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Sorace, Alberto; Visentin, Marta (2007) Avian diversity on golf courses and surrounding landscapes in Italy


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Der sich wachsender Beliebtheit erfreuende Golfsport nimmt weltweit zunehmend mehr Land durch die Anlage von Golfplätzen in Anspruch. Anhand von Untersuchungen des Vogelvorkommens auf mehreren Golfplätzen in Italien prüfen die Autoren, ob und unter welchen Bedingungen diese Plätze einen Beitrag zum Artenschutz und zur Bereicherung der lokalen Artenvielfalt leisten können.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Für schutzrelevante Vogelarten, die sehr einschränkende Lebensraumbedürfnisse haben und nur eine geringe Toleranz gegenüber Störungen zeigen, scheint Golfplätzen nur eine geringe Rolle hinsichtlich ihres Vorkommens zuzukommen. Allerdings kann durch einen hohen Waldanteil auf den Plätzen die Vielfalt solcher Arten gesteigert werden, die empfindlich auf die Zerschneidung ihres Lebensraumes Wald reagieren. Insbesondere auf stark durch Menschen umgewandelten städtischen oder landwirtschaftlichen Flächen kann die Anlage eines Golfplatzes mit umfangreichen Waldgebieten die lokale Vielfalt an Vogelgemeinschaften positiv beeinflussen. Um den naturschutzfachlichen Wert von Golfplätzen zu steigern bzw. den Wert der Ausgangslandschaft zu erhalten, sollte bei der Anlage ein möglichst hoher Anteil von naturnahen, extensiv gepflegten Bereichen den intensiv gepflegten Turfrasen gegenüberstehen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3041) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Untersuchungen fanden auf insgesamt 23 Golfplätzen im Flach- und Hügelland (unterhalb von 400 Metern über NN) Italiens statt. Jeder der Plätze wurde eingangs hinsichtlich des Anteils verschiedener Lebensräume (Turf Gras, Wälder und Büsche, unkultivierte Bereiche und Feuchtgebiete) charakterisiert.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Qualitative und quantitative Bestimmung der auf den Golfplätzen vorkommenden Vogelarten unter Berücksichtigung der verschiedenen Lebensräume anhand mehrmaliger Zählungen entlang festgelegter Transekte (qualitative Untersuchung) oder anhand mehrmaliger Punktzählungen (quantitative Untersuchung). Besonderes Augenmerk wurde dabei auf Vogelarten mit europäischer Schutzrelevanz (Rote Liste Arten, SPEC-Arten) und insbesondere Brutvogelarten gelegt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Qualitative Untersuchung auf 20 Golfplätzen anhand der Bestimmung des Vorkommens verschiedener Vogelarten. Diese wurden nach ihren Lebensraumbedürfnissen in ökologische Gruppen eingeteilt. Anschließender Vergleich mit gesamtitalienischen Daten zum Vogelvorkommen auf städtischen und landwirtschaftlichen Flächen.


Quantitative Untersuchung auf den übrigen drei Plätzen anhand der zusätzlich durchgeführten Bestimmung der Anzahl von Individuen. Anschließender Vergleich mit den direkt angrenzenden städtischen und landwirtschaftlichen Flächen.


KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Qualitative Untersuchung:
Die Daten wurden zwischen Mitte Mai und Ende Juni der Jahre 2000 und 2001 erhoben, da so die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme von nicht brütenden Zugvögeln stark reduziert werden konnte.


Quantitative Untersuchung:
Die Daten wurden zwischen Mitte Mai und Anfang Juni des Jahres 2001 erhoben. Außerdem wurde jeweils die Anzahl an gesichteten Räubern/Feinden (Schlangen, Greifvögel, Krähen sowie Katzen, Hunde, Füchse und Marder) notiert.


EINWIRKUNGSART

Umstrukturierung der Landschaft

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Qualitative Untersuchung Insgesamt konnten 59 Vogelarten auf den Golfplätzen festgestellt werden, davon waren 19 von europäischer Schutzrelevanz. Der Vergleich mit gesamtitalienischen Daten ergab eine Übereinstimmung in der Anzahl von Arten der Feldkanten und Kulturfolger sowie der auf Totholz lebenden Arten. Auf den Golfplätzen wurden im Vergleich aber weniger Arten der offenen Landschaft und weniger empfindlich auf die Zerschneidung ihres Lebensraumes Wald reagierender Arten sowie weniger mediterrane Arten und Greifvögel registriert.
Quantitative Untersuchung Im Vergleich zur umliegenden Landschaft konnten auf den drei Golfplätzen höhere Werte für die gesamte Anzahl an Vogelarten, für die Anzahl von schutzrelevanten Arten und für die Anzahl von Waldspezialisten festgestellt werden. Auf zwei Plätzen konnten des Weiteren deutlich mehr Nesträuber registriert werden.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Autoren führen verschiedene Studien an, die ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass Golfplätzen unter bestimmten Bedingungen hinsichtlich ihrer Lebensraumausstattung und Lebensraumgestaltung einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt haben können (siehe dazu auch: Schlussfolgerungen des/der Autor(inn)en).