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Schorr, Martin; Zachay, Werner; Meier, Sandra; Winter, Ute (2004) Erfassung und störungsökologische Beurteilung der Vögel und Libellen der Sauer


Diese Auswertung wurde erstellt von: Martin Schorr

 

SPORTARTEN

Kanu, Kajak, Wassersport

 

INHALT

Zur Ermittlung möglicher Auswirkungen des Kanubetriebes auf der Sauer auf Organismen wurden vier Artengruppen (Fische, Vögel, Libellen, Makrozoobenthos) mit unterschiedlichen Anforderungen an die Habitatqualität untersucht. Die Gruppen aggregieren bootsportspezifische Empfindlichkeiten auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Ebenen. Auswirkungen der Boote erfolgen durch Beeinträchtigung der Fortpflanzungsbiotope und -stadien und durch Eingriffe in die Verhaltensabläufe der Tiere. Sowohl auf der Ebene des Individuums als auch der Populationen können Auswirkungen der Bootsportaktivitäten belegt werden. Diese Auswirkungen werden für jede der untersuchten Artengruppen getrennt dargestellt.
Im gutachterlichen Diskussionsprozess wurden die teilweise im Detail voneinander abweichendenden tiergruppenspezifischen Empfindlichkeiten gegenüber Kanuten so operationalisiert, dass eine Regelung möglich ist, die sowohl das Kanufahren als auch eine nachhaltige Sicherung der Tierpopulationen an der Sauer gewährleistet.
Die vorliegende Synthese bildet damit einen naturschutzfachlichen Kompromiss, der den Regelungsbedarf und das Risikopotential für die verschiedenen Tiergruppen in einer gemeinsamen Empfehlung zusammenführt.


SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zusammenfassende Empfehlung unter Einschluss der weiter nicht dargestellten Untersuchungsergebnisse zu Fischen und Makrozoobenthos, Fachgutachten von Dr. Jörg Schneider, BFS, Unterlindau 78, 60323 Frankfurt):

Entsprechend den räumlichen und zeitlichen Überschneidungen von Reproduktions- und Entwicklungsbiotopen der gefährdeten Fischarten, der Vögel und Libellen und der Nutzung der Sauer im Zu-sammenhang mit gewerblich verliehenen Kanus wird ein differenziertes, abgestuftes zeitliches Restriktionsmodell in Kombination mit einer pegelabhängigen Befahrungsregelung empfohlen:

Zeitliche Reglementierung

Stufe 1: "Frühjahrsschonzeit"; Erforderliche Restriktion: Keine Ausübung des Kanusports in der Kernzone (Wallendorf [Ourmündung] bis Minden [Prümmündung]) im Zeitraum 1. März bis 30. Juni.
Begründung der Restriktion: Hohes Störpotential auch bei höheren Wasserständen; Laichzeit diverser empfindlicher und schützenswerter Arten, Laichhabitate der Fische liegen in den flachen Rauschenstrecken (Kernzone und Unterlauf). Die aus den Anforderungen der Fischarten begründete Restriktion deckt auch die aus ornithologischen und odonatologischen Gründen erforderlichen zeitlichen Restriktionen umfänglich ab.

Stufe 2: "Wasserstandsabhängige gelockerte Restriktion" im Sommer: Ab 1. Juli kann aus limnologischer, odonatologischer und ichthyologischer Sicht das Gewässer bei Wassertiefen von mindestens 30 cm in den flachen Rauschen wieder mit Kanus befahren werden.


