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Modellflug


Modellflieger in der Hohen Rhön © Michael Pütsch
Foto: Modellflieger in der Hohen Rhön © Michael Pütsch

Lange vor der bemannten Luftfahrt ergründete der Mensch die Prinzipien des Fliegens mit Hilfe von Modellen. Heutzutage kann der Modellflugsport dank erschwinglichen Materials in vielen Disziplinen ausgeübt werden. Der Reiz des Modellflugs liegt darin, das Modell fliegerisch zu beherrschen und dessen Flugbild aus möglichst geringer Entfernung zu genießen. Für diesen Sport benötigen Modellflugpiloten eine freie Fläche ohne Hindernisse für den Start, den Anflug und die Landung. Handelt es sich um motorgetriebene Modelle, sollte der Sport aufgrund der Motorengeräusche abseits von bewohnten Gebieten ausgeübt werden.

Modellflug und Natur

Beschreibung der Sportart

Der Modellflugsport kann von Kindern und Erwachsenen durchgeführt werden. Zwar gibt es keine zwingenden Altervorschriften, aber Kindern unter 12 Jahren wird empfohlen, mit einem einfachen Freiflug-Segelmodell ohne Fernsteuerung zu beginnen. Damit können die ersten Erfahrungen beim Bau und grundsätzliche Kenntnisse im Umgang mit dem Modell gesammelt werden. Allgemein wird Anfängern empfohlen, zunächst mit leichten Segelflugmodellen zu beginnen und sich später bei Bedarf mit motorbetriebenen Modellen und Helikoptern zu befassen. ( www.dmfv.aero oder  www.modellflug-im-daec.de)

Den allerersten Einstieg finden viele über Baukurse an Schulen, die den pädagogischen Wert des Modellbaus schätzen. Der Modellflugsport wird als Leistungs- und als Breitensport betrieben. Die Flugmodelle werden in der Regel selbst gebaut oder zumindest komplettiert, häufig aber auch selbst konstruiert. Wettbewerbe gibt es innerhalb der Vereine, im Rahmen regionaler oder nationaler Meisterschaften bis hin zu Weltmeisterschaften auf allerhöchstem Niveau.

Anforderungen an den Naturraum

Für Motorflug:
Das Fluggelände muss frei von Hindernissen sein. Die Abmessungen der Start- und Landebahn sollten bei der Nutzung durch Motorflugmodelle minimal 100 x 10 m betragen. Ausgewiesene Könner starten und landen auch auf wesentlich kleineren Flächen. Einige Vereine verfügen über wesentlich größere Rollbahnen oder nutzen in Absprache Rollbahnen auf Sportflugplätzen. Spezielle Anforderungen stellen turbinengetriebene Jets dar, die aufgrund der Fahrwerkkonsstruktion und der benötigten Startstrecken häufig von Sportflugplätzen geflogen werden.

Für Segelflug in der Ebene:
Segelflugmodelle werden entweder auf einem größeren Feld von rund 150 m Länge per Leine oder Elektrowinde in den Aufwind gezogen oder mit Motormodellen hochgeschleppt. Verbreitet sind auch Elektroantriebe für praktisch geräuschloses Steigen. Entsprechende Flächen finden sich meist eingebettet in Kulturlandschaften ohne größere Hindernisse für den Anflug und möglichst abseits von Bäumen und Büschen.

Für Segelflug am Hang:
Der weit verbreitete Segelflug am Hang ist besonders windabhängig, d. h. es werden unterschiedlich exponierte Gelände mit freier Windanströmung und ausreichender Hangneigung benötigt (DAEC & BFN 2003, S. 20). Ebenfalls wichtig ist das Vorhandensein einer größeren Fläche für die Landung. Um die Modelle zu schonen, handelt es sich dabei meist um eine gemähte Nutzwiese, die von Vereinen in Absprache mit den Bauern genutzt wird. Auf ungemähte Wiesen wird aus Gründen des Naturschutzes speziell im Frühling Rücksicht genommen, aber auch da Landungen in hohem Gras Beschädigungen am Modell verursachen können. Ungemähte Naturwiesen sind aufgrund des unebenen und oft steinigen Untergrunds für Landungen wenig geeignet.

