Bundesamt für Naturschutz

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Zeitler, Albin (2000) Human Disturbance, Behaviour and spatial Distribution of Black Grouse in skiing Areas in the Bavarian Alps


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin), Schneeschuhwandern, Snowboarden, Tourenskilauf, Wintersport

 

INHALT

Obwohl Birkhühner als sehr anfällig hinsichtlich menschlicher Störung gelten, können sie doch gelegentlich in der Nähe selbst stark befahrener Skipisten beobachtet werden. Feldforschungen über einen Zeitraum von insgesamt elf Jahren sollen zeigen, dass dies keinen Widerspruch darstellt sondern ein Ergebnis ökologischer und verhaltensbezogener Anpassungsfähigkeit ist. Im Untersuchungszeitraum wurden deshalb Beobachtungen zum Verhalten und zur räumlichen Verteilung der Birkhühner während des Winters und der Balzzeit in einem intensiv genutzten Skigebiet in den Bayerischen Alpen durchgeführt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Reaktionen der Birkhühner auf Begegnungen mit Wintersportlern oder Pistenfahrzeugen variierten von weiten Fluchtflügen über Unterbrechungen des Futter-, Ruhe- oder Balzverhaltens bis hin zur Beibehaltung des Ausgangsverhaltens. Des Weiteren ließ sich im Untersuchungszeitraum eine Verschiebung hinsichtlich der Nutzung von Futter- und Ruhezonen feststellen, außerdem ging die Anzahl überwinternder Individuen zurück. Traditionelle Balzplätze wurden zu Zeiten intensiver Störungen gemieden, so dass die Birkhähne alleine und weit verstreut balzten.
Die Ergebnisse der Studie zeigen die Notwendigkeit weiterer ungestörter Räume am Fellhorn mit einer Gesamtgröße von mehreren tausend Hektar. Das 1996 ausgewiesene, 50 Hektar große Schutzgebiet reicht zu einem angemessenen und effektiven Schutz der lokalen Birkhuhnpopulation nicht aus.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3008) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das stark frequentierte Skigebiet um das 2.038 Meter hohe Fellhorn in der Nähe von Oberstdorf im Allgäu.
Innerhalb der Bayerischen Alpen stellt das Fellhorn mit seinen sauren Böden und einem ausgeprägten Relief von Schluchten und Bergkämmen sowie durch seine mit Bodendeckern, Erlen, Zwergkiefern und Fichten bedeckten Hänge eine der qualitativ besten Lebensraumsstrukturen für Birkhühner dar. 1996 wurde aufgrund der Zwischenergebnisse der vorliegenden Studie am Fellhorn ein 50 ha großes, für Wintersportler gesperrtes Schutzgebiet ausgewiesen.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Beobachtungen hinsichtlich des Verhaltens und der räumlichen Verteilung von Birkhühnern in den Skisaisons der Jahre 1989 bis 2000 mit insgesamt 6.844 Einzelbeobachtungen. Dabei wurden Ausgangsverhalten, Art des Störreizes und Reaktion der Birkhühner festgehalten.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bei Begegnungen von Birkhühnern mit Menschen oder Maschinen wurden sowohl die Reaktion der Vögel wie auch die Distanz zwischen ihnen und der Störquelle notiert. Die Reaktionen wurden dabei in folgende drei Kategorien eingeteilt:

1. Verbleiben am Ort (die Vögel bewegten sich nicht von der Störquelle weg)

2. Ausweichen (die Vögel bewegten sich kurze Strecken von der Störquelle weg)

3. Flucht (die Vögel entfernten sich eilig und mit meistens weiten Flügen von der Störquelle)

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Um das Verhalten der Birkhühner und ihre Interaktionen mit anderen heimischen Tierarten wie dem Rotfuchs oder dem Steinadler nicht durch alleinige Gegenwart der Beobachter zu verfälschen, wurden die Untersuchungen zu den Zeiten durchgeführt, in denen Skifahrer im Gebiet unterwegs waren. Beobachtungen zu anderen Zeiten fanden ausnahmslos aus bestehenden Gebäuden heraus statt.
Zum Vergleich der Ergebnisse fanden außerdem im selben Zeitraum begleitende Beobachtungen in zwei weiteren Gebieten, in Oberstaufen/Immenstadt und in Bolsterlang, statt.


EINWIRKUNGSDAUER

In der Hauptsaison von Mitte Dezember bis Ende April läuft am Fellhorn der Liftbetrieb von 08:45 bis 16:45 Uhr. Nach Einstellung des Liftbetriebs am Abend erfolgt durch mehrere Pistenfahrzeuge eine Pflege der Abfahrten teilweise bis Mitternacht, nach nächtlichen Schneefällen auch in den frühen Morgenstunden.

 

EINWIRKUNGSART

Wintersport

 

EINWIRKUNGSGRAD

Keine Angaben

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG

Reaktion der Birkhühner auf Störungen

Das Verhalten der Vögel variierte hinsichtlich von Distanzen und Situationen. So tolerierten sie weitestgehend tangentiale Vorbeifahrt von Skifahrern oder Pistenraupen während Futter- oder Ruhephasen und während des Bewegens am Boden. In guter Deckung behielten sie ihr Verhalten bis zu einer Annährung von 10 bis 30 Metern bei. Im offenen Gelände stieg diese Toleranzgrenze allerdings auf 30 bis 100 Meter an. Weiterer Annährung folgte entweder langsames Ausweichen in Deckungen oder aber meistens Fluchtflüge über Distanzen von 50 Metern bis hin zu 1,5 Kilometern. Frontale Annährungen von 5 bis zu 100 Metern führten üblicherweise zu Fluchtflügen in nahe Deckungen oder über lange Distanzen.

 

Veränderungen in räumlicher Verteilung und Populationsgröße der Birkhühner

Über die Jahre ließ sich eine deutliche Verschiebung hinsichtlich der Nutzung von Futter- und Ruhezonen feststellen. Auch sank die Anzahl überwinternder Vögel. Zeitlich und räumlich intensive Störungen hatten weiterhin das vorübergehende Verlassen traditioneller Balzplätze zur Folge.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Ergebnisse dieser Studie lassen den Autor zu dem allgemeinen Schluss kommen, dass selbst intensive wintersportliche Nutzung von Skigebieten mit dem Schutz von Birkhühnern vereinbar ist, solange ausreichende Ruhezeiten und Ruheräume sichergestellt werden.

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