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Stiebel, Holger (2000) Auswirkungen des Golfplatzes bei Waldeck (Nordhessen) auf den Brutvogelbestand einer reich strukturierten Kulturlandschaft


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Boomender Golfsport und insbesondere die Anlage immer weiterer Golfplätze führen auch vermehrt zu Konflikten mit naturschutzfachlichen Interessen. Zum einen werden neue Plätze häufig in nicht nur landschaftlich attraktiven sondern auch ökologisch wertvollen Gebieten angelegt, zum anderen nehmen sie große Flächen in Anspruch.
Zur Beurteilung der ökologischen Auswirkungen von Golfplätzen lassen sich sehr gut Vogelvorkommen heranziehen, da sie leicht erforschbar sind und gute Rückschlüsse über den Zustand eines Gebietes zulassen. Allerdings fehlen in der bestehenden Literatur weitgehend Studien, die Vogelvorkommen vor und nach einer Neuanlage eines Golfplatzes beschreiben. Am Golfplatzes Waldeck in Nordhessen konnten im Rahmen dieser Studie aufgrund bereist bestehender Daten von vor der Anlage Vergleichsuntersuchungen zur Entwicklung des Brutvogelvorkommens durchgeführt werden.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insgesamt ließ sich eine positive Entwicklung des Brutvogelbestandes feststellen. Ein extensiv bespielter Golfplatz kann demnach durchaus die Situation für bestimmte Vogelarten im Vergleich zu strukturarmen Ackerflächen verbessern. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich aber auch gewisse Regeln ableiten, deren Beachtung für solch eine positive Entwicklung nötig ist:

  • Zu ornithologisch wertvollen Strukturen sollten ausreichend große, nicht bespielbare Pufferzonen geschaffen werden
  • Bestehende Hecken und Feldgehölze dürfen nicht entfernt werden
  • Das Verhältnis von Hard-Roughs, also extensiv genutzten und nur selten gemähten Wiesen, zu Spielbahnen sollte möglichst groß sein. Diese Hard-Roughs dürfen außerdem erst nach der Brutzeit gemäht werden
  • Flächen mit intakten Bodenbrütervorkommen oder Vorkommen störungsempfindlicher Arten sind nicht als Golfplatzstandorte geeignet
  • Für einige bestandsbedrohte Bodenbrüter scheint die Umstrukturierung von Äckern in Hard-Roughs günstig zu sein. Wenn weithin offene Flächen dabei nur sparsam oder gar nicht mit Gehölzen bepflanzt werden, kann auch typischen Offenlandarten, wie der Feldlerche, ein günstiger Lebensraum geschaffen werden
  • Große Zuschauermengen sollten nur nach der Brutzeit oder auf sehr eng umgrenzten Flächen zugelassen werden
  • Auf den Einsatz von Dünger auf Extensivflächen sollte verzichtet werden, um die Entwicklung von mageren Rasen zu fördern

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3009) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Untersuchungsgebiet war der 82 ha große Golfplatz bei Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Nordhessen.
Vor der Anlage des Golfplatzes im Jahr 1994 prägten ausgedehnte Ackerflächen auf einer flachwelligen Hoch- und Hangfläche mit einzelnen, gut ausgeprägten Hecken das Landschaftsbild. Bei der Anlage des Golfplatzes blieben alle Gehölze unangetastet, Äcker wurden in Rasenflächen umgewandelt. Dabei ist der Anteil von so genannten Hard-Roughs, also Bereichen, die nur einmal jährlich gemäht werden, mit über 50 % vergleichsweise hoch. In einem Tal am Rand des Platzes liegt eine von Naturschutzverbänden angestrebte, nicht bespielte Pufferzone, die durch Hecken, Feldgehölze, Trocken- und Halbtrockenrasen, Geländehohlen, Zechsteinfelsen und Ruderalflächen reich strukturiert ist.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Bestehende Ergebnisse aus Revierkartierungen vor der Anlage des Golfplatzes aus dem Jahr 1990 wurden mit neuen Revierkartierungen aus dem Jahr 1999 verglichen. In beiden Jahren wurden zwischen Anfang Mai und Anfang August je 17 Begehungen mit jeweils insgesamt 54 Stunden Zeitaufwand sowie je drei einstündige Nachtkontrollen durchgeführt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung des Brutvogelbestandes zwischen beiden Untersuchungsjahren anhand von Paaren/Revieren und Artenanzahl.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Bei einem Vergleich von nur zwei Brutperioden können Bestandsveränderungen auch aufgrund natürlicher Fluktuation bestehen und müssen somit nicht zwangsläufig aus ökologischen Veränderungen des Gebietes resultieren. Deswegen wurde zur Minimierung von Fehlinterpretationen hinsichtlich der Vogelbestandsveränderungen zwischen kleineren und größeren Bestandsunterschieden differenziert. Größere Unterschiede beruhen dabei mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit auf natürlichen Fluktuationen und werden somit im Rahmen dieser Studie als aussagefähige Ergebnisse herangezogen:

