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Klettern


© Michael Pütsch
Foto: Kletterer © Michael Pütsch

Klettersport wird in allen  Hoch- und Mittelgebirgen seit weit über 100 Jahren ausgeübt. Bei der Erforschung der Hochgebirge war das Klettern eine notwendige Begleiterscheinung, entwickelte sich mit der Zeit aber immer mehr zur abenteuerlichen Herausforderung für Individualisten und später hin zum heutigen Freizeitsport. Die Auswahl der Kletterfelsen erfolgt anhand der Ansprüche der Sportler an den Naturraum. Der besondere Reiz des Sports liegt vor allem im hohen Naturerlebniswert.  Felsen gehören zu den empfindlichen Lebensräumen, in denen viele seltene Tier- und Pflanzenarten ( Uhu,  Wanderfalke, Moose etc.) vorkommen. Die zunehmende Zahl an Kletterern, denen nur eine begrenzte Anzahl an Felsen zur Verfügung steht, führt in einigen Gebieten zu einer hohen Nutzungsintensität. Hier kann es zu nachhaltigen Störungen von Tieren und Pflanzen kommen. Lenkungskonzepte, die von Klettersportlern und Naturschützern erarbeitet wurden, dienen dem Schutz der Natur und sichern die Klettermöglichkeiten.

Klettern und Natur

Beschreibung der Sportart

Beim Klettern nutzt man hauptsächlich Hände und Füße, um auf  Felsen oder Berge zu gelangen. Klettern erfordert körperliche und geistige Fitness, sowie eine gute Einschätzung des persönlichen Leistungsvermögens. Dazu zählen Konzentrationsvermögen, Selbstwahrnehmung, Umgang mit Angst und Selbstüberschätzung, Sensibilität für die eigenen sowie für die Grenzen des Kletterpartners, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Im Klettersport haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Varianten herausgebildet, die immer auch mit einer entsprechenden Entwicklung und Verfeinerung der Ausrüstung einhergingen. Aufgrund ihres unterschiedlichen Charakters sind die Varianten des Klettersports am Ende des Textes ausführlich beschrieben.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Der besondere Reiz des Kletterns liegt im Verlassen des normalen, festen Bodens, im Spiel mit der Schwerkraft und der Auseinandersetzung mit der Aufgabe, eine Felswand auf einer naturgegebenen, selbst ausgesuchten Linie zu durchsteigen. Felsen und Felswände sind im allgemeinen in eine besonders attraktive, naturnahe Landschaft eingebettet, so dass der Klettersport mit einem sehr hohen Naturerlebnis- und Erholungswert verbunden ist. Eine besonders große Anziehungskraft üben Felsen aus, nach deren Erkletterung man zusätzlich mit einer prächtigen Aussicht belohnt wird.

Anforderungen an den Naturraum

In erster Linie sind für Kletterer Felsen bzw. Felswände attraktiv, die möglichst festes Gestein und zugleich wenig oder gar keinen Bewuchs aufweisen. Von großer Bedeutung hinsichtlich der Frequentierung eines Klettergebietes ist dessen Größe, d.h. die Zahl an Einzelfelsen bzw. Felsfläche und der vorhandenen Kletterrouten sowie die Absicherung mit bereits vorhandenen Haken. Die Infrastruktur ist ebenfalls wichtig, also die Erreichbarkeit mit eigenem Fahrzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätze und Übernachtungsmöglichkeiten sowie die Länge des Zustiegs und die Beschaffenheit der Felsfußbereiche (Einstiege in die Routen).

