Bundesamt für Naturschutz

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Zeitler, Albin (1996) Feldstudie zu einem "Jagdlichen Sperrgebiet" im Schwarzwassertal/Südhang des "Hohen Ifen". Sportklettern am Hohen Ifen - Ski-Touren am Hählekopf und Hohen Ifen


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Klettern, Tourenskilauf

 

INHALT

Nach Einrichtung eines "Jagdlichen Sperrgebietes", in dem alle jagdfremden Aktivitäten verboten wurden, ließ der ÖAV durch den Autor untersuchen, ob die Sperrung des Gebietes dem Schutzzweck nützt und ob ein Potential besteht, Sportausübung zuzulassen, ohne Wildtiere zu stören.

Zu diesem Zweck untersucht die Studie folgende Aspekte zum Verhalten v. a. der Gemsen und Birkhühner des Untersuchungsgebietes:

  • Raum- Zeit- Muster von Wildtieren ohne Beeinflussung durch Sportklettern und Skibergsteigen im Jahresverlauf
  • Auswirkungen von Sportklettern und Skibergsteigen auf die Raumnutzung von Wildtieren im Jahresverlauf
  • Unterschiede in den Raum- Zeit- Mustern mit und ohne diese Sportarten
  • Möglichkeiten zur wildtierverträglichen Ausübung des Skibersteigens und Sportkletterns über räumliche und zeitliche Regelungen

Gemsen und Sportklettern

  • Während der Sommermonate war aufgrund der räumlichen und zeitlichen Verteilung der Gemsen Klettern allein, ohne andere Sportaktivitäten, relativ unproblematisch. Bei Einhaltung der räumlichen und zeitlichen Begrenzung ist das Klettern hier von April / Mai bis Oktober verträglich.
  • In den Wintermonaten und insbesondere nach Schneefällen halten sich Gemsen bevorzugt und notwendigerweise in der Wand auf. In dieser Zeit sollte der Kletterbetrieb eingestellt werden.

Für die beiden Sportarten werden raumbezogene Lösungsvorschläge erarbeitet und Empfehlungen zur Umsetzung gegeben.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Birkhühner und Sportklettern

  • Eine Beunruhigung von Birkhühnern durch Klettern liegt nur als Einmalbeobachtung vor, Wand, darunter liegende Flächen bis ca. 100 m unterhalb der Wand stellen für Birkhühner keinen attraktiven Lebensraum dar
  • Zwischen April/Mai und Oktober resultieren aus dem Sportklettern bei Nutzung der zugelassenen Zustiegsrouten und Wandbereiche in der Zeit von mittwochs und sonntags 10.00-16.00 Uhr keine nachhaltigen oder bedenklichen Einflüsse auf Gemsen, Rotwild, Birk- und Schneehühner.
  • Bei uneingeschränkter Nutzung der Wand durch den Klettersport ist das Betretungsverbot für das Sperrgebiet aufgrund der mit dem Klettern verbundenen Folgen für Wildtiere, insbesondere Gemse, gerechtfertigt. Nicht gerechtfertigt ist das Verbot bei zeitlich und räumlich geregelter Ausführung des Klettern und bei Einhaltung dieser Vorgaben durch die Kletterer.

Skibergsteigen

  • innerhalb des Sperrgebietes, bei Einhaltung der Routen - Markierung und "freiwilliger Ruhegebiete" durch Skisportler keine nachhaltige Beeinträchtigung des Raum-Zeit-Verhaltens von Gemsen und Birkhühnern im Winter festgestellt
  • Verbleibende Konflikte:
  • Aufstieg und Abfahrt zur und vom Hohen Ifen bewirkt in allen Winterphasen erhebliche Verdrängung über Wochen
  • Ignoranz des Ruhegebietes führt zur Flucht von Gemsrudeln, bei kurzzeitiger Wiederholung an mehreren aufeinanderfolgenden Tage zum Ausbleiben des Rudeln über insgesamt drei Wochen -> mögliche Folgen: grundsätzliche Änderung der Raumwahl im Winter: Wechsel in ungeeignete Überwinterungsräume bspw. Wald; Nachteile für Waldentwicklung und Kondition der Tiere.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 13) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Südseite des Hohen Ifen (Plateau, Wandbereiche und Südhang), westliche anschließende Hänge der Ifersgunterhöhe, des Berlinger Köpfles und des Hählekopfes sowie Ifenmulde und östlich anschließende Hänge und Rücken/Alpen/Österreich

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Eigene Beobachtungen an > 100 Tage und Verwendung von Daten aus der Beobachtung des Gebiets über 85 Tage durch vom Autor betreute wissenschaftliche Arbeiten im Jahr nach Einrichtung des Sperrgebietes 1994 /95:

Pfeiffer, Monika 1994: Tourismus im Lebensraum von Gemswild (Rupicapra rupicapra) - Diplomarbeit Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft

Rotelli, Luca 1996: Raumnutzung und Aktivitätsmuster von Gemsen (Rupicapra rupicapra) im Jahresverlauf des Hohen Ifen

Methodik zur Untersuchung des Raum- Zeit- Musters und der Habitatwahl: Verweis auf vom Autor zu einem früheren Zeitpunkt veröffentlichte Arbeiten:

Kartierung des Normalverhaltens:

Aufnahme der Aktivitäten der Gemsen wie Nahrungsaufnahme, Ruhen und Fortbewegung mit der jeweiligen räumlichen und zeitlichen Verteilung in "Beobachtungseinheiten"=Kartierung einer Tätigkeit/Gemse/Viertelstunde (Bsp. Beobachtung von 10 Gemsen über eine Stunde = 40 Gemsenbeobachtungseinheiten)

