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Schnidrig-Petrig, Reinhard; Ingold, Paul (2001) Effects of paragliding on alpine chamois Rupicapra rupicapra rupicapra


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport

 

INHALT

We studied the influence of paragliding flying activity on female chamois Rupicapra r. rupicapra behaviour and distribution in four areas in the Swiss Alps. We observed chamois as they were overflown by co-operative pilots on controlled routes. Female chamois fled at great distances (up to a maximum of 900 m) in all areas and sought refuge within forest cover after paragliders appeared. Escape distances were larger when paragliders appeared over the animals than when they appeared at about the same heights, and were shorter when chamois were closer to forest cover than when they were in open alpine meadows above the timberline. Colour of the paragliders, distance to rocks, and group size did not affect the reactions of the chamois. In areas with regular paragliding, chamois moved away from the air traffic and eventually disappeared into the forest, and did so earlier with increasing flying activity. The chamois stayed within forest cover longer with increased duration of paragliding off the normal flight path. In an area with only sporadic paragliding, chamois sought refuge within the forest for up to four hours after single paraglider fly-overs. In an area with no paragliding, chamois stayed in the pastures and rocks above the treeline all day.
Key words: Alps, chamois, disturbance, escape distances, habitat use, paragliding, Rupicapra rupicapra rupicapra, ungulates


SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

This study provides a basis for the development of control measures for paragliding in certain areas.

BEZUG/QUELLE

Prof. Paul Ingold
Färichweg 1
CH-3038 Kirchlindach
paul.ingold@gmx.ch


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Berner Alpen, Schweiz
Gebiete: Kandersteg 550 ha (intensiv beflogen), Niesen 400 ha (regelmäßig, aber weniger intensiv beflogen), Augstmatthorn 500 ha (sporadisch beflogen), Doldenhorn (noch keine Befliegungen beobachtet).
Alle Untersuchungsgebiete waren durch alpine Weiden (Ausnahme Doldenhorn), Geröllhalden und Felsen (oberhalb der Baumzone in 1300-2800 m Höhe) sowie Fichten- und Weißtannenbestände geprägt;
Wander-, Verkehrs- und Siedlungsinfrastruktur befanden sich in der Nähe.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zufallsbeobachtungen und Versuchsanordnungen mit abgesprochenen HG-Flügen; Höhe und Position der Paragleiter wurden mit Hilfe eines Inclinometers bestimmt; Untersuchungszeitraum: Juni-Oktober 1990, 1991, 1992

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

unmittelbare Reaktion, Raumnutzung,
Flugfrequenz
Flughöhe, -art, -route
Fluchtort und Entfernung dazu
Farbe des Paragleiters (hatte keine Auswirkungen)
Gruppengröße (hatte keine Auswirkungen)
Jahreszeit


KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zu allen Gebieten sind Raumstrukturen, andere Belastungsfaktoren, Beginn, Frequenz und Ausübungszeiten des Hängegleitens und anderer Belastungsfaktoren, Flugrouten und -zeiten, Größe, Zusammensetzung, Raumnutzung und Sozialverhalten der Population sowie andere vorkommender Tiergruppen erfaßt worden.


EINWIRKUNGSDAUER

Schwerpunkt Mai bis Oktober
Flüge zwischen 9.00 und 17.00 Uhr

EINWIRKUNGSART

optischer Reiz am Himmel

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedliche Flughöhe, -art, -route, unterschiedlich dicht aufeinanderfolgende HG

 

TIERART

Gämse

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Unmittelbare Reaktion:
Weibliche Gemsen reagierten in allen Gebieten stark auf Paragleiter.
Die Reaktion männlicher Tiere war im allgemeinen schwächer und reichte von so gut wie keiner Reaktion bis zu Flucht über weite Strecken.
Beide Geschlechter bevorzugen als Fluchtort bei Flugbetrieb Waldbestände.
Fluchtverhalten:
Weibliche Tiere reagieren fast immer mit Flucht (in 47 der 54 Fälle), wobei sich die Fluchtdistanzen innerhalb und zwischen den Untersuchungsgebieten unterschieden.
Die mittlere Fluchtdistanz betrug 450 m in intensiv, 460 m in regelmäßig, und 780 m in sporadisch beflogenem Gebiet. Die maximale Fluchtdistanz betrug 800-900 m.
Flugroute bzw. die relative Höhe zwischen Paragleiter und Gemse, Nähe zu Wald und Flugfrequenz hatten signifikante Auswirkungen auf die Fluchtdistanz.
Die stärksten Fluchtreaktionen erfolgten im sporadisch beflogenen Untersuchungsgebiet, intensiv und regelmäßig beflogene Gebiete unterschieden sich nicht.
Bei allen 3 Flugfrequenzen erfolgten aber starke Fluchtreaktionen, wenn von Wald entfernte Tiere überflogen wurden.
Überflüge und große Entfernung zu Wald erhöhten die Fluchtdistanz (besonders bei Überflügen war die Distanz zu Wald ausschlaggebend).
In allen Fällen, in denen die Tiere nicht reagierten, befanden sie sich in der Nähe von Wald und es handelte sich um einen Passierflug.
Wald wurde Felsen als Fluchtort klar vorgezogen, Fluchtwege dorthin betrugen zwischen 10 und 800 m.