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Drachensteigen


Wiese zum Drachensteigen an der Nordsee © Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Wiese zum Drachensteigen an der Nordsee © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Drachen haben sich in den letzten Jahrzehnten von einem Spiel- zu einem Sportgerät – dem Lenkdrachen – entwickelt, ebenso wie das Drachen steigen lassen von einem Kinderspiel zu einer auch für Erwachsene interessanten Sportart geworden ist. Bei dieser Sportart wird das Fluggerät vom Boden aus gesteuert.
Bunte Drachen am Himmel sind weithin sichtbar und können eine gravierende Scheuchwirkung auf Tiere haben. Bei der Sportart ist ein geschickter Umgang mit dem Fluggerät gefragt, um den Drachen sicher steuern zu können. Dies ist zwingend erforderlich, um Risiken für den Piloten, andere Menschen und auch Tiere kalkulierbar zu halten.

Drachensteigen und Natur

Beschreibung der Sportart

Ein Drachen besteht in der einfachsten Ausführung aus einem Segel, das in der Regel durch ein Gestänge aufgespannt wird und einer am Gestänge befestigten Leine vom am Boden bleibenden „Piloten“ gehalten wird. Die Bespannung des Drachens kann sowohl aus natürlichen Materialien als auch aus Kunststoffen beschaffen sein.

Einleiner-Drachen nennt man auch Fesseldrachen. Lenkdrachen hingegen haben zwei Leinen und Lenkdrachensportler führen mit ihrem Fluggerät kunstvolle Figuren aus. Die Steigerung des Lenkdrachens findet sich im Vierleinerdrachen wieder. Beim Vierleiner werden die beiden üblichen Steuerleinen durch zwei weitere an der hinteren Segelkante angebrachte „Bremsleinen“ ergänzt. Durch diese beiden Leinen lässt sich der Anstellwinkel der beiden Segelflächen variabel einstellen. Damit lassen sich die Drachen auch rückwärts fliegen, auf der Stelle stehen oder drehen und sanft auf den Boden aufsetzen.

Bei Wind macht sich der „Pilot“ die natürliche Luftanströmung des Drachens zunutze, um ihn aufsteigen zu lassen und in der Luft zu halten. Bei Windstille hingegen muss er diese künstlich erzeugen, indem er sich selbst fortbewegt. Der Pilot positioniert sich so, dass er den Wind im Rücken hat und den Drachen so in einem entsprechenden „Windfenster“ fliegen kann.

Optimal für die Sportart sind Windstärken von 2 bis 6 Beaufort. Mehr Spaß hat man bei trockenem Wetter, da Regen sich zudem negativ auf die Bespannung auswirken kann. Eine große Gefahr für den Piloten besteht bei Gewitter durch Blitzeinschläge.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Die sportliche Herausforderung beim Fliegen von Lenkdrachen besteht einerseits in der Beherrschung seiner Zugkräfte, die je nach Art des Geräts teilweise erheblich sind, andererseits in der Kontrolle seiner Flugbahnen, wozu auch das sichere Landen bei höheren Windstärken gehört.
Um Drachen steigen zu lassen benötigt man Naturräume, die frei von gefährlichen Hindernissen sind. Somit können Sportler die Weite der Landschaft und das Spiel mit dem Wind auf sich wirken lassen.

Anforderungen an den Naturraum

Für das Fliegen von Lenkdrachen werden große Flächen benötigt. Die Sportart kann auch in städtischer Umgebung ausgeübt werden, ist in der Natur jedoch reizvoller. Hinzu kommt, dass die Windverhältnisse auf freien Flächen meist günstiger sind. Hindernisse wie Bäume, Gebäude oder Hochspannungsleitungen (Achtung: Stromschlag!) bergen die Gefahr, dass sich der Drachen in ihnen verfängt.
 
Früher galt der Herbst als optimale Jahreszeit, heute ist die Sportart saisonunabhängig. Von den Sandstränden an Flachküsten bis hinauf zu den Wiesen in alpinen Regionen sind Lenkdrachensportler überall zu finden. In manchen Orten sind spezielle Plätze zum Drachen steigen lassen ausgewiesen.

Auswirkungen auf den Naturraum

Lenkdrachen bewegen sich extrem schnell horizontal und vertikal und erzeugen dabei Geräusche, die bis zu 500 Meter weit wahrzunehmen sind.  Vögel nehmen die Drachen als potentielle Bedrohung wahr, werden dadurch gestresst und suchen Deckung auf oder flüchten.

Bei Rastvögeln ist die Störung unmittelbar wahrzunehmen, wenn sich ein größerer Schwarm erhebt und das Weite sucht. Eher unsichtbar sind die Auswirkungen auf Brutvögel. Oft ducken sie sich nur an den Boden, oder sie entfernen sich ein Stück weit vom Nest, um den vermeintlichen Feind vom Nachwuchs fortzulocken. In jedem Fall bedeutet es, dass lebenswichtige Aktivitäten des Brut- und Aufzuchtgeschäftes - Wärmen, Schützen, Füttern - unterbrochen sind, bis die Störung wieder verschwunden ist. Das kann fatale Folgen für den Bruterfolg haben: Unterernährung, mangelnde Vitalität und fehlende Nachkommenschaft.



