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Motorflug


Doppeldecker © Michael Pütsch
Foto: Doppeldecker © Michael Pütsch

Seit dem ersten Motorflug vor über 100 Jahren ist aus dem Fliegen nicht nur eine etablierte Art des Reisens geworden, es haben sich auch verschiedene Motorflugsportvarianten mit Wettkampfcharakter entwickelt, wie z.B. der Navigations- oder Motorkunstflug. Die Anforderungen des Motorflugsports an den Naturraum beschränken sich hauptsächlich auf die benötigte Start- und Landefläche, die Auswirkungen jedoch können weit größere Dimensionen erreichen, z.B. wenn sensible Tierarten bei der Brut gestört werden.

Motorflug und Natur

Beschreibung der Sportart

Motorsportflugzeuge in Deutschland haben ein maximales Abfluggewicht von 2.000 kg und meist vier Sitze. Typische viersitzige Vereinsflugzeuge, wie beispielsweise die Piper PA 28-161, verfügen über eine Motorleistung von 160 PS, sind im Reiseflug 210 km/h schnell und haben eine Reichweite von 950 km. Es gibt auch kleine zweisitzige Schul- und Reiseflugzeuge, wie zum Beispiel die Katana, die mit einer Leistung von 80 PS eine Reisegeschwindigkeit von 180 km/h erreicht und eine Reichweite von etwa 800 km plus Sicherheitsreserve hat.

Betrieben werden die Flugzeuge überwiegend mit dem bleihaltigen Kraftstoff AVGAS 100LL (aviation gasoline). Die technische Entwicklung und die Zulassungsarbeit (in Deutschland organisiert durch den  Deutschen Aero Club (DAeC) erlaubt jedoch zunehmend die Verwendung von bleifreiem Super-Benzin, welches nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger ist. Jeder, der die Wahl hat, verzichtet daher gerne auf das AVGAS. Auch Katalysatoren kommen zunehmend zum Einsatz.

Der sportliche Wettbewerb besteht aus Meisterschaften, bei denen es darum geht, präzise zu navigieren, Zeitpläne einzuhalten und punktgenau zu landen. Sicherheit in der Handhabung des Fluggerätes wird auch im Motorkunstflug abverlangt. Außerdem werden Motorflugzeuge beim Segelflug als Schleppmaschinen und beim Fallschirmsprung als Absetzmaschinen eingesetzt.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Der besondere Reiz beim Fliegen mit Motorsportflugzeugen liegt u.a. in der großen Variation an möglichen Bewegungen im dreidimensionalen Raum. Dank der vergleichsweise geringen Größe der Flugzeuge bietet sich dem Piloten und den Passagieren ein außergewöhnlicher Ausblick auf die Landschaft, außerdem wird das Fliegen bewusster erlebt.

Anforderungen an den Naturraum

Für Start und Landung der kleinen Sportmaschinen ist eine ungefähr 700 m lange Gras-, Asphalt- oder Betonpiste ausreichend. Sehr häufig findet auf Motorsportflugplätzen auch kommerzieller Flugverkehr statt. Dadurch sind die Pisten oftmals länger und breiter als für den Luftsport erforderlich.
Landeplätze werden unterschieden in Verkehrslandeplätze und Sonderlandeplätze. (Landeplätze gesamt: 395 > Sonderlandeplätze: 232, Verkehrslandeplätze:159, Stand 2012) Sonderlandeplätze werden meist von Vereinen betrieben und dürfen nur von diesen genutzt werden. (DAEC & BFN 2003:34f)

Flugplätze haben trotz und teilweise auch aufgrund der Nutzung für den Luftsport ein hohes Lebensraumpotential, auch für gefährdete und anspruchsvolle Pflanzen und Tiere. Die Flächen werden offen gehalten und sind für die Öffentlichkeit meist unzugänglich. Durch Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen ist die ökologische Aufwertung möglich und wird zunehmend auch praktiziert, oft auch in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden und –verbänden. (DAeC Poster „Lebensraum Flugplatz“)

Auswirkungen auf den Naturraum

Im Unterschied zu vielen anderen Luftsportlern ist es Motorfliegern möglich, Ziele direkt anzufliegen und die gewählte Höhe zu halten. Deswegen haben die Motorflieger die wenigsten Probleme mit dem Naturschutz. Aber allein durch den Bau und den Betrieb einer Luftsportanlage können Belastungen entstehen, z.B.:

  • Versiegelung und Zerschneidung der Landschaft durch Infrastruktur.
  • Störung oder Vernichtung von naturnahen Lebensräumen von Tieren und Pflanzen durch Wählen eines ungünstigen Standorts, z.B. in der Nähe von Schutzgebieten mit störanfälligen Vögeln (wobei in Deutschland in den letzten Jahren kaum noch neue Flugplätze geschaffen wurden).
  • Schädigung von Vegetation und Bodendecke durch Zuschauer und Fahrzeuge, z.B. bei Großveranstaltungen.
  • Belastung von extensiven Vegetationsbereichen durch naturferne Pflegemaßnahmen.