Auswirkungen auf den Naturraum

Die Auswirkungen des Modellflugs auf Tiere sind schwer einzuschätzen, da viele Publikationen diesbezüglich auf spezielle Tierarten oder Umstände ausgerichtet sind, die nicht ohne weiteres Verallgemeinerungen zulassen.
Insgesamt existieren zum Störpotenzial von Modellflugzeugen nur sporadische Hinweise, die wie folgt zusammengefaßt werden können (Quelle u.a.: „Einfluss des Flugverkehrs auf die Avifauna – Schlussbericht mit Empfehlungen“ (Bruderer/Komenda-Zehnder 2005, S. 18f.):

  • Verschiedene Vogelarten können unterschiedlich auf Luftfahrzeuge reagieren; ihre Reaktionen können je nach Flugzeugtyp variieren. Außerdem können sich auch innerhalb einer Art je nach Aufenthaltsort, Tageszeit, Jahreszeit, Lebensphase und Umwelt Unterschiede in den (erkennbaren) Reaktionen ergeben. Meist werden in Studien aber nur die sichtbaren Reaktionen von  Vögeln erfasst, während physiologische Reaktionen (z.B. Ausschüttung von Stresshormonen, Erhöhung der Herzschlagfrequenz) sowie Konsequenzen auf Populationsebene nur selten quantifiziert werden.
  • Die mit motorisierten Modellen möglichen abrupten Flugmanöver, verbunden mit hohen Geschwindigkeiten und Geräuschen, sind für Tiere nicht kalkulierbar und können daher eine besonders starke Störwirkung auslösen. Werden ökologisch sensible Gebiete für den Modellflug gewählt, kann dies erhebliche Störungen der Tierwelt zur Folge haben.
  • Bei Modellfluggeländen konzentriert sich der Flugbetrieb meist auf die Wochenenden oder auf wenige Stunden am späten Nachmittag. So folgen auf ruhige Perioden besonders intensive und anhaltende Störphasen; die Möglichkeit der Gewöhnung wird dadurch stark eingeschränkt (Riederer 1976, Rossbach 1982). Die geringe Gewöhnung wurde – zumindest in Versuchen – genutzt, um Vögel aus Flughafengeländen zu verscheuchen (Bivings 1991).
  • Die gravierendsten Auswirkungen ergeben sich, wenn Störungen von motorisierten Modellen in der Nähe von Schutzgebieten zeitlich und räumlich konzentriert auftritt. Der Störeinfluss von Segelflugmodellen ohne Motor ist bedeutend geringer.
  • Modellflugzeuge verdienen besondere Beachtung, weil sie in ihrer Größe und Wendigkeit am nächsten an  Greifvögel herankommen und damit am ehesten dem angeborenen Feindschema der Vögel entsprechen (Komenda-Zehnder & Bruderer 2002, Keil 1988). Allerdings ist mittlerweile nachgewiesen, wie gut die optischen Fähigkeiten der Vögel sind, somit scheint eine Verwechslung von einem Modellflugzeug mit einem Greifvogel damit unwahrscheinlich – außer im Überraschungsmoment.
  • Vor allem die Unvorhersagbarkeit der Flugrichtung wirkt der für ein verträgliches Nebeneinander wichtigen Gewöhnung von Modellen und Tieren entgegen. (Ranftl 2003). Kurvenflug wirkt störender als geradliniger Flug. Wendige Flugobjekte haben die größte Störwirkung. Je geringer der Vertikal- und Horizontalabstand des Störobjektes zu Tieren ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Verhaltensänderungen.
  • Diese unkalkulierbaren Flugmanöver, verbunden mit hohen Winkelgeschwindigkeiten, rufen besonders starke Reaktionen von Wildtieren hervor (Rossbach 1982). Dies ist besonders ausgeprägt bei motorisierten Modellen, die zudem eine gewisse Lärmbelastung mit sich bringen.
  • Die Fluchtdistanzen verschiedener Vogelarten gegenüber motorisierten Modellen liegen im Bereich von 200 bis 400 m, maximal 600 m.
  • Der Beginn der jährlichen Modellflugsaison fällt meist mit dem Beginn der Brutperiode der Vögel zusammen. Reduzierter Bruterfolg oder Abnahme der Anzahl von Brutpaaren können die Folge sein.
  • Es kann angenommen werden, dass Wiesenbrüter empfindlich auf Modellflugzeuge reagieren (Riederer 1976). Auf  Watvögel wie  Brachvogel oder  Uferschnepfe hatten Kleinflugzeuge eine geringere Auswirkung als Modell- und Ultraleichtflugzeuge (Dietrich et al. 1989).
  • Gleichzeitig sei aber auch auf die Beobachtungen von Modellfliegern hingewiesen, die mit Segelflugmodellen oft mit  Greifvögeln im Aufwind kreisen, ohne dass diese davon Notiz zu nehmen scheinen.


