Bundesamt für Naturschutz

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Meeresgewässer und Gezeitenzone


Wattlandschaft auf Sylt © Barbara Engels
Foto: © Barbara Engels

Das Flachmeer ist die Region des untergetauchten Sockels des Festlandes. Der Boden wird als Litoral bezeichnet und in drei Bereiche untergliedert.

Der Bereich oberhalb der Hochwasserlinie außerhalb der Gezeitenzone heißt Supralitoral. Nur bei Sturmfluten wird der Boden von Wasser bedeckt. Das Eulitoral ist der Bereich zwischen Hochwasser- und Niedrigwasserlinie und damit der eigentliche Gezeitenbereich indem der regelmäßige Zyklus von Ebbe und Flut wirkt. Unterhalb der Niedrigwasserlinie ist der Meeresboden ständig von Wasser bedeckt (Sublitoral). Dieser Bereich reicht bis zur Schelfkante. Die Lebensraumtypen im Gezeitenbereich umfassen das Watt, Meeresarme und -buchten, Sandbänke, Riffe, Strandseen und auch Flussmündungen.

Die Zonierung des Litorals gilt auch an der wenig tidenbeeinflussten Ostsee für die   Hoch-, Mittel- und Niedrigwasserlinie.

Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Gezeitenzone

Die Lebensraumbedingungen in der Gezeitenzone sind extrem. Die hier vorkommenden standortangepassten, hochspezialisierten Arten müssen starke Veränderungen der Standortbedingungen tolerieren oder kompensieren. Mit den Tiden schwanken die Verfügbarkeit von Meerwasser und Nährstoffen sowie Temperaturen stark. Nur wenige höhere Pflanzen besiedeln diese Habitate. Das Wattenmeer ist reich an Lebewesen. Die meisten Tiere im Watt leben im Boden verborgen wie Krebse, Muscheln, Schnecken und Meereswürmer. Sie sind die Nahrungsgrundlage für  Vögel und  Fische. Im Winter bietet das Wattenmeer zahlreichen Vögeln wie  Gänsen und Enten sowie  Watvögeln und Möwen ein Quartier. Auch die Boddenlandschaft weist eine große Lebensraumvielfalt auf. Brut- und Rastvögel, wie z. B.  Kraniche und Seeschwalben nutzen die Bodden.

Strand

Strände und Sandbänke sind durch die Wasserbewegungen der Tide und durch Sturmfluten fast vegetationslos. Aufgrund der lebensfeindlichen Verhältnisse leben hier nur ausgesprochen wenige Arten. Die meisten wirbellosen Tiere des Strandes und der Sandbänke leben vom Spülsaum.  Fluss- und Küstenseeschwalben brüten am Strand oder auf nicht überfluteten Sandbänken.  Watvögel und Möwen suchen in diesen Küstenbereichen nach Nahrung. An einsamen Stränden und auf Sandbänken gibt es Seehunde und Kegelrobben.

Typische Tierarten: Alpenstrandläufer, Auster, Austernfischer, Blumentiere, Bohrmuschel,  Brandgans,  Eiderente, Einsiedlerkrebs,  Großer Brachvogel, Herzigel, Herzmuschel, Knutt,  Lachmöwe, Miesmuschel, Ohrenlerche, Pfeifente, Prächtiger Salzkäfer, Quallen,  Ringelgans, Rote Bohne,  Säbelschnäbler, Sandklaffmuschel,  Sandregenpfeifer, Schlangensterne, Schneeammer, Schwertmuschel,  Seeregenpfeifer, Seesterne,  Silbermöwe, Treuerente,  Trogmuschel, Watt-, Strand-, Pantoffel- und Wellhornschnecke, Zwergseeschwalbe

Gefährdung und Schutz

Gefährdung

Gefährdungen für die Lebensräume der Gezeitenzone gehen von der Fischerei, dem Sandabbau und der Schifffahrt aus. Schadstoffeinträge z. B. durch Ölförderung sowie der Nährstoffeintrag durch Einleitungen und die Nährstofffracht der Flüsse stellen starke Belastungen dar. Darüber hinaus wirken sich Uferbefestigungen, Fahrrinnenvertiefungen, Eindeichungen, Tourismus, Strandberäumung bei Badebetrieb und auch die militärische Nutzung negativ aus.

