Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Volk, H. (1981) Skilanglauf als Freizeitsport. Ein Beitrag zur Erforschung der Erholungsnutzung der Wälder


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Skilanglauf

 

INHALT

Die Untersuchung befaßt sich mit dem Skilanglauf als Freizeitnutzung waldreicher Freiräume. Durch Besucherzählungen auf ausgewählten Langlaufanlagen will sie einen Beitrag zur Bemessung der Erholungsnachfrage in den Wäldern leisten und grundlegende Erkenntnisse über den Skilanglauf als Form der Freizeitnutzung liefern. Im Wege einer Umfrage wurden Gewohnheiten, Ansichten und Wünsche der Läufer ermittelt.
Als Untersuchungsgebiet dient der Südliche Schwarzwald, der in Baden-Württemberg zu den schneesichersten Gebieten zählt. Gezählt und befragt wurde an den drei größten Anlagen des Südschwarzwaldes, am Notschrei, Belchen und Thurner. Diese Anlagen werden mit Loipen zweier bekannter Kur- und Wintersportorte (Hinterzarten, Altglashütten) verglichen, den sogenannten Kurloipen.
Während des Untersuchungswinters 1978/79 wurde das Besucheraufkommen und seine zeitliche Verteilung ermittelt.
Ein Verfahren zur Bestimmung der Laufbedingungen wird beschrieben. Darauf aufbauend werden Vorschläge gemacht, wie das gewonnene Grundlagenmaterial als Hilfsmittel zur Besucherschätzung weiter entwickelt werden kann.
Die umfangreichen Zählungen und die verfeinerte Zählmethode erlauben die eingehende Analyse der Tagesabläufe des Loipenbesuchs.
Neue Erkenntnisse brachte ferner die Auswertung der 4.770 Interviews.
Der Naherholungsraum der Loipen wurde daraufhin untersucht, aus welchen Teilräumen das Besucheraufkommen stammt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Mit Besucherzahlen von jeweils 32.000 bis 70.000 Besuchern, in besseren als dem Untersuchungswinter möglicherweise 70.000 bis 110.000 Besuchern, stellen die einzelnen Loipenzentren ausgeprägte Schwerpunkte der Naherholung dar. Ihre Besucherwerte liegen in der Größenordnung der Benutzerzahlen vielbesuchter Hallen- und Freibäder in Großstädten. Die Zahlen der Kurloipen sind geringer. Sie schwanken jeweils zwischen 7.000 und 17.000 Besuchern.

Am Sonntag ziehen die Loipen mit Abstand die meisten Besucher an. Die Spitzenbesucherzahlen liegen bei 2.200 Besuchern pro Tag. An Tagen mit Spitzenbesuch sind max. 30% der Tagesbesucher gleichzeitig auf der Loipe. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt etwa zwei Stunden. Im Hinblick auf mögliche Überfüllungserscheinungen muss man berücksichtigen, dass die maximale Belastung der Loipen keine Flächenbelastung wie bei vielen Einrichtungen der Sommererholung ist, sondern eine Linienbelastung. Darüber hinaus ist bedeutsam, dass es bei jeder Loipe Abschnitte erhöhter Belastung und solche mit geringer Besucherdichte gibt. Strecken großer Belastung sind der Start, steilere Anstiege und schwierige Abfahrten.

Nach ihren soziologischen Merkmalen bilden die Langläufer eine Bevölkerungsgruppe, die sich vom statistischen Durchschnitt der Bevölkerung unterscheidet:
Es laufen deutlich mehr Männer als Frauen auf den Loipen.
Die mittleren Altersgruppen von 30 bis 49 Jahren sind bei den Langläufern überdurchschnittlich stark vertreten, dagegen ist die Altersgruppe der über 60-Jährigen weit unter dem Durchschnitt besetzt.
Unter den Langläufern sind Arbeiter, Rentner und Hausfrauen deutlich weniger vertreten als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.
Auf den Kurloipen ist der Anteil der Frauen , der Anteil der über 60-Jährigen sowie der unter 15-Jährigen geringfügig höher.

Die Läufer der Loipenzentren kommen zu 80% aus dem Naherholungsraum (Anfahrt maximal etwa 1 Stunde oder 60 km). Bei den Kurloipen kommen nur 53% aus dem Naherholungsraum und 47% aus dem Fernerholungsraum.
Der Besuch auf den Loipen wird vor allem von den Schnee- und Wetterverhältnissen, der Motivation der Langläufer und der Erreichbarkeit der Loipen beeinflußt.
Die Erreichbarkeit der Loipen ist besonders an Tagen bedeutsam, an denen Schneefälle oder Glatteis die Verkehrsbedingungen beeinträchtigen.