Naturverträgliches Lenkdrachen- fliegen

Generell sollte man darauf achten, keine besonders störempfindlichen Lebensräume  als „Drachenwiese“ zu verwenden. Durch die lange Drachenschnur kann es aber auch zu Störungen über geschützten Naturräumen kommen. Die Fluggeräte stehen hoch in der Luft und decken einen entsprechenden Radius rings um den Standpunkt des Piloten ab. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass die Drachen auch Vögel stören, die in Ruhe- oder Zwischenzonen eines Nationalparks rasten, fressen oder brüten. Die Tiere nehmen von dort aus den „Feind“ am Himmel wahr – auch wenn der Drachenlenker, in bester Absicht, diese Schutzzonen zu achten, außerhalb dieses Schutzgebietes steht. Daher sollte stets ein ausreichender Abstand zu Schutzgebieten gewahrt werden.
 
Ebenso ist darauf zu achten, keinen Müll (wie beispielsweise Reste von Leinen) am Flugplatz zu hinterlassen, da dies Risiken für Tiere und Menschen birgt.

Geeignete Plätze zum Drachen steigen lassen findet man auf
 Kitewiese.de.

Drachensteigen im Detail

Geschichte

Die ersten Drachen wurden im 5. Jhd. v. Chr. in China gebaut; jüngste Funde im indonesischen Raum deuten jedoch darauf hin, dass Drachen als Flugobjekt noch wesentlich älter sein könnten. Zur Römerzeit ließ man zu besonderen Anlässen wie militärischen Siegen oder Volksfesten bunt verzierte Windsäcke fliegen. Drachen kamen aber erst im 16. Jhd. über holländische, portugiesische und englische Kaufleute nach Europa, die Handel mit Fernost betrieben. Zu Beginn des 18. Jhd. waren Drachen als Kinderspielzeug in der ganzen westlichen Welt verbreitet.

Drachen wurden auch zu wissenschaftlichen und künstlerischen Zwecken verwendet. Außerdem fanden sie ihren Einsatz im Militär, bei der Jagd und zur Seenotrettung. Neben dem Drachen steigen lassen haben sich auch Sportarten entwickelt, wo sich der Pilot durch die Zugkraft eines Drachens fortbewegt, wie z.B. das Kitesurfen. Diese Idee wird nun auch als Antriebshilfe in der Schifffahrt verwendet.

Voraussetzungen

Auch wenn man bei den Sportlern von Piloten spricht, braucht man für die Ausübung des Lenkdrachensports keinen Pilotenschein. Allerdings kann man einen Pilotenpass für Sportlenkdrachen erwerben, nachdem man sein fliegerisches Können in der Prüfung für das Lenkdrachen-Sportabzeichen (wahlweise für Zwei- oder Vierleiner) in den Stufen Bronze, Silber oder Gold unter Beweis gestellt hat.

Bei Sportdrachen handelt es sich um Fluggeräte, welche aufgrund der entstehenden Zugkräfte sowie den notwendigen Geschicklichkeits- und Konzentrations-Fähigkeiten hohe physische und psychische Anforderungen an den Piloten stellen. Deswegen ist nicht jeder Drachen für alle Altersgruppen geeignet. Auch lassen sich Sportdrachen nach Windstärkentauglichkeit einteilen.
Vor oder während der ersten Flugversuche sollte man sich mit grundlegenden Manövern wie Starten und Landen sowie Rechts- und Linksflug vertraut machen, um Abstürzen und Unfällen vorzubeugen.

Organisation der Sportart

Aufgrund der weltweiten Verbreitung der Sportart und dem geringen Organisationsgrad ist es unmöglich, Angaben zur Anzahl der aktiven Sportler zu machen.
Der Dachverband auf internationaler Ebene ist  STACK Sport, Team and Competitive Kiting, der Wettbewerbe für Lenkdrachenflieger organisiert. STACK Deutschland arbeitet eng mit dem  Förderverein des Lenkdrachensports in Deutschland e.V. (FLD) zusammen. Auch für das Drachen steigen lassen werden Wettkämpfe wie World Sport Kite Championships, Kite Challenge Tour, Deutsche Meisterschaften etc ausgetragen.

Varianten der Sportart

Indoor-Kiting

Ist eine Trendsportart aus den USA, die auch in Deutschland Anhänger gefunden hat. Diese Variante wird in Sporthallen ausgeübt und ist somit unabhängig von Wetter, Tages- und Jahreszeit. Es wird sehr leichtes Material verwendet, das vom Piloten durch Eigenbewegung zum Fliegen gebracht wird.

Fesseldrachen

Bei Fesseldrachen lassen sich fünf grundlegende Typen feststellen:
· Flachdrachen mit Gestänge (auch mehrere als Kette), auch selbst konstruierbar
· bestimmte stablose Drachenformen wie Fische etc., die historische Wurzeln liegen in Südostasien, sind komplizierter aufgebaut
· Zellendrachen
· Kastendrachen haben einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Luftfahrt geleistet
· Lenkmatten ähneln der Form eines Gleitschirms, eignen sich hervorragend zur Fortbewegung durch die Zugkraft des Drachens
 

Leuchtdrachen

Sind meist Einleiner-Drachen, die technisch besonders ausgestattet sind: ein Lichtsensor schaltet bei Dunkelheit Dioden mit hoher Leuchtkraft an. Dadurch lassen sich Fesseldrachen tags bei gutem Wind starten und auch nachts noch bewundern. Die Stromversorgung durch Akkus reicht für mehrere Stunden und ist wie die Steuerung der Elektronik auf dem Drachen montiert. Leuchtdrachen haben allerdings nicht nur eine irritierende Wirkung auf Tiere, sondern auch auf Menschen, da sie relativ unbekannt und demzufolge als Phänomen am Himmel schwer einzuordnen sind.