Bundesamt für Naturschutz

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Wöhrstein, Thomas (1998) Mountainbiking und Umwelt - Ökologische Auswirkungen und Nutzungsprofile


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Mountainbiking, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Der Autor beschäftigt sich in dieser Arbeit mit den Auswirkungen des Mountainbiking auf den Boden und die Vegetation. Anhand von Messungen an zwei Wettkampfstrecken wird der bodenverdichtende Einfluß der Sporträder und der Zuschauer und die Auswirkungen auf die Vegetation untersucht. Zusätzlich werden noch eigene Verdichtungsversuchen mit Mountainbikefahrern und Fußgängern durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Einfluß des Mountainbiking und der Zuschauer auf die Bodenverdichtung.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Bei allen Messungen zeigten sich Verdichtungserscheinungen durch Mountainbikefahrer.

Die Verdichtungswerte sind im Vergleich zu den in Land- und Forstwirtschaft üblichen Verdichtungstiefen nur gering. Insgesamt ist die verdichtende Wirkung der Mountainbiker an der Oberfläche am intensivsten, die der Zuschauer setzt sich aber in größere Tiefen fort. Die geringe Verdichtungstiefe der Radsportler ist die Folge der hohen Geschwindigkeiten (kurze Belastungsdauer) und des geringen Gesamtgewichts der Mountainbiker.

Beim Vergleich von Mountainbikefahrer und Zuschauer zeigt sich, dass die Beanspruchung auf der Ideallinie deutlich höher ist, als im Zuschauerbereich. Da die Bodenverdichtung durch die Zuschauer aber auf einer weit größeren Fläche als auf dem Rennparcour stattfindet, stuft der Autor diese insgesamt als negativer ein.

Auf keinem der Rennparcours blieb die befahrene, vorher vegetationsbestandene Oberfläche über mehr als eine Vegetationsperiode vegetationslos. Unterirdische Vegetationsteile blieben meist erhalten.

Der Autor ist der Meinung, dass bei Querfeldeinpassagen über landwirtschaftlich genutztes Gelände keine dauerhaften negativen Auswirkungen für den Boden zu befürchten sind. Auf nur gering bzw. gar nicht vorbelasteten Böden sind Befahrungen im Rahmen einer Rennveranstaltung abzulehnen.

Mountainbiking wirkt mechanisch auf die Wegeoberflächen ein und kann erosive Vorgänge beschleunigen. Ein dichter Pflanzenbewuchs verhinderte jedoch (in St. Wendel) eine weitere Ausdehnung. Nach der Auffassung des Autors sind solche kleineren Erosionsvorgänge nur als Folge von Wettkämpfen zu sehen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2724) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Bodenverdichtungsuntersuchungen wurden zum einen nach der Deutschen Cross-Country-Meisterschaft am 27. und 28. August 1994 in St. Wendel/Saarland (Braunerde) durchgeführt. Zum anderen untersuchte man den Boden nach dem Cross-Country-Lauf zur Weltmeisterschaft in Kirchzarten im Schwarzwald (sandige Braunerde/im Talbereich Gley) vom 17. bis 24. September 1995.

Die experimentellen Verdichtungsversuche wurden auf einem extensiv als Mähwiese genutzten Wiesenstück, das für schwere landwirtschaftliche Maschinen unzugänglich ist, in der Nähe von Kirchzarten/Baden-Württemberg durchgeführt. Diese Versuche wurden einen Tag nach den Messungen an der Weltmeisterschaftsstrecke in Kirchzarten gemacht.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Messungen der Bodenverdichtung (Findley-Penetrometer) und Beobachtungen der Regeneration der Vegetation

Ist-Ist-Vergleich der Bodenverdichtungsversuche von Mountainbikern und Fußgängern

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bodenverdichtungsmessungen nach der Deutschen Cross-Country-Meisterschaft in St. Wendel/Saarland

12 Monate lang, nach dem Rennen, wurde die Strecke alle 4 Wochen abgegangen und die Regeneration der Vegetation erfasst. Die Verdichtungsmessungen wurden 10 Monate nach dem Rennen durchgeführt. Zusätzlich verglichen die Autoren auch die Bodenverdichtung der Rennstrecke mit der der Zuschauerbereiche.

