Bundesamt für Naturschutz

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Zande, A. N.van der; Verstrael, T. J. (1985) Impacts of outdoor recreation upon nest-site choice and breeding success of the Kestrel Falco tinnunculus


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

INHALT

Die Autoren konstatieren eine Zunahme der Freizeitaktivitäten. Von Freizeitaktivtäten gehen generell Störimpulse auf Tiere aus. Solche Impulse drücken sich auch in einer Zunahme des Verkehrs auf Straßen aus. Da Straßenbankette inzwischen wichtige Lebensräume der Hauptbeute des Turmfalken - Feldmäuse - sind, wird vermutet, dass sich hieraus auch Wirkungen auf den Reproduktionserfolg des Turmfalken ergeben können.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Erholungsaktivitäten können Turmfalken dazu veranlassen, Bereiche zu meiden, die frei zugänglich sind und ca. 50 m von Störquellen entfernt liegen.

In solchen Situationen wird der Bruterfolg beeinflusst.

Der Effekt der Zugänglichkeit wirkt sich in Jahren mit geringem Nahrungsangebot besonders aus und wirkt v. a. in den Phasen von Reviergründung und während der Bebrütung der Eier.

Kraftfahrzeugverkehr wirkt v. a. während der Bebrütungsphase und während der Jungenaufzucht besonders negativ.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2160) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Niederlande

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Fragebogen mit Angaben zu 160 Turmfalken-Nisthilfen.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Distanz zu Bereichen mit menschlichen Aktivitäten. Zugänglichkeit der Nisthilfen durch Menschen. Sichbarkeit der Nisthilfen. Bruterfolg. Einfluss der Nisthilfen-Art und des Habitats. Einfluss der Nahrungsverfügbarkeit.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Untersuchungsperiode 1975 bis 1980 mit unterschiedlicher Nahrungsverfügbarkeit.


TIERART

Turmfalke

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Der Bruterfolg des Turmfalken hängt stark von Mäusegradationsjahren ab. Seine Hauptbeute - Feldmaus (Microtus arvalis) - durchläuft einen 3-4 Jahres-Zyklus mit Bestandsaufbau und Bestandszusammenbruch. Hohe Populationsdichten entstehen v. a. in optimalen, d. h. niedrigwüchsigen, lückigen Vegtationsbeständen, die in den Niederlanden immer seltener werden. Wenn die Population sehr groß geworden ist, verteilen sich die Mäuse auch auf weniger geeignete Lebensräume, bis es zu einem Zusammenbruch der Population kommt. In solchen mäusereichen Jahren bzw. Phasen haben Turmfalken optimale Voraussetzungen zur erfolgreichen Aufzucht der Brut.

Freizeitbedingte Wirkungen erfolgen nun v. a. aufgrund der Tatsache, dass sich v. a. Straßenränder zu optimalen Reproduktionsbiotopen der Feldmäuse entwickelt haben, was auf die Pflege der Rasenbankette zurückgeführt werden kann. Hier wirken sich nun zunehmende Freizeitaktivitäten - von den Autoren gemessen als zunehmender Verkehr - negativ auf den Bruterfolg des Turmfalken aus, besonders während der Bebrütungsphase und der Aufzucht der Jungen.

Für folgende Faktoren ergaben sich statistisch signifkante Ergebnisse:

Mäusejahre

Fehlgeschlagene Bruten waren in Nistkästen mit einer nächsten Störquelle < 50 m höher, als in Nistkästen mit > 50 m Stördistanz.

Nistkästen mit Jungen waren in Abständen von < 50 m zur Störquelle seltener als in Abständen > 50 m.

 

Jahre mit niedrigen Mäusepopulationen

Der Bruterfolg und die durchschnittliche Anzahl der Jungen waren in Nistkästen mit einer nächsten Störquelle < 50 m geringer, als in Nistkästen mit > 50 m Stördistanz.

Fehlgeschlagene Bruten waren bei freier Zugänglichkeit der Nistkästen signifikant höher als bei Nistkästen, die nicht frei zugänglich waren.

Nistkästen, in denen zumindest ein Jungvogel großgezogen wurde, waren bei freiem Zugang seltener besetzt als ohne freien Zugang.

Die Gelegegröße war bei frei zugänglichen Nistkästen geringer als bei nicht zugänglichen.

 

Generell

Der durchschnittliche Bruterfolg war grundsätzlich höher bei Nichtzugänglichkeit der Nistkästen.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Angaben

 

BEMERKUNGEN

Die Signifikanz der Publikation kann nur sehr schwer eingeschätzt werden, weil nach Eindruck des Rezensenten sehr viele komplexe Faktoren unpräzise gemessen werden, und v. a. der Faktor Freizeitaktivitäten sehr unpräzise angegeben wird. Es bleibt fraglich, ob (Wirkungen von) Freizeitaktivitäten über den Faktor "Zunahme des Straßenverkehrs" hinreichend präzise gemessen werden können.