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Kanufahren


Kanufahren im Nationalpark Müritz © Till Hopf
Foto: Kanufahren im Nationalpark Müritz © Till Hopf

Der Kanusport wird als Freizeit- und Wettkampfsport ausgeübt. Genutzt werden Wasserwanderwege, Wildwasserstrecken, Küsten- und Meeresgewässer, Wettkampfstrecken sowie Trainingsstecken. Der Kanute bewegt sein Kanu durch Schläge mit einem Paddel vorwärts. Im Gegensatz zum Rudern besteht dabei keine feste Verbindung des Paddels zum Boot. Der Reiz des Kanufahrens liegt im Fortbewegen auf dem Wasser durch Muskelkraft und dem damit verbundenen Naturerlebnis. Negative Auswirkungen auf die Natur können sich an Ein- und Ausstiegsplätzen sowie während des Befahrens der Gewässer ergeben.

Kanufahren und Natur

Beschreibung der Sportart

Das deutsche Wort „Kanu“ ist der Oberbegriff für alle Wassersportgeräte, die aus eigener Muskelkraft mit Paddeln in Blickrichtung nach vorn fortbewegt werden. Es beinhaltet unterschiedliche Bootstypen (Kanadier, Kajaks, Faltboote).

Meint man das Indianerboot spricht man vom „Kanadier“, während der oder das „Kajak“ seinen alten Inuitnamen behielt. In beiden Booten blickt man, im Gegensatz zum Rudern, in Fahrtrichtung und von beiden Bootstypen gibt es, je nach Einsatzbereich, verschiedene Modelle. Beide Bootsarten werden heute bevorzugt aus faserverstärktem Kunststoff oder PE hergestellt.
Ein Kajak ist ein geschlossenes Boot mit einer Sitzluke und wird im Sitzen gefahren, der Kanute taucht sein Doppelpaddel wechselseitig ein, um das Boot vorwärts zu bewegen. Im Heck kann sich ein Steuer befinden, das mit den Füßen bedient wird. Der Kanadier ist in der Regel ein offenes Boot, das mit einem Stechpaddel angetrieben wird. Es kann in kniender oder sitzender Position gefahren werden. Mit dem Stechpaddel wird das Boot bewegt und gleichzeitig gesteuert.
Das Faltboot, der Vorgänger der heutigen Sportboote, ist eine ältere traditionelle Kanu-Bauart, bei der über ein „Boots-Gerippe“ aus Holz eine Bootshaut gezogen wird. Als Allround-Boot wurde es von der längeren Gepäck-Tour bis zur Befahrung selbst schweren Wildwassers verwendet. Die modernen Kunststoff-Materialien erlaubten später, robustere Boote zu bauen.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Die gleitende Fortbewegung auf dem Wasser und die besondere Perspektive von der Wasserfläche aus auf reizvolle Uferlandschaften bieten für Kanusportler ein Naturerlebnis der besonderen Art. Durch die leise Fortbewegungsart kann die Natur intensiver wahrgenommen werden. Die Bewältigung von Strömungen oder Wellengang fordern den sportlichen Ehrgeiz heraus.

Anforderungen an den Naturraum

Für die Ansprüche des Kanuten an den Naturraum genügen im Prinzip alle  Gewässer mit ausreichender Wassertiefe (ca. 30 cm), ansprechender Landschaft mit abwechslungsreichen Uferformen und natürlicher  Ufervegetation, wechselnden Strömungsverhältnissen und einigermaßen guter Wasserqualität. Es werden sowohl Zahmwasser ( Teiche,  Seen und langsam fließende Gewässer) als auch Wildwasser befahren, aber auch das Meer lässt sich mit dem Kanu erkunden. Entscheidend für eine komfortable Befahrung ist das weitgehende Fehlen von Hindernissen, an denen das Boot aus dem Wasser genommen werden und getragen werden muss. Die Wasserflächen sollten durch ausgewiesene Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten leicht zu erreichen sein.

Auswirkungen auf den Naturraum

Durch das Kanufahren können sich Auswirkungen auf Flora und Fauna ergeben. Man unterscheidet Belastungen durch Ein- und Aussetzen bzw. Anlanden der Boote und die Belastungen durch die Fortbewegung auf dem Wasser.

