Bundesamt für Naturschutz

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Felsenküsten und Kiesstrände


Kreidefelsen auf Rügen © Barbara Engels
Foto: © Barbara Engels

Am Fuß von Felsküsten wird durch die ständige Kraft des Wassers Material abgetragen und das Gestein ausgehöhlt. So kommt es zur Erosion und zu Schollenabbrüchen. Je nach Material entsteht ein Überhang. Bei erosionsbeständigem Material wie Sandstein, Kalkstein oder Granit entsteht vor dem Kliff eine Felsschorre. Im Einfluss von Gezeiten entwickelt sich ein Felswatt. Besteht das Ausgangsmaterial dagegen aus Lockergestein, wie Sand, Lehm oder Tonstein bildet sich ein Strand aus. An der Vegetation ist erkennbar ob ein Kliff aktiv ist oder nur noch selten von hohen Wellen erreicht wird und sich kaum noch verändert. Auf den Nordseeinseln Föhr und Sylt gibt es Kliffs, die Ostsee weist weiträumigere Steilküsten auf.

Wie auch das Litoral der Flachküste ist das der Felsküste vertikal gegliedert. Das Eulitoral (Brandungszone) ist der Bereich zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Das Supralitoral, auch Spritzzone genannt, wird dagegen nur bei Sturmfluten überflutet. In Mulden und Gesteinslöchern, die mit Meerwasser gefüllt sind, können auch Felsentümpel entstehen.

Typische Tierarten: Alpenstrandläufer, Baßtölpel, Bienen, Eissturmvogel, Goldpunkt-Laufkäfer, Knutt, Meerstrandläufer, Nonnengans, Pfeifente, Pfuhlschnepfe,  Ringelgans, Sandregenpfeifer,  Uferschwalbe,  Wanderfalke,  Weißwangengans, Wespen

Gefährdung und Schutz

Gefährdung

Allein aufgrund ihres geringen Vorkommens sind die Lebensräume der Steilküsten gefährdet. Trittschäden machen einen großen Anteil der Belastung aus.

Vielfach sind jedoch Küstenschutzmaßnahmen gegen Erosion für die ständige Entwicklung der Besiedlung des Steilufers das größte Problem. Die typischen Sukzessionsstadien gehen verloren, wenn keine Uferabbrüche mehr erfolgen. Hinzu kommen Küstenverbau wie Tetrapoden und Bauwerke oberhalb der Abbruchkante. Eine weitere Gefährdung stellt die intensive landwirtschaftliche Nutzung an Moränensteilküsten bis an die Abbruchkante dar. Einjährige Spülsäume und Kiesstrände sind durch Eindeichungen, Wasserverschmutzung und insbesondere durch Tritt und das Beräumen von Stränden gefährdet.

Schutz

Zum Schutz der Lebensräume an Felsenküsten und Kiesstränden gehört die Sicherung der natürlichen Erosionsdynamik, d. h. weitere Eindeichungen und jeglicher Küstenverbau sollten unterbleiben. Darüber hinaus muss die Gewässerbelastung weiter reduziert werden. Eine angrenzende landwirtschaftliche Nutzung sollte einen Schutzstreifen zur Abbruchkante einhalten. Größere Teilbereiche werden als naturnahe Strände erhalten, da Spülsäume auch Initialstadien der Dünenbildung und Lebensraum hochspezialisierter Tierarten sind.

In allen Bereichen sind jahres- und tageszeitliche Nutzungseinschränkungen für Freizeitaktivitäten sinnvoll, um Futter- oder Brutzeiten zu schonen wie es bereits in den Nationalparks und Biosphärenreservaten erfolgreich umgesetzt wird.

Felsenküsten und Kiesstrände im Detail

Spülsäume

Spülsäume ziehen sich zum Teil mehrfach entlang der Hochwassermarken der winterlichen Sturmfluten. Sie bestehen aus organischem Material wie Algen und sind häufig sandüberdeckt. Durch den Nährstoffreichtum der Standorte findet sich häufig eine Ruderalvegetation, in der Regel einjährige stickstoffliebende Arten. Es sind sehr dynamische Lebensräume, deren Vegetation nicht jedes Jahr ausgebildet sein muss. Einjährige Spülsäume sind an der deutschen Nordseeküste und auf den Inseln an Sandstränden weit verbreitet, sofern nicht zu starker Badebetrieb erfolgt. An der Ostseeküste kommen einjährige Spülsäume kleinflächiger aber weit verbreitet vor. Einjährige Spülsäume auf Sand sind viel häufiger als die seltenere Ausbildung auf Geröllstränden.

Geröll- und Kiesstrände

Der Lebensraumtyp Geröll- und Kiesstrände umfasst Kies-, Block- und Geröllstrände, meist unterhalb von Steilküsten (Moräne, Kreide- oder Sandsteinfels) mit einer ausdauernden salzertragenden und stickstoffliebenden Vegetation wie Meerkohl und Wild-Rübe. Eingeschlossen sind auch gischtbeeinflusste Unterhänge von Fels- und Steilküsten. An den deutschen Moränensteilküsten tritt der Lebensraumtyp oft eng verzahnt mit einjährigen Spülsäumen auf. Kies- und Geröllstrände mit mehrjähriger Vegetation sind an Steilküsten gebunden. So gibt es an der deutschen Nordseeküste nur Vorkommen auf Helgoland und Sylt. An der Ostseeküste kommt der Lebensraumtyp auf Strandwällen an exponierten Stränden wie der Greifswalder Bucht und an den Steilküsten Ostrügens, Hiddensees, Usedoms oder Geltings vor.

Felsen- und Steilküsten

Fels- und Steilküstenkomplexe sind alle Felsküsten und Steilküsten der Nord- und Ostsee, die mindestens teilweise Vegetation aufweisen und mindestens einen Meter Abbruchhöhe haben. Der Gesamtkomplex des Steilabfalls einschließlich eines wenigstens 100 m breiten Schutzstreifens oberhalb der Abbruchkante ist einzubeziehen. Teilweise ist Bewuchs höherer Pflanzen vorzufinden. Die Felsküsten sind Lebensraum zahlreicher Felsbrüter. Die Moränenküsten haben oft eine reiche Fauna bodenbrütender Wildbienen. An der deutschen Nordseeküste kommen Steilküsten nur auf Helgoland als Sandsteinküste und auf den nordfriesischen Geestinseln Sylt und Amrum vor. An der Ostseeküste ist der Lebensraumtyp als Moränensteilküste weiter verbreitet so zum Beispiel auf Hiddensee und Usedom. Besonders bekannt geworden ist die malerische Kreidesteilküste der Halbinsel Jasmund auf Rügen.

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