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Schneider-Jacoby, Martin (2001) Auswirkung der Jagd auf Wasservögel und die Bedeutung von Ruhezonen


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Jagd, Wassersport

 

INHALT

Feuchtgebiete und Wasserflächen stehen oftmals unter hohem freizeitlichem Nutzungsdruck, welcher die Eignung der Gewässer als Lebensraum für Wasservögel stark einschränkt. Anhand verschiedener Studien werden die allgemeinen Störeinwirkungen von Wassersport und Jagd auf Wasservögel vorgestellt und Beispiele eines vorhandenen und eines notwendigen Schutzkonzeptes vorgestellt.

Die Arbeit ist die schriftliche Fassung eines Vortrages, der zusammen mit weiteren Vorträgen in einem Sammelband zu den Veranstaltungen "Ökologiesymposium Störungsökologie" am 25. November 2001 in Starnberg und "Wer macht unsere Wildtiere so scheu?" am 20. und 21. September 1999 in Pullach veröffentlicht wurde.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insbesondere wichtige Flachwasserzonen werden durch den wassersportlichen Freizeitbetrieb von Wasservögeln gemieden. Jagd verstärkt die Störung zusätzlich, da Vögel verscheucht werden und deutlich größere Fluchtdistanzen auch gegenüber „Nicht-Jägern" zeigen.

Das Beispiel des Bodensees zeigt aber anhand des Kolbenentenvorkommens, wie sich ganzjährige und periodische Ruhezonen sowie die Einschränkung der Jagdaktivitäten positiv auf die Bestandsentwicklung von Wasservögeln auswirken können. Wichtige Flachwasserzonen sind als Schutzzonen mit Bojen gekennzeichnet und werden von den Vögeln wieder verstärkt genutzt. Auch konnte in Teilbereichen mit ganzjährigem Jagdverbot eine Verringerung der Fluchtdistanz von großen Vogelansammlungen von 500 auf 50 Meter beobachtet werden und somit sogar eine Erhöhung der wassersportlichen Nutzung durch das Jagdverbot kompensiert werden.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3029) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Literaturstudie bezieht sich allgemein auf Feuchtgebiete, ein konkretes Schutzzonenmanagement wird am Beispiel des Bodensees vorgestellt und Empfehlungen für den Starnberger See ausgesprochen.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zusammenfassung verschiedener Studien, die sich mit dem Einfluss von Störungen durch Freizeitnutzung und insbesondere Wassersport sowie der Jagd auf den Lebensraum von Wasservögeln im Allgemein und während der Brut-, Mauser-, Zugzeiten und Überwinterung im Speziellen befassen.
Anschließend wird am Beispiel des Kolbenentenvorkommens am Bodensee gezeigt, wie der langfristige Schutz von geeigneten Lebensräumen zu einer Verbesserung als Brut- und Wintergebiet für Wasservögel führen kann und wie ein entsprechendes Zonierungs- und Schutzkonzept am Starnberger See aussehen könnte.

 


BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Wie bzw. in welchem Ausmaß werden geeignete Lebensräume durch Freizeitnutzung und Jagd blockiert oder sogar zerstört und wie ändert sich die Fluchtverhalten der Wasservögel?


EINWIRKUNGSART

Akustische, visuelle und physische Einwirkung durch Wassersport und Jagd.

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Wasservögel und Wassersport Durch Wassersport wird die Nutzung von für Wasservögel wichtigen Seeteilen oftmals stark eingeschränkt. Die verschiedenen Wassersportarten nutzen außerdem jeweils unterschiedliche ökologische Nischen auf den Gewässern:
Während Segler überwiegend offene Seeflächen nutzen, sind Kanus und Paddelboote vor allem auf Fließgewässern und in den ökologisch besonders wertvollen Ufer- und Flachwasserzonen zu finden. Motorbootfahrer suchen gerne naturnahe Buchten zum Baden oder Übernachten auf.
Wasservögel und Jagd Direkte Auswirkungen:
Die Jagd verdrängt Vögel von Seen und Feuchtgebieten. Die Kapazität als Rastplatz für Wasservögel liegt bei bejagten Gebieten um 80 bis 90% unter der Kapazität in unbejagten Gebieten.
Indirekte Auswirkungen:
Fluchtdistanzen sind in bejagten Gebieten auch gegenüber Nicht-Jägern fünf- bis zehnmal größer als in Gebieten mit Jagdverbot

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Aussagen über Störeffekte von Wassersport und Jagd auf Wasservögel stützen sich auf zahlreiche Studien, die allgemeine Auswirkungen in Form von unterbrochenen Ruhezeiten, beschränkter Nahrungsaufnahme und Einschränkung des Lebensraumes in Feuchtgebieten aufzeigen.