Schutz

In den küstennahen Bereichen ist trotz Schutz in den Nationalparks die Reduzierung des Nährstoffeintrags nur möglich, wenn dieser auch in den Einzugsgebieten der Flüsse deutlich zurückgeht. Im offenen Meer liegen die Hauptschwierigkeiten des Schutzes durch internationales Seerecht in fehlenden Regelungsmöglichkeiten von Fischerei und Sandabbau. Zum Erhalt der natürlichen Dynamik sind ein weitgehender Verzicht auf Küstenverbau,und die Einrichtung von Schutzzonen ohne Befischung erforderlich.

Meeresgewässer und Gezeitenzone im Detail

Sandbänke

Sandbänke sind Erhebungen des Meeresgrundes im Sublitoral, die bis dicht unter die Meeresoberfläche reichen können und ständig von Meerwasser überspült sind. Sie weisen nur eine spärliche Vegetation mit Seegras und Algen auf. Wasservögel und Fische finden hier Nahrung. In der Ostsee liegen ausgedehnte Vorkommen auf der Oderbank und in der Nordsee auf der Amrum-Außenbank sowie der grenzübergreifenden Doggerbank vor.

Ästuare

Ästuare sind die Mündungsbereiche großer Flüsse ins Meer mit regelmäßigem Brackwasser- oder Tideneinfluss. Sie sind der von Ebbe und Flut beeinflusste Übergang vom Süßwasser des Flusses ins Salzwasser des Meeres. Im Durchmischungsbereich von Süß- und Salzwasser, in der sogenannten Brackwasserzone leben zum Teil hoch spezialisierte Arten, die nur in diesem begrenzten Bereich überleben können. Sie weisen Brackwasserröhrichte, Staudenfluren, brackige Watt- und Wasserflächen, Salzwiesen, Auengebüsche oder Tidenauwälder auf.

Wattflächen

Wattflächen fallen bei Ebbe regelmäßig trocken. Höhere Pflanzen fehlen weitgehend; in den nur selten trockenfallenden Bereichen findet sich ggf. eine lockere Seegras-Vegetation. An der Ostsee sind die Windwattflächen eingeschlossen. Watt hat eine artenreiche Bodenfauna und ist damit für marine Fischarten im Jugendstadium eine wichtige Nahrungsquelle. Auch für Wasser- und Zugvögel in der Mauser, auf der Rast oder während der Überwinterung hat das Watt eine besondere Bedeutung.

Lagunen oder Bodden

Unter Lagunen oder Boddenwie sie an der Ostsee genannt werden, versteht man vom Meer weitgehend oder vollständig abgeschnittene salzige, brackige oder stärker ausgesüßte Küstengewässer mit temporärem Salzwassereinfluss. Sie sind oft nur durch schmale Strandwälle, Geröllwälle oder Felsriegel vom Meer getrennt. Die Vegetation ist je nach Salzgehalt unterschiedlich. Am Ufer können Brackwasser-Röhrichte ausgebildet sein. Die Bodden dienen als wichtiger Schlaf- und Ruheplatz für  Gänse.

Typische Süßwasserfische sind Brasse, Plötze, Zander oder Flussbarsch. Häufige Meeresfische sind Hering, Sprotte, Hornfisch, Sand- und Strandgrundel, Grasnadel, Kleine Schlangennadel und Flunder.

Außerdem beherbergen die Strandseen Schnatterente, Löffelente,  Stockente Reiherente, Bergente,  Tafelente sowie  Kormoran, Mittelsäger,  Gänsesäger, Zwergsäger,  Haubentaucher und  Graureiher.

Meeresarme und -buchten

Flache große Meeresarme und -buchten mit ihren Flachwasserzonen liegen insbesondere zwischen den Inselketten der Nordsee und dem Festland und in den Bodden und Haffs der Ostsee. Sie sind überwiegend durchlichtet und beherbergen wasserbedeckte Seegraswiesen als einen der produktivsten und artenreichsten Teillebensräume unserer Meere. Naturgemäß kommt der Lebensraumtyp in Deutschland nur in der Nordsee, in der Deutschen Bucht ungefähr bis zu den Inseln und in der Ostsee in der Flensburger Förde und einer Reihe von Bodden vor. Die größte Meeresbucht in der Ostsee ist der Greifswalder Bodden.

Riffe

Vom Meeresboden schwach bis stark aufragende mineralische oder biogene Hartsubstrate werden Riffe genannt. Sie kommen entlang der Felsküsten als auch im offenen Meer vor und liegen dauerhaft unter Wasser oder fallen bei Niedrigwasser frei. In der Nordsee sind größere Felsriffe v. a. im Bereich des Helgoländer Felssockels und des Steingrunds vorhanden. In der Ostsee sind untermeerische Geschiebemergelr