Bundesamt für Naturschutz

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Wezel, A. (2007) Changes between 1927 and 2004 and effect of rock climbing on occurence of Saxifraga paniculata and Draba aizoides, two glacial relicts on limestone cliffs of the Swabian Jura, southern Germany


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Klettern

 

INHALT

Um den Einfluss des Klettersports auf zwei seltene Pflanzenarten zu ermitteln und um Aussagen über die Entwicklung des Vorkommens beider Arten machen zu können, wurden in der Schwäbischen Alb mehrere, unterschiedlich klettersportlich reglementierte Felsen untersucht sowie die Ergebnisse mit vorherigen Studien verglichen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Beide gefährdeten Pflanzenarten scheinen in naher Zukunft nicht direkt vom völligen Verschwinden auf den untersuchten Felsen bedroht zu sein, dennoch stellt der Klettersport insbesondere für den Trauben-Steinbrech eine wahrnehmbare Störung dar. Überraschenderweise konnte das Immergrüne Felsenblümchen sogar mit einem größeren Vorkommen an bekletterten Felsen und dort insbesondere in den unteren Abschnitten und an den Felsfüßen festgestellt werden. Durch Tritte oder Griffe abgebrochene Rosetten, die nach unten fallen und dort neue Pflanzenposter bilden, könnten die Ursache dafür sein. Die Ergebnisse dieser Studie können die Grundlage für zukünftige quantitative Beobachtungen an Felsen hinsichtlich dieser beiden Pflanzenarten darstellen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3021) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Insgesamt 28 Kalksteinfelsen in der zum Juragebirgszug gehörenden Schwäbischen Alb nahe den Städten Bad Urach, Dettingen und Metzingen in Baden-Württemberg. Die untersuchten Felsen liegen in Höhenlagen von 690 bis 803 Metern. Bis auf zwei zum Klettern freigegebene Felsen stehen alle Felsen unter Naturschutz, einige ihrer Gipfel sind aber für Wanderer erreichbar.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Um die Entwicklung des Vorkommens zweier eiszeitlicher Pflanzenarten und den Einfluss des Klettersports auf ihr Vorkommen zu untersuchen, wurden im Jahr 2004 durchgeführte Erhebungen mit früheren Studien verglichen.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Die seltenen und stark gefährdeten Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und Immergrünes Felsenblümchen (Draba aizoides) wurden hinsichtlich ihrer Polster- und Rosettenanzahl pro Fels untersucht.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Um Aussagen über die Entwicklung des Pflanzenvorkommens machen zu können wurden folgende Studien herangezogen:

  • Eichler, Gradmann & Meigen (1927): Ergebnisse der pflanzengeographischen Durchforstung von Württemberg, Baden und Hohenzollern. Stuttgart: Ernst Klett S. 454 ff
  • Wilmanns & Rupp (1966): Welche Faktoren bestimmen die Verbreitung alpiner Felsspaltenpflanzen auf der Schwäbischen Alb? Veröffentlichungen der Landesanstalt für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg, 34, 62-85
  • Wezel (1993): Floristisch-ökologische Untersuchungen der Steppenheide im Bereich der Mittleren Schwäbischen Alb. Diplomarbeit Universität Karlsruhe, Institut für Geographie und Geoökologie, 130 Seiten

Außerdem wurden die untersuchten Felsen in drei Kategorien eingeteilt:

  • Geschützte bzw. gesperrte Felsen
  • Geschützte und für Klettersport gesperrte Felsen mit einem Wanderaussichtspunkt auf ihrem Gipfel
  • Zum Klettern freigegebene Felsen mit einem Wanderaussichtspunkt auf ihrem Gipfel


EINWIRKUNGSART

Tritt- und Griffbelastungen durch Klettersportler

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich hinsichtlich der einzelnen Pflanzenart

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Trauben-Steinbrech konnte an insgesamt 75 % der im Jahr 2004 untersuchten Felsen mit bis zu 150 Polstern festgestellt werden
konnte auf bekletterten Felsen nur in relativ ungestörten Abschnitten dokumentiert werden
im Vergleich zu den Studien aus den Jahren 1927 und 1966 trat die Pflanze auf mehr Felsen auf (siehe dazu auch: Bemerkungen)
Immergrünes Felsenblümchen konnte an insgesamt 30 % der im Jahr 2004 untersuchten Felsen mit bis zu 370 Polstern festgestellt werden
konnte mit einer deutlich größeren Häufigkeit an bekletterten Felsen dokumentiert werden. Auch wurde sie verstärkt an deren unteren Abschnitten oder sogar an den Felsfüßen festgestellt
im Vergleich zu den Studien aus den Jahren 1927 und 1966 trat die Pflanze auf mehr Felsen auf (siehe dazu auch: Bemerkungen)

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Eine allgemeine Übertragung der Ergebnisse auf ähnliche Felsgebiete findet nicht statt, allerdings können die hier aufgeführten Ergebnisse die Grundlage für zukünftige quantitative Beobachtungen an solchen Felsen darstellen.

 

BEMERKUNGEN

Der Autor weist darauf hin, dass die Studien aus den Jahren 1927 und 1966 nur das Vorkommen beider Pflanzenarten auf verschiedenen Felsen dokumentieren, aber keine Aussagen über mögliches Nicht-Vorkommen an anderen Felsen machen. Somit wird vermutet, dass in der Vergangenheit nicht alle Felsen bzw. nicht alle Felsen vollständig untersucht wurden.