Mögliche Auswirkungen beim Ein- und Aussetzen:

  • In empfindlichen Biotopen kann Trittbelastung zu Schäden am  Uferbewuchs, zu Uferabbrüchen, Artenverschiebung sowie Vegetationsverlust im Bereich der Ein- und Ausstiegsstellen sowie beim Umtragen führen.
  • Störempfindliche Tiere können beunruhigt oder vertrieben werden. Erheblich zeigt sich das in der Brutzeit der am Wasserlauf heimischen Vögel
    ( Eisvogel,  Wasseramsel,  Flussuferläufer etc.), die bei Störung die Brut- und Nahrungsaufnahme unterbrechen.
  •  Röhricht und Unterwasserpflanzen können beschädigt werden. Schilfbestände sind Rückzugsraum für einige Vogelarten und auch Lebensraum für viele Wirbellose. Wird nur ein Halm dieses Gewächs beschädigt, dringt Wasser in das Wurzelgeflecht hinein und die komplette Pflanze stirbt ab.

Mögliche Auswirkungen während der Kanufahrt:

  • Die bloße Anwesenheit des Kanuten auf dem Wasser kann eine Störung wildlebender Tiere ( Fische, Wasservögel,  Fischotter) darstellen, wenn Fluchtdistanzen der  Vögel unterschritten werden, der Mindestwasserstand nicht beachtet wird oder wenn über längere Zeit viele Boote unterwegs sind. Hierdurch werden Stressreaktionen ausgelöst, die abhängig von den jeweiligen Fluchtdistanzen der Tiere sind und deren Einfluss auf die Tiere stark sein kann.
  • Fischlaichplätze im Kiesbett können zum einen durch mechanische Belastung der Gewässersohle (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder durch Sedimentaufwirbelung (Schlammbänke und Feinsand) zerstört werden. Dies geschieht häufig in flachen Gewässern und an exponierten Stellen.
  • Unterschreitung der Fluchtdistanzen kann Wasservögel stören und vertreiben.
  • Beschädigung von  Röhricht und Unterwasserpflanzen (s.o.).

betroffene Lebensräume

 Uferbiotope;  Bäche und Flüsse;  Seen;  Kleingewässer

 


Naturverträgliches Kanufahren

Jeder Kanute sollte sich vor der Fahrt bei Verbänden und Naturschutzvereinen über die Regelungen informieren, die an den jeweiligen Gewässern gelten.
Es wäre sinnvoll, wenn Informationen und Anleitungen zum Natur- und Gewässerschutz (wie z.B. die vom
 Schweizerischen Kanuverband SwissCanoe erstellte Broschüre „Kanufahren in Auengebieten“) nicht nur von den großen Vereinen und Verbänden in Umlauf gebracht würden, sondern sich auch die Kanuverleiher an der Aufklärung beteiligen würden, um die steigende Zahl von nicht organisierten und unausgebildeten Kanusportlern zu erreichen.

Um die intakte Natur an  Gewässern zu erhalten, sollten Kanuten neben den  „Grundlinien für natur- und landschaftsverträglichen Kanusport“ die folgenden Regeln respektieren:

  • Mindestpegel unbedingt einhalten, für Ungeübte besser noch „Mindestpegel plus fünf“ (Zentimenter extra). Übersicht der Pegelinformationen zahlreicher deutscher und europäischer Gewässer unter www.kanu.de. Ständiges Aufsetzen oder „Steinerutschen“ schädigt Boot und Natur.
  • Wenn möglich, auf Wochentage ausweichen, um überfüllte Kanustrecken und zugestellte Anwohnerparkplätze zu vermeiden.
  • In der Hauptreisezeit oder an Feiertagen Alternativen zu den bekannten Zielen wählen.
  • Fahren durch Schilf und Seerosen oder ständiges Kreuzen von einer Seite zur anderen schädigt Pflanzen und verschreckt Tiere. Es empfiehlt sich, vor Beginn einer Flusswanderung etwa einen halben Tag auf stehendem Wasser zu üben, um das Sportgerät zu beherrschen.
  • Auf besonders sensiblen Gewässern sollte in kleinen Gruppen gefahren werden.
  • Die „Perlen“ unter den naturnahen Fließgewässern in deutschen Mittelgebirgen eignen sich nicht für die Anfängerschulung. Wer mit Anfängern unterwegs ist oder selbst Anfänger ist, übt besser zuerst auf einem See, verbauten Flussunterläufen oder Slalomstrecken, bis die Paddeltechnik eine einigermaßen solide Befahrung zulässt.
  • Sperrungen müssen eingehalten werden. Informationen zu den Regelungen an jedem Gewässer gibt der Deutsche Kanuverband.
  • Eine solide Ausbildung ist für Wildwasser und Seekajak Pflicht. Hier können die ortsansässigen Paddelclubs des Deutschen Kanuverbandes, der Bundesverband Kanu (BVKanu) und auch der Hochschulsport einiger Universitäten weiterhelfen.