  • Größere Bestandserhöhung: Erhöhung um mindestens das Doppelte (bei einem Ausgangsbestand von nur einem Brutpaar/Revier um mindestens das Dreifache) oder von null auf mindestens zwei Brutpaare
  • Größere Bestandsverringerung: Verringerung um mindestens die Hälfte (wenn der Anfangsbestand größer als zwei Brutpaare/Revier war) oder von zwei auf null

Des Weiteren wurden zum Vergleich Bestandserfassungen aus der Region herangezogen. Zur naturschutzfachlichen Bewertung wurden im Wesentlichen drei weitere Ansätze angewandt:

1. Bewertung nach ökologischen Gilden

2. Bewertung nach Rote-Liste-Arten

3. Bewertung nach Leitarten


EINWIRKUNGSDAUER

Die zweite Revierkartierung wurde ca. fünf Jahre nach der Anlage des Golfplatzes Waldeck durchgeführt.

 

EINWIRKUNGSART

Umstrukturierung des Lebensraumes

 

EINWIRKUNGSGRAD

Insgesamt ließ sich eine positive Entwicklung des Brutvogelbestandes feststellen.

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Golfplatz: Paare/Revier Erhöhung des Bestandes um 29 % von 56 auf 72 Paare/Revier
Golfplatz: Artenanzahl Erhöhung des Bestandes um 41 % von 17 auf 24 Arten
Golfplatz: Verschwundene Brutvogelarten Wachtel, Turteltaube, Feldsperling
Golfplatz: Neu hinzugekommene Brutvogelarten Insgesamt zehn, darunter Rebhuhn, Bachstelze, Wiesenpieper, Neuntöter, Nachtigall
Pufferzone: Paare/Revier Erhöhung des Bestandes um 17 % von 77 auf 90 Paare/Revier
Pufferzone: Artenanzahl Erhöhung des Bestandes um 3 % von 32 auf 33 Arten
Pufferzone: Verschwundene Brutvogelarten Waldohreule, Feldlerche, Sommergoldhähnchen
Pufferzone: Neu hinzugekommene Brutvogelarten Turmfalke, Rebhuhn, Wintergoldhähnchen, Weidenmeise

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Der Golfplatz Waldeck kann als gelungener Kompromiss zwischen Naturschutzinteressen und Golfsport angesehen werden. Bei Beachtung gewisser Regeln (siehe dazu Inhalt: Schlussfolgerungen des/der Autor(in)en) kann ein extensiv bespielter Golfplatz durchaus die Situation für bestimmte Vogelarten im Vergleich zu strukturarmen Ackerflächen verbessern.

 

BEMERKUNGEN

Die positive Entwicklung auf dem Golfplatz ist hauptsächlich in der Zunahme von bodenbrütenden Vögeln und von Vögeln, die Wirbellose am Boden erbeuten, zu begründen. In dieser Artengruppe finden sich mehrere Arten, die regional in ihrer Anzahl abgenommen, auf dem Golfplatz aber zugenommen haben.
Die positive Entwicklung in der unbespielten Pufferzone ist hauptsächlich durch die Zunahme von in Büschen oder in krautiger Vegetation brütender Vogelarten bedingt.