Bundesamt für Naturschutz

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Schober, Franz; Wagner, Susanne; Giacometti, Marco (1995) Aktivitätsmuster und Störungsanfälligkeit von Rehen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Um das Ausmaß von anthropogenen Störungen auf Wildtiere zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten richtig bewerten zu können, müssen grundlegende Kenntnisse über «normale» öko-ethologische Abläufe vorhanden sein. Folgende Fragen wurden deshalb untersucht: In welchem Ausmaß ist der zeitliche Anteil der Aktiv- und Ruhephasen der Tiere abhängig von Tages- und Jahreszeit (besonders der Sonnenauf- und Untergangszeiten), vom Geschlecht sowie von der Gehegegröße? Ist das tageszeitliche Aktivitätsmuster von der Jahreszeit abhängig? Inwieweit beeinflussen vom Menschen ausgehende Störreize das Aktivitätsbudget der Tiere? Anhand der Ergebnisse zu diesen grundsätzlichen Fragen werden in diesem Beitrag Überlegungen angestellt, inwieweit erwartet werden kann, dass die Tiere zu verschiedenen Tages bzw. Jahreszeiten unterschiedlich störungsanfällig sind.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Untersuchungen ergaben starke jahreszeitliche Unterschiede der tageszeitlichen Aktiv- und Ruhephasenverteilung. Es wird deshalb vermutet, dass auch bei der Störungsanfälligkeit der Rehe eine entsprechende Abhängigkeit festgestellt werden könnte. Im Spätsommer und frühen Herbst zeigten die Rehe jedenfalls ein ausgesprochenes Ruhebedürfnis während des Tages. Zu dieser Zeit waren die Rehe weit weniger störanfällig als im späten Herbst. In den Tagen des ersten Frostes und des dadurch verursachten Zusammenbruches der Vegetation und somit verminderter Deckungsmöglichkeit im späten Herbst zeigten die Tiere einen Wechsel zu vermehrter Tagesaktivität. Gleichzeitig stieg auch die Störungsanfälligkeit. Vermutlich lassen sich Rehe zu Zeiten, in denen sie vermehrt aktiv sind, leichter durch menschliche Aktivitäten stören als während der Ruhephasen in den Einständen, wo die Tiere allgemein ein hohes Sicherheitsgefühl, ein verringertes Wahrnehmungsvermögen und auch eine geringere Fluchtdistanz zeigen als während der Aktivphasen mit erhöhter Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft. Dies ist aber noch nicht geklärt, und die Zusammenhänge sind keinesfalls bewiesen, da die erwähnten Untersuchungen des Einflusses anthropogener Störungen lediglich von September bis November desselben Jahres durchgeführt wurden. Bei der Beurteilung des Einflusses von Störungen auf Verhalten und Fitness von Rehen muss jedenfalls in Bezug auf Tages- und Jahreszeit sehr stark differenziert werden.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2659) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Östlicher Wienerwald, Österreich

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

16 Rehen (10 männlichen, 6 weiblichen) wurden Herzfrequenz- und Aktivitätssender implantiert. Die Rehe wurden teils einzeln in Kleingehegen (50 m²), teils in einem Gehege mittlerer Größe (3500 m²) und teilweise in einem Großgehege (46 ha) gehalten. Drei Rehe wurden zusätzlich in Störversuche einbezogen, die im Herbst (20.9.-18.11.1990) stattfanden. Da die Versuche in Gehegen des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie, Universität Wien stattfanden, wurden als gestörte Tage Wochentage mit Institutsbetrieb und als (weitgehend) ungestörte Tage die ohne (Samstag, Sonntag) definiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Veränderung des Aktivtätsbudgets.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

ruhende Tiere, die gestört wurden


TIERART

Reh

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

An Tagen, an denen Störversuche stattfanden, wurden Ruhephasen der Rehe durch Störreizsetzung häufig geteilt. Daraus ergaben sich verkürzte Phasendauern und eine erhöhte Anzahl der Aktivitätsschübe pro Tag. Das Gesamtaktivitätsbudget blieb jedoch gleich dem der ungestörten Tage. Offenbar wurde die durch Störungen gesteigerte Aktivität durch vermehrte Ruhephasen kompensiert.

Die Störanfälligkeit war jedoch im späten Herbst weit höher als im frühen Herbst. Dies drückte sich in der leichteren Aktivierbarkeit aus (Anteil der liegende Rehe, die durch Störreize in aktives Verhalten übergingen) und der längeren Zeitspanne, bevor das «aktivierte» Reh wieder zum Ruheverhalten zurückwechselte.

Ebenso war das normale Verhaltensmuster (Sichern, Äsen, Komfortverhalten usw.) nach Störung eines Rehes im späten Herbst länger verändert als im frühen Herbst.

 

BEMERKUNGEN

Den weitaus größten Einfluss auf die Aktivität der Tiere hatte die Tageszeit, gefolgt vom Geschlecht, der Art der Haltung (Gehegegröße) und der Jahreszeit (Anteil der Aktivphasen über das ganze Jahr nahezu konstant). Eine starke Wechselwirkung ergab sich zwischen Tageszeit und Jahreszeit sowie zwischen Tageszeit und Gehegegröße. Der Einfluss von Arbeitstag (mit Störungen) bzw. Wochenende (ungestört) wurde nur auf den Lichttag (Einschränkung auf 9 bis 15 h) bezogen untersucht, da zu dieser Tageszeit die meisten Störungen stattfanden. Dieser Einfluss war jedoch bedeutend geringer als der aller anderen Faktoren.