Bundesamt für Naturschutz

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Schorr, Martin (2000) Störungsökologische Wirkungen von Bootsportaktivitäten auf Fließgewässer-Libellen - dargestellt am Beispiel der Wieslauter (Pfälzerwald, Rheinland-Pfalz)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Kanu, Kajak

 

INHALT

1998 wurde für die Wieslauter eine Regelung des Gemeingebrauchs durch Kanuten aufgrund vorangegangener Konflikte zwischen Kanuten, Anliegern und Belangen des Arten- und Biotopschutzes herbeigeführt. Der Autor fasst den odonatologischen Wissensstand unter störungsökologischen Aspekten zusammen und zeigt die argumentative Begründung, welche zu einer Nutzungsregelung der Wieslauter durch Kanuten geführt hat, auf.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Der Autor kommt zu dem Fazit, dass allgemeine, tragfähige und nachhaltige Lösungen zur Konfliktminimierung zwischen Bootsport einerseits und Naturschutz andererseits auf folgenden vier Sachebenen entwickelt werden sollten:

  • Die Ermittlung von Räumen bzw. Fließgewässern mit besonderer Bedeutung für den Naturschutz („Tabu-Gewässer“)
  • Die Ermittlung von Räumen ohne Bedeutung für den Naturschutz
  • Die Erarbeitung von einzelfallbezogenen und rechtlich differenzierten Regelungen von Art, Umfang und Ort der Nutzung (Gemeingebrauchsregelungen). Dies gälte v. a. für solche Gewässer, die nicht eindeutig als „Tabu-Gewässer“ oder Gewässer ohne Bedeutung für den Naturschutz klassifiziert werden können
  • Die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen, die Konflikte zwischen bootsportlicher Nutzung und den biotischen Potenzialen eines Fließgewässers gewässer- und populationsbezogen analysiert

Des Weiteren geht der Autor davon aus, dass eine Nutzungsentflechtung zum Schutz von Fließgewässern und ihren Arten vor Störungen unabdingbar ist. Die Europäische Bedeutung der Wieslauter erfordert aus Arten- Biotopschutzgründen eine strenge Regelung des Gemeingebrauchs für Wassersportaktivitäten.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2973) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die im Pfälzerwald verlaufende Wieslauter, ein Fließgewässer mit europaweiter Bedeutung in Bezug auf die Libellenkunde, in Rheinland-Pfalz.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zusammenfassung des Wissenstandes in Bezug auf Gefährdungssituation, Bedeutung der Fließgewässer im Pfälzerwald und Lebensräume von Fließgewässerlibellenarten sowie Anpassung der Libellenlarven an ihren Lebensraum im Fließgewässer und potenzielle Konflikte zwischen Schutz von Fließgewässerinsekten und Bootsport.


EINWIRKUNGSDAUER

Schwerpunkt Mai bis Oktober
Flüge zwischen 9.00 und 17.00 Uhr

EINWIRKUNGSART

optischer Reiz am Himmel

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedliche Flughöhe, -art, -route, unterschiedlich dicht aufeinanderfolgende HG

 

TIERART

Gämse

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Unmittelbare Reaktion:

Weibliche Gemsen reagierten in allen Gebieten stark auf Paragleiter. Die Reaktion männlicher Tiere war im allgemeinen schwächer und reichte von so gut wie keiner Reaktion bis zu Flucht über weite Strecken. Beide Geschlechter bevorzugen als Fluchtort bei Flugbetrieb Waldbestände. Fluchtverhalten: Weibliche Tiere reagieren fast immer mit Flucht (in 47 der 54 Fälle), wobei sich die Fluchtdistanzen innerhalb und zwischen den Untersuchungsgebieten unterschieden. Die mittlere Fluchtdistanz betrug 450 m in intensiv, 460 m in regelmäßig, und 780 m in sporadisch beflogenem Gebiet. Die maximale Fluchtdistanz betrug 800-900 m. Flugroute bzw. die relative Höhe zwischen Paragleiter und Gemse, Nähe zu Wald und Flugfrequenz hatten signifikante Auswirkungen auf die Fluchtdistanz. Die stärksten Fluchtreaktionen erfolgten im sporadisch beflogenen Untersuchungsgebiet, intensiv und regelmäßig beflogene Gebiete unterschieden sich nicht. Bei allen 3 Flugfrequenzen erfolgten aber starke Fluchtreaktionen, wenn von Wald entfernte Tiere überflogen wurden. Überflüge und große Entfernung zu Wald erhöhten die Fluchtdistanz (besonders bei Überflügen war die Distanz zu Wald ausschlaggebend). In allen Fällen, in denen die Tiere nicht reagierten, befanden sie sich in der Nähe von Wald und es handelte sich um einen Passierflug. Wald wurde Felsen als Fluchtort klar vorgezogen, Fluchtwege dorthin betrugen zwischen 10 und 800 m.

 

BEMERKUNGEN

Die Arbeit ist der publizierte Teil der Dissertation von Reinhard Schnidrig-Petrig (1994): Modern icarus in wildlife habitat: effects of paragliding on behaviour, habitat use and body condition of chamois.