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Landsport


Mountainbiker beim Wettkampf © Clemens Stenner, piclease
Foto: Mountainbiker beim Wettkampf © Clemens Stenner, piclease

Von  Golf über  Radfahren bis  Wandern – der Begriff Landsport steht für Sportarten, die in der Natur und – in Unterscheidung zum  Wasser- und  Luftsport – „zu Land“ ausgeübt werden. Landsport findet in allen zugänglichen (und mitunter auch bewusst unzugänglichen) Geländetypen in der Natur statt: vom Stadtpark über  Wälder und  Wiesen bis hin zu  alpinem Gelände. Nicht jeder Bereich ist empfindlich und dort stellt ein Verlassen des Weges keine nennenswerte ökologische Belastung dar. Oft sind jedoch gerade solche Orte für Sportler interessant, die naturnah, gering erschlossen und wenig frequentiert sind. Aber in vielen Fällen sind genau aus diesen Gründen jene Orte auch aus Naturschutzsicht von großem Interesse. In solch empfindlichen Lebensräumen sind viele seltene Tier- und Pflanzenarten zuhause und eine störende Einwirkung der Sportler auf die Natur ist hier ungleich höher.

Auswirkungen von Landsport auf die Natur

Beispiele

Generell birgt die Sportausübung in der Natur Konflikte in sich. Beispiele sind:

  • Wenn Sportler Wege verlassen, können Pflanzen zertreten und empfindliche Tierarten aufgescheucht werden. Diese Tiere könnten fortan wegnahe Bereiche meiden und Brutplätze aufgeben, d.h. die Sportler können unbewusst der Grund für die Änderung angestammter Lebensräume sein.
  • Scheue Tiere werden durch das Mitführen von Hunden ohne Leine und eine zu große Lautstärke von Menschen und Maschinen beunruhigt.
  • Das Hinterlassen von Müll, Parken in Waldgebieten und illegales Camping stören Mensch und Natur.
  • Durch den Bau von temporären Wettkampforten und permanenten Sportanlagen können wertvolle Lebensräume mit ihren Tier- und Pflanzenarten oder eine regionstypische Landschaftsstruktur verändert oder gar zerstört werden.
  • Eine mangelhafte Entsorgung der Abfälle und Abwässer von Berghütten kann zu Verunreinigungen des Grund- und Oberflächenwassers führen.
  • Ökologisch bedenklich sind außerdem oftmals die vielen mit dem Auto zurückgelegten Kilometer, bis der Ausgangspunkt der sportlichen Aktivität erreicht ist.

Lebensräume mit störempfindlichen Tierarten

Beispiele für Lebensräume, die aufgrund ihrer Vegetationsstruktur und /oder dem Vorkommen störungsempfindlicher Tierarten empfindlich sein können:

Störungs- empfindliche Vogelarten

Einige Tierarten führen Wanderungen durch und sind daher z. B. im Winterhalbjahr nicht anwesend. Für diesen Zeitraum besteht daher auch keine Empfindlichkeit gegenüber Störungen (z. B.  Schwarzstorch). Andere Arten sind dagegen ganzjährig anwesend und daher grundsätzlich auch ganzjährig störungsempfindlich (z.B.  Uhu), wobei die Fortpflanzungszeit eine besonders kritische Phase ist.

Meistens ist es nicht der Einzelne, der die Natur beeinträchtigt, sondern die starke Frequentierung durch viele Sportler, z.B. bei Großveranstaltungen. Aber auch einzelne Sportler verhalten sich falsch. Allzu oft sind sie ungenügend über Naturschutzbelange und naturschutzfachliche Gegebenheiten sensibilisiert und informiert. Querfeldein und in abgelegenen Gebieten unterwegs zu sein erfordert, dass man auf die Tier- und Pflanzenwelt Rücksicht nimmt. Der Grundsatz des großen Bergsteigers und Abenteurers Sir Edmund Hillary sollte stets beachtet werden:

Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren.
Nimm nichts mit außer Erinnerungen und Bildern.