Auswirkungen auf den Naturraum

Meist ist es nicht der Einzelne, der die Natur beeinträchtigt, sondern die häufige Frequentierung durch viele Kletterer. Manche sind ungenügend über Naturschutzbelange sensibilisiert. Trittschäden an Pflanzen und Bodenerosion im Zugangsbereich, am Felsfuß und auf den Felsköpfen sind die Folge. Auch können felsbrütende Vogelarten so stark gestört werden, dass sie ihren Brutplatz aufgeben. Falsches Parkverhalten und illegales Camping stören auch Anwohner sowie Land- und Forstwirtschaft.


betroffene Lebensräume

 Felstrockenrasen;  Wälder;  Hochgebirge;  Felsen

 


Naturverträgliches Klettern

Gebietsbezogene Kletterkonzeptionen, die nach dem Auftreten von Konflikten zwischen Kletterverbänden und den zuständigen Naturschutzvertretern erarbeitet wurden, dienen dem Schutz der Natur und sichern die Klettermöglichkeiten (s.  Link-Verzeichnis Klettern). In diesen  Konzeptionen wurden die zum Klettern freigegebenen und die gesperrten Felsen und Felsbereiche festgelegt. Darüber hinaus wurden Maßnahmen vereinbart, um eine Reduzierung der entstandenen und eine Verhinderung potentieller Beeinträchtigungen zu gewährleisten:

  • Kanalisierung der Kletterer durch Lenkungsmaßnahmen (Befestigung bzw. Rückbau von Zuwegungen, Wandfußpfaden, Auf- und Abstiegen).
  • Verzicht auf das Aussteigen auf botanisch empfindliche Felsköpfe (Setzen von Umlenkhaken).
  • Kennzeichnung von Felsen und Felsbereichen, die nicht beklettert werden sollen,
  • Information der Kletterer (Aufstellen von Informationstafeln vor Ort, Info-Broschüren, Darstellung der Regelungen in den aktuellen Kletterführern).
  • Schutz seltener  Greifvögel (zeitlich befristete und gegebenenfalls auch räumlich begrenzte Sperrungen von Brutfelsen).

Verhaltenskodex - 10 Regeln zum naturverträglichen Klettern

Die „10 Regeln“ sind ein klettersportlicher Verhaltenskodex, der von allen Kletterverbänden mitgetragen und von den Aktiven allgemein akzeptiert wird. Er sichert nicht nur die ökologische Qualität der Felsgebiete, sondern trägt auch dazu bei, die Klettermöglichkeiten in der Natur zu erhalten. Die „10 Regeln“ fanden Eingang in zahlreiche Veröffentlichungen, allem voran das Merkblatt „Zu Gast in den Felsen“ des Deutschen Alpenvereins. Detaillierte Informationen dazu findet man auf
 DAV-Felsinfo, dem Internetportal für Deutschlands Kletterfelsen.

1. Aktuelle Kletterregelung beachten

  • Rechtzeitig über die aktuellen Regelungen informieren.
  • Ge- und Verbote findet man unter DAV-Felsinfo, auf Infotafeln in den Klettergebieten und in guten Kletterführern.

2. Umwelt- verträglich anreisen

  • Wer bei der Anreise in die Klettergebiete öffentliche Verkehrsmittel benutzt oder Fahrgemeinschaften bildet, entlastet die Umwelt.
  • Zudem spart man die oft langwierige Parkplatzsuche – Parkmöglichkeiten sind in vielen Klettergebieten rar.

3. Nur zugelassene Parkplätze nutzen

  • Wildes Parken ist nicht nur ein Ärgernis für Anlieger oder Landwirte, sondern kann auch die Vegetation schädigen.
  • Zum Parken deshalb nur die vorgesehenen Parkplätze nutzen.

4. Nicht auf Abwege geraten

  • Der Wald unterhalb der Felsen geht häufig in steile Geröllhalden über. Diese Biotope sind wegen ihrer flachgründigen Böden äußerst trittempfindlich.
  • Deshalb an die üblichen Zustiegspfade halten und so die heimischen Pflanzen schonen.

