Bundesamt für Naturschutz

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Wedra, Christel unter Mitarbeit von Thüs, Holger (2002) Geplantes Naturschutzgebiet Bodensteinerlai – Schutzwürdigkeitsgutachten und Pflegekonzept


SPORTARTEN

Klettern (außeralpin), Landgebundener Sport, Wandern/Geländelauf (w)

 

LEBENSRÄUME

Felsen und Felsblöcke, Stein-/Felslebensräume

 

WIRKFAKTOREN (unter denen Dokument aufrufbar ist)

Auswirkungen auf Pflanzen/Vegetation, Vegetationsschäden/Trittschäden

 

INHALT

Das Gutachten behandelt die Flora und Fauna eines überwiegend nordexponierten Kalkfelsens über der Lahn (Hessen) und die Abgrenzbarkeit von Arealen, die Gegenstand von Konflikten zwischen Klettersport und Naturschutz sein können. Besonderheiten des Felsens stellen eine Reliktpopulation des in Hessen vom Aussterben bedrohten Sponheimer Steinbrechs und eine artenreiche Kalkflechtenflora dar.

Neben dem Klettersport und der Nutzung des Gipfelplateaus als Aussichtspunkt von Wanderern werden die Rolle der kleinräumige Differenzierung des Felsens in unterschiedlich gegliederte und teilweise sickerfeuchte Mikrohabitate sowie der stark wechselnden Beschattungsverhältnisse für die Verbeitungsmuster der Vegetation diskutiert.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Geringe Konflikte zwischen Klettersport und den Anforderungen des Naturschutzes sind nur in Überhängen des Felsens über der Lahn zu erwarten. Hierbei handelt es sich zugleich um die anspruchsvollsten Routen, die daher auch nur mäßig frequentiert werden.

Für den Naturschutz wichtige Vorkommen gefährdeter Felsflechten sind nicht nur in besonnten Bereichen und am Gipfelplateau sondern auch in den beschatteten Teilen und am Felsfuß zu verzeichnen. Da sich in diesem Bereich die meisten Einstiege zu den Kletterrouten befinden und der Ausstieg nach oben wenig genutzt wurde, stellt der Felsfuß den Bereich mit dem größten aktuellen Konfliktpotenziale zwischen Klettersport und Naturschutzbelangen dar.

Ein ursächlicher Zusammenhang des Verlaufs der Kletterrouten mit den aktuellen Disparitäten in den Verbreitungsmustern der Flechten ist möglich, kann aber kann wegen der kleinräumigen Variabilität der Oberflächenstrukturen und mikroklimatsichen Faktoren weder ausgeschlossen noch eindeutig bestätigt werden. Es wird eine befristete Totalsperrung mit einer auf rund zehn Jahre konzipierten begleitenden Dauerbeobachtung der ehemals stark bekletterten Areale vorgeschlagen. Im Rahmen der Dauerbeobachtung werden Größenveränderungen einer großen Zahl festgelegter Einzelthalli von Flechten in ehemals unterschiedlich intensiv genutzter Felsbereichen dokumentiert und ausgewertet.

Die Population des Sponheimer Steinbrechs hat sich nach dem weitgehenden Verlust des größten Teils seiner Individuen im Rahmen einer „Putzaktion" Mitte der siebziger Jahre nicht mehr erholt und ist heute auch in den nicht bekletterten Teilen extrem individuenarm.

Eine Sperrung großer Teile des Felsens für den Klettersport reicht möglicherweise nicht mehr aus, um die Population des Sponheimer Steinbrechs zu erhalten. Zur Verbesserung der Wuchsbedingungen und Reaktivierung der Ausbreitung wird die gezielte Entnahme einzelner Gehölze vorgeschlagen.

 

BEZUG/QUELLE

Kreisausschuß des Landkreises Limburg-Weilburg
Bauamt – Untere Naturschutzbehörde
Postfach 15 52, 65535 Limburg


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Bodensteinerlai (Dolomitgestein): nordexponierter Fels über der Lahn/Lahntal/Hessen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Floristische Kartierung von 14 Teilbereichen, inklusive der Kletterrouten, eines nicht bekletterten Nebenfelsens und Bauwerken einer Aussichtsplattform.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich der Artenzahl, Zahl landesweit gefährdeter Arten (Rote Liste-Arten), Vitalität und Bindung einzelner Arten an bestimmte Kleinstrukturen in den unterschiedlichen Teilbereichen des Felsens. Vergleich der an der Bodensteinerlai vorhandenen Flora mit jener an anderen geschützten Felskomplexen im selben Naturraum.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Für die Flechtenflora fehlen Angaben zur früheren Verteilung einzelner Arten über die Teilbereiche. Beobachtungen zum Bestand des Sponheimer Steinbrechs gehen von mindestens 300 Exemplaren zu Beginn der siebziger Jahre aus.


EINWIRKUNGSDAUER

mindestens 30 Jahre

 

EINWIRKUNGSART

Klettersport, von Wanderern genutzte Pfade (Tritt)

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Flechtenvereine der Klassen Verrucarietea nigrescentis,
Collematetea cristati und der
Protoblastenietea immersae
Tritt/Beschränkung der Thalli auf Spalten sowie Einschränkung der Individuendichte und Deckungsgrade möglicherweise, aber nicht eindeutig auf Klettersport zurückführbar. Mikrorelief und Mikroklima zumindest teilweise ebenfalls als Ursachen denkbar.
Bestände des
Sponheimer Steinbrech
(Saxifraga sponhemica)
„Ausputzen“ der Kletterrouten Anfang der siebziger Jahre/Zusammenbruch der Population des Sponheimer Steinbrechs auf weniger als 10 % der Ausgangsgröße, Auswirkungen der anschließenden Bekletterung unklar. Bislang keine nennenswerte Erholung des Bestandes in ehemals besiedelten Bereichen.