Je nachdem, wie stark das Fluggelände frequentiert ist, kann es durch die Flugaktivitäten zu Belastungen kommen, z.B.:

  • Störungen als Folge der Flugbewegungen, indem die Aufmerksamkeit des Tieres beansprucht, Beunruhigungen oder Fluchtreaktionen ausgelöst, Aktivitäten wie Brut, Körperpflege oder Nahrungserwerb unterbrochen werden.
  • Einwirkung auf die Vegetation an Start- und Landeplätzen durch Trittbelastung.
  • Störungsquellen, die mit dem Flugbetrieb zusammenhängen, sind z.B. Zuschauer und Helfer sowie an- und abfahrende Fahrzeuge, die Lärm, Trittbelastung und Abfall verursachen können.


Naturverträglicher Motorflug

Früher wurden für das Anlegen von Fluggeländen häufig landwirtschaftlich ertragsarme Standorte gewählt, die nicht selten einen hohen ökologischen Wert aufwiesen, z.B. Magerböden, Sandflächen, flachgründige Kalkböden oder  Feuchtbereiche. Diese Qualität kann erhalten bzw. Sportflugplätze können ökologisch aufgewertet werden, wenn spezielle Pflegemaßnahmen (siehe  Segelflug) auf den Anlagen durchgeführt werden. Dies gilt besonders für die wenig begangenen bzw. genutzten Flächen außerhalb der Landebahnen und Rollwege. Oft finden sich ausgetretene Pfade erst wieder jenseits des Flugplatzzaunes.
(Schemel et al, 2000, S. 454f, DAEC & BFN 2003, S. 52; S. 75f)

Um Auswirkungen auf die Natur einzuschränken, engagieren sich der Deutsche Aero Club und diverse einzelne Vereine schon seit längerer Zeit für den Natur- und Umweltschutz. Der DAeC erstellte z.B. 1998 einen Verhaltenskodex für Luftsportler, gefolgt von der Umweltauszeichnung Blaue Europa-Flagge für Segelfluggelände und einem Audit- und Qualitätsmanagementverfahren zum Umwelt- und Naturschutz auf Flugplätzen und beim Flugbetrieb.

Schon viele Vereine haben nachahmenswerte Aktivitäten vorgestellt: lärmmindernde Maßnahmen wie der Einbau von Schalldämpfern, umweltschonender Umgang mit Treib- und Schmierstoffen sowie zahlreiche ökologisch orientierte Umbaumaßnahmen auf Vereinsgeländen wie das Anbringen von Nistkästen, Heckenpflanzungen und Begrünungen, Getrenntmüllsammlungen und die Bereitstellung von Kompostsilos. Für jugendliche Vereinsmitglieder wurden Umweltwettbewerbe durchgeführt.

Mittlerweile sind diese und andere Gebiete als ABA auf den Luftfahrerkarten gekennzeichnet. Diese sogenannten luftfahrtrelevanten Vogelgebiete (Aircraft relevant Bird Areas, ABA) wurden in der Arbeitsgruppe „Luftfahrt und Naturschutz unter Federführung des BfN und des DAeC in Zusammenarbeit mit den Vogelschutzwarten der Länder und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Deutschen Flugsicherung (DFS) nach einheitlichen Kriterien ausgewählt. Dabei erfolgte eine Beschränkung auf durch Luftfahrzeuge störsensible Großvogelarten und -gruppen in Vorkommen von landes-, bundes- bzw. europaweiter Bedeutung. Unter  www.aba.bfn.de werden Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Gebieten bereitgestellt.

Motorflug im Detail

Geschichte

Die Geschichte des Motorfluges begann mit den Gebrüdern Wright, die 1903 mit der Wright Flyer I in den Dünen von Kitty Hawk (North Carolina) den ersten Motorflug durchführten. Die Wrights führten die Erkenntnisse Otto Lililienthals über den Gleitflug und ihre eigenen Fluggeräte- und Motorenentwicklungen zusammen. Sie verhalfen der Luftfahrt Anfang des 20. Jahrhunderts zum großen Durchbruch.
Hans Grade war der erste Deutsche, der einen Motorflug durchführte. Der Flieger und Flugzeugkonstrukteur flog 1908 in Magdeburg einen selbst entworfenen Dreidecker und gewann damit den Lanz-Preis der Lüfte, einen von dem Mannheimer Industriellen Karl Lanz gestifteten Preis zur Förderung der deutschen Luftfahrttechnik. 1909 baute er den Grade-Eindecker, gründete 1910 die erste Flugschule Deutschlands in Bork und die Grade-Fliegerwerke. Beide waren bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Betrieb.
Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) wurde 1912 in Berlin gegründet.