5. Pflanzenbewuchs erhalten

  • Die Vegetation der Felsen setzt sich oft aus einer Vielzahl von Kleinstbiotopen zusammen. Deshalb darauf achten, Felsen mit ausgeprägter Vegetation nur behutsam und stark bewachsene Wandbereiche gar nicht zu begehen.
  • Die Pflanzen- und Tierwelt der häufig versteckt im Wald liegenden Boulderfelsen ist zwar oft nicht so spektakulär wie an den großen Felsen, weniger schützenswert ist sie deshalb aber nicht.
  • Auch unter den Schattenpflanzen finden sich viele seltene Arten: Vor allem Flechten, Moose und Farne, aber auch Blütenpflanzen.

6. Tabuzonen respektieren

  • Unterhalb von Felskopfbereichen mit sensibler Vegetation, die vor Trittbelastung geschützt werden soll, werden Umlenk- und Abseilhaken angebracht.
  • Sensible Felszonen, in denen das Beklettern den Bestand einer Art oder einer Vegetationsgesellschaft gefährden würde, werden im Rahmen von Kletterkonzeptionen stillgelegt.
  • Gesperrte bzw. offene Felsbereiche sind an den bundesweit einheitlichen Symbolen Kreuz und Pfeil zu erkennen.

7. Brutzeiten sind Sperrzeiten!

  • Während die geschützten, in den Felsen beheimateten Vogelarten brüten und ihre Jungen aufziehen, wird im Bereich der Brutplätze eine zeitlich befristete Sperrung verhängt.
  • Durch die Beachtung dieser Sperrungen tragen Kletterer zum Schutz seltener Vögel wie  Wanderfalke und  Uhu bei.
  • Informationen über befristete Sperrungen bieten Hinweistafeln an den Felsen oder DAV-Felsinfo im Internet.

8. Keinen Müll zurücklassen

  • Achtlos weggeworfene Abfälle verschandeln die Felsgebiete nicht nur optisch: Pflanzen und Tiere reagieren auf Veränderungen ihres Lebensraumes sehr empfindlich.
  • Müll darf deshalb in keinem Fall am Fels zurückbleiben, Fäkalien müssen vergraben und für Lagerfeuer dürfen nur ausgewiesene Feuerstellen genutzt werden.

9. Nutzen bieten, Nutzen ernten

  • Es wird empfohlen, für Übernachtung und Verpflegung lokale Gasthöfe oder Zeltplätze zu nutzen.
  • So profitiert auch die ansässige Bevölkerung vom Klettersport und der persönliche Kontakt zu den Einheimischen hilft, mögliche Vorurteile gegenüber Kletterern auszuräumen.

10. Sanierungen und Erschließungen abstimmen!

  • In vielen Klettergebieten wurden Arbeitskreise für Klettern und Naturschutz (AKN) gegründet, die sich dem naturverträglichen Klettersport verschrieben und auch Regeln zur Erschließung von Neutouren entwickelt haben.
  • Nur wenn diese Beschlüsse eingehalten werden, können Felsbereiche geschützt und Konflikte vermieden werden.
  • Die Adressen von Ansprechpartnern und Informationen zu Neutourenregelungen finden sich unter DAV-Felsinfo oder in den meisten Kletterführern.

