Bundesamt für Naturschutz

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Sossinka, Roland; Niemann, Jutta (1994) Störungen von Entenvögeln durch Hubschrauber nach Untersuchungen an der Weserstaustufe Schlüsselburg


SPORTARTEN

Luftsport, Motorflug

 

INHALT

Im international bedeutsamen Feuchtgebiet „Weserstaustufe Schlüsselburg" (Nordrhein-Westfalen) wurde der Effekt von Hubschrauberüberflügen auf rastende Wasservögel erfasst. Durch Vergleich der Verhaltensweisen überflogener und nicht überflogener Vogelgruppen konnte der Störbegriff operationalisiert und objektiviert werden.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Folgende Variabeln konnten als reaktionsbestimmende Größen bestimmt werden: die Vogelart, die Saison, die horizontale Distanz, die Flughöhe und der Flugzeugtyp (und damit Lautstärke, Größe und Geschwindigkeit). Besonders Flughöhen unter 300 m waren reaktionsauslösend.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Untersuchungsgebiet ist das Feuchtgebiet „Weserstaustufe Schüsselburg" in Nordrhein-Westfalen, das seit 1983 als Lebensraum für Wat- und Wasservögel bei der International Union for the Conversation of Nature gemäß der RAMSAR-Convention gemeldet ist.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

An verschiedenen Stellen in den Kernschutzgebieten wurde von getarnten Ansitzen aus das Verhalten der Vögel zu verschiedenen Zeitpunkten mittels Videoaufzeichnung quantitativ bestimmt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Es wurden 6 Verhaltenskategorien festgelegt:

1. Ruhen
2. Nahrungsaufnahme
3. Innehalten und Aufschauen
4. Recken und langsame Ortsveränderung
5. schnelle Ortsveränderung (ohne Flug)
6. Auf- und Wegfliegen

Zudem wurde die Dauer der Reaktion gemessen.

Übergänge der Verhaltenskategorien 1 und 2 in 3 bis 6 wurden dann Stör-Reaktionen genannte, wenn sie:

1. gleichzeitig mit einem neu auftretenden Ereignis (Annährung eines Flugobjektes) auftraten und
2. bei der Mehrzahl der im Blickfeld befindlichen Individuen synchron sichtbar waren und
3. die Wahrscheinlichkeit des „spontanen" Auftretens ohne wahrnehmbare Störquelle dieser Verhaltensänderung bei entsprechender Individuenzahl kleiner 5 % ist.

Wenn alle 3 Bedingungen vorlagen, wurden die Verhaltenskategorien 3,4,5 und 6 als Störreaktion in der Klassierung leicht, mittel, hoch und extrem hoch bezeichnet.

Bei den Flugzeugen als potentielle Störobjekte wurden u. a. folgende Parameter gemessen:

  • horizontale Entfernung, eingeteilt in „direkte Überflüge“ (Distanz des senkrecht auf die Erdoberfläche projezierten Flugobjektes zu definierten Vogelgruppe kleiner 150 m) und „indirekte Überflüge“ (Distanz über 150 m)
  • Anzahl und Typen der Flugobjekte
  • Flughöhe (nach Entfernungsmesser u. Winkelbestimmung)
  • Lautstärke (Schalldruck-Pegelmesser) u. a.

Von Herbst 1989 bis Herbst 1991 konnten neben zahlreichen ungestörten Sequenzen über 1460 Überflüge ausgewertet werden.


EINWIRKUNGSDAUER

Es wurden nur Überflüge durchgeführt.

 

EINWIRKUNGSART

Hubschrauberüberflüge

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Anteil an Fällen mit Reaktion je Flughöhe bei direkten Hubschrauber-Überflügen (alle Arten)

Flughöhe in m Anzahl Überflüge Davon mit Reaktion
50-80 124 83 %
85-115 87 71 %
120-150 81 56 %
155-200 10 ca. 10 %
205-300 15 27 %

Besonders extreme Reaktionen zeigten vor allem die Singschwäne sowie die Graugänse.