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Canyoning


Canyoning in der Grossen Laine © Hans-Joachim Fünfstück, piclease
Foto: Canyoning in der Grossen Laine © Hans-Joachim Fünfstück, piclease

Canyoning ist eine Erlebnissportart, bei der eine von Wasser durchzogene Schlucht begangen wird. Hierbei wird geklettert, gesprungen, gerutscht, geschwommen und getaucht und somit Hindernisse wie  Felsen und Wasserfälle überwunden. Die Begehung von Naturräumen, die dem Zugriff des Menschen ansonsten weitestgehend verschlossen blieben, ist einer der Gründe für die Ausübung. Kletterspezifische Freuden und der Umgang mit Wasser und dessen Strömungen komplettieren die Motivationen der Schluchtengeher.

Canyoning und Natur

Beschreibung der Sportart

Beim Canyoning werden Schluchten bei niedrigen Wasserständen von oben nach unten begangen. Geländestufen werden abgesprungen, herabgeklettert oder die Sportler seilen sich mittels Kletterausrüstung ab. Die tiefen Staubereiche und strömungsstarken tiefen Stellen der Wasserläufe werden schwimmend bzw. sich treiben lassend zurückgelegt. Gefahrenquellen für die Sportler sind oft die Tücken starker Wasserströmungen und – bei Sprüngen in trübe Becken, nicht sichtbare Hindernisse oder Untiefen. Probleme entstehen auch durch ungenügende Ausrüstung. So kühlt der Körper ohne geeigneten Neoprenanzug schnell aus, da die Verdunstungskälte des Wassers sowie die zumeist schattigen Orte die Körpertemperatur stark senken können.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Canyoning vereint den sportlichen Reiz des Abenteuers mit einem intensiven Naturerlebnis. Daneben spielen bei dieser Sportart Teamgeist und das gegenseitige Vertrauen eine wichtige Rolle. Die Unausweichlichkeit der Situation stellt hohe Ansprüche an Planung und Durchführung. Dies wird auch pädagogisch gezielt genutzt.
Das Springen und Rutschen in Wasserbecken, das Abseilen in rauschenden Wasserfällen und das Überwinden natürlicher Hindernisse im Wildwasser werden zu einem überwältigenden Abenteuer.

Anforderungen an den Naturraum

Der Naturraum für die Ausübung des Canyonings sind naturbelassene, weglose Schluchten und die darin vorkommenden Wasserläufe. Die Sportler suchen sich ihre Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten über zumeist vorhandene, den Schluchtbereich kreuzende oder begleitende Wege. Neben der ansprechenden Natur ist für die meisten Canyonisten eine gute Wasserqualität von Bedeutung für ihr Naturerlebnis.

Auswirkungen auf den Naturraum

Zur Auswirkung auf die Natur gibt es bisher nur wenige Untersuchungen. Abhängig von örtlichen Gegebenheiten kann Canyoning zu Verdrängungen von Tierarten aus ihren angestammten Lebensräumen und zu Schädigungen an der Vegetation im Bereich von Abseilstellen, entlang des Bachlaufs am Ufer sowie in den Zu- und Ausstiegen führen.
Die bislang wenigen Untersuchungen ergeben folgendes Bild für die Beanspruchung von Fauna und Flora:

  • Wirbellose werden mit Ausnahme der Eintagsfliegenlarve, welche beim Rutschen oder durch Darauftreten zu Schaden kommen kann, kaum verletzt. Eine starke Frequentierung ihrer Lebensräume durch Sportler kann jedoch dazu führen, dass die Tiere immer weiter flussabwärts verdriftet werden. Dies geschieht zwar auch bei Hochwasser, aber niemals in der Häufigkeit wie bei regelmäßigen Canyoning-Begehungen.
  • Auswirkungen auf  Vögel sind vor allem während der Brutzeit möglich. Maßgeblich ist unter anderem die Eignung der Schluchten als Brutplatz. Auch können durch Gehen und Rasten auf Kiesflächen seltene Kiesbrüter vertrieben werden.
  • Die Beeinträchtigung von  Reptilien bzw.  Amphibien dürfte selten sein, weil die meisten Canyons keine passenden Lebensräume bieten. Am ehesten ist die im Tessin beheimatete Würfelnatter betroffen, welche steinige und felsige Uferabschnitte bewohnt und sich von Fischen ernährt.