Begründung der gelockerten Restriktion: Geringeres Störpotential; Laichzeit diverser empfindlicher und schützenswerter Arten ist abgeschlossen, Aufwuchshabitate liegen jedoch teils in den flachen Rauschenstrecken. Ab 30 cm Wassertiefe ist das Verletzungsrisiko für die Eier, die Brut und die Jungfische angemessen gering. Das Risiko von Libellenlarven, in die katastrophische Drift überführt zu werden, ist gering. Das Risiko, dass ins Interstitial abgesunkene Eier von Kanuten zertreten oder unter dem Bootskiel zerquetscht werden, ist ebenfalls gering. Dieser Richtwert begründet sich wie folgt: Der Tiefgang eines Zweier-Wanderbootes beträgt rund 11 cm, die Eintauchtiefe des Paddels kann bei sachgemäßer Verwendung mit 24 cm angegeben werden. Diese Werte dienen auch den organisierten Kanuten als Anhaltspunkte für den erforderlichen Mindestwasserstand von 30 cm (vgl. Leitbild Kanusport des Deutschen Kanuverbandes e. V.). Gemäß einer schriftlich dokumentierten Tiefenmessung im Rahmen einer Bootsbereisung des StaWa Trier aus dem Jahr 1992 liegt diese Wassertiefe in allen Rauschenstrecken bzw. Flachbereichen (außerhalb des Uferbereiches) ab einem Pegelstand (Bollendorf) von 60-65 cm vor. Da der Pegelstand durchaus an einem Tag um 5 cm absinken kann, wird ein Mindestpegelstand von 65 cm am Vortag als Grenzwert empfohlen. Dieser Grenzwert ist als absoluter Mindestwasserstand zu verstehen, bei dem eine Befahrung der Sauer ab Wallendorf als gerade noch ökologisch verträglich angesehen werden kann. Er sollte entsprechend nicht herabgesetzt werden.

 

Festsetzung störungsfreier Abschnitte:

Aus ornithologischer und odonatologischer Sicht sind für Teilabschnitte der Sauer erhebliche Beein-trächtigungen zu dokumentieren, die sich in Artendefiziten oder der Verhinderung eines Reproduktionserfolges begründen. Auch "profitieren" nicht sämtliche Arten von vorstehender Zeitregelung (Früh-jahrsschonzeit); dies gilt in besonderem Maße für das Blässhuhn, in eingeschränktem Maße für Teichhuhn und Zwergtaucher. Aus diesem Grund ist es zur Gewährleistung eines auf die gesamte Sauer (Teilabschnitt Deutschland) bezogenen Reproduktionserfolges notwendig, störungsfreie Abschnitte vorzuhalten. Eine Sperrung der Sauer für Kanuten unterhalb von Echternacherbrück ist deshalb erforderlich. Aus fischbiologischer Sicht besteht dieser Regelungsbedarf nicht.

 

Zusatzbeschränkungen

Insgesamt werden folgende, teilweise an das Leitbild Kanusport des Deutschen Kanuverbandes e.V. angelehnte bindende Zusatzbeschränkungen und Lenkungsmaßnahmen empfohlen:

1: Das Verlassen der Boote außerhalb der hierfür vorgesehenen Uferabschnitte ist grundsätzlich zu unterlassen, um im Uferbereich oder auf Inseln stattfindende Bruten (Vögel) nicht zu gefährden. Auch Störungen der im Uferbereich befindlichen Jungfische können so minimiert werden.
Ein- und Ausstiege sollten auf folgende Bereiche konzentriert bleiben: Unterhalb Wallendorf (Kanuverleih), Dillingerbrück (Campingplätze beidseits des Ufers), Altschmiede (Campingplatz), Bollendorf (Bootsrampe), Weilerbach (Am Steeg bzw. Bereich der Holzbrücke zwischen Deutschland und Luxemburg) und Echternacherbrück (Endstation für alle Kanuten).

2. Kontingentierungen erscheinen notwendig, um das Störpotential insgesamt in Grenzen zu halten. Bei einer Obergrenze von 200 Booten am Tag und einer Gruppenstärke von 5 Booten ergäbe dies bei einer Nutzzeit von 10 Stunden pro Tag eine Frequenz von 20 Booten die Stunde bzw. 5 Booten (= 1 Gruppe) alle 15 Minuten. Setzt man voraus, das täglich zusätzlich rund 50 Boote privater Nutzer den betreffenden Sauerabschnitt mit eigenen Booten befahren, ist eine Kontingentierung auf 150 gewerb-lich zu verleihende Boote/Tag als gerade noch ökologisch vertretbare Obergrenze angemessen.

