Bundesamt für Naturschutz

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Schöller, Heribert (1994) Das Naturdenkmal „Eschbacher Klippen“ im östlichen Hintertaunus – ein außergewöhnlicher Flechtenbiotop im Konflikt mit modernen Freizeitinteressen


Diese Auswertung wurde erstellt von: Holger Thüs

 

SPORTARTEN

Klettern, Landgebundener Sport, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Der Artikel behandelt die Flechtenflora und –vegetation des größten freistehenden Quarzitfelskomplexes im Taunus und ihre Gefährdung durch Sportkletterer und Wanderer. Besonderheiten des Felsens sind Bestände einer wärmeliebenden Nabelflechtengesellschaft (Umbilicarietum murinae) in der Nähe ihrer östlichen Arealgrenze sowie die einzigen hessischen Vorkommen der Schwermetall-Flechte Lecanora epanora. Die Felsen werden sowohl durch Kletterer als auch durch Wanderer und Spaziergänger zur Freizeitgestaltung genutzt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Große Teile des Felskomplexes werden als stark geschädigt klassifiziert.

Die klettersportliche Nutzung beeinträchtigt am stärksten die Nabelflechtenbestände.

Unter den Krustenflechten existieren sowohl relativ trittresistente als auch sehr trittempfindliche Gemeinschaften. Als besonders trittempfindlich wird das Candelarietum corralizae hervorgehoben. Aufgrund ihrer natürlichen Standortbeschränkung auf Kuppenlagen ist sie weniger durch die Kletterer als vielmehr durch Wanderer, die exponierte Felsbereiche als Aussichtspunkt nutzen gefährdet.

Ein Zonenkonzept mit einem Nebeneinander von klettersportlich genutzten und geschützten Bereiche wird wegen der geringen Ausdehnung des Felsens als nicht praktikabel erachtet. Zum Schutz der Kryptogamenvegetation wird daher ein Verbot der klettersportlichen Nutzung vorgeschlagen.

Um den Vollzug eines Kletterverbotes zu erleichtern, wird die Entfernung aller Kletterhaken aus der Wand empfohlen.

Um die touristische Attraktivität des Felsens für Ausflügler nicht noch weiter zu erhöhen wird der Verzicht auf den Ausbau bestehender Infrastruktur angemahnt.

 

BEZUG/QUELLE

Botanik und Naturschutz in Hessen 7: 5-21

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2823) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Eschbacher Klippen (stellenweise metallreicher Quarzitfels): freistehender Fels/Hintertaunus/Hessen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Floristische und vegetationskundliche Erfassung bekletterter und betretender sowie nicht bzw. wenig bekletterter oder betretener Teillebensräume

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Felsbereiche, die weder für Klettersportler noch für Wanderer interessant sind. Nur hier sind derzeit noch größere und annähernd unbeschädigte Nabelflechtenbestände zu finden.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Felsbereiche, die weder für Klettersportler noch für Wanderer interessant sind. Nur hier sind derzeit noch größere und annähernd unbeschädigte Nabelflechtenbestände zu finden.


EINWIRKUNGSART

Klettersport, Tritt auf von Wanderern genutzten Pfaden

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Umbilicarietum murinae Tritt und scheuernde Seile/Je nach Nutzungsintensität von Vitalitätsminderung bis völliges Verschwinden
Candelarielletum corallizae Tritt/Beschränkung auf geschützt liegende Ritzen und Spalten