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Volk, H. (1993) Wintersport und Biotopschutz . Hat das Auerhuhn in Skilanglaufgebieten eine Chance?


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Skilanglauf

 

INHALT

Es werden die Auswirkungen des Skilanglaufs auf Auerwildbiotope untersucht.

Als Untersuchungsgebiet dient das Langlaufzentrum Notschrei im Südschwarzwald in der Umgebung der Stadt Freiburg, das unter den vergleichbaren Einrichtungen in der Region die höchsten Besucherzahlen je Winter aufweist.

An den Tagen mit der höchsten Besucherzahl einer Wintersaison sind maximal 700 bis 1.300 Läufer gleichzeitig auf der Spur. Sie verteilen sich auf jeweils 15-35 Loipenkilometer. Streckenabschnitte mit vergleichsweise höherer Besucherdichte sind die kürzeren Rundstrecken, die der Skiwanderer wählen kann. Auf dem Notschrei sind dies Strecken von 6 oder 9 km Länge.

Neben den Folgen, die von der gespurten Loipe auf das Auerhuhn ausgehen, ist das Auerhuhn Störungen durch Läufer ausgesetzt, die von den präparierten Spuren abweichen und querfeldein wandern.

Es werden Maßnahmen zur Verminderung der Belastungen und Störungen aufgezeigt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Schäden an der Vegetation oder an Bäumen treten durch Langläufer nur selten, eher durch die Spurgeräte auf. Aber diese lassen sich in engen Grenzen halten, wenn erst ab einer gewissen Mindestschneehöhe gespurt wird.

Die Anlage einer vielbegangenen Loipe bedeutet in manchen Fällen die Zerschneidung der Auerhuhnbiotope. Zur Entlastung des Auerwilds sollten Loipentrassen außerhalb von Altbeständen, die als Auerwildbiotop geeignet sind, gelegt werden.

Einzelne Spuren außerhalb der Loipe treten besonders häufig im Start und Zielbereich sowie an den Nebenzugängen zur Loipe hin auf. Bis auf wenige Ausnahmen folgen sie den vorhandenen Wegen oder Schneisen. Auch Abkürzungen zwischen Wegen oder von Wegen zur Loipe durch den Wald fanden sich in beschränkter Zahl. Spuren in wegeloses Gelände beschränken sich auf ganz wenige Ausnahmen. Die Störungen des Auerwildes dieser Art sind also ganz überwiegend eine Folge des vorhandenen Erschließungsnetzes und nur in Ausnahmefällen auf Skiindividualisten zurückzuführen.

Mehrere Spuren zusammen oder verspurtes Gelände, waren unerwartet häufig und in beträchtlicher Ausdehnung festzustellen. Dabei gibt es Bereiche, die verspurt sind, jedoch ohne Störwirkungen auf das Auerhuhn bleiben. Sie befinden sich in waldfreiem Gelände, in der Umgebung der Aussichtspunkte. Verspurte Bereiche, die ausschließlich auf Langläufer zurückzuführen sind , treten an Streckenabschnitten der Loipen auf, die räumlich eng beieinander liegen und manche Läufer zur Abkürzung veranlassen. Sie sind als nachteilig anzusehen, weil sie sich zum Teil gerade in den Altbeständen befinden, die als Auerhuhnbiotop geeignet sind.
Besonders ausgedehnt sind die verspurten Gebiete in der Umgebung der Lifte. Es handelt sich um Bereiche abseits der präparierten Piste, die von den alpinen Läufern aufgesucht werden, um im Tiefschnee abfahren zu können.

Eine vergleichende Wertung der Störeinflüsse durch den alpinen Skilauf einschließlich Tourenskilauf und den Langlauf veranlaßt zu der Vermutung, dass die großflächigen Waldteile, die als Tiefschneeabfahrten genutzt werden, noch stärkere Belastungsgebiete für das Auerhuhn sind als die flächigen Beunruhigungen durch den Skilangläufer

Der Waldbewirtschaftung kommt eine Schlüsselrolle für das Überleben des Auerhuhns zu. Die vorhandenen Auerwildbiotope sind an den Rändern zu erweitern.

Erzwungene Sperrungen von Bereichen zeigen keine Erfolge, wenn im Frühsommer während der Brutzeit eine Beunruhigung durch Wanderer stattfindet.

Zur Vermeidung von Eingriffen sind Loipen möglichst auf bestehenden Wegen anzulegen. Bei Loipen, die durch Moore oder Missen führen, ist es wichtig die Markierung am Ende der Skisaison zu entfernen, damit im schneefreien Zustand keine Nutzung des gefährdeten Bereichs durch Fußgänger eintritt.

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit läßt sich das Querfeldeinwandern von Skilangläufern möglicherweise verringern.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2070) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Langlaufzentrum Notschrei zwischen Schauinsland und Feldberg, Südschwarzwald, Baden-Württemberg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Geländekartierung der Skispuren, Besucherzählung

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Besucherzahl (Loipenzentrum gesamt)

Besucherzahl einzelner Tage,

Störeinflüsse (Skispuren)


EINWIRKUNGSDAUER

November bis März/April ganzjährig

 

EINWIRKUNGSART

Zerschneidung von Auerwildbiotopen durch die Anlage der Loipentrasse

Beunruhigung im loipennahen Bereich

Beunruhigung durch Skiwandern querfeldein

Lebensraumveränderungen, Flächenverluste und Beunruhigung durch anlagebedingte, sekundäre Wirkungen:

Dränage feuchter Stellen

Anlage von Parkplätzen

 

 

EINWIRKUNGSGRAD

Bei Nutzung vorhandener Wege gering.

Bei Trassenaufhieb im Wald vergleichbar der Anlage von Maschinenwegen im Wald.

Spitzenbelastung 700 bis 1.300 Langläufer maximal gleichzeitig auf der Spur

Flächenhafte Störung durch 10 bis maximal 30 Spuren über einen Zeitraum von drei Wochen.

 

TIERART

Auerhuhn

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Das Auerhuhn zieht sich aus dem loipennahen Bereich zurück.

Die Anlage einer vielbegangenen Loipe bedeutet in manchen Fällen die Zerschneidung der Auerhuhnbiotope

Beeinträchtigungen durch Langläufer, die die maschinell gespurte Loipe verlassen und querfeldein wandern:

Die Störungen treten zumeist in Bereichen auf, die vom Erholungsverkehr wenig belastet sind und dem Wild daher als Ruhezonen dienen können.