Bundesamt für Naturschutz

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Volk, H.; Suchant, R.; Roth, R.; Wossidlo, R. (1995) Die Integration von Wintersport, Erholung und Naturschutz im Wald


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Skilanglauf, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Für das Gebiet der höchsten Aussichtslagen im Mittleren Schwarzwald um den Rohrhardsberg und die Martinskapelle werden neue und beispielhafte Lösungen zum Ausgleich der Interessen von Wintersport, Tourismus, Wandererholung und Naturschutz gesucht. Das Untersuchungsgebiet umfaßt 21 km2. Es ist zu 79% bewaldet und auf der Restfläche teilweise noch extensiv landwirtschaftlich genutzt.
Die Studie bringt Ergebnisse zur Raumnutzung durch Sport und Erholung, ferner zur Eignung des Gebietes für die Rauhfußhühner Auer- und Haselhuhn sowie zur Ausstattung des Raumes mit schützenswerten Landschaftsteilen (Biotopen).
Als Grundlage für ein Maßnahmenprogramm zur Integration von Erholung, Landschaft und Naturschutz werden Vorschläge zur großflächigen Waldentwicklung, zur Besucherlenkung, zur Entwicklung des Wintersports und der Wandererholung sowie zur Jagd erarbeitet.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Zahl der Skilangläufer und damit das Ausmaß der Belastung und Störung nimmt im Spätwinter, in dem Wildtiere besonders störungsempfindlich sind, entscheidend ab.

Charakteristisch ist hinsichtlich des Verlaufs der Tagesfrequenzkurve von Skilangläufern an Sonntagen, dass die Stundenwerte um die Mittagszeit den Spitzenwert erreichen. Bei gutem Besuch treten sowohl sonntags wie werktags die Spitzenwerte pro Stunde zwischen 14.00 und 16.00 Uhr auf.

Für das Auerwild ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein ausreichendes Angebot an geeigneten Habitatbereichen vorhanden.

Beim Haselwild ist das Habitatangebot im Winter als sehr ungünstig zu bewerten.

Bei schlechter Deckung oder Äsung sind sehr hohe Randliniendichten von 150 lfdm/ha als negativ zu beurteilen, weil viele Randlinien auch als Wanderwege und/oder Loipen genutzt werden und damit potentielle Störquellen darstellen.

Zahlreiche Biotoptypen werden weder durch den Skilanglauf noch durch den Sommertourismus direkt beeinflußt. Den stärksten Einfluß kann die Erholungsnutzung auf schützenswerte Tierarten haben.

Die langfristige Erhaltung sowohl des Auerwildes als auch des Haselwildes erfordert in erster Linie die Verbesserung ihres Lebensraumes durch waldbauliche Maßnahmen.

Wegen der durchschnittlichen "Störschleppe" von 100m beidseits von Wegen sollte der Erholungsverkehr auf ein möglichst schmales Erholungsband konzentriert werden, um die beunruhigte Fläche möglichst klein zu halten. Der künftige Verlauf der Wanderwege orientiert sich am Verlauf der Loipen.

Kritisch gesehen wird der noch mögliche Schneetransport in schneearmen Wintern aus dem Kernbereich des ausgewiesenen Auerwild-Schutzgebietes sowie die Wildfütterung und die zurückhaltende Bejagung von Wildschweinen.

 

BEZUG/QUELLE

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Postfach 708, 79007 Freiburg

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 310) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Mittlerer Schwarzwald, Baden-Württemberg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Untersuchungen zum Erholungsaufkommen: Besucherzählungen- bzw. schätzungen (im Winter durch automatische, batteriebetriebene Lichtschranken, Vollzählungen, Kartierung des Abweichens der Läufer von der Loipe auf das ungespurte Gelände), Interviews, Erhebungen der Erholungsinfrastruktur),

Geländekartierungen: Waldbiotopkartierung, Habitat-Struktur-Kartierung,

Wildökologische Untersuchungen: örtliche Beobachtungen der Forstrevierleiter, systematische Zählung während der Balzzeit, Wetterdaten, phänologische Beobachtungen