Meßbereich I: Hier wurden drei Profile im Abstand von 2 m zueinander mit je 6 m Breite über die Strecke gelegt. Die Meßstelle lag in einem mechanisch stark beeinflussten (Brems-) Bereich. Alle 20 cm wurde eine Messung über die Bodendichte von 0 bis 49 cm Tiefe in 3,5 cm Schritten durchgeführt. Insgesamt untersuchte man somit 31 Meßpunkte pro Querprofil. Da der Boden in diesem Bereich unterhalb von 7 cm Tiefe sehr skelettreich war bezog man nur die Ergebnisse bis 7 cm Tiefe in die Auswertung mit ein. Dabei wurden alle Querprofile zusammengenommen und das arithmetische Mittel aus den sich entsprechenden Meßpunkten berechnet.

Meßbereich II: Dieser Bereich wurde in drei Einheiten aufgeteilt. Zwei der drei Meßstellen lagen mit ca. 13 m Abstand in einem Beschleunigungsbereich kurz vor einer Steigung. Eine davon lag ca. 15 m und die andere ca. 2 m vor der Basis der Steigung. Die dritte (IIc) wurde 2 m oberhalb der Steigungsbasis festgelegt. An der ersten Meßstelle (IIa) wurden 3 Querschnitte über 4 m Breite beprobt (63 Einzelmessungen). An der zweiten Stelle (IIb) wurden 2 Querschnitte beprobt (42 Einzelmessungen).

 

Bodenverdichtungsmessungen nach dem Cross-Country-Lauf zur Mountainbike-Weltmeisterschaft in Kirchzarten

Der Streckenbereich dieses Wettkampfes war zwischen 6 und 8 m breit. Der Messbereich lag an einem geneigten Hang der landwirtschaftlich als Mähwiese genutzt wird. Die Messungen führte man nur innerhalb der 2 m breiten Ideallinie durch (kein Querschnitt). Der Einfluß der Zuschauer wurde in einem Bereich gemessen, in dem die Menschen konzentriert standen. In jedem Messbereich (Strecke, Zuschauer, Nullwert) wurden 40 Messungen in 3,5 cm Schritten bis in eine Tiefe von 49 cm durchgeführt. Aufgrund zu vieler Fehler wurden nur die Ergebnisse bis 24,5 cm in die Auswertung mit einberechnet. Die Messungen wurden zwei Tage nach dem Ende der Meisterschaft durchgeführt.

 

Experimentelle Verdichtungsversuche

Entlang zweier Geraden (ca. 15 m) wurde der Untersuchungsbereich mit 50 Befahrungen (durchschnittlich 20 km/h) durch ein Mountainbike (Gesamtgewicht Fahrer und Mountainbike: 98 kg) und 50 Begehungen (durchschnittlich 5 km/h) durch einen Fußgänger (85 kg) beansprucht. Beide Spuren lagen ca. 1,5 m voneinander entfernt. Der Nullwert wurde in der Mitte beider Spuren gemessen. Auf den Strecken wurden 35 Messungen im Abstand von ca. 40 cm bis in 49 cm Tiefe durchgeführt. Zusätzlich wurde eine weitere Versuchsreihe mit 50 Befahrungen durchgeführt. Hierbei wurde aber der Nullwert in unmittelbarer Nähe zu den Messpunkten (20 cm rechts und links davon) genommen. Dabei führte man 30 Messungen (in der Spur und rechts und links davon) im Abstand von 50 cm durch.

 

Regeneration der Vegetation der Wettkampfstrecken

Nach dem Mountainbikerennen in St. Wendel wurden im 4-Wochenrhythmus 12 Begehungen durchgeführt um die Regeneration der Vegetation zu beobachten. Dabei galt das Interesse aber nur dem Zeitpunkt der Wiederherstellung des ursprünglich vorhandenen Bedeckungsgrades. Die Querfeldeinpassagen betrafen zwei Pflanzengesellschaften. Zum einen Mähwiesen mit jährlich dreimaliger Mahd und typische Trittgesellschaften auf vegetationsbestandenen Wegen und auf einer vielbetretenen Wiese.


EINWIRKUNGSART

mechanische Beeinträchtigung des Bodens und der Vegetation

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Bodenverdichtung (St. Wendel)

Messbereich I: Deutlich erhöhte Bodenverdichtung im Bereich der Ideallinie. Eine verdichtende Wirkung der Zuschauer konnte man kaum nachweisen. Zum Zeitpunkt der Messungen war bereits eine geschlossene Vegetationsdecke vorhanden.

