches Mountainbiking

Um diese Auswirkungen zu minimieren, hat sich in Deutschland z.B. die Deutsche Initiative Mountainbiking e.V. (DIMB) gebildet. Sie setzt sich nicht nur für die Anliegen des Mountainbikesports ein, sondern auch für die Aufklärungsarbeit hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen ihres Sports.
Querfeldein-Fahren z.B. kann durch ein gut ausgewiesenes, in Kooperation mit Mountainbikern entwickeltes Streckennetz und Verhaltensregeln der Verbände und Touristiker an die Sportler verhindert werden (Modellbeispiel Naturpark Frankenwald). Für naturverträgliches Mountainbiking sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • In ökologisch besonders sensiblen Gebieten sollte auf Routen verzichtet werden.
  • Die Ausarbeitung und klare Beschilderung naturverträglicher Routen durch die Fremdenverkehrsämter und Mountainbiker in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Waldbehörden sowie des Natur- und Landschaftsschutzes.
  • Die Fahrrad- und Tourismusbranche sollten konsequent darauf achten, keine Bilder von Querfeldein-Fahrten für ihre Werbung zu verwenden. Zudem gilt es, seitens der Mountainbiker gewisse Verhaltensregeln bekannt zu machen und durchzusetzen.
  • Auf geführten Mountainbiketouren dürfen praktische Tipps für ein umweltgerechtes und naturschonendes Handeln nicht fehlen: Das beginnt beim Erlernen der richtigen Bremstechnik und reicht bis zum Umgang mit anderen Wegnutzern.

Für das Downhill-Fahren sind dauerhafte Abfahrtsstrecken, die nicht über bestehende Wanderwege führen, sowie der Bahntransport von Mountainbike und Fahrer punktuell sinnvoll. Permanente Strecken haben den Vorteil, dass sie baulich so angepasst werden können, dass sich die Erosion in Grenzen hält. Zudem senken sie die Gefährdung Dritter mittels konsequenter Entflechtung und erlauben es, die Downhiller vor Ort auf die speziellen Aspekte ihrer Disziplin aufmerksam zu machen.

Mountainbiking im Detail

Geschichte

Wie manch andere junge Sportarten stammt auch das Mountainbiking ursprünglich aus Kalifornien. Im Norden des «Sunshine States» motzten einige Pioniere alte Alltagsräder mit Gangschaltungen und tauglichen Bremsen auf, um damit die Hügel des Marin County unsicher zu machen. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wurden in der gleichen Region die ersten Abfahrts-Rennen veranstaltet. Der Durchbruch gelang, als 1982 erste Serien-Mountainbikes auf den Fahrrad-Messen vorgestellt und spezielle Schaltungen sowie Bremsen für den Einsatz im Gelände entwickelt wurden. Bereits 1996 erlebte das Mountainbiking bei den Spielen in Atlanta die olympische Premiere.

Voraussetzungen

Je nach Anspruch und Streckenprofil erfordert die Ausübung der Sportart ein gewisses Maß an Kondition. Bei steilen Anstiegen sowie auf äußerst unebenen Abfahrten sind zudem rasche Reaktionen und eine gute Koordination sowie eine vorausschauende Fahrweise gefragt.
Die für das Mountainbiking notwendige Ausrüstung sollte mindestens einen Helm, Schuhe mit griffiger Sohle oder spezielle, für Systempedale passende Radschuhe sowie dem Wetter angepasste Fahrrad-Kleidung umfassen. Das Mountainbike selbst zeichnet sich vor allem durch eine großzügige Gangpalette und breite Reifen aus. Auf der Straße rollen diese etwas rauher, dafür ermöglichen gut profilierte Reifen das Befahren unbefestigter Wege. Auch der robuste, immer öfter an beiden Rädern mit Federungs-Systemen versehene Rahmen eines Mountainbikes ist für grobes Geläuf konzipiert, sollte aber im Hinblick auf steile Anstiege dennoch nicht zu schwer sein.
Zu beachten ist, dass Mountainbikes in der Regel nicht mit der im Straßenverkehr geforderten Sicherheits-Ausrüstung wie Lichtanlage, Klingeln und Strahlern ausgestattet sind. Gute Planung bezüglich Route, Distanz und zu erwartender Fahrzeit vor einer Tour ist wichtig, um eine Ausfahrt mit dem Mountainbike voll genießen zu können.

Gesetzliche Beschränkungen

In Deutschland sind rechtliche Beschränkungen für das Mountainbiking auf Bundesebene nur über Rahmengesetze vertreten und variieren erheblich von Bundesland zu Bundesland. In einigen Bundesländern gibt es Bestimmungen über die Breite der zu befahrenen Wege, die wiederum variiert.
Überall verboten in Deutschland ist das Fahren abseits der Wege. Dies wird auch in den Verhaltensregeln für Mountainbiker ausdrücklich ausgeschlossen.

Organisation der Sportart

Vertreten wird die Sportart Mountainbiking in Deutschland von mehreren Vereinen und Verbänden. Dazu gehören der  Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der  Allgemeine Deutsche Fahrradclub e.V. (ADFC) und die  Deutsche Initiative Mountainbike e.V. (DIMB). Letztere vertritt speziell die Interessen der Mountainbiker und zählt rund 40.000 Mitglieder (Stand 2011). Nur ein Bruchteil der deutschen Mountainbiker sind organisiert, die meisten üben den Sport individuell aus.

Auf internationaler Ebene versucht die  International Mountain Bicycling Association (IMBA) die Rahmenbedingungen für das Mountainbiking mittels Wegbau- und Verhaltensempfehlungen günstig zu gestalten.

Varianten der Sportart

Im Laufe der Jahrzehnte sind viele Varianten des Mountainbiking entstanden, die alle ihre speziellen Bedürfnisse an Material und an die Charakteristik der Wege haben. Neben der klassischen, inzwischen auch olympischen Disziplin Cross Country bildeten sich weitere wie Marathon, Downhill oder Biker-Cross heraus.
Die Ansprüche an Material sowie an die zu befahrenden Routen sind grundsätzlich verschieden: So sind die Disziplinen Downhill und Mountain-Cross auf (zumeist) permanente, gut unterhaltene Rennstrecken angewiesen, an deren Rändern gefährliche Hindernisse gepolstert sind.
Auch der Bike-Trial, bei dem es verschiedenste Hindernisse ohne Abzusteigen zu überwinden gilt, findet in aller Regel auf künstlichen und eigens für den Wettkampf angelegten Parcours statt.
Im Gegensatz dazu sind die Anforderungen klassischer Crosscountry-Rundstreckenrennen und der Marathons an die Strecke weit weniger streng: Hier stellt sich in der Praxis eher die Frage, welche Wege die Organisatoren für ihr jeweiliges Rennen von den Behörden genehmigt bekommen. Zudem müssen Marathon-Strecken so angelegt werden, dass auch bei großen Starterfeldern keine Staus drohen: Oft hat sich hier ein langer Asphalt-Anstieg gleich nach dem Start bewährt, um das Feld in die Länge zu ziehen und eine Selektion zu erzwingen.
Im Unterschied zur Pionierzeit kaum mehr existent sind die Uphill-Rennen, eine Art Bergzeitfahren auf unbefestigten Routen.