Der Besuch auf den Kurloipen ist unter der Woche fast unabhängig von den äußeren Bedingungen.
Für alle Tage der Woche gilt, dass der Besuch während des Tages bei schlechten Laufbedingungen keine ausgeprägten Spitzen erreicht.
Wenn am Sonntag gute Laufbedingungen und hohe Besucherzahlen anzutreffen sind, erscheint die Besucherspitze mit den höchsten Tageswerten bereits zwischen 11.00 und 12.00 Uhr. Der Besuch läßt um die Mittagszeit nach und erreicht am Nachmittag zwischen 13.00 und 14.30 Uhr ein neues, allerdings deutlich niedrigeres Maximum als am Vormittag.
Dagegen wird am Samstag erst am Nachmittag der Spitzenwert des Tages erreicht, der deutlich höher liegt als am Vormittag. Wenn am Samstag Feiertag oder Ferien sind, kann sich der Tagesgang dem des Sonntags annähern.

Auf allen Loipen bilden jene Läufer die Mehrheit, die einmal oder zweimal in der Woche langlaufen.

Welche Streckenlänge von Läufern zurückgelegt wird, richtet sich dem jeweiligen Angebot: die Mehrheit benutzt nicht die kürzeste oder eine mittlere, sondern die längste der jeweils angebotenen Streckenvarianten.

Skilanglauf wird in Gruppen ausgeübt. 43 % der Läufer kommen mit der Familie, 32 % mit Bekannten, 3 % mit einem Verein und nur 22 % laufen allein.

Die enge Beziehung zwischen Skilanglauf und Fremdenverkehr wurde bestätigt.
In erster Linie gilt dies für die Kurloipen, deren Benutzer zu 40% Urlaubsgäste sind. Die Kurloipen beziehen ihre Urlaubsgäste aus der unmittelbaren Umgebung des Fremdenverkehrsortes, zu dem die Loipen gehören.
Der Ausstrahlungsbereich der Loipenzentren auf Orte, in denen Urlaubsgäste wohnen geht weit über die Entfernung hinaus, die für die Kurloipen gilt. Die mittleren Entfernungen liegen zwischen 14 und 20 km.
In Einzelfällen lassen sich die Auswirkungen sogar für einzelne Betriebe des Gaststättengewerbes aufzeigen.

31 % der Befragten lehnen einen Beitrag zu den hohen Unterhaltskosten der Loipen ab. Die Mehrzahl der Läufer, die sich für eine Kostenbeteiligung durch die Benutzer der Loipen aussprechen, hielte einen Betrag zwischen einer und zwei DM für angemessen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 303) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Loipenzentren Notschrei, Belchen und Thurner, Südlicher Schwarzwald, Baden-Württemberg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Während des Untersuchungswinters 1978/79 wurde das Besucheraufkommen und seine zeitliche Verteilung ermittelt.
Die Intensität der Nutzung auf den Loipen wurde durch die Indikatoren maximale und durchschnittliche Besucherzahl sowie die Zahl der gleichzeitig auf einer Loipe anwesenden Läufer bestimmt: Besucherzählung auf den Loipen im Viertelstunden-Intervall (Start-Zählung, Start-Ziel-Zählung, Zeitreihenanalyse,
Bestimmung der Laufbedingungen über die Erfassung der Wetterverhältnisse, der Schneehöhe und der Qualität der Spur,
Zielgebietsbefragung auf ausgewählten Loipen (Fragenbogen): 4.770 Interviews als repräsentative Stichprobennahme.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Einzugsbereiche der Loipenzentren
Geschlecht, Alter, Beruf der Langläufer
Zahl der Besucher im Winter 1978/79 /Loipe
Besucheraufkommen je Woche
Nutzungsintensität auf den Loipen
Laufbedingungen (Schneeverhältnisse, Wetterverhältnisse)
Abhängigkeiten der Besucherzahl von den Laufbedingungen
Tagesfrequenz (Loipenzentren, Kurzentren)
Verhaltensweisen der Läufer (Gründe für die Loipenauswahl, Häufigkeit des Loipenbesuchs, bevorzugte Streckenlängen, Laufen allein oder in der Gruppe)
Ansichten zur Beteiligung an den Unterhaltungskosten


EINWIRKUNGSDAUER

November bis März/April

 

EINWIRKUNGSART

Skilanglauf

 

EINWIRKUNGSGRAD

unspezifisch