Messbereich II: An Messstelle IIa zeigte sich eine Verdichtung bis in 21 cm Tiefe. Ab 10,5 cm Tiefe näherte sich die Bodenverdichtung wieder leicht dem Nullwert. Im Oberflächenbereich ist die Verdichtung besonders hoch, fällt aber innerhalb von 3,5 cm um 80 % ab. Die Zuschauer, die hier sehr konzentriert standen, verursachten eine deutlich höhere Verdichtung als die Sportler. Hier war ebenfalls bereits eine geschlossene Vegetationsdecke vorhanden. An Messstelle IIb zeigte sich bis in eine Tiefe von ca. 11 cm nur eine geringe Abweichung vom Nullwert. Darunter stieg die Verdichtung wieder deutlich an. Die Ergebnisse hier sind jedoch durch den nahen Straßenbau beeinflusst und nicht durch Mountainbiker. An Messstelle IIc wurde etwa 90 % der oberirdischen Vegetation und 60 % der unterirdischen Pflanzenbestandteile entfernt.

 

Bodenverdichtung (Kirchzarten)

Erhöhte Verdichtung des Bodens im Bereich der Rennstrecke bis in eine Tiefe von 7 cm. Unterhalb von 7 cm war die Verdichtung im Zuschauerbereich deutlich höher, als auf der Strecke. Im Streckenbereich erreicht die Verdichtung bereits nach 10,5 cm Tiefe die des Nullwertes. Im Zuschauerbereich erreicht sie den Nullwert erst nach 21 cm. Unmittelbar an der Oberfläche ist die verdichtende Wirkung der Mountainbiker bis zu 50 % höher, als die der Zuschauer. Bei 10,5 cm Tiefe ist die Wirkung der Zuschauer um 40 % höher als bei den Radsportlern.

 

Experimentelle Verdichtungsversuche

Bei beiden Versuchslinien zeigte sich ein deutlicher Trampelpfad (30 cm breit beim Fußgänger und 15 cm breit beim Mountainbikefahrer). Der größte Teil der Vegetation war geknickt und blieb in ihrer Wuchshöhe die folgenden Monate bis zum Spätfrühling deutlich hinter den umliegenden Bereichen. Dies war beim Mountainbiker ausgeprägter, als beim Fußgänger.

Die Ergebnisse der Verdichtungsmessungen ähneln denen aus Kirchzarten. Hier liegt bis 7 cm die Verdichtungswirkung des Mountainbikers über der des Fußgängers. Die Verdichtung des Mountainbikers ließ sich nur bis 9 cm Tiefe nachweisen. Die des Fußgängers reicht bis 21 cm Tiefe. Der geringe Verdichtungswert an der Oberfläche resultiert aus dem komplett vorhandenen Bewuchs, der teilweise in die oberste Schicht eingepresst wurde und diese daher relativ auflockerte. Zwischen 9 und 20 cm kommt es zu einer Auflockerung des Bodens. Die Ergebnisse der zusätzlichen Versuchsreihe sind denen der ersten Messungen fast identisch.

 

Regeneration der Vegetation

Nach dem Rennen waren alle oberirdischen Pflanzenteile im Bereich einer durchschnittlich 50 cm breiten Ideallinie innerhalb eines drei Meter breiten Parcours mechanisch soweit zerstört, dass sie abstarben. Außerhalb der Ideallinie waren die Pflanzen zwar geknickt, starben aber nur zu einem geringen Teil ab. Besonders betroffen waren mechanisch stark beanspruchte Abschnitte wie z.B. Steigungen, Anbremszonen vor Kurven, Bodenwellen und feuchte Abschnitte des Parcours. Dies war aber nur auf ca. 2 % der Strecke der Fall. Auf dem restlichen Parcour regenerierte sich die Vegetation nach 3 Wochen soweit, dass die Strecke nur noch anhand der geringeren Wuchshöhe (halb so hoch wie die der Umgebung) erkannt werden konnte. Erst zu Beginn der kommenden Vegetationsperiode war kein Unterschied mehr zu erkennen. Auf den besonders stark beanspruchten Streckenabschnitten dauerte die Regeneration deutlich länger.

 

BEMERKUNGEN

Bodenverdichtung