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Dünen an den Küsten der Nord- und Ostsee


Dünenlandschaft auf Sylt © Barbara Engels
Foto: © Barbara Engels

Die Dünen der Nord- und Ostsee entstehen durch die auflandigen Winde vom sandigen Strand her. Je nach Entwicklung der Vegetation im Hinterland des Strandes können unterschiedliche Dünentypen entstehen, die von unregelmäßigen Formen bis hin zu Parabeldünen reichen. Meist entstehen die Dünen durch Sandakkumulation im Windschatten.

Primärdünen bilden sich als Ablagerung an Gräsern wie der  Strandquecke, deren lange nach oben wachsende Ausläufer die Verschüttung der Pflanze verhindern. Dadurch wird die Primärdüne rund 1 m hoch. Dies ist das Pionierstadium der Dünenbildung an Anlandungsküsten.

Weitere Pflanzen können sich ansiedeln und so entwickeln sich die sogenannten Weißdünen. Sie werden von  Strandhafer beherrscht und können mehrere Meter hohe Ketten bilden. Ihr Standort ist durch Sandzufuhr von mehreren Dezimetern im Jahr und beginnender Süßwasserbildung im Wurzelraum gekennzeichnet.

Tertiärdünen sind bereits von Gräsern, Moosen, Flechten und  Heidekraut bewachsen. Aufgrund beginnender Humusbildung sind die Dünen im Gegensatz zu den humusfreien Weißdünen grau oder braun. Der Sand ist weitgehend festliegend. Sie schließen meist unmittelbar landseitig an die vorgelagerte Weißdünenkette an. Je nach Kalkgehalt und Restsandzufuhr sind  Silbergrasrasen, Kleinschmielenrasen, stellenweise auch flechten- und moosreiche Ausbildungen möglich.

Dünentäler sind feuchte Senken und Deflationsmulden im Dünensystem. Sie bilden permanente oder temporäre Gewässer aus, die von Grund- oder Brackwasser beeinflusst sind. Auf den meist noch basenreichen Sanden sind Zwergbinsen-Pionierformationen,  Vermoorungen,  feuchtes Grasland,  Röhrichte,  Großseggenriede und feuchte  Heiden vorzufinden.

Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Die Lebensräume im Dünensystem sind sehr heterogen. Pionier- und Weißdünen werden bei Sturmfluten überschwemmt und umgelagert. Dieser Raum ist artenarm. Um hier zu existieren müssen Pflanzen ein rasches senkrecht nach oben gerichtetes oder seitwärts gerichtetes Wachstum aufweisen und salztolerant sein. Innerhalb des Dünensystems existiert durch Wind- und Sonnenexposition, Reflexion von UV-Strahlung, Hangneigung und Vegetation ein differenziertes Mikroklima. Sand hat eine geringe Wasserhaltefähigkeit und trocknet oberflächlich sehr schnell aus. In den Dünentälern dagegen können sich sogar Gewässer ausbilden. Die Vegetationsentwicklung kann bis zur Ausbildung von Zwergsträuchern, Büschen und Bäumen voranschreiten.

Die Arten dieser Lebensräume haben entsprechende Merkmale ausgeprägt, um in dieser Umgebung zu überleben. Tagaktive Tiere wie die Kreuzkröte oder einige Insekten sind heller als ihre Artgenossen im Binnenland. Lichtempfindliche Tiere werden erst nachts aktiv und bleiben tagsüber im Sand eingegraben. Laufkäfer und Bienenameise legen im festen Sand Gänge an, um sich vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Entscheidend für die Besiedlung und Entwicklung verschiedener Biotoptypen ist auch der Kalkgehalt des Bodens. 

Typische Tierarten: Austernfischer, Bienenameise, Bläuling,  Brandgans, Dünen-Schwarzkäfer,  Heidelerche, Kreuzkröte, Kreuzotter, Küstenseeschwalbe, Laufkäfer,  Möwe, Sandbiene, Springspinne, Steinschmätzer, Strandling, Wiedehopf, Wildkaninchen, Zauneidechse,  Ziegenmelker, Zwergseeschwalbe

Gefährdung und Schutz

Gefährdung

Dünenlandschaften sind in ihrer natürlichen Küstendynamik und Entwicklung durch Eindeichungen, Küstenverbau und Küstenschutzmaßnahmen gefährdet. Die meisten hier vorkommenden Pflanzenarten sind trittgefährdet und fallen bei touristischer Nutzung schnell aus. Auch dies hemmt die natürliche Dünenentwicklung. Darüber hinaus verdrängen eingeschleppte Arten wie z.B. die Kartoffelrose einheimische Arten.

Schutz

Wesentliche Voraussetzungen für den Schutz des gesamten Dünensystems sind die Gewährleistung oder die Wiederherstellung natürlicher Küstendynamik und Dünenentwicklung mit natürlicher Sandzufuhr. Größere Dünenbereiche in FFH -Gebieten sollen weitgehend vom Tourismus freigehalten werden. Bei Badebetrieb ist besonders auf den Schutz der Dünenbereiche zu achten. Die ausgewiesenen Wege sind einzuhalten und vom Betreten der Dünen ist abzusehen.