Verteilung der Kartierung über alle Jahreszeiten und Witterungsphasen

Feldversuche zur Überprüfung der Auswirkungen des Sportkletterns

Beobachtung des Verhaltens der Tiere ohne Klettern von Dezember 1993-Juni 1995

Beobachtung des Verhaltens der Tiere mit Kletterbetrieb von Juni 1995-Juni 1996 der wie folgt geregelt war:

1. zeitliche Begrenzung auf mittwochs und sonntags 10.00-16.00 Uhr

2. räumliche Begrenzungen bezüglich der Zugangsstrecke zur Wand und der Ausdehnung des Klettergebietes

3. Vergleich des "ungestörten" Zeitraumes mit dem Raum- Zeit- Muster während des Kletterbetriebes

4. Feldversuche zur Überprüfung der Auswirkungen des Skitouren- Gehens auf Gemsen und Birkhühner

5. Kartierung der skitouristischen Aktivitäten und des Verhaltens der Tiere in den Wintern 93/94-95/96, d. h. mit und ohne dem Einfluß des Winter-Wanderns und des Skitouren-Gehens

6. Überprüfung der Daten hinsichtlich der Konkurrenz zwischen räumlicher und zeitlicher Verteilung von Tieren und Skitourengehern sowie der Verdrängung der Tiere in für die Überwinterung ungeeignete Räume.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bevorzugte Standorte für Gemsen/für Gemsen bedeutsame räumliche Schwerpunkte: Aufenthalt von mehr als 16 Gemsen je Raster-Kleinquadrat=ca. 5,14 % der Fläche

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

1. Beeinträchtigung der räumlichen Nutzbarkeit des Gebietes durch Wildtiere sowie deren Zeitvorrat durch zunehmende Nutzung des Gesamtgebiete Hoher Ifen durch

2. traditionelle Sportarten: Skifahren, Bergsteigen, Bergwandern, Segelfliegen, Motorsegeln, Kleinflugzeuge.

3. neue bergsportliche Aktivitäten: Sportklettern, Gleitsegeln, Hängegleiten, Ballonfahren

4. im Untersuchungsgebiet seit 1990 insbesondere Zunahme des Sportkletterns

5. 1993 Einrichtung eines "Jagdlichen Sperrgebietes": Ausschluß aller jagdfremden Aktivitäten mit dem Ziel der Beruhigung von Lebensräumen für Wildtiere.


EINWIRKUNGSDAUER

Klettern: 2 x wöchentlich 6 Stunden, wobei "Stammkletterer" größere Disziplin als fremde Kletterer aufweisen

 

EINWIRKUNGSART

Optische und akustische Reize

Witterung

 

EINWIRKUNGSGRAD

Je nach Jahreszeit und Sportart sehr unterschiedlich (monatliche Auswertung )

Markierung von wildtierverträglichen Routen für Skibergsteiger, Einhaltung der Routen/Disziplin aber sehr unterschiedlich

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Gemsen Normalverteilung ohne Sportausübung
im Verlauf des Jahres vier verschiedene Schwerpunkte der räumlichen Verteilung gebildet: alle lagen in offenen sehr exponierten Flächen, dominierende Vegetation alpine Rasen
Verhalten bei geregeltem Sportklettern/die monatliche Auswertung (S. 11-58) enthält:
Darstellung und Interpretation der zeitlichen und räumlichen Verteilung der Gemsen an Südhang, Wand und Plateau in Abhängigkeit von Anwesenheit der Kletterer, Witterung, Nahrungsangebot etc.
Beschreibung der Reaktionen auf Zusammentreffen mit Kletterern
Beschreibung der Interaktion bei gleichzeitigem Ski-,- Gleitschirm- und Wandersport sowie Jagd
Lösungsvorschläge zur räumlichen und zeitlichen Zonierung der Sportausübung
Vergleich der Untersuchungsergebnisse mit und ohne Sportklettern
Auswertung der Ergebnisse für jeweils 2-3 Monate S. 59-63
während der Vegetationszeit kein großer Unterschied im Raum- Zeit- Muster von Gemsen
Nutzung aller räumlichen Schwerpunkte unter beiden Bedingungen
Verweildauer einzelner Tiere in der Wand ohne Kletterer länger
Ausweichen und Flüchten waren bei alleinigem Einfluß durch Kletterer nicht nachhaltig, d. h. Tiere kehrten noch am gleichen Tag zurück
von November-April Raumwahl der Tiere vom Wetter bestimmt, insofern nicht zuverlässig vorauszusagen, allgemeingültigen Lösungsvorschläge nicht möglich - aber im Hoch - Winter und besonders nach Schneefällen Aufenthalt in der Wand
Nebenbeobachtungen zu Auswirkungen des Kletterns im Zustiegsbereich war eine Belastung der Vegetation zu erkennen
vermutlich Einflüsse auf die Brutplatzwahl von Alpenbraunelle, Mauerläufer, Turmfalke und Hausrotschwanz
Brutversuche von Alpendohle, Felsenschwalbe, Mauersegler und Schneefinken waren nicht zu beobachten
Wanderfalken zogen tiefer liegende Bereiche vor
Gemsen
Skibergsteigen
Tiere weichen kleinräumig aus
Äsungszeiten verkürzen sich geringfügig
nicht als bedenklich eingeschätzt