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Ballonfahren


Ballon am Himmel © Michael Pütsch
Foto: Ballon am Himmel © Michael Pütsc

Ballonfahren bezeichnet die Luftfahrt mit gas- oder heißluftbetriebenen Ballons. Sie funktionieren nach dem Prinzip „leichter als Luft“. Freiballons treiben mit dem Wind (im Gegensatz zu Fesselballons, die am Boden vertaut sind), sie werden nicht geflogen, sondern sie fahren. Sie sind nur in begrenztem Umfang steuerbar – der Ballonfahrer kann unmittelbar nur die Fahrthöhe beeinflussen. Bei Heißluftballons geschieht dies durch Erhitzen oder Ablassen von Heißluft, bei Gasballons durch Abwerfen von Ballast oder das Ablassen von Gas. Damit ist es dem Piloten möglich, durch Fahren in bestimmten Luftschichten die Fahrtrichtung zu beeinflussen und – in Windrichtung – den Landeplatz auszuwählen.

Ballonfahren und Natur

Beschreibung der Sportart

Ein typischer Heißluftballon hat eine Höhe von ca. 25 m und einen Durchmesser von rund 18 m. Unter dem Ballon hängt ein Korb, der meist 4 Personen, je nach Ballongröße aber bis zu 19 Personen aufnehmen kann. In den Ecken des Korbes sind Propangasflaschen untergebracht. Der Brenner ist mit einem flexiblen Gestänge oberhalb des Piloten am Korb befestigt. Mit ihm wird die Luft, die in den Ballon einströmt, auf über 100 Grad Celsius erhitzt. Weil sich die Luft in der Ballonhülle abkühlt, muss, um bei Heißluftballons die Höhe zu halten, für die Dauer von 15 bis 35 % der gesamten Fahrzeit der Brenner in Intervallen in Betrieb genommen werden.

Die hierbei entstehenden Geräuschemissionen konnten durch moderne Brennerarten von über 100 dB(A) (in zwei Meter Entfernung gemessen) auf deutlich unter 90 dB(A) gesenkt werden. Das Geräuschempfinden ist damit auf ca. 30 Prozent gesunken. Ein in 150 m Höhe vorbeifahrender Ballon verursacht am Boden einen Schallpegel von weniger als 50 dB(A), was der mittleren Lautstärke in einem Büro entspricht. Im Flugbetrieb kann je nach Erfordernis auf einen wesentlich leiseren „Flüsterbrenner“ umgeschaltet werden, der jedoch über eine geringere Leistung verfügt. Die maximale Dauer der Fahrtzeit ist durch die mitgeführte Gasmenge meist auf etwa 90 min begrenzt. Hierbei können je nach Windgeschwindigkeit etwa 10-30 km zurückgelegt werden. (Schemel & Erbguth, 2000, S. 475 ff.)

Wirkung der Natur auf den Sportler

Das Ballonfahren fasziniert durch die Möglichkeit, komfortabel in großer Höhe zu schweben, Luft und Landschaft ohne trennende Fensterscheiben wahrzunehmen und sich dabei frei und unabhängig zu fühlen. Da Ballonfahrten samt ausgebildeten Piloten gebucht werden können, ist es theoretisch jedem möglich, diese Sportart zu erleben. Der Anblick der Erde aus der Vogelperspektive ist immer wieder beeindruckend, besonders wenn sich der Ballon über eine attraktive und bekannte Landschaft hinwegbewegt.

Anforderungen an den Naturraum

Startplätze benötigen eine freie Fläche von mindestens etwa 30 x 30 m. In Fahrtrichtung dürfen keine Hindernisse wie z.B. Stromleitungen liegen. Da der Ballon nicht gelenkt werden kann, sollte bei der Fahrtenplanung darauf geachtet werden, dass genügend Landemöglichkeiten für Notfälle auf dem Fahrtweg liegen. Startplätze müssen mit dem Pkw erreichbar sein.

Auswirkungen auf den Naturraum

Die Auswirkungen des Ballonfahrens auf den Naturraum können sehr unterschiedlich ausfallen. Es kann z.B. zu Lärmbelästigung durch das Aufrüsten des Ballons kommen: Heißluftballone werden am Boden mit einem motorgetriebenen Gebläse gefüllt. Dies dauert etwa 5 min und verursacht kurzfristig erheblichen Lärm. Aufbau und Start eines Ballons benötigen insgesamt rund 30 min.

