Bundesamt für Naturschutz

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Sieber, U.; Nievergelt, B. (1998) Auswirkungen von Tourismus und Militär auf die Balz der Birkhähne Tetrao tetrix in der Moorlandschaft Schwägalp


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Das Untersuchungsgebiet ist eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung in der Ostschweiz. Im Rahmen dieses Projektes wurde die Verteilung, die Habitatwahl und das Verhalten der Birkhähne (Tetrao tetrix) bei der Frühjahrsbalz untersucht. Die Studie analysiert die Bestandsgröße und die Gefährdungssituation der Tierart vor dem Hintergrund einer touristischen und militärischen Nutzung des Gebietes und zeigt auf, wie sich dies auf das Verhalten der Birkhähne bei der Frühjahrsbalz auswirkt. Im ganzen Untersuchungsgebiet ist die Habitatqualität für das Birkhuhn suboptimal. Es ist anzunehmen, dass vor allem die starke Zersplitterung der möglichen Lebensräume und das Fehlen einer gut ausgebildeten Zwergstrauchvegetation (vor allem Heidelbeere) das Aufkommen eines großen Birkhuhnbestandes verhindern.

Im Vordergrund der Untersuchung stehen Fragen zur Raumkonkurrenz zwischen touristischen Anziehungspunkten und Balzplätzen sowie zur Wirkung von Militärbetrieb, speziell des Lärms auf Birkhühner.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Verglichen mit anderen Gebieten balzten die Birkhähne im Untersuchungsgebiet in sehr steilen Lagen. Dies könnte entweder an der großen Hangneigung im Waldgrenzenbereich liegen oder an der Tatsache, dass alle weniger steilen Lagen vom Menschen alpwirtschaftlich, touristisch oder militärisch genutzt werden.

Zu Beginn der Balzzeit (April) balzten die Hähne auf der militärischen Übungsfläche und im touristisch beeinflussten Gebiet ungefähr gleich lang. Ende Mai, mit Zunahme des Tourismus-Betriebes, zeigte der Hahn im Militärgebiet deutlich längere Balzaktivitätsphasen als derjenige in der touristisch genutzten Region.

Der Bestand der Birkhühner in der Moorlandschaft Schwägalp ist klein, nach Einschätzung der Autoren jedoch nicht akut gefährdet.

Neue Formen der Freizeitbeschäftigung (Gleitschirmfliegen, Mountain-Biking), welche bisher unberührte Gebiete beeinflussen, könnten jedoch für eine Population dieser geringen Größe drastische Folgen haben.

Aktuell beeinflusst der Tourismus - v. a. wegen der Überbauung der ehemals geeigneten Balzplätze - das Raummuster und die Aktivität der Birkhühner stärker als das Militär, und auch in Zukunft ist vermutlich der Tourismus die bedeutendste Gefährdungsquelle.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1914) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Moorlandschaft Schwägalp, Nordostschweizer Voralpengebiet

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Ein Birkhahn-Balzplatz im Militärgebiet und einer in einer touristisch genutzten Region wurden an mehreren Tagen gleichzeitig beobachtet, um mögliche Unterschiede im Verhalten der Birkhähne festzustellen.

(1) Die Verteilung der Birkhähne bei der Frühjahrsbalz wird mit derjenigen von touristischen Anlagen, der Gebietsnutzung des Militärs und der Habitatqualität verglichen. (2) Durch eine Balzstandort-Strukturanalyse wird festgestellt, ob die Birkhähne in der Moorlandschaft Schwägalp die gleichen Gelände- oder Vegetationsmerkmale bevorzugen oder meiden wie in anderen Gebieten. Außerdem wird untersucht, ob beim Bau von Alphütten oder der Anlage von Schießzielen ähnliche Standorte bevorzugt wurden. (3) Die Auswirkungen menschlicher Aktivität auf das Balzverhalten der Birkhähne wird mit Beobachtungen an den Balzplätzen im Frühjahr festgehalten. Wichtig war dabei die Frage, ob ein Unterschied zwischen den Hähnen in der touristisch genutzten Region und jenen im Militärgebiet zu beobachten ist.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Nutzung von Balzplätzen. Dauer der Balz.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Biotoptypenkartierung der Habitate. Beobachtung des Balzverhaltens in Abhängigkeit von Wirkfaktoren (Störung, Vorkommen von Weibchen, etc.) simultan an 6 Balzplätzen über je vier Tage. Zur Abschätzung der Wirkungen von Militäraktivitäten wurde an jeweils zwei aufeinanderfolgenden Tagen eine Woche vor und eine Woche nach militärischen Schießperioden simultan an drei Balzplätzen beobachtet.


EINWIRKUNGSDAUER

fast ganzjährig

 

EINWIRKUNGSART

touristische Aktivitäten, überwiegend Wandern

 

EINWIRKUNGSGRAD

Touristen konzentrieren sich auf die unmittelbare Umgebung der Alp und einen Wanderweg.

 

ART DER BEEITNRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Militärlärm als Störfaktor der Balz konnte nicht beobachtet werden. Gegen Explosionen besteht jedoch eine hohe Empfindlichkeit.