Bundesamt für Naturschutz

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Luftsport


Ballon-Massenstart © Martin Kreuels, piclease
Foto: Ballon-Massenstart © Martin Kreuels, piclease

Von den Ideen von Leonardo da Vinci über den ersten bemannten Flug von Otto Lilienthal mit einem „Luftfahrzeug“ hin zu den hochtechnisierten Flug- und Gleitgeräten der heutigen Sportflieger – seit Jahrhunderten träumen die Menschen vom Fliegen.
Luftsportler benötigen je nach Art ihres Sportgeräts meist eine kuppige Landschaftsstruktur mit wald- und gebüschfreien Hochlagen sowie dynamische Winde für Start und Landung. Luftsportler haben die Grundlagen ihres Sports von der Natur gelernt; ihr Sport verbindet sie eng mit der Natur und der Landschaft.

Die Auswirkungen des Luftsports auf den Naturraum sind sehr unterschiedlich und abhängig von Fluggerät, Tag- und Jahreszeit, dem überflogenen Gebiet, dem Vorkommen sensibler Tierarten sowie dem Verhalten des einzelnen Piloten und der Flugplatzbetreiber.

Einfluss von Luftsport auf die Natur

Luftsport kann wenn er zur falschen Zeit am falschen Ort ausgeübt wird zu Störungen von Tieren und Lebensräumen führen.

Beispiele für direkte Auswirkungen

  • Beunruhigung von Tieren durch plötzliches Erscheinen in der Luft (Überraschungseffekt) oder beim tiefen Flug über empfindliche Gebiete
  • Beunruhigung sonst ungestörter Bereiche durch Außenlandungen
  • Flugbewegungen beanspruchen die Aufmerksamkeit der Tiere: werden beunruhigt, reagieren mit Flucht oder unterbrechen Aktivitäten wie Körperpflege oder Nahrungserwerb
  • Unterbrechung bzw. Nichtanlegung der Brut, Verlassen von Gelegen, Vernachlässigung der Jungaufzucht
  • Ausweichen auf andere Gebiete und erhöhter Stress und größere Belastung der dort lebenden Tiere
  • Lebensraumveränderung durch Schall, der das „Hintergrundrauschen“ erhöht und so die innerartliche Kommunikation, den Nahrungserwerb oder die Feindwahrnehmung erschwert
  • Lärmbelästigung und Luftverunreinigung durch Motorflugzeuge
  • Verlassen angestammter Lebensräume durch Störung als Folge länger anhaltender Flugbewegungen

Beispiele für indirekte Auswirkungen

  • Störung von naturnahen Lebensräumen der Tier- und Pflanzenwelt durch ökologisch mangelhafte Standortwahl, Flächenversiegelung von offenen Flächen durch die Anlage von für das Fliegen notwendiger Infrastruktur
  • Belastung von extensiven Vegetationsbereichen durch naturferne Pflegemaßnahmen, z.B. häufige oder falsch terminierte Mahd
  • Störungen von Tieren und Schädigung der Vegetation durch Zufahrt und Zugang zu Start- und Landeplätzen und durch die Anwesenheit von Piloten und Zuschauern an Startplätzen
  • Erzeugung von Abfall, Lärm, Abgasen und Schadstoffen

Der Grad des Konfliktes hängt stark von Art und Intensität der Beeinträchtigung ab, ebenso wie von der Empfindlichkeit der jeweiligen Lebensräume und Arten sowie dem Zeitpunkt möglicher Störungen. Manche Tierarten verhalten sich gegenüber dem Luftsport tolerant, andere z.B. Birkwild reagieren sensibler auf Flugbetrieb. Unter Umständen können jedoch beispielsweise bereits einmalige Störungen sensibler Vogelarten zu einem ungünstigen Zeitpunkt über den Bruterfolg eines ganzen Jahres entscheiden.

Naturverträglicher Luftsport

luftfahrtrelevante Vogelgebiete

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen Bundesamt für Naturschutz, Deutscher Flugsicherung, Deutschem Aero Club und den Vogelschutzwarten der Länder sind in den Luftfahrerkarten sogenannte luftfahrtrelevante Vogelgebiete (ABA = Aircraft relevant Bird Areas) aufgenommen, welche die Gebiete mit hohem Vogelaufkommen und besonders störanfällige Großvogelarten verzeichnen. Durch diese Informationen kann schon bei der Flugplanung Rücksicht genommen werden, so dass Störungen durch Flugzeuge an Rast- und Brutplätzen minimiert werden und die Unfallgefahr abnimmt.
Unter  www.aba.bfn.de werden Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Gebieten bereitgestellt.

  • Nationalparks, Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete meiden
  • Möglichst hoch fliegen, besonders über deckungsarmen Flächen, bei Frost und Schnee sowie im Frühjahr und Frühsommer.
  • Mindestflughöhen einhalten: Generell darf nicht tiefer als 150 m bzw. 300 m (über besiedeltem Gebiet) geflogen werden. Im Überlandflug gilt 600 m über Grund als Mindestflughöhe. Diese dürfen nur von nicht motorisierten Luftfahrzeugen unterschritten werden, wenn die Art ihres Betriebes das notwendig macht und eine Gefahr für Personen und Sachen nicht zu befürchten ist sowie von motorisierten Luftfahrzeugen für Start und Landung und wenn die Einhaltung der Sichtflugregeln dies erforderlich macht.
  • Über selten beflogenen Gebieten besonders sorgfältig Flugrouten und Flughöhen wählen. Überraschungseffekte vermeiden.
  • Auf Flüge während der Dämmerung verzichten.
  • Bei auffälligem Verhalten von  Greifvögeln abdrehen und wegfliegen.
  • Erosionsgefährdete und feuchte Zonen sowie Magerrasen keiner unnötigen Trittbelastung aussetzen.
  • Nicht im hohen Gras, auf bestellten Feldern und auf besetzten Viehweiden und Pferdekoppeln landen oder das Fluggerät zusammenlegen.