Dünen im Detail

Primär- oder Vordünen

Primär- oder Vordünen der sandigen Anlandungsküsten der Nord- und Ostsee sind die Pionierstadien der Dünenbildung. Sie sind von nur wenigen Pflanzen, meist  Strandquecke oder  Strandroggen, besiedelt. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 1 m, ehe sie von Strandhafer-Weißdünen abgelöst werden. Ihr Standort ist durch Salzwassereinfluß im Wurzelraum und frisch angeschwemmten Sand geprägt. In Deutschland gibt es größere Vordünenbereiche an der Nordsee fast nur noch auf den Sandplaten der Inseln und im Eidervorland. Vordünen sind häufig mit Spülsäumen verzahnt.

Weißdünen

Von  Strandhafer dominierte, bis mehrere Meter hohe Weißdünen an den Nord- und Ostseeküsten entwickeln sich an sandigen Anlandungsküsten durch Höhenwachstum aus den Vordünen. Charakteristisch sind meist eine hohe Sandzufuhr von mehreren Dezimetern pro Jahr, die beginnende Aussüßung des Bodens und Grundwasserunabhängigkeit. Weißdünenketten haben ihren Schwerpunkt in Deutschland an sandigen Küstenbereichen der Nordseeküste und -inseln. Sie stehen meist im Kontakt zu Vordünen oder Sandstränden. An der Ostseeküste treten Sanddünen oft nur kleinflächig auf.

Graudünen

Graudünen sind ältere Dünen mit weitgehend festliegendem Sand und beginnender Humusbildung, die meist unmittelbar landseitig an die vorgelagerte Weißdünenkette anschließen. Je nach Kalkgehalt und Restsandzufuhr sind Silbergrasrasen, Kleinschmielenrasen, stellenweise auch flechten- und moosreiche Ausbildungen möglich. Neben artenreichen Beständen Dünenschillergras-Rasen, Silbergras-Rasen und Kleinschmielen-Rasen sind stellenweise Moos- und Flechtenteppiche charakteristisch. Gelegentlich kommen Übergänge zu Halbtrockenrasen vor. Der Kalkgehalt variiert je nach Ausgangssubstrat und mit allmählichem Übergang zur Braundüne tritt zunehmende Entkalkung ein. Graudünen haben ihren Schwerpunkt in Deutschland an der Nordseeküste auf den nord- und ostfriesischen Inseln sowie an der Festlandküste bei Cuxhaven und im Eidervorland, meist im Kontakt zu Weißdünen. Sie können bei geringer Sandzufuhr auch ohne vorgelagerte Weißdünen auftreten. An der Ostseeküste liegen die Schwerpunkte auf dem Darß und auf Hiddensee.

Entkalkte Dünenheiden

Zum Lebensraumtyp gehören entkalkte Dünenheiden mit vorherrschender Vegetation von Krähenbeere. Die  Krähenbeere verträgt eine gewisse Sandzufuhr durch etagenförmige Rosettenneubildung. Typisch sind windbeeinflußte Standorte ohne Salzwassereinfluß im Kontakt zu Weiß- oder Graudünenbereichen. Krähenbeerheiden auf Küstendünen haben ihren Schwerpunkt an der Nordsee auf den Geestinseln Sylt und Amrum sowie an der Festlandsküste auf Geest bei Cuxhaven. An der Ostseeküste gibt es den Lebensraumtyp ausschließlich auf dem Darß im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Bei entkalkten Sanden mit saurer Rohhumusauflage herrscht in entkalkten Dünenheiden  Besenheide vor. Auch hier gibt es grasreiche oder flechten- und moosreiche Ausbildungen. Besenheiden auf Küstendünen haben ihren Schwerpunkt an der Nordsee auf den Geestinseln Sylt und Amrum und auf den ostfriesischen Inseln, sowie an der Festlandsküste z. B. im Eidervorland. An der Ostseeküste gibt es größere Vorkommen auf dem Darß und auf Hiddensee im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Dünengebüsche

Dünengebüsche, die hauptsächlich von  Sanddorn gebildet werden können im Bereich von Graudünen oder in Dünentälern auftreten. Ursprünglich heimische und subspontane Ansiedlungen von Sanddorn sind nicht sicher unterscheidbar und gehören beide zum Lebensraumtyp. An der Nordsee sind Sanddorngebüsche auf Dünen weiter verbreitet. Sie haben einen Schwerpunkt auf den ostfriesischen Inseln. An der Ostseeküste gibt es Vorkommen auf Hiddensee im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Dünenweidengebüsche mit Kriech-Weide treten im Bereich von Graudünen oder in Dünentälern mit festliegendem Sand und Humusbildung auf. An der Nordsee kommen Kriechweidengebüsche vor allem in den Graudünenbereichen und Dünentälern der nord- und ostfriesischen Inseln vor. An der Ostseeküste gibt es größere Vorkommen auf Hiddensee.

Feuchte Dünentäler

Feuchte Dünentäler bilden mit ihren permanenten oder temporären Gewässern, Zwergbinsen-Pionierformationen,  Vermoorungen feuchtem Grasland Röhrichten und  Großseggenrieden oder feuchten  Heiden sehr unterschiedliche Biotoptypen. Der Standort kann rein grund- oder auch brackwasserbeeinflußt sein. An der Nordsee haben feuchte Dünentäler ihren Schwerpunkt auf den ost- und nordfriesischen Inseln. An der Festlandsküste sind sie fast verschwunden. Für die Ostseeküste liegen bemerkenswerte Vorkommen auf dem Darß und auf Hiddensee.

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