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Sommer, Reto (2002) Gebietsnutzung von weiblichen und männlichen Gämsen (Rupicapra rup. rupicapra) unter verschiedenen Umgebungsbedingungen am Männlichen (Berner Oberland)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Motorflug

 

INHALT

Die vorliegende Studie wurde vom 5. Dezember 2000 bis zum 12.Mai 2001 am Männlichen (Berner Oberland) durchgeführt. Dabei sollte untersucht werden, wie stark die Gämsgeissen und –böcke die verschiedenen Bereiche der subalpinen Weiden (Übergangszonen vom Wald zum Offenen, Jungwuchsflächen im Offenen, offenes Gebiet) nutzen, wie sie dabei junge Bäume verbeissen und inwieweit Flugbetrieb und andere Faktoren (Schneebedeckungsgrad, Wetter- und Klimafaktoren) den Aufenthalt der Tiere oberhalb der Waldgrenze beeinflussen. Im weiteren wurde geprüft, inwieweit sich die Geissen und Böcke in unterschiedlichen Höhenlagen aufhalten und ob sich diesbezüglich Änderungen im Tagesverlauf ergeben.

Von zwei Beobachtungsstandorten auf dem Grat wurden Daten mit der Methode des Scan- Sampling (15-Minuten- und 3-Stunden-Intervall) und der Focustierbeobachtung an markierten, z.T. auch an unmarkierten Gämsen aufgenommen. Dreimal pro Tag wurde der Schneebedeckungsgrad im Untersuchungsgebiet erhoben. Von verschiedenen Messstationen (Arbeitsgruppe Ethologie und Naturschutz, SLF, Observatorium Davos) standen Daten zum Wetter und Klima zur Verfügung. Weiter wurden sämtlich Luftfahrzeuge erfasst, welche das Untersuchungsgebiet in einem definierten Raum überflogen.
Höhenverteilung und Habitatnutzung wurden mittels Kolmogorov-Smirnov-Test (bei ungleicher Verteilung der Daten für Geissen und Böcke) oder Mann-Whitney-U-Test (bei gleicher Verteilung) und z.T. mit dem Wilcoxon-Test für verbundene Stichproben analysiert. Um die Nutzung der subalpinen Weiden in Abhängigkeit der verschiedenen Umgebungsfaktoren zu analysieren, wurden multiple Regressionsmodelle erstellt.

Es zeigte sich, dass Geissen und Böcke im Mittel in ähnlichen Höhenlagen vorkamen, zwischen den Böcken jedoch erhebliche individuelle Unterschiede auftraten. Die Geissen, nicht aber die Böcke, führten im Verlauf des Tages ausgeprägte Bewegungen in tiefere Lagen aus. Geissen und Böcke hielten sich zu ähnlichen Anteilen im Offenen, in den Jungwuchsflächen und den Übergangszonen auf, allerdings zeigten die einzelnen Böcke wiederum erhebliche individuelle Unterschiede. Auch bezüglich Äsen bestand kein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die durch Verbiss erheblich belasteten Übergangszonen vom Wald zum Offenen wurden etwa doppelt so stark von Geissen als von Böcken genutzt. Diese Differenz beruhte allerdings weder auf einem unterschiedlichem Anteil äsender Tiere, noch auf einem unterschiedlichen Äsanteil an der Gesamtaktivität (als Mass der Äsintensität), sondern allein darauf, dass rund doppelt so viele Geissen als Böcke sich in den Übergangszonen aufhielten. Weil aber die Böcke häufiger als die Geissen Teile von jungen Bäumen abbissen, tragen sie vermutlich dennoch stärker als die Geissen zum Verbiss bei.
Der Schneebedeckungsgrad am Morgen, die mittlere Windgeschwindigkeit in der Nacht sowie die Interaktion Windgeschwindigkeit*Temperatur hatten einen Einfluss auf die Zahl der Gämsen am Morgen oberhalb der Waldgrenze. Bei hohem Schneebedeckungsgrad und zunehmender Windgeschwindigkeit hatte es weniger Tiere. Viele Tiere hielten sich dann offenbar im Wald auf. Betrachtet man die Geschlechter je für sich, hatte auf die Zahl der Geissen der Schneebedeckungsgrad und die Interaktion Windgeschwindigkeit*Temperatur einen entsprechenden Einfluss, auf die Zahl der Böcke neben dem Schneebedeckungsrad die mittlere Windgeschwindigkeit.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Der Schneebedeckungsgrad, die tägliche mittlere Windgeschwindigkeit und die tägliche mittlere kurzwellige Strahlung hatten ebenfalls einen Einfluss auf die Zahl der Gämsen, die sich am Nachmittag in den subalpinen Weiden aufhielten. Alle drei Faktoren hatten mit zunehmenden Wert eine geringere Anzahl sichtbarer Tiere zur Folge. Für den Flugbetrieb war kein Einfluss nachzuweisen, was eher überraschend war.

 

BEZUG/QUELLE

Dr. Andreas Boldt
WildARK
Tillierstrasse 6a
CH-3005 Bern
andreas.boldt@wildark.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2927) sortiert.
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UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Männlichen, Berner Oberland, Schweiz