Bundesamt für Naturschutz

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Saladin, Rebecca (2002) Die Rolle von Natur und Landschaft beim Sportklettern. Ort der Geborgenheit oder Mittel zum Zweck?


Diese Auswertung wurde erstellt von: Markus Ruff

 

SPORTARTEN

Klettern, Landgebundener Sport

 

INHALT

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Tatsache, dass die Meinung von Experten über den Natur- und Landschaftsbezug von Sportkletterern verschieden sind. Auf der einen Seite steht die Ansicht, dass Natur und Landschaft nur noch die gewünschte Reliefenergie zur Verfügung stellen und Kulisse sind. Dieser Annahme entgegen stehen die Aussagen von Behörden und Sportverbänden, wonach die Kletterer generell eine bewusste und intensive Beziehung zu Natur und Landschaft besitzen.

Mit der vorliegenden sozialempirischen Arbeit wurden deshalb folgende zwei Ziele verfolgt:

Analyse der Rolle von Natur und Landschaft als Motiv für die Ausübung der Freizeitaktivität Sportklettern

Erfassung des Problembewusstseins der Kletterer und deren Bereitschaft zur natur- und landschaftsverträglichen Ausübung des Sportkletterns

Um die Motivation der Sportler greifbar zu machen, wurden verschiedene Erklärungsmodelle verwendet:

die Typologie der Motive zur Ausübung verschiedener Outdoorsportarten nach WESSELY und SCHNEEBERGER ermöglichte es, kletterrelevante Motivationskomponenten zu bilden (Naturkomponente, Bewegungs- und Leistungskomponente und Sozialkomponente)

der handlungstheoretische Ansatz von WERLEN half bei der Bildung von drei theoretisch möglichen Klettertypen

Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf der quantitativen Empirie. Als Erhebungsmethode wurde eine schriftliche Befragung mittels hochstandardisiertem Fragebogen gewählt. Von den ursprünglich 1000 verschickten und verteilten Fragebogen wurden 449 ausgefüllt, was einer Rücklaufquote von 45% entspricht. Befragt wurden Bergführer und aktive Kletterer der Westschweiz, sowie Kletterer der Region Basel, Bern und Zürich.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die statistisch gestützte Auswertung der Befragung zeigte, dass die Motivationsaspekte der Natur und Landschaft für die Outdoorkletterer einen hohen Stellenwert haben und bei den Indoorkletterern von untergeordneter Bedeutung sind. Das Motiv der Leistung ist sowohl für Indoor- als auch für Outdorkletternde unwichtig. Die Bewegungsaspekte und das Motiv des sozialen Wohlbefindens werden von den Outdoorkletterern als wichtig erachtet. Den Indoorkletterern ist das Motiv der Bewegung und des sozialen Wohlbefindens hingegen gesamthaft gesehen eher unwichtig. Für diese sind ausschliesslich die Motivationsaspekte des gesellschaftlichen Wohlbefindens wichtig (Kollegialität und gegenseitige Unterstützung, gemeinsames Klettererlebnis mit Freunden, lockere und ungezwungene Atmosphäre in der Klettergruppe). Das Klettern an künstlichen Wänden ist also für Indoorkletterer eine Möglichkeit, sich zusammen mit Gleichgesinnten vom Alltag zu erholen.

Die Wichtigkeit der Natur- und Landschaftsaspekte beim Klettern haben nur einen Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit von Appellstrategien. Einen Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit von Normstrategien und infrastrukturellen Massnahmen kann nicht nachgewiesen werden.

Die Bereitschaft, das Klettern natur- und landschaftsverträglich zu gestalten, ist regional unterschiedlich hoch. Dabei werden Normstrategien von allen Kletterern abgelehnt. Appellstrategien stehen die Kletterer grundsätzlich positiv gegenüber, wobei die Westschweiz diese stärker befürwortet als die Deutschschweiz. Der Einsatz von infrastrukturellen Massnahmen wird von der Westschweiz abgelehnt. Die Deutschschweiz hingegen befürwortet diese Massnahmen.

Das Faktenwissen der Mehrheit der Kletterer über biotische und abiotische Abläufe ist gering. Wer dennoch über ein grosses Faktenwissen verfügt, schätzt die Belastung der Natur durch Trittbelastung an der Felsbasis und auf Felsköpfen bzw. durch das Hinterlassen von Abfall richtig ein. Zwischen dem Faktenwissen und der Störung von Wildtieren besteht hingegen ein negativer Zusammenhang: Wer über ein grosses Faktenwissen verfügt, schätzt die Belastung durch die Störung von Wildtieren tief ein. Die Mehrheit der Kletterer, welche über ein geringes Faktenwissen verfügt, beurteilt also die Störung von Wildtieren intuitiv als starke Belastung, was aus wissenschaftlicher Sicht richtig ist. Der Zusammenhang zwischen dem Faktenwissen und der richtigen Beurteilung der Belastung durch Fäkalien und dem Herausreissen von Vegetation aus der Wand ist nicht signifikant.

Zusammenfassend können die beiden folgenden Aussagen gemacht werden:

1. Der Bezug der Mehrheit der Kletterer zur Natur und Landschaft kann nicht nur mit dem bloßen Erlebnis der Naturkulisse gleichgesetzt werden. Vielmehr ist der Bezug durch ein unbewusstes oder auch verständnisvolles Naturleben gekennzeichnet. Natur und Landschaft sind somit für die Kletterer nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein "Ort der Geborgenheit", mit dem man emotional verbunden ist.

2. In der Bereitschaft, verschiedene Konfliktlösungsstrategien zu akzeptieren, gibt es regionale Unterschiede. Bei der Umsetzung verschiedener Strategien zur Konfliktlösung muss darauf geachtet werden, dass die unterschiedlichen Ziele und Interessen aller am Konflikt beteiligter Akteure offen gelegt und ernst genommen werden. Das gegenseitige Verständnis für die Notwendigkeit ist für die Erfolgswahrscheinlichkeit der Massnahme wichtig.