3: Da kontinuierliche Störreize für Vögel, die von vorbeifahrenden Booten bzw. weit auseinander ge-rissenen Bootpulks ausgehen, die Aufgabe von Bruten bzw. die Nichtaufnahme von Nestbauaktivitäten verursachen, ist es notwendig, die Anzahl und Dauer von Störungen weitestgehend zu limitieren bzw. minimieren. Dies gelingt am besten, indem die Anzahl der pro Sauerabschnitt fahrenden Boote geregelt wird und indem für jeden der drei Einlasspunkte (unterhalb Wallendorf, Dillingen/Dillingerbrück, Altschmiede) pro Tag nur noch zwei Startzeitpunkte vorgesehen werden:

Ein besonders empfindlicher Abschnitt ist der Bereich der Sauer unterhalb der Ourmündung. Dort sollten maximal 25 Boote pro Tag zugelassen werden (nur ein Starttermin um 11.-13.00 Uhr MEZ).
Ab Dillingerbrück können zusätzlich weitere 50 Boote zugelassen werden.
Ab der Altschmiede sind weitere 75 Boote zulässig.
Ab Echternacherbrück sollte die Sauer flussabwärts für Kanuten gesperrt sein, da dem Teilbereich zwischen Echternacherbrück und Prümmündung eine besondere ornithologische Bedeu-tung für die potamalen Arten der Sauer (Zwergtaucher, Blässhuhn, Teichhuhn, Eisvogel) zukommt.
Die Ausstiegsstelle an der Prümmündung ist nach Echternacherbrück zu verlegen.
Zur Kompensation des erhöhten Kanuauftretens an Wochenenden und an Feiertagen ist die Sauer jeweils am nächsten, einem (Doppel-)Feiertag folgenden Tag und jeweils montags für Kanuten vollständig auf ganzer Länge zu sperren.

 

Ergänzende Hinweise zur Lebensraumerhaltung bzw. –entwicklung

Weder der Fischaufstieg noch der Fischabstieg ist an der Wasserkraftanlage Rosport/Ralingen ökologisch vertretbar gelöst. Außerdem ist der Mindestabfluss in der Ausleitungsstrecke (Sauerschleife) völlig ungenügend. Die Folge sind deutliche ichthyofaunistische Unterschiede zwischen Unterlauf und Mittellauf (Kernzone). Weiterhin bestehen aufgrund von Wanderhindernissen schwere Rekrutierungsdefizite beim katadromen Aal und mangelhafte Wiederbesiedlungsmöglichkeiten für die in der Sauer noch immer fehlenden anadromen Wanderfische (u. a. Lachs, Meerforelle, Flussneunauge, Meerneunauge, Maifisch). Eine nachhaltige Verbesserung kann jedoch nur über die Wiederherstellung der linearen Durchgängigkeit der Mosel erreicht werden.

Vor dem Hintergrund der Meldung der Sauer als FFH -Gebiet ist es notwendig, die nachhaltige Sicherung der Lebensräume und Arten zu gewährleisten. Dies kann teilweise durch den vorgeschlagenen Regelungsbedarf gelingen, muss jedoch durch flankierende Maßnahmen ergänzt werden. Durch die Erhöhung des Mindestabflusses im Bereich der Sauerschleife und das Zulassen von gewässerdynamischen Prozessen können Lebensräume für fließgewässertypische Arten entstehen, denen eine zentrale Bedeutung als Spenderpopulationen zukommt, von denen aus unvermeidbare Beeinträchti-gungen in anderen Sauerabschnitten kompensiert werden können.

Vor demselben Hintergrund ist ein besonders sensibles Verhalten sowohl der Tourismusanbieter (Campingplatzbetreiber, Kanuverleiher) als auch der Privatpersonen notwendig, das durch gezielte Aufklärungsarbeit und ein verbindliches Regelwerk begleitet werden soll.