Naturverträglicher Modellflug

Modellflieger sollten Störungen der Natur vermeiden. Zu Naturschutzgebieten mit störsensiblen Tierarten sollte generell ein Mindestabstand von 500 – 1000 m eingehalten werden. Bei der Standortwahl für Modellflugplätze sollten nur solche Orte gewählt werden, die keine Funktion als Lebensraum störanfälliger Tierarten erfüllen.

Besonders wichtig ist es, das „wilde“ Fliegen einzuschränken, um eine sinnvolle Lenkung der nicht im Verein organisierten Sportler und Konfliktminimierung möglich zu machen. In Deutschland dürfen Modellflugzeuge auch abseits von Flugplätzen geflogen werden, wenn der Grundstückseigner der genutzten Fläche zugestimmt hat, die Modelle weniger als 5 kg Gewicht haben, und wenn (mit Verbrennungsmotor ausgestattete Modelle) weiter als 1.500 m von Wohngebieten und Flugplatzgrenzen entfernt genutzt werden.

Modellflug im Detail

Geschichte

Der Flugzeugkonstrukteur Alexander Lippisch (1894 – 1976) hat die Bedeutung des Modellflugs für die Entwicklung der Luftfahrt wie folgt beschrieben: „Das Flugproblem hat zu allen Zeiten die genialsten Köpfe zum Nachdenken angeregt, und es hat nicht an Erklärungen gefehlt, denen indessen jegliche Bestätigung durch Versuche fehlte. Solange nicht das mit einfachsten Mitteln zusammengebastelte Modellflugzeug ein Studium der physikalischen Grundlagen des Fluges erlaubte, war alle Mühe, dies mit bemannten Flugzeugen zu tun, vergebens“.

Der Franzose Alphonse Penaud baute im 19. Jhd. das erste flugtüchtige Flugmodell mit Gummimotor und Luftschraube. Dabei wurde erstmals bewusst die Einstellwinkeldifferenz zwischen Tragflügel und Höhenleitwerk angewendet, die bis heute den eigenstabilen Flug von Flugzeugen ermöglicht. Auch heute noch sind Flugmodelle bei der Entwicklung von Luftfahrzeugen von Bedeutung. Flugmodelle werden zudem auch zu Forschungszwecken eingesetzt, z.B. in der Archäologie zum Fotografieren von Grabungsstätten oder in der meteorologischen Forschung für Messflüge.

Voraussetzungen

In Deutschland bedarf der Aufstieg von Flugmodellen einer Erlaubnis, wenn die Modelle:

  • Mehr als 5 kg Gesamtmasse besitzen.
  • Über einen Raketenantrieb verfügen, sofern der Treibsatz mehr als 20 g beträgt.
  • Mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden und in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von Wohngebieten gestartet werden sollen.
  • In einer Entfernung von weniger als 1.500 m von der Begrenzung von Flugplätzen gestartet werden sollen.
  • Auf Flugplätzen bedarf der Betrieb von Flugmodellen darüber hinaus der Zustimmung der Luftaufsichtsstelle oder der Flugleitung und einer Aufstiegserlaubnis für Flugmodelle.

Im Umkehrschluss ist jeder andere Modellflug erlaubnisfrei bei Zustimmung des Grundstückeigentümers oder sonstigen Nutzungsberechtigten.

Gesetzlich geregelt ist der Modellflug im §16 der LuftVO. Aktuelle Informationen zum Luftrecht für Modellflieger finden sich auf der Website des  DAeC.

Der zulässige Lautstärkepegel in dB(A) eines Modellflugzeuges mit Kolbenmotor gemessen im Abstand von 25 m darf 69 dB(A) werktags von zwischen 8 und 20 Uhr nicht überschreiten wenn sich ein Wohngebiet in 400 m Entfernung befindet.

Bei der Standortwahl ist zu beachten, dass Modellfluggelände aufgrund der Funkfernsteuerung und um gegenseitige Störungen zu verhindern im Mittelland mindestens 3.000 und in den Alpen mindestens 5.000 m voneinander entfernt sein sollten.

Der benötigte Flugraum wird vorab aus Gründen der Erkennbarkeit eingeschränkt, da alle Modelle grundsätzlich nur über Sicht und ohne Rückmeldung der Fluglage über Instrumente gesteuert werden. Bei den üblichen Modellen ist das sichere Erkennen der Fluglage bei guten Sichtbedingungen seitlich bis auf eine Distanz von ca. 200 Metern gewährleistet. In der Höhe gelten höhere Werte, da das Modell von unten besser sichtbar ist.