Voraussetzungen

Eine Privatpilotenlizenz ist für das Fliegen eines Motorflugzeuges notwendig; als Passagier ist es prinzipiell jedem möglich einfach mitzufliegen. Um ein Motorflugzeug steuern zu dürfen, muss man mindestens 17 Jahre alt sein. Die Inhalte und Anforderungen der Motorflugpilotenausbildung befinden sich aufgrund der Anpassung an nationale, europäische sowie internationale Bestimmungen derzeit in Überarbeitung. Über aktuelle Entwicklungen gibt z.B. der  DAeC Auskunft.

Der Bewegungsfreiheit im Luftraum sind durch die Flugregeln Grenzen gesetzt. Luftraumbeschränkungen oder ungünstige Wetterbedingungen können den Piloten zu alternativen Flugstrecken und auch tieferen Flügen z.B. in Mindestflughöhe (150 m) zwingen.

Vor jedem Flug wird aus Sicherheitsgründen ein technischer Check am Flugzeug durchgeführt. Informationen über das Wetter in den verschiedenen Lufträumen und über Sperrgebiete, Hindernisse und Navigationsanlagen auf der geplanten Flugstrecke werden eingeholt und der Kraftstoffverbrauch berechnet. Als Hilfsmittel zur Orientierung werden spezielle Luftfahrt-Karten (ICAO-Karten der International Civil Aviation Organization) und ein Kompass oder vermehrt auch GPS genutzt.

Motorflugzeuge dürfen nur auf Flugplätzen starten und landen. Dabei sind bestimmte An- und Abflugrouten, Platzrunden sowie bei größeren Plätzen (mit mehr als 15.000 Flugbewegungen im Jahr) zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm auch zeitliche Einschränkungen einzuhalten. Ausgenommen hiervon sind Flugzeuge, die erhöhten Schallschutzanforderungen entsprechen. Hierzu müssen sie den für Motorflugzeuge festgelegten Lärmgrenzwert je nach Gewicht und Baujahr um mindestens 4 bis 7 dB(A) unterschreiten. (DAEC & BFN 2003, S. 34)

Organisation der Sportart

Motorflugsport ist relativ weit verbreitet und wird in rund 450 Vereinen des  DAeC betrieben. Die Mitgliederzahl im DAeC belief sich im Jahr 2012 auf 10.500 und der Organisationsgrad der Sportart beträgt rund 50 %.

Varianten der Sportart

Präzisionsflug

Die Vorläufer des Präzisionsfluges waren Navigationswettbewerbe zum Trainieren der Fähigkeiten von Piloten, z.B. zu exakter Flugvorbereitung, Einhaltung des Flugplanes, genauer Navigation ohne elektronische Hilfsmittel, präziser Landung des Flugzeugs.
Im Präzisionsflug werden Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften nach einem international vereinbarten Regelwerk ausgetragen. Der Präzisionsflug besteht aus zwei Wettbewerbsteilen: Fliegen und Landen. Im Navigationsflug auf einer vorbestimmten Strecke muss der Pilot anhand einer Streckenbeschreibung bestimmte Kontrollpunkte anfliegen. Die Strecke ist nach einem vorgegebenen Zeitplan abzufliegen, dessen sekundengenaue Einhaltung an mehreren Stellen vom Boden aus (auch mit GPS-Loggern) kontrolliert wird. Bei den Ziellandungen gibt es für jeden Zentimeter Abweichung von der Sollmarke Punktabzug.

Motorkunstflug

Der Motorkunstflug zählt ebenfalls zu den Wettbewerbssportarten, kann aber auch privat ausgeübt werden. Hier werden vom Piloten bestimmte Figuren bzw. Manöver geflogen, die dann bewertet werden. Hier ist nicht nur bestes Fluggerät, sondern auch besondere körperliche Fitness gefragt, ohne die dieser anspruchsvolle Sport nicht ausgeübt werden kann.
Beim Hubschrauberkunstflug werden die Varianten des Rettungsdienstes demonstriert sowie die erbrachte Leistung der Besatzungen verglichen.
Weitere Informationen zu den einzelnen Disziplinen finden sich beim  DAeC.

Konfliktlösungen

Weitere Konfliktlösungen