Kanufahren im Detail

Geschichte

Schon in der Steinzeit wurden Gewässer mit Hilfe von ausgehöhlten Baumstämmen (Einbäumen) befahren. Besonders erfolgreiche Modelle stellten die Indianer Nordamerikas und die Inuit der Polarregionen her. Die Indianer bauten ihre Boote (Kanus) aus Birkenrinde und dichteten sie mit Harz ab. Sie waren leicht, konnten daher mühelos bei unbefahrbaren Passagen getragen werden und waren dennoch für den Transport großer Lasten geeignet. Kanus wurden zur Jagd und zum Fischfang genutzt.
Den Inuit hingegen stand kaum Holz zur Verfügung. Sie spannten Tierhäute über Gerüste, die aus Treibholz und Knochen gefertigt waren. Ihre oben geschlossenen Boote (Kajaks) waren seetüchtig und wurden bevorzugt zur Robbenjagd verwendet.
Im 16. und 17. Jahrhundert brachten englische Kapitäne Kanus und Kajaks nach Europa. Sie hatten sie als vielseitige Gebrauchsfahrzeuge bei den Naturvölkern kennengelernt und waren fasziniert von ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit. Es sind die Vorläufer der bei uns heute unter dem Sammelbegriff „Kanu“ bekannten Sportboote.

Voraussetzungen

Generell ist das Kanufahren auf öffentlichen  Flüssen und
 Seen in Deutschland erlaubt. Einige Wasserflächen werden während niedriger Wasserstände oder zu bestimmten Jahreszeiten durch Befahrungsregeln vor Schäden durch das Kanufahren geschützt. Deshalb sollte man sich vor der Befahrung eines Flusses oder Sees bei den zuständigen Naturschutzbehörden oder einem Kanuklub informieren. In Einzelfällen regeln freiwillige Vereinbarungen eine zeitliche Sperrung, welche zumeist an Gewässern signalisiert ist.

Eine spezielle Ausbildung ist nicht vorgeschrieben, jedoch sollten Befahrungen sensibler Gewässer nur von Personen vorgenommen werden, die das Boot sicher beherrschen. Von Kanu-Vereinen werden diverse Kurse angeboten.
Zur Grundausrüstung gehören ein unsinkbares Boot, ein Paddel sowie eine Schwimmweste, die während des Fahrens immer getragen werden sollte. Im Wildwasser gehört ein Helm ebenfalls zur Grundausstattung. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass der Kanusportler schwimmen kann, wobei das Schwimmen im bewegten Wasser weitaus anspruchsvoller ist als in stehenden Gewässern. Wenn Gepäck und Proviant transportiert wird, kann dies durch wasserdichte Säcke oder Tonnen geschützt werden.
Die oben genannten Regeln sollten auch im eigenen Interesse bekannt sein und befolgt werden. Kanuten sollten außerdem Kenntnisse über die Befahrungsregeln (aus Naturschutzgründen) öffentlicher  Gewässer besitzen.

Organisation der Sportart

Der Kanusport ist in Deutschland recht weit verbreitet; der  Deutsche Kanu-Verband (DKV) mit seinen 117.500 Mitgliedern (Stand: 2011), die in rund 1.300 Kanuvereinen und 18 Landesverbänden organisiert sind, verkörpern die Gesamtheit des organisierten Kanusports in Deutschland. Die Bandbreite der hier organisierten Kanusportvarianten reicht dabei vom alpinen Wildwasserfahren über Trendsportarten wie Drachenboot bis hin zum Wettkampfsport. Der Dachverband der kommerziellen Kanuanbieter ist der  Bundesverband Kanu e. V. (BVKanu), der den Kanutourismus, die Kanuausbildung und die Kanuwirtschaft vereint. Der Organisationsgrad der Kanuten ist verhältnismäßig hoch, was auch daran liegt, dass die An- und Rückreise mit einem Boot bzw. der Transfer zwischen Ein- und Aussetzstelle logistisch aufwendig sind, was die Organisation in Gruppen notwendig macht.
Allerdings sind auch zahlreiche Kanuten nicht organisiert und üben ihren Sport individuell aus.

Varianten der Sportart

Aufgrund der unterschiedlichen Bootarten und der unterschiedlichen Beschaffenheiten von Gewässern existieren eine Vielzahl verschiedener Varianten des Kanusports.