Zu Beeinträchtigungen kann es kommen, wenn eine Fahrthöhe von 300 m unterschritten wird. Ein zu niedrig fahrender Ballon kann durch seine Gestalt und vor allem durch die Brennergeräusche heftige Fluchtreaktionen bei Tieren auslösen, wenn diese die Harmlosigkeit des Flugobjekts nicht erkennen. Von Weidetieren wie Kühen und Pferden ist bekannt, dass sie bei der Flucht Weidebegrenzungen durchbrechen und sich dabei verletzen können.

Die Wahrnehmung eines vermeintlichen Luftfeindes durch ein Tier ist dann als Störung zu bezeichnen, wenn das betroffene Tier seine Beschäftigung, z.B. die Nahrungssuche, unterbricht. Dies geschieht auch in Situationen, in denen noch nicht mit Flucht, sondern wesentlich subtiler reagiert wird (z.B. mit Herzschlagbeschleunigung oder Beunruhigung).

Bei Wildtieren sind vor allem Störungen während der Brut- und Setzzeiten (Zeit im Jahr, in der die Jungen zur Welt kommen) im Frühjahr und Frühsommer kritisch. Ebenso kann problematisch sein, dass die Ballonfahrer für ihren Sport meist die frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden bis in die Abenddämmerung nutzen, da zu diesen Zeiten keine oder wenig Thermik ist, aber genau dann sind die meisten Wildtiere besonders aktiv und auf Nahrungssuche.

Bei Ballons handelt es sich um seltene und unregelmäßig eintretende Reize, somit ist eine Gewöhnung hier nicht zu erwarten. (Schemel & Erbguth, 2000, S. 475)



Naturverträgliches Ballonfahren

Generell hat Ballonfahren nur dann Auswirkungen auf die Tierwelt, wenn tief gefahren wird, so dass die Lösungen in diesem Bereich ansetzen sollten. Tieffahrten sollten auf das notwendige Mindestmaß beschränkt und hierbei sensible Bereiche gemieden werden.

Als ein Beispiel für mögliche Lösungsansätze kann ein gemeinsames Projekt von Naturschutz und Luftsport genannt werden. Im Winter 2001/02 wurde in Nordrhein-Westfalen ein vom Umweltamt NRW und  DFSV finanzierter Feldversuch mit dem Ziel durchgeführt, Erkenntnisse zu Überfahrthöhen bei international bedeutenden Gänserastplätzen zu erhalten, die Störungen zu minimieren oder gänzlich auszuschließen. Resultat des Versuchs war, dass die rastenden  Gänse (überwiegend Bläss- und Saatgänse) in der Regel bei einer Überfahrthöhe von mehr als 500 m nicht aufflogen, weshalb die Mitglieder des DFSV darauf hingewiesen wurden, in der Zeit, in der sich die meisten Gänse in den Auen des Niederrheins und der Weser aufhalten dieser Mindesthöhe oder höher zu überqueren. Zur Orientierung werden den dortigen Ballonfahrern Karten mit Grenzen der EG-Vogelschutzgebiete „Unterer Niederrhein“ und „Weseraue“ zur Verfügung gestellt. (DAEC & BFN 2003, S. 87f)
Mittlerweile sind diese und andere Gebiete als ABA auf den Luftfahrerkarten gekennzeichnet. Diese sogenannten luftfahrtrelevanten Vogelgebiete (Aircraft relevant Bird Areas, ABA) wurden in der Arbeitsgruppe „Luftfahrt und Naturschutz unter Federführung des BfN und des DAeC in Zusammenarbeit mit den Vogelschutzwarten der Länder und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Deutschen Flugsicherung (DFS) nach einheitlichen Kriterien ausgewählt. Dabei erfolgte eine Beschränkung auf durch Luftfahrzeuge störsensible Großvogelarten und -gruppen in Vorkommen von landes-, bundes- bzw. europaweiter Bedeutung. Unter  www.aba.bfn.de werden Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Gebieten bereitgestellt.

