Bundesamt für Naturschutz

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Zeitler, Albin (1994a) Skilauf und Rauhfußhühner


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Skilanglauf, Tourenskilauf, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Die Veröffentlichung stellt Teilergebnisse einer Studie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz zur Beeinträchtigung von Lebensräumen der Rauhfußhühner im Oberallgäu durch Skitourismus vor.

siehe dazu auch

Georgii, Bertram; Zeitler, Albin; Kluth, Stefan (1991): Skilauf und gefährdete Tierarten im Gebirge. Schlußbericht zur Pilotstudie aus den Wintern 1989/90 und 1990/91. - Pilotstudie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, Teil I. - Oberammergau. 116 S.

Zeitler, Albin (1995): Skilauf und Rauhfußhühner. - Der Ornithologische Beobachter 92: 227 - 230

Dabei ist der Schwerpunkt der Untersuchung nicht auf Details der Rauhfußhühnerbiologie gerichtet. Vielmehr sollen Grundlagen hinsichtlich der konkreten örtlichen Überwinterungsbedingungen der Arten in den Skigebieten ermittelt werden, um Vorschläge zur Entschärfung der Situation in den Konfliktbereichen ableiten zu können. Die störungsökologischen Erkenntnisse dienen dabei als Ausgangspunkt für die Formulierung von konkreten Maßnahmen.

In der Phase II der Pilotstudie wurde an der Umsetzung der Maßnahmen gearbeitet. Siehe dazu

Zeitler, Albin (1994b): Skilauf und gefährdete Tierarten im Gebirge. Schlußbericht zur Phase II: Umsetzung der Empfehlungen aus der Pilotstudie im Oberallgäu. - Pilotstudie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, Teil II. - Immenstadt. 77 S.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Grundsätzlich stellen Skilauf und Skitourengehen ein ernsthaftes Problem für die Überwinterung von Rauhfußhühnern dar.

Die Wintersterblichkeit kann sich infolge des erhöhten Energieaufwandes durch Ausweich- und Fluchtbewegungen bei Raum- und Zeitkonkurrenz mit Skifahrern erhöhen.

Das Ausbleiben von Energiezufuhr bei Zeitverlust für die Nahrungsaufnahme kann zusätzlich zu einer verschlechterten Energiebilanz führen. Defizitäre Energiebilanz führt über kurz oder lang zu einer verminderten Vitalität und letztlich zum Verhungern.

Sekundärwirkungen, bspw. erhöhtes Prädationsrisiko bei erzwungenem Verlassen der Sicherheitsräume, müssen ernst genommen werden.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse können Konflikte entschärft werden. Dazu können Skitouren eingeschränkt oder nach wildtierverträglichen Gesichtspunkten so modifiziert werden, daß auch die für den Skitourismus relevanten Aspekte berücksichtigt sind (Lawinengefahr, Verbindung von Touren).

Über die Betrachtung der winterlichen Aspekte von Lebensraumeignung und Einfluß von Störreizen hinaus müssen zur Erhaltung der Arten auch die Auswirkungen vielfältiger Störreize bei Balz, Brut und Jungenaufzucht beachtet werden.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2670) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Oberallgäu; Nördliche Kalkalpen, Bayern

ca. 20 Skigebiete mit 243 Gipfeln über 1.300 m; davon im Untersuchungszeitraum 186 genutzt

Waldflächen (30 %) und freie Alpflächen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Untersuchungszeitraum November 1989-Mai 1991

flächenscharfe Kartierung der Verbreitung der Rauhfußhühner durch Befragung von Berufsjägern, Förstern, Freizeitornithologen und Wildbiologen sowie ergänzende Geländebegehungen (Tourenrouten und Hühnernachweise über insgesamt 3.000 km)

Erfassung von Spuren, Kot, Federn und sich in Deckung aufhaltenden Rauhfußhühnern mit Bayerischen Gebirgsschweißhunden

Bildung von 100-ha-Rasterflächen für die ermittelten Rauhfußhühner-Lebensräume, Bewertung der Lebensraumqualität

Bildung von 250 x 250 m Kleinrasterflächen zur Aufnahme der direkten und indirekten Nachweise der Präsenz von Rauhfußhühnern

Erfassungen zu Skiaktivitäten und Winterwanderungen durch Befragung von Berufsjägern, Förstern, Freizeitornithologen und Wildbiologen, Bergführern, Skitourenführern, Bergwacht, Deutschem Alpenverein, Deutschem Skiverband; Auswertung von Skitourenkarten u. a. Bergführerliteratur

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung der Lebensräume der Rauhfußhühner nach

Verfügbarkeit der räumlichen Habitatkomponenten Nahrung, Sicherheit und Klimaschutz:

Existenz und Erreichbarkeit von Nahrungspflanzen

Existenz von Raumstrukturen (bspw. Übersichtlichkeit) und Deckung, die Sicherheit gegen Boden- und Luftfeinde bieten

Existenz von Habitat- bzw. Raumstrukturen, die Schutz gegen Wetter bzw. Auskühlung bieten

qualitatives Raumwahl-Kriterium: "Strategie der kurzen Wege" nach Abstand zwischen den Raumkomponenten Nahrung, Sicherheit und Klimaschutz - in Vorzugshabitaten liegen alle drei Komponenten nah beieinander

Zeithaushalt:

  • Verfügbarkeit von genügend Zeit für die Nahrungsaufnahme, wobei der Aufwand für die Nahrungsaufnahme abhängig ist von der Dichte der erreichbaren Nahrungspflanzen im jeweiligen Gebiet sowie dem Energiehaushalt der Tiere
  • tageszeitabhängige Disposition gegenüber Boden- und Luftfeinden (bspw. Steinadler je nach Luftthermik, Fuchs und Musteliden zur Dämmerungs- und Nachtzeit)
  • Verweildauer in Lockerschneehöhlen während kalter Winterphasen zum Schutz vor Auskühlung


EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigung durch

1. Skifahrer, Tourengänger

2. aufgrund der Schneearmut der Untersuchungswinter auch Winterwanderer

 

EINWIRKUNGSGRAD

Frequentierung einer Tour/eines Tourengebietes:

1. häufig: tägliche oder mehrmalige Begehung pro Woche - keine bedeutsame saisonale oder witterungsbedingte Abhängigkeit der Frequentierung

2. gelegentlich: mehrmalige Begehung pro Monat

3. selten: einmalige Begehung über die gesamte Skisaison - hohe saisonale Abhängigkeit von der Lawinengefahr

Skifahrer nutzen weit mehr Touren und Flächen, als in Skiführern und Karten dargestellt

 

TIERART

Haselhühner

 

ART DER BEEINFLUSSUNG/AUSWIRKUNG

Wintergebiete in dichteren Waldbereichen; nur selten von Skifahrern genutzt.