Klettern im Detail

Geschichte

Klettern hat seinen Ursprung im alpinen Bergsteigen, das 1789 mit der ersten Ersteigung des Montblanc-Gipfels begann. Zunächst wurden die Gipfel der Alpen auf den leichtesten Wegen bestiegen („Eroberungsalpinismus“), die in der Regel über Gletscher und Grate sowie durch Rinnen führten. Danach wurden die nächst schwierigeren Aufstiege angegangen, bis schließlich die Durchsteigung der Wände als Herausforderung übrig blieb. Solche Unternehmungen erforderten aber zunehmend eine Steigerung der klettertechnischen Fähigkeiten und somit ein entsprechendes Training.
Je schwieriger die Routen wurden, desto mehr musste trainiert werden, und zwar an den nahe gelegenen Felsen der Mittelgebirge oder der Voralpen, die zwischen 1850 und 1900 ins Blickfeld der Alpinisten rückten. Mit zunehmender Steigerung der Schwierigkeiten entwickelten sich die Sicherungstechniken. Lange diente nur das vom Kletterpartner gehaltene Hanfseil, das hinter Felszacken entlanggeführt wurde, zur Sicherung des Vorsteigenden. Erst viel später folgten die ersten Formen von Haken, die in Felsritzen und -löcher geschlagen wurden. Zur Sicherung musste sich der Vorsteigende aus dem Seil ausbinden, dieses durch die Hakenöse fädeln und sich dann wieder einbinden. Das war nicht nur gefährlich, sondern auch umständlich. Den Durchbruch brachte dann die Verwendung von Karabinern – ovale Stahlösen, die sich mittels eines speziellen Mechanismus („Schnapper“) öffnen und schließen lassen.
Durch verbesserte Sicherungstechnik konnten immer schwierigere Felswände der Alpen und Mittelgebirge durchstiegen werden. So entwickelte sich auch das „Technische Klettern“, bei dem zunächst Haken und Karabiner, später dann auch kurze, in die Haken eingehängte Strickleitern zur Fortbewegung dienten. In den 1960er Jahren gipfelte diese Entwicklung schließlich in überwiegend technischen Kletterrouten, die dem Ideal der „Linie des fallenden Tropfens“, also die kürzeste Verbindung vom Gipfel bis zum Boden (Direttissima) möglichst nahe kamen. Letztendlich stellte das technische Klettern jedoch eine Sackgasse dar, weil keine Steigerungen der bewältigten Schwierigkeiten erfolgten. Kam man ohne Fortbewegungshilfen nicht mehr weiter, so wurden eben Haken geschlagen. Waren keine Strukturen im Fels dafür vorhanden, so bohrte man ein kleines Loch und platzierte in diesem einen Bohrhaken. Damit ließ sich auch die glatteste, abweisendste und überhängendste Felswand bewältigen, es war nur eine Frage von Material- und Zeitaufwand.

Ab ca. 1975 wendeten sich die ersten Kletterer von dieser Art der Kletterei ab und der freien Begehung von bis dahin technischen Kletterrouten zu. Dabei wurde das Seil zwar zur Sicherung in die Haken eingehängt, diese jedoch bewusst nicht als Fortbewegungshilfen verwendet. Zur Durchkletterung der Route wurden ausschließlich nur die im Fels vorhandenen natürlichen Strukturen benutzt. Der Gedanke des Freikletterns wurde schnell als sportliche Herausforderung angenommen. Galt zuvor noch der 6. Schwierigkeitsgrad als das äußerst menschenmögliche, so musste die Skala nun nach oben geöffnet werden. Gezieltes Training wurde als Grundlage zur Steigerung des eigenen Klettervermögens erkannt, was geradezu eine Leistungsexplosion nach sich zog. War noch 1977 der ersten Kletterroute offiziell der 7. Schwierigkeitsgrad zuerkannt worden, konnte das Niveau in nur 6 Jahren bis zum unteren 10. Grad gesteigert werden. Der 11. Grad wurde dann weltweit erstmalig 1993 in der Fränkischen Schweiz geklettert.
Zugleich entdeckte man ganz kleine Felsen als hervorragendes Übungsterrain. Quasi in Absprunghöhe über dem Boden, ohne störende Ausrüstungsgegenstände und Angst vor einem Sturz, können die komplexesten Bewegungsabfolgen geübt und höchste Schwierigkeiten geklettert werden. Das „Bouldern“ (Boulder = Felsblock) hat sich mittlerweile zu einer schon fast eigenständigen Disziplin des Klettersports mit einer eigenen Schwierigkeitsskala entwickelt.
Parallel zur Entwicklung des Freikletterns in den Mittelgebirgen wurde auch mit der „Befreiung“ der bis dahin technisch gekletterten Routen in den Alpen begonnen und dort das gesteigerte Können in die großen und kleinen Wände übertragen. Eine Entwicklung, die selbst vor den Bergen der Welt mit ihren ganz großen Wänden nicht halt machte und dort mit zunehmendem Erfolg praktiziert wird.

