Bundesamt für Naturschutz

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Wipf, Sonja; Rixen, Christian; Fischer, Markus; Schmid, Bernhard; Stöckli, Veronika (2005) Effects of ski piste preparation on alpine vegetation


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin), Snowboarden, Wintersport

 

INHALT

Um Wintersportlern Schneesicherheit zu garantieren und somit eine touristische Auslastung sicherzustellen wird in vielen Skigebieten zunehmend auf den Einsatz von Kunstschnee zurückgegriffen. Außerdem werden vielerorts bestehende Pisten ausgebaut und erweitert. Anhand von Untersuchungen in 12 Schweizer Skigebieten zeigen die Autoren die Auswirkungen von Pistenpräparierung und künstliche Beschneiung auf die alpine Vegetation auf.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Alle Arten der Pistenpräparierung ziehen eine Änderung der natürlichen Struktur und Zusammensetzung der alpinen Vegetation sowie eine verminderte Artenvielfalt mit sich. Die maschinelle Begradigung von Pisten verursacht besonders schwere und dauerhafte Schädigungen der Vegetation, die ökologischen Auswirkungen durch künstliche Beschneiung der Pisten verstärken sich mit zunehmender Verwendung seit der Erstnutzung von Kunstschnee. Insbesondere in Gebieten, in denen Wasser- und Nährstoffeintrag problematisch zu bewerten sind, sollten deshalb umfangreiche Begradigungsarbeiten und Schneeproduktion vermieden werden. Generell sollten Skipisten nicht in Gebieten angelegt werden, in denen die alpine Vegetation von hohem naturschutzfachlichem Wert ist.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3038) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Untersuchungen wurden in 12 Skigebieten in den Schweizer Alpen in Höhen von 1.750 bis 2.550 Metern durchgeführt.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Auf insgesamt 38 Untersuchungsflächen auf Skipisten und 38 benachbarten Kontrollflächen neben den Pisten wurden die Auswirkungen der Pistenpräparierung auf die alpine Vegetation untersucht.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Struktur und Zusammensetzung der Vegetation

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Die Untersuchungsflächen wurden in vier Kategorien eingeteilt:

1. unbegradigte Pisten mit Naturschnee

2. unbegradigte Pisten mit Kunstschnee

3. begradigte Pisten mit Naturschnee

4. begradigte Pisten mit Kunstschnee


EINWIRKUNGSDAUER

Die ausgewählten Gebiete unterschieden sich hinsichtlich des Einsatzes von Kunstschnee (seit 2 bis 15 Jahren) und des Zeitpunktes von Begradigungs- oder ähnlichen Arbeiten (vor 4 bis 30 Jahren). Die Skisaison beginnt in allen Gebieten jedes Jahr im November/Dezember und endet Mitte April.

 

EINWIRKUNGSART

Mechanische Belastungen durch Pistenfahrzeuge und Wintersportler

Abtragung von Vegetation und Oberboden bei Begradigungsarbeiten

Erhöhter Nährstoff- und Wassereintrag

 

EINWIRKUNGSGRAD

Starke und dauerhafte Schädigung durch Abtragung von Vegetation und Oberboden bei maschinellen Begradigungsarbeiten.

Die durch Kunstschnee hervorgerufenen Schädigungen nehmen mit der fortlaufenden Verwendung seit Erstnutzung zu.

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Allgemeine Auswirkungen Die Vegetation auf den Pisten zeigte eine geringere Artenvielfalt und Produktivität sowie ein geringeres Vorkommen von holzigen Pflanzen und früh blühenden Arten als die der Kontrollflächen.
Auswirkungen maschineller Begradigung von Pisten Höhere Indikatorwerte für Nährstoffe und Licht sowie geringere Vegetationsdecke, Produktivität und Artenvielfalt. Eine Abschwächung der Auswirkungen in Bezug auf die vergangene Zeit seit der Begradigung konnte außerdem nicht festgestellt werden.
Auswirkungen von Kunstschnee Mit zeitlich zunehmender Verwendung von Kunstschnee (2 bis 15 Jahre) stiegen parallel dazu auch Feuchtigkeits- und Nährstoffwerte. Des Weiteren ließen sich Auswirkungen auf die Artenzusammensetzung ausmachen: Während holzige Pflanzen, Schneepflanzen-Gesellschaften und spät blühende Arten zunahmen, verschwanden charakteristische Arten an den Windkanten.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Aufgrund der Vielzahl untersuchter Skigebiete und einzelner Untersuchungsflächen in verschiedenen Höhenlagen mit unterschiedlichen Pflanzen-Gesellschaften leiten die Autoren allgemeine Schlussfolgerungen für den Schutz alpiner Vegetation ab.