Ballonfahren im Detail

Geschichte

Ballone waren die ersten Fluggeräte, mit denen Menschen in die Luft aufstiegen. Von den Gebrüdern Montgolfier 1783 erfunden, schweben Heißluftballone seit über 200 Jahren am Himmel und wo sie gesehen werden, erregen sie stets großes Aufsehen. Die ersten Passagiere der Gebrüder Montgolfier waren ein Schaf, ein Hahn und eine Ente, denn ganz geheuer schien es den Brüdern nicht, den Triumph über die Schwerkraft durch das Abheben des Ballons aus Leinwand mittels Rauch aus Wolle und Heu selber zu testen. Der Erfolg gab ihnen jedoch Recht und schon fünf Monate später brachte der französische Physiker Alexandre César Charles einen mit Wasserstoff gefüllten Ballon in die Luft.
Ende der 1960er Jahre brachten moderne Materialien und Techniken eine Renaissance für den Ballonsport. Heutige Ballonhüllen bestehen aus Nylongewebe mit Imprägnierung gegen Luftdurchlässigkeit. Im feuernahen Bereich bestehen sie aus schwer entflammbarem Material. Der Korb ist aus sehr stabilem Weidengeflecht, das aber auch beweglich genug ist, um den Belastungen bei Start und Landung standzuhalten. Vier Personen finden darin Platz.

Voraussetzungen

Freiballonpiloten benötigen in Deutschland den Luftfahrerschein für Privatflugzeugführer PPL-D. Das Mindestalter für den Erwerb der Lizenz beträgt 17 Jahre. Die Ausbildung kann mit 16 Jahren begonnen werden. Sie besteht aus 60 Unterrichtsstunden Theorie und mindestens 20 Fahrstunden mit mindestens 50 Starts und Landungen. Die Lizenz muss alle 24 Monate verlängert werden. Hierzu ist eine Fahrpraxis von zwei Fahrten während dieses Zeitraums nachzuweisen. (Stand 2012)

Bei starkem Wind oder Turbulenzen (Thermik bei Sonnenschein) müssen Ballons am Boden bleiben. Ballonfahrten finden im Sommerhalbjahr meist nur in den ersten drei bis vier Stunden nach Sonnenaufgang und in den letzten zwei bis drei Stunden vor Sonnenuntergang sowie bei relativ schwachem Bodenwind statt. Im Winterhalbjahr kann häufig den ganzen Tag über gefahren werden, da thermisch bedingte Turbulenzen seltener sind.

Während der Fahrt muss der Pilot ständigen Sichtkontakt zum Boden haben. Die Flugsicht muss in Deutschland mindestens 800 m betragen, die gesetzlich vorgschriebene Sicherheitsmindesthöhe liegt bei 150 m über Grund oder Wasser.  Diese dürfen nur bei Start und Landung sowie im Rahmen von Ausbildungsfahrten unterschritten werden. Bei Wettbewerbsfahrten ist für die Unterschreitung eine Genehmigung der zuständigen Luftämter erforderlich.

Der Start von Ballonen erfolgt von genehmigten Startplätzen bzw. von Freiflächen aus, für die eine spezielle Außenstartgenehmigung eingeholt werden muss. Nachweislich erfahrene Piloten können eine Allgemeinerlaubnis erhalten, die ihnen die eigenständige Auswahl von geeigneten Startplätzen erlaubt. Ballonhülle, Brenner und Korb werden in Pkw mit Anhänger oder in kleinen LkW zum Startplatz gefahren. Während der Fahrt bleibt der Pilot mit dem Begleitfahrzeug in Funkverbindung und dirigiert das Fahrzeug zum Landeplatz.

Bei der Landung ist die Steuerbarkeit des Ballons stark eingeschränkt. Um Schäden für Mensch und Gerät zu vermeiden, müssen die Piloten freie Flächen in der Landschaft suchen, bevorzugt auf Wiesen und Weiden. Hier wird der Ballon nach der Landung durch das Begleitfahrzeug wieder aufgenommen. Falls bei der Landung oder Bergung Schäden entstehen, müssen sie angezeigt und von den Ballonfahrern ausgeglichen werden.

Organisation der Sportart

Die Verbreitung der Sportart nahm in den letzten Jahren stetig zu. Der  Deutsche Freiballonsport-Verband (DFSV), der an den  Deutschen Aero Club (DAeC) angegliedert ist, zählte im Jahr 2012 1.164 Mitglieder. In den DAeC-Landesverbänden sind 2012 zusätzlich 580 Personen gemeldet ( siehe DAeC)
Der Organisationsgrad der Sportler liegt bei schätzungsweise 75%.

Konfliktlösungen

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