Voraussetzungen

Ein Mindest- oder Höchstalter gibt es beim Klettern nicht, da jeder den Sport im Rahmen seiner persönlichen Fähigkeiten ausüben kann. Allerdings empfiehlt sich eine theoretische und praktische Ausbildung, um sich mit den vielfältigen Sicherungs- und Klettertechniken vertraut zu machen. Eine Tauglichkeitsbescheinigung ist nicht erforderlich, wohl aber ein Partner, von dessen Fähigkeiten und Kenntnissen man überzeugt ist, denn schließlich vertraut man ihm das eigene Leben an.

Organisation der Sportart

Klettern erfreut sich seit etwa 1990 zunehmender Beliebtheit, nicht zuletzt durch die seitdem entstandenen künstlichen Kletteranlagen (Kletterhallen und Außenanlagen). Zwischen dem Klettern in der Halle und draußen am Naturfels gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Der Naturfels verlangt ein erhebliches Mehr an psychischer Stärke, an Kreativität zum Erkennen der Bewegungsabläufe sowie an Kenntnissen und Erfahrungen mit den verschiedenen Sicherungs- und Klettertechniken. Ausbildungsangebote gibt es in vielen Sektionen des Deutschen Alpenvereins, mittlerweile recht zahlreichen privaten Kletterschulen sowie bei  NaturFreunde Deutschland.
Vertreten wird der Klettersport in Deutschland im Wesentlichen vom  Deutschen Alpenverein (DAV), dem größten Bergsportverband der Welt (rund 940.000 Mitglieder in 355 Sektionen, Stand 2011), der  Interessengemeinschaft Klettern (IG Klettern) und den  NaturFreunden Deutschand.
Bei den Mitgliedszahlen der Verbände ist zu beachten, dass sie sich nicht nur aus Sportkletterern, sondern auch aus Wanderern, Skisportlern und Bergfreunden im Allgemeinen zusammensetzen. Der Organisationsgrad der Kletterer im DAV beträgt ca. 75 Prozent. Die Gesamtzahl der Kletterer beläuft sich auf etwa 360.000, wovon 300.000 auch am Naturfels klettern.

Varianten der Sportart

Im Laufe der Jahre haben sich diverse Varianten des Klettersports herausgebildet, die im Folgenden vorgestellt werden. Bei allen Varianten wird zwischen folgenden Begehungsarten unterschieden:

  • On Sight: Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer völlig unbekannten Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus. Dies ist die sportlich hochwertigste Durchsteigungsform.
  • Flash: Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer noch nicht zuvor durchstiegenen Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus. Allerdings sind gewisse Bewegungsabläufe durch die Beobachtung oder Erläuterung anderer Kletterer bekannt.
  • Rotpunkt: Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer bereits gekletterten oder aufgrund vorherigen Ausprobierens bekannten Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus.
  • Pink Point: Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer bekannten Kletterroute, wobei die Karabiner bereits vor der Begehung in die Sicherungspunkte eingehängt wurden. Da das Entfernen der Sicherungspunkte aus sehr steilen (überhängenden) Routen aufwendig und mühsam ist, hat das Anbringen der Sicherungen aus der Kletterstellung in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Heute gilt auch eine Durchsteigung einer Route mit bereits eingehängten Schlingen als Rotpunkt-Begehung.

Alpines Klettern

Das freie als auch das technische Klettern in den Fels- und Eiswänden der Alpen und allen Hochgebirgen der Welt, bei dem man sich den dortigen Gefahren aussetzt, wie z.B. brüchigem Fels, schlechter Absicherung, Stein- und Eisschlag sowie den Unwägbarkeiten des Wetters. Für die meist langen Kletterrouten mit einer Vielzahl an Seillängen benötigt man Zeit und eine gute Kondition. Eine genaue Tourenplanung ist bei größeren Unternehmungen unerlässlich. Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, fehlerhafte Planung und unzureichende Ausrüstung führen in der Regel zu ernsthaften Problemen.