 

BEZUG/QUELLE

Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz
z.H. Heinrich Krzywon
Deworastr. 8
54290 Trier

Fachliche Rückfragen: Martin Schorr, ÖSTLAP, Schulstr. 7B, 54314 Zerf. Tel.: 06587/1025. e-mail: martinschorr@onlinehome.de


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Sauer, überwiegend Bollendorfer Sauertal, Rheinland-Pfalz

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Deduktive Ableitung von Wirkungen und Auswirkungen von Kanuten auf Vögel und Libellen. Analyse publizierter störökologischer Untersuchungen und Übertragung auf die reale Situation an der Sauer. Ableitung von Empfindlichkeitsmerkmalen gegenüber Bootsportaktivitäten. Erarbeitung von störökologisch bedeutenden "Wirkunsgfenstern" (Zeiträume besonderer Störungsempfindlichkeit der Arten.
Erarbeitung der potenziell natürlichen Vogel- und Libellenfauna der Sauer.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vögel, Libellen:
sensible Phasen im Fortpflanzungszyklus
Libellen:
Biotope und Habitatstrukturen mit besonderer Sensibilität gegenüber Kanuaktivitäten wie Wellenschlag, Tritt und Lagern
Kompilation der ökologischen Faktoren in umfangreichen artspezifischen Steckbriefen. Anschließend Operationalisierung der Störempfindlichkeit nach folgendem Schema abgeleitet (Libellen; für Vögel etwas abgewandelt):
1.) Regionale Verbreitung, Vorkommen an der Sauer
2.) Gefährdung in Luxemburg und Rheinland-Pfalz
3.) Störempfindlichkeit, 3a: Konfliktmindernde Sachverhalte, 3b: Konflikterhöhende Sachverhalte
4. Zusammenfassende Wertung
Der Regelungsbedarf wird hierauf aufbauend differenziert anhand folgender Kriterien festgelegt.
a) Störempfindlichkeit der Larve
b) Störempfindlichkeit der Imago
c) Zu erwartende Auswirkungen auf der Ebene des Individuums
d) zu erwartende Auswirkugnen auf der Ebene der population
e) Besonders störempfindliche Phasen im Lebenszyklus

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Vorkommen von Vögeln und Libellen in repräsentativen Teilstrecken der Sauer im Jahr 2003.
Vergleich der realen Fauna mit der potenziell natürlichen Vogel- und Libellenfauna der Sauer.


EINWIRKUNGSDAUER

nicht quantifiziert; nur auf qualitativer Basis begutachtet

 

EINWIRKUNGSART

Kanuten, Einzel- und Gruppenfahrer; ruhig dahin gleitende Kanuten, lärmerzeugende Gruppen, Hunde am Ufer; Lagernde auf Kiesinseln und -ufern.

 

EINWIRKUNGSGRAD

In der Ferienzeit vor allem ab der Mittagszeit ein kontinuierlicher Strom von Kanuten; teilweise organisierte Gruppenfahrten, teilweise von den Campingplätzen aus startend.