Das Ausmaß eventueller negativer Auswirkungen ist also von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Schluchten mit seltenen geschiebeführenden, d.h. Gestein transportierenden Hochwassern sind tendenziell störungsanfälliger als Schluchten mit häufigen Hochwassern. Schluchten die von Karstbächen geprägt sind weisen in der Regel eine starke Bemoosung auf, da keine Geschiebe-Ereignisse stattfinden.
  • Entscheidend sind neben Begehungshäufigkeit und -intensität vor allem auch die Saison des Canyoning. Für  Fische und  Vögel ist ein Betrieb im Frühling (vor Anfang Juli) und Herbst (nach Ende September) problematisch. (Leuthold 2001)


Naturverträgliches Canyoning

In den Medien und auch durch kommerzielle Veranstalter wird Canyoning häufig als ein für jedermann machbares Freizeitvergnügen dargestellt. Umweltbewusstsein, Naturschutz und das Bewusstsein für die offensichtlichen Gefahren werden oft zu wenig beachtet oder vernachlässigt. Es lässt sich allerdings auch feststellen, dass bei gut geführten kommerziellen Touren oft mehr Rücksicht auf die Schlucht-Ökologie genommen wird als von Individual-Canyonisten.
Die Unvorsichtigkeit vieler Anfänger, in Kombination mit einer zuweilen auftretenden Sorglosigkeit einiger Canyoning-Veranstalter, führte in der Vergangenheit zu schweren Unfällen. In der Schweiz z.B. hat sich die Einstellung vieler Anbieter in den letzten Jahren stark geändert. Mittlerweile besitzen 60 bis 70% der Anbieter das Label  „Safety in Adventures“, welches ihr Verantwortungsbewusstsein und Seriösität ausweist.

Die  Jugend des Deutschen Alpenvereins (jDAV) hat als Resultat einer umfassenden Studie einen Kodex für naturverträgliches Canyoning herausgegeben.

In  Bayern darf Canyoning nur in ausdrücklich dafür freigegebenen Schluchten ausgeübt werden. Die Widmung zum Gemeingebrauch für das Canyoning darf durch die Kreisbehörden nur nach strengen Maßstäben erfolgen. Mögliche Beeinträchtigungen für Tiere und Pflanzen müssen dabei berücksichtigt und gegebenenfalls durch zusätzliche Auflagen vermieden werden. Weitere Einschränkungen bestehen für organisierte Touren.

Bestimmte Schluchten sind aus Naturschutzgründen für das Canyoning geschlossen, wobei bei nachträglichen Sperrungen oftmals eine vorausgehende „Übernutzung“ ausschlaggebender Grund war.

Canyoning im Detail

Geschichte

Canyoning kam erst in den letzten Jahren (ab 1995) von Spanien über Frankreich und Italien nach Deutschland, wird aber schon seit mehr als 100 Jahren praktiziert. Damals waren es Wissenschaftler und Abenteurer, die die ersten großen Schluchten (Canyons) erkundeten. Die Umstände, unter denen diese begangen wurden, dürfen ebenfalls als abenteuerlich bezeichnet werden, weil heutige Grundbestandteile einer Canyoningausrüstung damals fehlten. Auch aus wirtschaftlichen Gründen wurden Schluchten schon seit jeher genutzt, zum Beispiel für Wasserausleitungen für Wasser-Waale (Wallis/Vinschgau) sowie mit Sperren, um das Wasser zum Flößen zu stauen.

Voraussetzungen

Canyonisten müssen gute Schwimmer sein sowie bedingt durch die unterschiedlichen Geländeformen technisches Können aus dem Kletterbereich besitzen. Die richtige Einschätzung des Wasserstandes und der Strömungsverhältnisse sowie eine gute Kondition sind ebenfalls unabdingbare Voraussetzungen für die Ausübung dieser Sportart. Geführte Canyoning-Touren sind weniger anspruchsvoll, so dass auch Menschen mit geringen Kletterfähigkeiten die Natur einer Schlucht aus ungewohnter Perspektive erleben können.

Die Ausrüstung besteht aus einem Neoprenanzug, einem Helm mit Schlitzen (die verhindern, dass bei Sprüngen ins Wasser der Druck am Kinnverschluss zu groß wird), Klettermaterialien wie Seilen, Karabinern und Abseilgerät und evtl. speziellen Canyoningschuhen.

Organisation der Sportart

In der Schweiz werden die Interessen des Canyoningsportes von zwei Organisationen vertreten: vom  Schweizer Bergführerverband (SBV), der seit 1995 den staatlich anerkannten Bergführern eine Weiterbildung in Canyoning anbietet, sowie von der  Swiss Outdoor Association (SOA), der Vereinigung von qualifizierten und kommerziellen Veranstaltern im Outdoor- und Adventurebereich.
In Deutschland gibt es den  Deutschen Canyoning Verein e.V. (DCV). Zweck des Vereins ist zu allererst die Begehung, Erforschung, Pflege und der Schutz natürlicher Schluchten und Klammen.
In Deutschland sind Anbieter von Canyoning Touren u.a. Bergschulen, deren Bergführer eine entsprechende Zusatzqualifikation besitzen sowie „Abenteuer-Agenturen“, die diese Sportart als Angebot aufgenommen haben. Informationen über Sicherheit und Ausbildung im Bereich Canyoning gibt es zusammengefasst in einem  Blogbericht. Dort sind für Deutschland die wichtigsten Verzeichnisse zertifizierter Canyoning Guides zusammengefasst. Außerdem gibt es einen  Internationalen Berufsverband Professioneller Canyonführer (CIC), den DOWV e.V., der in Deutschland ausbildet.