Untersuchungszeitraum: Januar 1991 - März 1992

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

KW- bzw. Besucherzahlen

Besucheraufkommen auf den Loipen

Besucheraufkommen auf den Wanderwegen

Lebensraumqualität für Auerhuhn und Haselhuhn nach Habitatfaktoren:
- Randlinien: Länge und Ausprägung hinsichtlich Nahrungs- und Deckungsangebot
- Biotopausstattung nach Leitbiotoptypen

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Relative Abstufung des Aufkommens an Skilangläufern am Rohrhardsberg im Vergleich zum Loipenzentrum Notschrei und anderen Loipenzentren des Südschwarzwaldes (in % des Loipenzentrums Notschrei)

Loipenzentrum Winter 85/86 Winter 91/92
Notschrei 100 100
Hohtann/Beichen 53 -
Thurner 52 -
Rohrhardsberg/Martinskapelle 33 57

Entwicklung des Haselwildbestandes im Schwarzwald:

Zeitraum der Erhebung Autor Methodik und Erhebungszeitraum Ergebnis
1962 Leonhard (1964) Schätzung durch Forstämter
1 Jahr
794 Stück für Nordbaden
Tendenz 1962 bis 1971 Angaben nur bedingt möglich
1968-1971 Roth (1987) Befragung, Zusammenfassung von Beobachtungen
4 Jahre
400 Exemplare Schwarzwald = 400 Vorkommen
1984-1988 Asch, Müller (1989) Befragung, Zusammenfassung von Beobachtungen
5 Jahre
140 Reviere Schwarzwald = 140 Vorkommen
Tendenz 1971-1984/88 Abnahme von 400 Vorkommen auf 140
1991 Asch Befragung, Zusammenfassung von Beobachtungen
1 Jahr
43 Reviere Schwarzwald=43 Vorkommen
1992 Suchant Direktmeldung, Postkarte und Kontrolle
1 Jahr
44 Vorkommen Schwarzwald
1993 Suchant Direktmeldung, Postkarte und Kontrolle
1 Jahr
47 Vorkommen Schwarzwald
1991-1993 Suchant Zusammenfassung
3 Jahre
75 Vorkommen Schwarzwald
Tendenz 1984/88-1991/93 Abnahme von 140 Vorkommen auf 75

EINWIRKUNGSDAUER

Wintererholung: November bis März/April Wandererholung: Schneefreie Zeit. Spitzenbesuch im Herbst bei Inversionswetterlage. Fahrradfahren Häufig in frühen Morgenstunden, aber vor allem in späteren Abendstunden.

 

EINWIRKUNGSART

Unmittelbare Störung durchschnittlich 100 m beidseits von Wegen.

Lautloses, plötzliches Auftauchen zu Zeiten erhöhter Wildaktivität.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Kleinflächige Konzentrationen, Linienbelastung (Loipennetz)

Konzentration auf Haupterholungsachse mit weiteren Seitenwegen:

Intensiv besuchte Erholungsflächen (über 10 Personen/T/ha) auf 2 % der Untersuchungsfläche

Überdurchschnittliche Besucherwerte von 1-10 Personen pro Tag und Hektar an Tagen mit Spitzenbesuch auf 43 % der Fläche

Auf allen Wegen über 2 m Breite

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Auerhuhn Im Frühjahr werden Wegelinien trotz des Störungsrisikos bevorzugt von Auerhühnern aufgesucht (Möglichkeit der Aufnahme von Magensteinchen, attraktivere Äsung, mikroklimatische Unterschiede.)
Auerwild und Haselhuhn Fahradfahrer treten häufig zu Zeiten in Erscheinung, die bisher als Ruhezeiten galten: die frühen Morgenstunden , aber vor allem die späteren Abendstunden. Diese Dämmerungszeiten sind auch beim Wild die Zeiten erhöhter Aktivitäten, Störungen spielen daher eine größere Rolle. Schneetransport zur Präparierung von Sprungschanzen in schneearmen Wintern kann ein erheblicher Störfaktor sein, insbesondere wenn er aus bzw. durch Wildschutzgebiete(n) erfolgt.