Bundesamt für Naturschutz

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Sterl, Petra; Wagner, Simone (2003) Soziale und ökologische Tragfähigkeit im Nationalpark Donau-Auen am Beispiel Bootfahren


Diese Auswertung wurde erstellt von: Ulrike Pröbstl

 

SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivitäten, Erholung am Gewässer, Kanu, Kajak, Naturbeobachtung, Wassersport

 

INHALT

Das Gebiet des Stopfenreuther und Spittelauer Arms stellt eines der sensibelsten Altarmsysteme des Nationalparks Donau-Auen in Österreich dar. Auf Grund seiner landschaftlichen Attraktivität und der Länge der Altarme im Gebiet, die mit nicht motorisierten Booten befahren werden dürfen, weist dieses Gebiet die höchsten Bootsfrequenzen des Nationalparks auf. Gemäß der Richtlinien der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) muss ein Nationalpark sowohl Ansprüche des Naturschutzes als auch das Erholungsbedürfnis der Besucher erfüllen. Um diesen beiden Forderungen gerecht zu werden, ist ein besonders umsichtiges und vorausschauendes Management notwendig.
Mit Hilfe einer Besucherbefragung und Zählung wurden im Sommer 2002 und 2003 grundlegende Daten über die Bootfahrer in diesem Gebiet und ihr Empfinden des Besucheraufkommens erhoben. Des Weiteren wurden Beobachtungen von Bootfahrern und Graureihern (Area cinerea) durchgeführt, um den Störeinfluss von Bootfahrern auf das Fluchtverhalten der Vögel zu untersuchen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Über 95 % der beobachteten Graureiher reagierten auf Bootfahrer mit Flucht. Die Bandbreite der Fluchtdistanzen liegt zwischen 15 und 380 Metern und der Mittelwert bei etwa 105 Metern. Mehr als die Hälfte aller gemessenen Fluchtdistanzen liegen unter 100 Metern. Verglichen mit Messungen aus dem Jahr 1993 kann gesagt werden, dass sich die Fluchtdistanzen der Graureiher in den letzten zehn Jahren nicht wesentlich verändert haben. Da aber von einem Anstieg der Bootsnutzung im Untersuchungsgebiet ausgegangen werden kann, lässt sich daraus ableiten, dass sich die Vögel in diesem Zeitraum nicht an die Störungen durch Bootfahrer anpassen konnten.
Es konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Fluchtdistanzen und der Tageszeit festgestellt werden, der auf dem Tagesrhythmus der Graureiher beruht: Die Fluchtdistanzen sind zur Jagdzeit am geringsten. In den Morgenstunden nehmen die Fluchtdistanzen mit abnehmender Jagdaktivität zu. Mit zunehmenden Nutzerzahlen steigen auch die Fluchtdistanzen an.
Nachdem 60 % der Bootfahrer bereits mit Ausweichverhalten auf hohe Besucherzahlen reagieren, sind Beschränkungen des Bootfahrens generell sinnvoll, um die Qualität des Erholungserlebnisses nicht weiter zu beeinträchtigen. Für die Graureiher erscheinen, auf Grund ihres tageszeitlichen Rhythmus, zeitliche Beschränkungen am sinnvollsten.


BEZUG/QUELLE

Petra Sterl, petra.sterl@gmx.at
Simone Wagner, wagner.simone@gmx.at

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2836) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Nationalpark Donau-Auen, Niederösterreich, Österreich
Stopfenreuther und Spittelauer Arm (Altarme der Donau)
Das Altarmsystem des Stopfenreuther und Spittelauer Arms ist das meist befahrene Altarmsystem des Nationalparks. Das liegt an der Länge an zusammenhängenden Altarmen, die hier befahren werden dürfen (knapp 5 km), der Nähe zum Großsiedlungsraum Wien und der guten Erreichbarkeit mit dem Auto. Aber auch der in Stopfenreuth vorhandene Bootsverleih und ein am gegenüberliegenden Donauufer ansässiger Kajakverein (TVN-Hainburg) tragen zur Bekanntheit und Beliebtheit dieses Gebietes bei.


UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Intensität der Bootsnutzung im Untersuchungsgebiet (mittels p