Bouldern

Das Probieren und Bewältigen von schwierigen Kletterpassagen in Absprunghöhe, wobei in der Regel auf eine Seilsicherung verzichtet wird. Lediglich bei höheren Boulderproblemen (Highballs) kommt beim Üben der Bewegungsabläufe gelegentlich ein Seil zum Einsatz. Wie unter „Geschichte“ erwähnt eignet sich das Bouldern hervorragend zur Schulung von Kraft und Technik. An Ausrüstung werden lediglich Kletterschuhe und Crashpad (faltbare Sturzmatte) benötigt.

Eisklettern und Mixedklettern

Eisklettern ist das Erklettern gefrorener Wasserfälle und erfordert spezielle Kenntnisse und eine besondere Ausrüstung. Es stellt aufgrund der potentiellen Instabilität der Eisgebilde und der enormen Verletzungsgefahr im Falle eines Sturzes eine gefährliche Variante des Klettersports dar.
Mixedklettern ist das Klettern in aus Fels und Eis kombinierten Kletterrouten. Da die zur Fortbewegung im Eis notwendigen Steigeisen und Eisbeile nicht zwischendurch abgelegt werden können, müssen auch die Felspassagen damit durchklettert werden (Drytooling). Die Absicherung erfolgt zumeist durch im Fels verankerte Haken und Bohrhaken. Die Ausrüstung besteht im allgemeinen aus Klettergurt, steigeisenfesten Bergschuhen, Helm, Seil, Steigeisen, Eisbeile (kleine Pickel mit gekrümmter Haue), diversen Eisschrauben, Karabinern und Bandschlingen sowie wasserdichter und warmer Bekleidung.

Freiklettern (Freeclimbing)

Das seilgesicherte Durchsteigen einer Kletterroute ohne Verwendung künstlicher Hilfsmittel, d.h. es wird ausschließlich das Griff- und Trittangebot des Gesteins genutzt. Die im Fels vorhandenen Haken sowie selbst angebrachte mobile Sicherungspunkte (Klemmkeile, Schlingen), in die das Seil mittels Karabinern eingehängt wird, dienen lediglich zur Sicherung.

Sportklettern

Das Durchsteigen jeder Kletterroute in jeder Form stellt letztendlich eine sportliche Leistung dar und kann somit unter diesem Begriff verstanden werden. Im engeren Sinne ist mit „Sportklettern“ jedoch das an der Bewältigung möglichst hoher Schwierigkeitsgrade orientierte Freiklettern von gut abgesicherten Kletterrouten zu verstehen, für das ein persönliches Training zur Leistungssteigerung betrieben wird. Übliche Ausrüstung: Klettergurt, Kletterschuhe, Helm und Seil sowie diverse Karabiner, Express-Schlingen, Abseilgerät, Klemmkeile und Bandschlingen.
 

Technisches Klettern

Das gesicherte Durchklettern von Passagen oder ganzen Seillängen einer Kletterroute unter Verwendung vorhandener sowie gegebenenfalls selbst anzubringender Sicherungspunkte, welche zur Fortbewegung verwendet werden. Zusätzlich zur o.g. Ausrüstung kommen hierbei Kletterhammer, Steigklemmen, Trittleiter(n), Bohrgerät, Meißel und gegebenenfalls ein Sitzbrett zum Einsatz.
 

Solo/Free Solo

Jede Form des Kletterns kann selbstverständlich auch allein, d.h. ohne Sicherungs- bzw. Seilpartner ausgeübt werden. Jedoch heißt „Solo“ nicht, dass man hierbei auf eine persönliche Absicherung generell verzichtet, die zwar schwierig und aufwendig ist, aber durchaus oft zur Anwendung kommt. Daher wird allgemein zwischen „Solo“ (mit zumindest teilweiser Selbstsicherung in den schwierigen Passagen oder Seillängen) und „Free Solo“ (ohne jegliche Selbstsicherung) unterschieden. Beim reinen „Free Solo“ wird an Ausrüstung in der Regel lediglich das notwendige Schuhwerk und ein Helm verwendet.