Bundesamt für Naturschutz

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Thüs, Holger (1997) Auswirkungen des Klettersports auf das Naturdenkmal „Walterstein“ - Kapitel 3.2.2: Flechten


Diese Auswertung wurde erstellt vonf: Holger Thüs

 

SPORTARTEN

Klettern, Landgebundener Sport

 

INHALT

Das Gutachten behandelt die Flechtenflora einer Felswand im Taunus, die seit mehreren Jahrzehnten zur Sportkletterei genutzt wird. Der Walterstein umfasst eine zentrale, sehr steile und überwiegend recht glatte Hauptwand, die von einem stärker gegliederten oberen Teil und mehreren niedrigen ebenfalls stark gegliederten Felsen umgeben wird. Die Strukturarmut der Hauptwand geht wahrscheinlich auf eine frühere Nutzung als Steinbruch zurück. Für den Klettersport wird zur Zeit nur diese zentrale Hauptwand genutzt. Der Zugang erfolgt über einen Trampelpfad von einem nahe gelegenen Parkplatz aus. Im südlichen Teil der Wand befindet sich ein Ausstieg nach oben aus der Wand heraus. Es wird die Vereinbarkeit zwischen der derzeitigen klettersportlichen Nutzung und dem Erhalt der vorhandenen Flechtenflora diskutiert.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die artenreichsten Areale und die Wuchsorte der meisten landesweit gefährdten Arten befinden sich in stark strukturierten Felspartien oberhalb der Hauptwand und auf den kleineren Nebenfelsen. Hierbei spielen sowohl besonnte als auch (halb-) schattige Bereiche eine wichtige Rolle für jeweils spezifische Flechtenarten.

Für den Klettersport werden zur Zeit vorwiegend sehr steile und relativ glatte Felsbereiche der Hauptwand genutzt. Hier ist die Flechtenflora auch abseits der Kletterrouten artenärmer als in den stärker strukturierten Felsbereichen oberhalb und neben der zentralen Hauptwand.

Sowohl längs des Zugangsweges und im Einstiegsbereich als auch im Ausstieg der Kletterrouten sind an einzelnen Stellen sowohl Verschiebungen des Artenspektrums als auch z. T. drastische Verminderungen der Deckungsgrade der Felsflechten zu beobachten. Die Lage dieser Flächen mit veränderter Flora ist räumlich relativ scharf begrenzt und deckt sich mit der Lage der am stärksten frequentierten Routen.

Das lokal gehäufte Vorkommen basiphytischer Flechten ist nicht mit dem Verlauf der Kletterrouten, sondern mit dem kleinräumigen Auftreten basenreicher Kluftverfüllungen in Einklang zu bringen. Die Verwendung von Magnesia-Pulver am Walterstein im bisherigen Umfang hat gegenüber dem diesem natürlichem Einfluß keine Bedeutung für die Felsflora.

Sofern die Klettersportliche Nutzng auf die bisherigen Routen begrenzt bleibt, ist mit keiner wesentlichen Gefährdung der Flechtenflora am Walterstein zu rechnen. Eine weitere Verbesserung der Wuchsbedingungen wäre aber durch den Ersatz des Ausstiegs nach oben durch ein Abseilen mittels Umlenkhaken erreichbar und wünschenswert.

 

BEZUG/QUELLE

Büro für Angewandte Landschaftsökologie;

Berthold Hilgendorf, Kapellenstr. 37, 65719 Hofheim.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Walterstein (Grünschiefer): Felswand zwischen Eppstein und Lorsbach/Taunus/Hessen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Floristische Kartierung von 15 Teilbereichen der Hauptwand sowie aus Randbereichen und benachbarter Felsköpfe; Vergleich bekletterter und nicht bekletterter Teilbereiche der Hauptwand, Vergleich des floristischen Inventars mit der Flora für den Klettersport uninteressanter niedriger Felsen im direkten Umfeld; 4 beispielhafte Vegetationsaufnahmen aus wenig und stark betretenen Bereichen der Kletterrouten.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich der Artenzahl, Zahl landesweit gefährdeter Arten (Rote Liste-Arten) in den unterschiedlichen Teilbereichen. Vergleich der Deckungsgrade von Flechten im Zentrum und im Randbereich des Ausstiegs aus der Wand.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Oberhalb an die obersten Kletterhaken anschließende und neben den punktuellen Ausstiegen befindliche Vergleichsflächen in unmittelbarer Nähe zu den Kletterrouten. Beurteilung des naturschutzfachlichen Wertes der Flora auf der Hauptwand anhand von weiteren Vergleichsflächen auf benachbarten Felspartien die aufgrund ihrer geringen Größe für den Klettersport uninteressant sind.


EINWIRKUNGSDAUER

unbekannt, verstärkt mindestens seit Beginn der achtziger Jahre

 

EINWIRKUNGSART

Klettersport

 

VEGETATIONSEINHEIT

Rhizocarpetea geographici

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Tritt, Scheuern von Seilen/Verringerung der Individuendichte und Deckungsgrade, insbesondere der Wuchsformgruppen der leprösen und sorediösen Krustenflechten und der Blattflechten. Fragmentierung und Miniaturisierung der Thalli von Blattflechten.