Die Ausübung des Modellflugsports findet vor allem am Wochenende und in den Abendstunden statt. Für alle Vereinsgelände gibt es daher eine Platzordnung, die z.B. zulässige Flugzeiten, Anfahrtswege, Parken von Fahrzeugen, zu meidende Flugräume und die zulässige Geräuschentwicklung regelt und die es zu beachten gilt.

Die schallimmissionstechnischen Beurteilung von Modellfluggeländen basieren auf der Grundlage der Achtzehnten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Sportstättenlärmschutzverordnung – 18. BImSchV) vom 18.07.1991 (BGBL.I S.1588)

Organisation der Sportart

Der  Deutsche Modellflieger Verband (DMfV) ist mit 75.000 Mitgliedern und über 1.300 Vereinen (Stand 2011) der weltweit größte Verband für Modellflugsportler.
Bundesweit 13.000 Mitglieder in 500 Vereinen gestalten die Modellflug-Aktivitäten in 16 Landesverbänden des  DAeC. (Stand 2011) Hier sind Modellflieger ohne Wettbewerbsambitionen, Breitensportler und Leistungssportler alle unter einem Dach versammelt. Die Zahl der nicht organisierten Modellflieger ist nicht bekannt, Schätzungen zufolge belaufen sie sich auf ca. 80.000. Der Organisationsgrad der Modellflieger liegt schätzungsweise bei etwa 45 %. In der Bundesrepublik existieren ca. 1.000 Modellflugplätze. (DAeC & BfN 2003, S. 20).

Varianten der Sportart

Freifliegende Modelle werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in verschiedene Klassen eingeteilt, z.B.:

Freiflug F1:

Sämtliche Arten von ungesteuerten Flugmodellen. Dazu gehören zum einen die typischen Anfängergleiter, wie sie auch im Rahmen von Baukursen an Schulen gebaut werden, zum anderen auch Wettkampfmodelle, wie z.B. Segelflugmodelle für den Hochstart mittels Leine, Freiflugmodelle mit Gummi- ,Verbrennungs- und Elektromotorantrieb, Hangflugmodelle mit Selbststeuerung und Saalflugmodelle für den Betrieb in Hallen.

Fesselflug F2:

Fesselflugmodelle werden über zwei Leinen auf einer Kreisbahn um den Piloten geflogen. Über die Leinen wird lediglich das Höhenruder gesteuert. Möglich sind dabei Kunstflug, Geschwindigkeitsflug, Mannschaftsrennen, Fuchsjagd und das Fliegen von vorbildgetreuen Modellen. In Deutschland gibt es zwei große Zentren mit Fesselfluganlagen in Bitterfeld und Sebnitz.
 

Fernlenkflug F3:

Der Fernlenkflug ist die häufigste Art des Modellflugs. Geflogen werden dabei Segelflugzeuge, Motormodelle mit Kolben- und Turbinenantrieb, Hubschrauber und – sehr selten – auch Zeppeline oder Heißluftballons. Je nach Disziplin steht das exakte Fliegen von vorgeschriebenen Flugfiguren vor Punktrichtern (Kunstflug) oder das Erfliegen von Bestleistungen nach messbaren Kriterien, wie Streckenanzahl, Geschwindigkeit, Punktlandung im Vordergrund.
 

Scale F4:

Scale umfasst alle Aktivitäten, bei denen der möglichst originalgetreue Nachbau in Kombination mit dem Fliegen gewertet wird.

Elektroflug F5:

Der Elektroflug schließt alle funkferngesteuerten Modelle mit Elektromotor ein. Wohl in keinem Bereich hat sich der Elektroantrieb bereits so weit durchgesetzt wie im Modellflug. Die Geräuschentwicklung beschränkt sich bei diesen Modellen auf die Luftschraube.
 

Raketen S1-S10:

Raketen sind mit Raketenmotor betriebene Flugmodelle. Die Modelle fliegen auf einige hundert Meter Höhe, um dann am Fallschirm zu landen. Die Starts finden in aller Regel auf großen Geländen ohne Hindernisse (z.B. Bäume) statt.
In Deutschland gibt es hierfür drei Gelände in Bayern, Sachsen und bei Berlin. Im DAeC werden nur die internationalen Wettbewerbsklassen S1, S3, S5, S6, S8 und S9 geflogen.

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