Naturverträglicher Landsport

Für naturverträglichen Landsport sind Lenkungsmaßnahmen wichtig, um die Auswirkungen auf den Naturraum gering zu halten. Dieses System vermittelt zwischen den Bedürfnissen der Sportler und denen des Naturschutzes und hat zum Ziel, beide Seiten zufriedenzustellen. Wege haben eine wichtige Funktion als Besucherlenkungssystem, durch das die Sportler in weniger ökologisch sensible Bereiche geführt werden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Natursportverbänden und Naturschützern konnten solche Lenkungssysteme bereits realisiert werden.

für Individualsportler

Um naturverträglich Sport zu treiben, sollte jeder Individualsportler folgende Hinweise und Verhaltensregeln beachten:

  • Informieren über und Einhaltung von Naturschutzrichtlinien und Richtlinien der Verbände der verschiedenen Sportarten.
  • Klimafreundlicher als eine individuelle Anfahrt ist, wo möglich, das Anreisen in Fahrgemeinschaften oder mit dem öffentlichen Nahverkehr.
  • Örtliche Ge- und Verbote in Bezug auf besonders ausgewiesene Gebiete (Natur- und Wildschutzgebiete, militärische Sperrgebiete, bewilligungspflichtige Gebiete) sowie Schutzzeiten (Brut- und Aufzuchtzeiten bei Tieren) müssen beachtet werden.
  • Durch ausschließliche Nutzung von ausgewiesenen Wegen kann die Störung bzw. Schädigung störungsempfindlicher Tier- und Pflanzenarten minimiert werden. Daher sollten in ökologisch sensiblen Gebieten die Wege nicht verlassen werden oder auf die Sportausübung ganz verzichtet werden. Abseits von Wegen, an Ufern, an alten Bäumen oder an Felsen kann die Natur empfindlicher sein als es auf den ersten und zweiten Blick den Anschein hat.
  • Während der Ausübung der Sportart ist auf ggf. vorhandene, flüchtende oder warnende Tiere zu achten.
  • Hunde sollten, speziell im Wald, an der Leine mitgeführt und jeglicher Lärm sollte vermieden werden, um scheue Tiere nicht unnötig zu beunruhigen.
  • Auch sollte darauf geachtet werden, dass kein Müll zurückgelassen wird.

für Sportverbände

Für die Verantwortlichen der Sportverbände gilt es, folgende Informationen zu beachten:

  • In Gebieten, in denen Vorkommen der o.g. empfindlichen Lebensräume / Arten nicht ausgeschlossen werden können, sind diese z.B. durch Abfrage bei den Behörden, Forstrevieren, Naturschutzvereinen zu ermitteln. Dies kann im Einzelfall umfangreiche Vorplanungen erfordern.
  • Naturerziehung und Sensibilisierung für Umweltfragen der Vereinsmitglieder, von den Jüngsten bis zur Leiterausbildung.
  • Permanente interne Schulung in Umwelt- und Naturschutzfragen.
  • Aufklärungsarbeit hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen des Sports.
  • Kanalisierung der Sportler durch Lenkungsmaßnahmen.
  • Sicherstellung des natur- und landschaftsverträglichen Sports in Konzeptionen der einzelnen Sportverbände.
  • Verhaltensregeln der Verbände für Sportler bekannt machen und durchsetzen.
  • Darstellung der Verhaltensregeln in aktuellen sportartbezogenen Führern.

für Organisatoren von Sport- veranstaltungen

Für Behörden, für Organisatoren von Sportveranstaltungen und bei der Planung von Querfeldeinsportarten sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Für die betroffenen Flächen ist zu klären, ob empfindliche Lebensräume, empfindliche Pflanzen- oder Tierarten vorkommen. Insbesondere in abgelegenen Gebieten, die ansonsten wenig von Menschen frequentiert werden, können Störwirkungen nicht ausgeschlossen werden.
  • Kennzeichnung von Orten, die nicht betreten werden sollten (Wegerecht und Betretungsrecht in Schutzgebieten).
  • Schutz seltener Tiere zu bestimmten Jahreszeiten (zeitlich befristete und ggf. auch räumlich begrenzte Sperrungen von Brutgebieten).
  • Information der Sportler durch Aufstellen