Bundesamt für Naturschutz

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Ziegler, G. (1994) Thesen zum Fluchtverhalten von Entenvögeln gegenüber Menschen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Erholung am Gewässer, Jagd

 

INHALT

Im Gegensatz zur Quantifizierung des Fluchtverhaltens von Wasservögeln gegenüber Wasser- und Luftfahrzeugen fehlt bisher eine qualifizierende Darstellung des menschlichen Erscheinungsbildes als Störquelle. Mit Hilfe von "Thesen zum Fluchtverhalten" soll der Versuch sowohl einer ersten Bestandsaufnahme wie auch der zur Sensibilisierung der wachsenden Zahl von "Vogelbeobachtern" gemacht werden.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Wer sich diesen Thesen entsprechend verhält, wird nicht nur zu ungestörten Beobachtungen kommen, sondern mindert auch den Störungsdruck, der selbst im Winterhalbjahr auf den Wasservögeln unserer heimischen Gewässer lastet.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2179) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Weserstaustufe Schlüsselburg, Nordrhein-Westfalen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Deduktion, die auf einem 30jährigen Erfahrungsschatz aufbaut

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Kriterien

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Ungestörte Vogelgemeinschaft/durch Jagd gestörte Vogelgemeinschaft


EINWIRKUNGSART

Silhouette

 

TIERART

Enten

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

1. "Zuwanderer" sind störempfindlicher als ganzjährig an einem Gewässer anzutreffende Entenvögel. (Besonders hohe Fluchtdistanzen während der Zugzeiten)

2. An Gewässerabschnitten mit regelmäßigen, gleichförmigen menschlichen Aktivitäten sind Enten i. d. R. sehr viel weniger störempfindlich als an störärmeren.

3. Durch nachhaltige Störungen in Folge wächst die Fluchtbereitschaft. Das gilt besonders im Zusammenhang mit Jagdereignissen.

4. Es ist ohne Belang, wo die Vögel ihre "Jagderfahrungen" gesammelt haben. (Die Reaktionen der Vögel sind auf Flächen mit Jagdverbot die gleichen wie auf solchen, auf denen regelmäßig gejagt wird).

5. Innerhalb der Jagdzeit lösen die störempfindlichsten Tiere die Flucht aller Enten (selbst halbdomestizierter) aus, d. h.: nicht alle Vögel müssen eigene Jagderfahrungen gemacht haben. Außerhalb der Jagdzeit binden störunempfindliche Vögel selbst Einzeltiere solcher Arten, die sich sonst durch hohe Störempfindlichkeit auszeichnen.

6. Der größte Störungsdruck geht vom menschlichen Erscheinungsbild aus (nicht also nur vom Tun), d. h.: ein "harmloser" Spaziergänger löst dieselbe Reaktion aus wie ein Mensch mit Flinte. Die Bedeutung des menschlichen Erscheinungsbildes als Fluchtauslöser steigt und fällt:

  • mit der Vollständigkeit und Erkennbarkeit des Bildes: Ein über einem Versteck erscheinender Kopf wirkt deutlicher geringer fluchtauslösend als ein ganzer Oberkörper (z. B. in einem Kraftfahrzeug) oder gar ein ganzer Körper.
  • Ein sich gegen den freien Horizont abzeichnender Körper wirkt stärker als einer etwa vor einem bewachsenen Hintergrund.
  • Ein Mensch in gleichförmig langsamer Bewegung (Spaziergänger) wirkt weniger stark als in unterbrochener Bewegung (Vogelbeobachter).
  • Ein auf die beobachteten Vögel gerichtetes Objektiv (Fernglas und Kamera) erhöht deren Fluchtbereitschaft.
  • Gegenüber normalen, ruhigen Bewegungen ist die Toleranzschwelle der Vögel deutlich höher als gegenüber hastig schnellen.
  • Ein schon vor Erreichen der Fluchtdistanz für die Vögel erkennbarer Mensch löst deutlich später Flucht aus, als ein plötzlich im Störfeld auftauchender; oder ein seitlich das Störfeld "sehkantenhaft" schneidender, nicht die Vögel direkt angehender Mensch.
  • Mehrere sich nähernde Menschen, die sich eng zusammenhalten, wirken als "Störeinheit". Sie wirken weniger störend als solche in deutlichem Abstand zueinander.

7. Analog dem Zuvorgesagten reagieren Wasservögel auch auf Landfahrzeuge. Der gravierende Unterschied außerhalb der Jagdzeiten liegt in der geringeren Fluchtdistanz gegenüber geschlossenen Landfahrzeugen; nicht selten wird diese jedoch durch starke Geräusche, hohe Geschwindigkeiten oder deutlich erkennbare Abgaswolken des Fahrzeugs kompensiert. Bei hochsensiblisierten Entenvögeln (z. B. infolge Jagd in den letzten Tagen zuvor) decken sich häufig die Fluchtdistanzen gegenüber Mensch und Landfahrzeug. Die Vermutung, die Bewirtschaftung/Pflege von Uferböschungen oder -rändern - z. B. mit Hilfe eines Traktors - sei selbst in der Jagdzeit "nahezu störungsneutral", trifft (leider) nicht zu.

8. Gewässer, die infolge starker oder anhaltender Störungen (Jagd oder Nutzung/Pflegearbeiten) von Entenvögeln fluchtartig geräumt wurden, werden erst nach Tagen (nach direkter Bejagung erst nach 2 bis 3 Wochen) wieder besiedelt.