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Blässhuhn v. a. im Juli und August; in den von Kanuten befahrenen Abschnitten keine Jungvögel, im Gegensatz zu Bereichen ohne Kanuten (deskriptiv, ohne Kausalanalyse)
Eisvogel Weicht Kanuten regelmäßig aus; potenziell zur Anlage von Brutröhren geeignete Bereiche am Sauerufer werden nicht genutzt (deskriptiv, ohne Kausalanalyse)
Gebirgsstelze Reagieren zwar auf Kanuten während der gesamten Saison, jedoch wurden trotzdem regelmäßig Jungvögel angetroffen.
Graureiher Sich nähernde Kanuten führen regelmäßig zur Unterbrechung der Nahrungsaufnahme und zum Auffliegen.
Teichhuhn Es wird vermutet, dass der Bruterfolg niedrig ist. Störungen führen zu Nestabwesenheitszeiten, die u.a. vom Fuchs zur Plünderung der Eier oder Jungvögel genutzt wurden.
Wasseramsel Keine Störungen beobachtet; Wasseramseln unterbrachen trotz stark lärmender Kanuten die Nahrungsaufnahme nicht; jedoch waren die Individuen durch Sichtbarrieren von den Kanuten getrennt.
Zwergtaucher Die Anwesenheit von Kanuten führte zu einem permanenten Fluchtverhalten und Aufsuchen der uferbegleitenden Weidengebüsche zur Deckung. Der Bruterfolg ist sehr gering und wahrscheinlich nur auf die störungsfreien bzw. -armen Zeiten im März und April zurückzuführen. Brutabwesenheitszeiten führten in einem Falle zur Okkupation der Nestplattform durch ein Teichhuhnpaar.
Gebänderte Prachtlibelle - Calopteryx splendens Generell wird ein nur geringes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Vor allen in Bereichen mit einer Schwimmblattvegetation ist bei Einfahren (unerfahrener) Kanuten mit einer Entlassung von Larven in eine katastrophische Drift zu rechnen.
Pokalazurjungfer - Erythromma lindenii Generell wird ein nur geringes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Vor allen in Bereichen mit einer flutenden bzw. Schwimmblattvegetation ist bei Einfahren (unerfahrener) Kanuten mit einer Entlassung von Larven in eine katastrophische Drift zu rechnen.
Gemeine Flussjungfer - Gomphus vulgatissimus Das Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart wird als mittel bis hoch angenommen: Die Larven im Uferrandbereiche sind trittempfindlich. Störungen der Eiablage der Weibchen können zu erheblichen Auswirkungen der Reproduktionsrate führen, da nach gegenwärtigem Kenntnisstand davon auszugehen ist, dass Weibchen nur wenige Male zur Eiablage an ein Gewässer kommen und die Eier zudem als Eipakete abgelegt werden.
Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus Es wir ein mittleres bis hohes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen: Erhebliche Beeinträchtigungen sind v. a. im Bereich von riffles (Rauschen) sowie während der Emergenz zu erwarten. Da die Art sehr niedrig über der Wasseroberfläche schlüpft (meist <5cm) können von Kanuten erzeugte Wellen zu Schäden der weichen, noch nicht ausgehärteten Individuen führen, die diese funktionsunfähig machen oder töten. In beiden Fällen ist eine Reproduktion nicht mehr möglich.
Gekielte Smaragdlibelle - Oxygastra curtisii Es wird ein geringes bis mittleres Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen, da sich die Larven in Bereichen aufhalten, die von Kanuten nicht beeinträchtigt werden. Auch die Eiablagestellen liegen im Regelfall außerhalb der Beeinträchtigungsmöglichkeiten von Kanuten. Die Art ist in den Anhängen II und IV der FFH -Richtlinie verzeichnet und von besonderer Bedeutung im europäischen Schutzgebietsystem Natura 2000.
Südlicher Blaupfeil - Orthetrum brunneum Es wird ein geringes bis mittleres Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Beeinträchtigungen sind v. a. im Falle der Larvenlebensräume in den flachen leicht fließenden Gewässern die Ufer-Kiesbänke durch Trittbelastung zu erwarten, wenn Kanus zu Lagern am Ufer verlassen werden.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Unter Beachtung der limitierenden Faktoren (kein empirisch basierter Untersuchungsansatz, keine Quantifizierung der Frequentierung der Sauer durch Kanuten) ist der Untersuchungsansatz der deduktiven Anwendung des rezenten störökologischen Kenntnisstands auf einen realen Tierbestand vertretbar. Mangelnde quantitative Datenfundierung wird durch einen umfassenden ethoökologischen Diskussionsansatz mit besonderer Berücksichtigung empfindlicher Lebensstadien und der potenzielle Beeinträchtigung durch Kanusportaktivitäten ausgeglichen.

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