Kanuwandern

Die meistpraktizierte Form des Kanufahrens ist das Kanuwandern, bei dem Tages- oder Mehrtagestouren auf ruhigeren Flüssen und Seen unternommen werden. Dem Kanuwanderer zeigt sich im Laufe der Wanderung die Landschaft in neuer, ständig wechselnder Perspektive. Die Stille bei der Befahrung vermittelt ein eindrucksvolles Naturerlebnis.
Reizvolle Flüsse und Seen zum Kanuwandern sind in den DKV-Gewässerführern beschrieben.

Wildwasserfahren

Die Grenzen vom Wasserwandern zum Wildwasserfahren sind fließend. Wenn der Fluss etwas enger wird, etwas mehr Gefälle hat, wenn Steine und Felsen im Weg liegen, wenn Wellen den Kanuten zu exakter Fahrt durch diese Schwierigkeiten hindurch zwingen, dann spricht man von Wildwasserfahren.
Die Herausforderungen des Flusses an Reaktionsschnelligkeit und das Zusammenspiel von Kraft und Geschicklichkeit lassen eine Fahrt zum abenteuerlichen Erlebnis werden. Entsprechend seiner individuellen Kenntnissen und Fähigkeiten kann der Kanute Flüsse unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade auswählen und so die geeignete Herausforderung finden:

I – leicht
kleine Schwälle, höhere, regelmäßige Wellen, wenige, erkennbare Hindernisse.
II – mittelschwer
häufige Schwälle, leicht erkenn- und befahrbare Wirbel und Kehren.
III – schwer
zahlreiche Schwälle, höhere, unregelmäßige Wellen, Brecher und Walzen, Wirbel und Kehren, Verblockung, schlecht erkennbare Durchfahrten.
IV – sehr schwer
lange Schwallstrecken, hohe, unregelmäßige Wellen, Brecher und Walzen, schwierige Wirbel, scharfe Kurven, starke Verblockung, Durchfahrten schlecht erkennbar.
V – extrem schwer
durchgehende Schwallstrecken, unregelmäßige Brecher und Walzen, schwierigste Kehren und Wirbel, hohe Strömungsgeschwindigkeit, extreme Verblockung, Durchfahrten kaum erkennbar.
VI – Grenze der Befahrbarkeit
Steigerung sämtlicher Schwierigkeiten.

Extremes Wildwasserfahren

Diese Variante bezeichnet Erstbefahrungen in allen Kontinenten sowie Expeditionen zu unbekannten und unbefahrenen Flüssen, die extreme Schwierigkeitsgrade mit Wasserfällen und Stromschnellen aufweisen.

Kanu-Freestyle

Eine relativ junge Disziplin ist das Kanu-Freestyle. Die Besonderheit ist es, dass hier keine Wegstrecke zurückgelegt wird, sondern nahezu auf einer Stelle im Fluss verschiedene Figuren gefahren werden. Der Kanute fährt mit seinem Kajak in Walzen oder Wellen und dreht mit ihm Kerzen oder andere spektakuläre Figuren.

Küstenkanu- wandern (Seekajakfahren, Küstenpaddeln)

Küstenwanderer fahren Seekajaks, die optimal auf die Verhältnisse des Meeres (Navigation, Seegang) abgestimmt sind. Seekajakfahren auf dem Meer eröffnet im Vergleich zum Wanderpaddeln auf Flüssen und Seen und zum Strömungspaddeln auf Wildbächen eine neue Erlebniswelt. Hierbei werden an den Kanuten besondere Kenntnisse im Bereich Nautik und Navigation gestellt, um relativ sicher auf dem offenen Meer fahren zu können.

Drachenboote

Drachenboote, sind lange Boote, in den 20 und mehr Personen Platz finden und in denen sich mit Stechpaddel fortbewegt wird. Drachenbootfahren ist eine spezielle Form der Kanadiertechnik und hat seinen Ursprung im asiatischen Raum.  Es ist eine Funsportart und Leistungssport zugleich.

Kanusport als Wettkampfsport

Neben diesen „Freizeitsportarten“ gibt es Kanusport natürlich auch als Wettkampfsport. Das Spektrum reicht dabei von kleineren Wettkämpfen bis hin zum Hochleistungssport bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Im DKV gibt es derzeit die Disziplinen: Kanu-Rennsport, Kanu-Slalom, Kanu-Wildwasserrennsport, Kanu-Polo, Kanu-Drachenboot, Kanu-Segeln, Kanu-Rafting, Kanu-Freestyle, Kanu-Mehrkampf, Kanu-Marathon.

Ocean Sports

Unter „Ocean Sports“ werden Paddelsportarten verstanden, die überwiegend auf dem Meer praktiziert werden oder dort ihren Ursprung haben. So zählen hierzu insbesondere das Auslegerkanu, der Surfski und das Stand-Up Paddle (SUP) Board.